Im Gespräch: DJ LORD FUCK über das Geheimnis des Erfolges von TRASHPOP, das Balzverhalten der Discocrowd und sein Unverständnis für den “DJ als Sexsymbol”!

06. Februar 2010

Die TRASHPOP PARTY in der Kölner Werkstatt und im Essener Hotel Shangai, gehört mit zu den am besten laufenden Partyreihen in der jeweiligen Stadt. Einer der DJs, LORD FUCK, verrät hier das Geheimnis des Erfolges und nimmt Stellung zu Themen, die bisher selten so zur Sprache gebracht worden sind. Um in der Sprache der Leute zu schreiben, die für so viele schlechte Künstlerinfos verantwortlich sind:

DJ LORD FUCK weiß wovon er spricht. Bereits lange vor der TRASHPOP legte der alte Partyfrechdachs 2002 im Keller in Dortmund die gefragtesten Sounds auf – von Indie über Disco bis hin zu den gefürchteten elektronischen Granaten. Nachdem er in diversen Clubs im Ruhrpott (Ping Pong Club, Heldenbar, Beatplantation, etc.) das DJ-Pult bestiegen hat, verlagerte er seine Aktivitäten verstärkt außerhalb des ehemaligen Malocherzentrums – eben unter anderem auch nach Köln. Verdammte Scheiße, ist das geil? Ja, das ist es! Und infolgedessen fand Anfang Februar dieses Interview per Email statt.

Zum Einstieg: Du bist einer der Protagonisten der TRASHPOP-Reihe, welche in Köln und in Essen grandios läuft. Wo fing das Ganze denn mit wem an?

Die Gründer der Reihe TRASHPOP sind Jona und Jan, welche den Namen in Essen vor fast sieben Jahren groß gemacht haben. Ich habe das Gleiche nur ohne wirkliches Konzept und Namen, aber immerhin genauso besoffen, gemacht. In Köln haben wir uns dann zusammengetan.

Wie hältst du es aus, regelmäßig und dann auch noch stundenlang, diese furchtbare Neunzigerjahre-Musik während dem Auflegen seit Jahren selbst hören zu müssen?

Also, erst mal kann man den ganzen Abend nur so ein Geballer gar nicht aushalten! Daher spielen wir auch aktuellen Chart-Pop, Rock, Techno, whatever. Davon abgesehen habe ich eine sehr niedrige Ekelgrenze und bin meist eh so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich gar nicht mitbekomme, was da gerade läuft.

Warum geht das Konzept derart gut auf und funktioniert bereits mehrere Jahre?

Wie gesagt, wir spielen eben nicht stumpf HADDAWAY (Anmerkung von C. Parkinson: Huhu Shari!) rauf und runter, sondern bauen einfach viel Aktuelles, eben auch “keinen Trash” mit ein. Zudem machen wir immer mal wieder Specials, wie beispielsweise unseren Maskenball und Ähnliches. Letztendlich aber glaube ich funktioniert das Ganze so gut, weil wir so tolle Gastgeber sind. Es ist auch einfach wichtig, die Leute und sich selbst auf der Party immer schön abzufeiern. Eben so, dass einfach alle nassgeschwitzt und glücklich nach Hause gehen und im besten Fall auch gefummelt haben.

DJ Lord Fuck & Groupie

Nach welchem Schema suchst du vor den TRASHPOP-Abenden deine Platten und deine Playlist aus?

Schema? Playlist? Ich bin da echt nicht so sortiert. Und dazu habe ich auch weder Plan noch Konzept. Das kommt einfach so: Ich packe meist vorher alles ein, was so in meinem Sichtbereich herumsteht. Und das, was ich vergesse, ist dann halt nicht dabei. Und was die Playlist angeht, kommt es ganz auf unseren Alkoholpegel und auf die Leute an. Wenn wir zu dritt auflegen, versuchen wir uns meistens gegenseitig mit Krachern zu überbieten. Das schaukelt sich dann so lange hoch, bis irgendwer DIE PRINZEN spielt und wir merken, dass wir mal wieder ernster werden müssen.

Meiner Meinung nach gibt es keine andere Szenerie als wie in der Discothek, wo Musik, Tanz und Sex derartig miteinander korrelieren. Welche Songs wirken sich deiner Meinung nach erstens am stärksten und zweitens in welcher Form auf das Balzverhalten der Besucher aus?

Oje, unsere Party ist eh sehr sexuell. Ich weiß nicht… aber generell sind das eher so Schmuddelsoul- und Hip Hop-Nummern. Die Mädchen stehen dann mit ihren verschwitzten Teeniekörpern immer auf der Bühne und zelebrieren eine Art Fummeltanz miteinander, um die Jungs unten horny zu machen. Ein bizarres Schauspiel!

Ein erfolgreicher DJ ist für die Damen meistens das Sexsymbol schlechthin. Denn der DJ hat Macht – und Macht fasziniert bekanntlich viele Frauen. Er entscheidet, wann welcher Song läuft, wann die Stimmung steigt und wann die Tänzer und Tänzerinnen zeigen können, was sie drauf haben. Zudem kommt er als einer der Ersten in den Laden und geht als einer der Letzten. Wie erlebst du es, dass sich um das DJ-Pult herum ständig Mädchen tummeln, die auf dich abfahren und sich permanent Songs wünschen, um auf diese Weise mit dir in Kontakt treten zu können?

Also das ist wirklich das Bescheuertste was es gibt! Wieso versucht man den DJ abzuschleppen? Ich hab es nie verstanden. Aber es passiert wirklich immer wieder! Tatsächlich habe ich mich mal abschleppen lassen und die Alte direkt geheiratet. Die wollte auch die ganze Zeit gehen und hat nicht verstanden, dass ich bis zum Ende bleiben muss. Sie hat aber gewartet und ich konnte doch noch ran, hehe. Aber klar, Mädchen sind meist die Einzigen, die sich Songs wünschen – und angemacht wird man von denen auch! Das läuft dann meistens so in der Art ab:

„Ey kann man sich bei euch was wünschen?“
„Ja, aber ungern!“
„Ehh, ja, …hihihi, mimimi (Rücksprache mit der besten Freundin), ja, eh, dann was von den VENGABOYS!“
„Läuft gerade!“
„Ach so, ja, hihihi… dann kommen wir gleich noch mal wieder!“
„ MHHH, GENAU!“

Und die kommen dann auch noch oft wieder… Aber da wir alle schon mehr oder minder vernünftig, sind nutzen wir unseren Status natürlich nicht aus.

Wie beurteilst du mein sehr geistreiches Sprichwort: „Wi do so zappest uf dem Parkettsche, so bewegst disch dönn uch im Bettsche!“?

1000% richtig! Das beobachte ich schon seitdem ich das erste Mal mit Fünfzehn ein Mädchen aus der Disco mit nach Hause genommen habe. Die konnte nämlich nicht tanzen… Ich habe dann noch diverse Jahre Studien dazu am lebenden Objekt gemacht und unterschreibe das gerne.

Was für Gemeinsamkeiten gibt es zwischen SVEN VÄTH und dir?

Oje, ey… ich glaube ungefähr gar keine. Wahrscheinlich habe ich mehr mit FLORIAN SILBEREISEN und ALF gemeinsam.

Insbesondere im Zeitalter der MP3s versuchen sich viele gerne mal als DJ. Fast jeder kann diverse Songs herunterladen und mit dem bloßen Anschließen eines iPods an die Anlage, müssen nicht mal mehr schwere CD- und Vinylkisten quer durch die Gegend getragen werden. Was hältst du als “Professioneller” von dieser Entwicklung?

Na ja, professionell ist ja alles, nur nicht das, was ich mache. Ich bin ja kein professioneller DJ in dem Sinne. Das ist ein nettes Hobby und mehr nicht. Ich kaufe nach wie vor gerne Tonträger, da ich selber aus der Branche komme und Downloads eigentlich total ungeil finde. Es klingt scheiße, man hat kein Booklet und als DJ finde ich es eh immer komisch, so vor dem Computer herumzustehen. Das macht vermutlich bei den DJs Sinn, die ständig auf Reisen sind und den ganzen Scheiß nicht schleppen wollen. Ich schleppe zwar auch nicht gerne, aber ich bin echt zu faul, um den ganzen Kram zu digitalisieren. Na ja, und dass jeder gerne seinem Umfeld mit seinem Musikgeschmack auf den Sack gehen will, finde ich extrem witzig, aber mehr auch nicht. Ich muss mir den Quatsch ja nicht anhören. Das Schöne ist, dass diese MP3-DJs und ihre Partys relativ schnell wieder verschwinden.

Was steht für dieses Jahr noch bei dir an und was möchtest du unseren Lesern noch mit auf den Weg zu deiner nächsten Party geben?

Also wie bisher wird es TRASHPOP PARTY weiterhin am ersten Freitag im Monat in der Werkstatt in Köln geben. Dann am zweiten Freitag im Monat im Hotel Shanghai in Essen. Ab März haben wir eine weitere Party im Haus B in Köln, was früher mal das Neuschwanstein war; ein schöner kleiner Technoschuppen. Das könnte ganz witzig werden. Und nicht zu vergessen: Den extra Termin am Karnevalssamstag in der Werkstatt, in der wir auf dem unteren Floor richtig Karnevalsschunkeln haben werden – grande Spaß!

Und natürlich lege ich immer mal wieder hier und da auf. Eben wie es gerade passt und wie ich eingeladen werde. Auch in diesem Jahr werden wir übrigens wieder ordentlich Specials auffahren und die eine oder andere Überraschung für die Leute parat halten. Einfach immer mal wieder hier gucken: www.myspace.com/trashpopo oder in unserer Facebook Trashpop Gruppe, in der gibt es ab einer Millionen Mitgliedern eine heiße Fleischwurst für jeden. Ganz wichtig ist auch die Tanzklub Süd Party, auf der ich einmal im Monat am vierten Freitag im Tsunami auflege. Da gibt’s von BOWIE über NEW ORDER bis hin zu Northern Soul alles, wozu man tanzen kann.

Vielen Dank für das Interview!

(Christoph Parkinson)

KOMMEN!

“Wüus letscht Nacht chaut isch gsi, wott er itz ga Houz reiche”: Ox #88 kaufen!

05. Februar 2010

Parkili in Bernli

“Land in Sicht! Es fällt mir nun leichter, mich auf die Schweiz einzulassen. Ständig mit einem Bein in einem anderen Land zu stehen, kann größeren Psychostress hervorrufen, als ich es mir vorgestellt habe. (Nicht nur) die Hintergründe für die Erforschung des Nachtlebens erhalten nun eine andere Bedeutung…”

“Parkili geht nach Bernli Pt. III”: Es geht aufwärts. Sonnenstrahlen hellen meinen tristen Alltag auf. Bern wird entdeckt – mitsamt allem, was dazugehört. Häufigerer Besuch, mehr Kultur, mehr Geld, mehr Alkohol, mehr Frauen; von dem Einen mehr, von dem Anderen weniger. Den kompletten Text der Fortsetzungsstory findet ihr im neuen, von nun an im Handel erhältlichen Ox #88.

Abgesehen von dem Interview mit ANOTHER DAY, habe ich die üblichen Reviews verfasst: Tonträgerrezensionen (COPY & PASTE “Disco Romance”/”It’s OK if it’s you”, DAS PACK “s/t”, JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE “Bilder fressen Strom”), Buchbesprechungen (Martin Büsser “Der Junge von nebenan”, Kat von D “High Voltage Tattoo”), Konzertberichte (JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE/WORLD DOWNFALL und BARSEROS im Sonic Ballrom, Köln).

Außerordentlich viele Beiträge gibt es dieses Mal nicht von mir. Aber wie gut, dass andere Schreiber weitaus fleißiger gewesen sind. Somit beinhaltet die #88 noch Interviews und Berichte über: SMOKE BLOW, A PLACE TO BURY STRANGERS, ALKALINE TRIO, ANOTHER DAY, ARCHITECTS, BYO RECORDS/YOUTH BRIGADE, CONNY LÖSCH, CUTE LEPERS, CWILL, POKEY MO (AGNOSTIC FRONT), FEHLFARBEN, PUNK IN FINNLAND, GENEPOOL, GHOST OF A THOUSAND, GRANT HART/HÜSKER DÜ, KULTUR SHOCK, METAL UND FRAUEN, MONTREAL, NAKED RAYGUN, PVC, SCUMBUCKET, SWORN ENEMY, etc. In Zahlen ausgedrückt: Diese Ausgabe umfasst mehr als 40 Interviews und über 500 Reviews.

Auf der CD sind BOMB FACTORY, NO SHAME, PATSY O’HARA, MELEEH, GAVIN PORTLAND, C.AARMÉ, GENEPOOL, BLOODLIGHTS, DETROIT7, TORPEDO MONKEYS, DEADLINE, NERVES, SOCIAL DISTRUST, LOST BOYZ ARMY, ELEKTROBOYS, WISECRÄCKER, MOSKOVSKAYA, KISMET, LEFT ME BREATHLESS und ADMIRAL vertreten.

“Evaluation” ist für den Herausgeber längst kein Fremdwort mehr. Die Qualität des Inhaltes steigt offensichtlich. Mittelmäßige Interviews werden meist frühzeitig aussortiert und die guten Gespräche erhalten mehr Platz. Das finde ich gut. Und ihr sicher auch.

(Christoph Parkinson)

“Ich knalle euch die Schmetterbälle um die Ohren!”: Super Ping Pong im Bon Soir

04. Februar 2010

Mörder-Ping-Pong-Posse, 2005 Trier

Die Idee, bei Bier und Beats Tischtennis in Clubs zu spielen, ist schon älter. In Berlin-Prenzlauer Berg gibt es zum Beispiel seit Ewigkeiten die Ping Pong-Bar Dr. Pong. In der rufen täglich Lakritzbrillengesichter aus allen Teilen der Republik: “Ansteeeeelleeen, Torte!”. Bis 2005 stand in der Trierer Idealbank auch gelegentlich mal eine Tischtennisplatte mitten im Raum und DJs, wie zum Beispiel Andreas Lehnertz (Trust, Die Pia Matergonzales), lagen beste Hardcorescheiben auf, während ich anderen die Schmetterbälle um die Ohren haute. Vermutlich gibt es derartige Sauf’n'Sport-Events inzwischen weltweit in fast jeder größeren Stadt.

Die Idee ist aber nun mal auch famos. Entsprechend glücklich schätzen sich die Berner, dass nunmehr jeden ersten Mittwoch im Monat im Bon Soir der “Super Ping Pong”-Abend stattfindet. Das Prinzip ist das Gleiche wie in Berlin oder sonstwo: Links das Bier und rechts der Schläger. Einzige Unterschiede zwischen den Veranstaltungen in den beiden Bundeshauptstädten sind sprachlicher Natur: “Rundlauf” heißt in der Schweiz “Amerikänerle”, und statt “Anstellen”, wird zum Beginn der nächsten Runde “Aasuge” gerufen. Aus dem Zusammenhang gerissen, hätte ich mit der Kombination der beiden Wörter auf Bern-Deutsch, alles andere als eine Partie Tischtennis verknüpft.

Aufgrund dieses Anlasses, habe ich gestern dem Bon Soir seit langem mal wieder einen Besuch abgestattet. Die Hütte war recht voll, das Treiben um die beiden Tischtennisplatten war in vollem Gange und die DJane hat alles andere als fetzige Sounds aufgelegt. Trotz dem typischen Studentenpublikum mit der obligatorischen Nuance an Flippi-Floppi-Attitüden, war die Stimmung angenehm. Die Spiele waren bis kurz vorm jeweiligen Finale äußerst smooth. Vom sportlichen Ehrgeiz war nur bei den Typen etwas zu spüren, die sich durch einen Sieg eine verbesserte Credibility bei den Mädels erhofften. Den Anderen war es eher egal, wenn der erste Ball eben ins Aus gehauen worden ist. Dann blieb mehr Zeit für König Alkohol. Weil ich es nur einmal auf die Drittplatzierung schaffte, hatte ich bei der Majestät besonders viele Audienzen. Also: Gerne wieder, aber dann bitte mit etwas fetzigeren Beats.

(Christoph Parkinson)

PS:Heute spielen RACOON aus den Niederlanden im ISC. Die Holländer sind im Allgemeinen eher weniger für gute Musik bekannt. Diese Indiepopband aus Goes beherrscht allerdings mal das Songwriting. Den Support übernehmen die Schweizer BRIGHT. Ich habe noch einen Gästelistenplatz übrig. Also falls du mit willst, schreibe mir an cparkinson@gmx.de. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Video und Song des Tages: THE PIERCES “Boring”

31. Januar 2010

Einfach nur bezaubernd, diese THE PIERCES aus New York. “Boring” ist das größte Highlight des kleinen Meisterwerks “Thirteen Tales Of Love And Revenge”. Das Album ist längst kein Geheimtipp mehr und vielleicht war es das sogar noch nie. Einzelne Songs der attraktiven Mädels wurden bereits für den Soundtrack von TV-Serien wie “Gossip Girl” und “Dexter” verwendet.

Die Tracks sind nicht nur als Hintergrundmusik für das belanglose Treiben von einer Gruppe an “Elitegirls” oder für den nächsten, perfekt geplanten Serienmord geeignet. Besonders an verschneiten Wintertagen, wie etwa an dem heutigen, kann nichts Besseres laufen, wenn der Parki sich in seinem Hochhaus verschanzt, aufgrund der ekelhaften Heizungsluft fast erstickt, sich mit zu starkem Instant Kaffee und mit Ovomaltine beschmierten Broten bei Laune hält und das Buch seines Vaters Korrektur liest.

Euch einen ebenso erholsamen und angenehmen Sonntag noch!

(Christoph Parkinson)

“Rock’n'Roll, CBGB’s… ist ja nicht gerade hier in der Ecke”: Parki stellt fünf Schweizer Bands vor!

30. Januar 2010

ANWAR

ANWAR: Die drei Jungs haben ihren Bandmittelpunkt in Zürich. Inspiriert von DANKO JONES, MOTORPSYCHO oder WOLFMOTHER, spielen sie eine simplifizierte Mischung aus Siebziger-Jahre-Rock und Garage. In Eigenregie haben sie bisher ein Album aufgenommen und veröffentlicht. Musikalisch ist es für deren heutigen Sound nicht ganz repräsentativ, aber es deutet bereits an, in welche Richtung es geht. Leider habe ich ANWAR noch nicht live gesehen, aber vielleicht klappt es endlich mal am 26. Februar im Bazillus Club in Zürich.

COLDEVE: Ebenfalls ein Dreiergespann aus Zürich. Die Stimme, der sehr starken Sängerin, erinnert manchmal an DIDO, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Ihren Sound nennen sie “High Voltage Synthie Pop”. Die Songs sind oft treibend, teils etwas melancholisch, aber stets eingängig und tanzbar. Im Mai 2009 habe ich COLDEVE als Vorband von LOVE IS ALL im ISC in Bern gesehen und war nach den ersten Tönen total begeistert.

COPY & PASTE

COPY & PASTE: Das Electro-Trash-Pop-Duo ist eine von den guten, wichtigen Berner Bands, die live als auch auf CD gerne Fulminantes zustande bringen. Stellenweise haben die Songs einen sehr markanten, aufgekratzten Achtzigerjahre-Synthiepop-Einschlag. Alles passt super zusammen und hat Power. Die Sängerin trägt ihren Teil für die Ohrwurmqualitäten der Songs bei. Live verwandeln die Zwei inzwischen den gesamten Dachstock der Berner Reitschule zum Dancefloor. Und das heißt schon etwas.

NEVER BUILT RUINS: Engagierte politische, WOLFPACK mäßige Hardcorecrustband aus Basel. Die Jungs waren bereits in verschiedenen Ländern Asiens und Europas auf Tour und haben sehr geiles Tonträgermaterial veröffentlicht. Über die NBR-Aktivitäten hinaus, organisieren manche von ihnen unter dem Namen “Handgranate jetzt!” regelmäßig Shows in Basel. Wie ich es in meinem Jahresrückblick erwähnt habe, hatten wir mit ONCE A DEMON vor fast einem Jahr zwei gemeinsame, sehr nette Abende in Frankfurt am Main und in Münster. Deren Konzert im Sous-le-Pont in der Reitschule letzten Samstag, habe ich leider verpasst. Gibt es solche Bands eigentlich auch in Bern? Wenn ja, dann teilt es mir bitte umgehend mit und erntet Dankbarkeit.

UNHOLD

UNHOLD: Die Berner haben vor nicht allzu langer Zeit ihr drittes Album (”Gold Cut”) veröffentlicht und einige Shows quer durch Europa gespielt. Am 24.09.09 habe ich sie zusammen mit SEED OF PAIN im ISC gesehen. Die Band kann Einflüsse von ISIS, NEUROSIS, THE OCEAN und Co. nicht leugnen, aber das will sie auch gar nicht. Gelegentlich überraschen sie mit dem einen oder anderen punkigeren Riff. Die beiden Gesänge sind sehr imposant und der Sound ist oft ziemlich schwer. Live werden bedrohlich wirkende Projektionen an die Wand geworfen, was das atmosphärische Wirken von UNHOLD massiv intensiviert. Überragend!

Daniel ist übrigens der Kopf von SUBVERSIV RECORDS, welches im letzten Jahr den fünfzehnten Geburtstag gefeiert hat. Das Label beherbergt derzeit folgende Bands: AZIZ, GOODBYE FAIRBANKS, THE MONOFONES, OVERDRIVE AMP EXPLOSION, PORNOLÉ, THE JACKETS, LAHAR, UNHOLD, TIGHT FINKS, CHOO CHOO, EASY TIGER, ELECTRIC HELLESSENCE, NANCY GLOWBUS, THE TWOBADOURS, BLOWN, PIROL, STEREO SATANICS, THE FUCKADIES, TEENAGE KINGS und URISTIER. Vielversprechend ist auch der Trailer zu dem vor kurzem auf DVD erschienenen Film zum Wiegenfest von SUBVERSIV.

To be continued…

(Christoph Parkinson)

Over the top in London, Mate! Oder in Deutsch: Einfach nur besoffen auf der Insel…

28. Januar 2010

Welcome in Kilburn!

“London ist riesig und man ist ständig auf Achse, in einem Club, auf einem Konzert, bei Freunden. Irgendwo ist immer was Neues, Aufregendes los. Die Stadt London ist perfekt für Musiker. London ist mehr als die größte Stadt Großbritanniens…” (Michael Bishop 2008)

Ja, ja, London ist sooo geil. London ist sooo Kult. London ist sooo cosmopolitan. Blablabla! Dieses ständige verbale Wettwichsen auf eine Stadt, die wie viele andere Weltstädte natürlich einiges zu bieten hat, nervt schon lange. Besonders schlimm ist es, seitdem diverse heranwachsende Shize-Neotrashszeneoberstufenschüler Billigflüge für sich entdeckt haben. Okay, wenn ich nicht für 130 € derart günstig Hin- und Rückflug hätte buchen können, wäre ich ebenfalls nicht am letzten Novemberwochenende nur für eine knapp achtundvierzig-stündige Saufeskapade mal eben auf die Insel gedüst…

Manuel Heute, Minimal-DJ aus dem rk-Kollektiv, lädt in seine gegenwärtige christliche Zwangsbehausung in Kilburn ein. Die Flüge sind save. Dave startet bereits Donnerstagnachmittag von Düsseldorf aus, ich Freitagmorgen um sieben Uhr von Basel. Die frühmorgendliche Zugverbindung von Bern nach Basel ist suboptimal. Kaspar von NEVER BUILT RUINS bietet mir in meiner Not ungesäumt seine Matratze an. Das wirklichkeitsfremde Vorhaben, Donnerstagabend vor 23 Uhr einzuschlafen, verwerfe ich ohne größeren Widerstand. An einem Sprint durch das Basler Nachtleben komme ich nicht vorbei. Auf Anhieb wirkt die Stadt unverkrampfter und spürbar größer als Bern. Alternativer geht es hier wohl auch zu. Zumindest hat Basel so etwas wie eine Hardcoreszene, auf welche ich in der Landeshauptstadt noch nicht aufmerksam geworden bin.

Gegen ein Uhr liege ich angetrunken im Bett. An Schlafen ist nicht zu denken. Ein angriffslustiges Tigerkätzchen tyrannisiert mich. Nachdem ich das übermütige, gleichwohl gemeingefährliche Vieh mit einem Kissen aus dem Raum jagen kann, glaube ich an den baldigen Schlaf. Kaum beginne ich meine Umgebung nicht mehr wahrzunehmen, klingelt mein Handy. Dave und Manuel sind am Apparat. Sie sind so etwas von dicht und ich verstehe kein Wort. Egal. Meine Zeit läuft. Mir bleiben nur noch drei Stunden… Dreißig Minuten bevor mein Wecker bimmelt, reißt mich das SMS-Empfangssignal meines Handys aus dem zweiten Stadium der Schlafphase.

“Sorry, können dich morgen nicht abholen. Kotze jetzt schon. Fahre mit dem Bus nach Kilburn, Endhaltestelle. Von dort aus gehst du nur zehn Minuten.” (Manuel, Freitag/3:55)

Alles klar, Kollegen, ich bin wach. Danke. Und wie lautet die Adresse? So kann der Morgen beginnen. Am überschaubaren Basler-Flughafen bin ich in einer halben Stunde. Ich bin naturgemäß verpennt und viel zu früh dran. Mein Personalausweis ist nicht mehr gültig, was niemandem aufzufallen scheint. Der Flug ist locker. Easy Jet verzichten auf wirklich jeden “Schnickschnack”. Es gibt an Board nicht einmal kleine Monitore, über welche die Sicherheitsanweisungen visuell abgespielt werden. Diese Aufgabe übernehmen die männlichen, saudumm aussehenden Stewards. Wenige Augenblicke später nicke ich ein und versuche mir Stewardessen im Traum vorzustellen, die versehentlich ihre gesamte Kleidung am Airport vergessen haben. Eine gute Stunde später lande ich in Gatwick.

Trotz vorheriger Knockoutserklärung schafft es Manuel, mich gegen zehn Uhr an der Bushaltestelle in Kilburn abzuholen. Auf dem Weg zur christlichen Wohngemeinschaft, erzählt er mir von bitteren Geschehnissen, die sich in den letzten drei Wochen in seinem Viertel abgespielt haben: Eine Frau wurde vergewaltigt. Ein männlicher Heranwachsender wurde erschossen. Dreimal wurde versucht, in das Wohnheim einzubrechen. Sein Arbeitskollege wurde von einem Jugendlichen krankenhausreif geschlagen. Und täglich klappern regelmäßig Kinder die Wohnungen in der Hood ab, um die Leute mit Stoff zu versorgen. Abends sollten wir entweder recht früh oder ziemlich spät nach Hause kommen, weil, laut Empfehlung seines Chefs, gegen Mitternacht auf den Straßen Geschäfte ablaufen, in die wir besser nicht hineingeraten. Während er das mit einer Selbstverständlichkeit in der Stimme sagt, die mich noch mehr beunruhigt, biegen wir um die Ecke und stoßen am Kiosk auf vier düstere Jugendliche mitsamt Pitbull. Meine blühende Phantasie hätte ich besser zu Hause gelassen. Die Boys ignorieren uns. Umso besser.

Bevor wir das Christenhaus betreten, weist mich Manuel darauf hin, dass ich, falls ich gefragt werden sollte, ein bekennender Christ sei. Dass sei hier ganz wichtig. Meinetwegen. Ich habe zwar keine Ahnung, wie ich dann meine Totenkopftätowierungen erklären soll, aber vielleicht kommt es nicht soweit. Schließlich erzählt er mir von wöchentlich stattfindenden, kaum zu ertragenden Bibelstunden im Wohnzimmer. An denen muss jeder Bewohner des “Christian Hold Houses” teilnehmen. Weil seine Kenntnisse über das alte und das neue Testament jämmerlich sind, müsse er sich regelmäßig selbst kasteien. Der arme Kerl. Die Frage, was außer ihm für Gestalten das hier hausende Kuriositätenkabinett ausfüllen, ist naheliegend: In dem Haus wohnen außerdem noch ein, dem Anschein nach tatsächlich gläubiger Theologiestudent mit Hackfresse und selbst auferlegtem Masturbationsverbot, ein afrikanischer Prediger mit heilenden Händen, eine deutsche Studentin mit Wackelpuddingfigur und die THE KINBEATS – vier miteinander verwandte, überwiegend sympathische Indiefritzen, die sich in London eine große Karriere erhoffen. Freaks! Und die Softboy Connection mittendrin. Ich stürme Daves Zimmer, welches die nächsten beiden Nächte auch meines sein wird, um nach dem Rechten zu sehen. Eine warme, verbrauchte Heizungsluft kommt mir entgegen und raubt mir fast die Sinne.

Dave

Nach der Begrüßung geht es zum dreistündigen Brunch über. Spiegeleier, Würstchen, Toastbrot, Cornflakes, etc. Ich fresse so viel, dass ich beinahe kotzen muss. Ein Leben im Dreck und im Überfluss. Ich beginne mich in diesem abgeranzten, von Schimmel zerfressenen Haus bereits wohler als in Bern zu fühlen und fasse den ersten wichtigen Entschluss: “Boah, ich will hier wohnen bleiben und werde Christ.” (Christoph, Freitag/12:00)

Nach dem Abwasch verziehen wir uns auf das Gästezimmer und öffnen die erste Flasche Martini. Die Gespräche sind epochal. Die Luft stinkt nach wie vor. Es dauert nicht lange, bis ich den Alkohol resorpiere und noch geistreicher werde: “Ui, ich merke ja schon den Alkohol – boah, das ist das schönste Gefühl, das ich kenne.” (14:10). Es läuft echt gut. Wenn es nach mir gehen würde, brauche ich die Behausung bis zu meinem Rückflug nicht mehr verlassen. Besser: Wenn es nach mir gehen würde, würde ich die Behausung nie wieder verlassen! Hier habe ich eigentlich alles, wonach mir im Moment der Sinn steht. Zwanzig weitere Minuten später, schreibe ich mit einem warmen Gefühl im Herzen folgende SMS: “Wir trinken gerade die zweite Flasche Martini. Und Manuel muss ich gleich mit Kindern arbeiten…” (14:32)

Und das ist nicht einmal gelogen. Eine Dreiviertelstunde später ist auch von der zweiten Flasche so gut wie nichts mehr übrig. Dave und ich pennen ein. Manuel zieht seine modischen Elfenschuhe an und geht in das Haus gegenüber – um mit einem Rudel an wilden Achtjährigen keusche Projekte durchzuführen. Mit blauen Flecken am ganzen Körper übersät, kehrt er vier Stunden später zurück und weckt uns auf. Duschen und Vorglühen. Wir setzen uns ins Wohnzimmer. Der afrikanische Prediger schaut mal kurz vorbei, beginnt nach einem geschockten Blick auf meine Arme mit seinen Zauberpranken herumzufuchteln und zieht Leine. Der dürre, hässliche, Theologie studierende Vogel, ist nicht so leicht zu verjagen. Er setzt sich zu uns und versucht uns mit miserablen Witzen zu amüsieren. Es wundert mich nicht, als mir Manuel nach seinem Abgang erzählt, dass er noch nie Besuch bekommen hat, uns für coole Jungs hält und nach unserer Anerkennung lechtzt.

Vielleicht erklärt sein spärliches soziales Kapital auch, weshalb der Idiot zur späteren Stunde mit Totenkopfmaske und Stahlhelm vor dem Wohnzimmerfenster steht und mit einem unaufhörlichen Klopfen erneut unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Arme Sau… Damit er sich nicht ganz jämmerlich vorkommt, lassen wir ihn später von uns in seiner Verkleidung Fotos schießen. Gegen elf Uhr machen wir uns auf nach Soho, um uns im THE SUN & 13 CANTONS mit Shari und Mateo zu treffen. Als wir ankommen, schließt der Pub gerade. Die Kneipenzeiten sind, obwohl die Sperrstunde hier vor kurzem aufgehoben worden ist, selbst in London nicht viel geiler als in Bern.

Shari kümmert sich um unseren Einlass und mischt uns ein paar Drinks. Mit vollen Blasen und ohne Alkohol fahren wir nach Shoreditch ins PLASTIC PEOPLE. Es läuft minimalster Minimal. Klickklack, Klickklack, Piuuuu, Klickklack, Klickklack, Piuuuu, und so weiter. Im Club ist es so dunkel, dass ich auf der Tanzfläche, wenn überhaupt, nur Umrisse erkenne. Die Herrentoilette ist das, was man wohl als “Kokainisten-unfreundlich” bezeichnen darf: Nicht abschließbar und die Schüssel ist bis zum Anschlag gefüllt mit Scheiße, Pisse, Klopapier und Co. Von der fehlenden Ästhetik dieses Anblicks mal ganz zu schweigen, ist der Gestank auch kaum auszuhalten. Pinkeln ist unmöglich. An Kacken ist gar nicht zu denken. Diejenigen, die sich im Scheißhaus trotzdem freiwillig verschanzen, haben entweder einen widerlichen Fetisch oder Nackes in der Tasche. Prinzesschen wie ich, die ungerne ein Glied in einer Reihe von pissenden Typen ausmachen, müssen sich der, als unangenehm empfundenen Situation des Gruppenpissens, stellen. Nach drei Stunden ist der Tanz hier vorbei und ich darf wieder alleine urinieren. A.C.A.B.! Das Licht geht an, die Musik geht aus und wir ziehen weiter.

Wir fahren weiter in den Osten Londons und landen in der fabelhaften RUSSIAN BAR, die wenigstens bis sieben Uhr geöffnet hat. Laut Manuel spielt der DJ ausschließlich deutschen Elektro. Namen kann ich keine, nicht einmal ein präziseres Genre kann ich nennen. Aber das was ich höre, gefällt. Wie war das noch mal mit dem menschlichen Äquivalenzzwang? Ein wichtiger Schritt in die “Befreiung” von diesem, ist absolute Unwissenheit. Probiert es mal aus. Pfff! Schluss mit dem halbintellektuellen Geschwätz und zurück zur Russenbar: Der Laden ist urig. Überschaubar, ganz nett gemacht, die Leute sind okay und die Getränkepreise gehen sowieso. Der Rausch endet für Manuel, Dave und mich in der Christengemeinde in Kilburn gegen elf Uhr. Für Mateo endet die Nacht im Bett mit einer achtzehnjährigen Französin. Shari schläft zu Hause alleine ein.

Plastic Shit

Gegen fünfzehn Uhr werde ich wach und gehe den anderen so lange auf den Sack, bis wir wieder im gemeinschaftlichen Wohnzimmer am massiven Holztisch sitzen und die nächsten fünf Stunden brunchen. Scheiß auf Kultur, scheiß auf Shoppen! Geiler kann der Moment nicht sein. Zwei Stunden und mehrere halbe Liter Foster’s später, werfe ich die Frage in den Raum, wann wir eigentlich mit dem Saufen beginnen. Trotz der Ernsthaftigkeit meines Erkundigens, erhalte ich keine Antwort, sondern nur ein schallendes Gelächter. Ich gebe zu, die Grenze zwischen “beim Brunchen Alkohol trinken” und “vorm Ausgang Alkohol trinken” ist für diejenigen nicht ganz eindeutig zu erkennen, die nicht an die Dusche zwischendurch denken. Zwanzig Uhr sitzen wir drei Don Geilos schließlich doch duftend und endlich saufend auf den Sofas des Wohnzimmers und lassen uns wieder von dem hässlichen Clown ablichten.

Gegen Mitternacht sind wir mit Mateo im THE ELEPHANT’S HEAD in Camden Town verabredet. Dieses “Vergnügungsviertel” der Stadt ist mir wesentlich lieber als die Viertel in Shoreditch und in Soho; eben weil es alternativer gefärbt ist. Zunächst gehen wir in das THE WORLD’S END, welches meinem Eindruck nach – trotz tätowierter Bedienungen (oho!) – eher etwas von einem “klassischen Pub” für die englischen Schießbudengesichter und, der nach Tradition gierenden Touristengruppen, hat. Der Soundmix ist grottenschlecht. Den Alkoholpegel der einzelnen Besucher kann man an der Intensität ihrer Gesichtsröte ablesen. Die Leute tanzen auf den Tischen, springen, werfen sich gegenseitig hoch oder klettern Säulen hinauf, um von diesen doof aus der Wäsche guckend nicht mehr herunter zu kommen.

THE ELEPHANT’S HEAD dagegen ist ein Pub, in dem besserer Punkrock läuft und an dem Abend ein erträglicheres Publikum anspricht. Alles überzeugt, nur der verhältnismäßig frühe Feierabend des Thekenpersonals nervt auch hier. Die Filale des Londoner BARFLY CLUBs um die Ecke, hat noch zwei Stunden länger geöffnet. In Brighton hörte ich mal, dass dies ein “Indieclub” sein soll. Davon merken wir drinnen wahrlich nichts: Aufgetakelte, hysterische Asischicksen, durchgeknallte sich auf dem Boden herumkugelnde Crystal Meth-Opfer, nebendran der freudige Dealer mit Stiernacken und Lederjacke. Eine Olle und ein Typ schlagen sich gegenseitig ins Gesicht. Der DJ legt schlechte Elektro-Remixe und noch schlechteren Hip Hop auf. Erst kurz vor Ende entdecke ich zufällig den zweiten Dancefloor im ersten Stock. Als ich den Raum betrete, läuft als letztes Stück “Agenda Suicide” von THE FAINT. Vor der Tür prügeln sich irgendwelche Heinis vom ersten Floor. Manuel, Dave und ich laufen nach Hause. Mateo lassen wir mit einer Ollen zurück. Anderthalb Stunden habe ich Zeit, um mich für den anstehenden Rückflug minimal zu regenerieren.

Plastic Shit

Zum Frühstück gibt es heute keine Spiegeleier, Cornflakes und kein Bier – nur ein paar lausige Chips. Neun Stunden später sitze ich bereits wieder vorm Rechner und checke Mails. Allzu viel ist in den letzten Stunden eigentlich nicht passiert. Und dieses großartige Wochenende hätte ich mit den Jungs sicherlich auch in Paderborn ähnlich verbringen können. Allerdings wäre ich dort nicht so günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln hingekommen. Also, was soll’s. God fuck the Queen – and save the Softboy Connection!

(Christoph Parkinson)

PS: Max Goldt hat in dem seinem aktuellen, lesenswerten Buch (”Ein Buch namens Zimbo”) in dem Text “Das Alter und die teure Stadt (fünf Gurken)” ein paar gewiefte, amüsante Zeilen zu dem ungeheuerlichen Londoner Mietspiegel als auch zu der dort herrschenden Preispolitik und der in Zürich verfasst. Lesen!

Veranstaltungstipp und Verlosung für Freitag!

25. Januar 2010

Poste einen Link mit Deinem persönlichen Lieblings Punk Rock Song, den Du am Freitag gerne hören würdest hier in den Comments und gewinne zwei Gästelisenplätze für Dich und eine Begleitung Deiner Wahl, yeah! Einfach irre, oder?

Kommenden Freitag | I tell you about punk rock | Subway (Cologne)

Zu Gast #6: Hintergrund-Überlegungen von JAN R. zu dem Fanzine-Treffen am 24.04.2010 im AJZ Bahndamm Wermelskirchen

22. Januar 2010

Prints not Dead!

DIE TOTEN HOSEN haben mal in dem Song „Das Wort zum Sonntag“ zu Recht gesungen: „Früher war alles besser, früher war alles gut, da hielten alle noch zusammen, die Bewegung hatte noch Wut. Früher hör auf mit früher, ich kann es nicht mehr hören, damals war es auch nicht anders, mich kann das alles nicht stören.“

Vielleicht muss man aber doch sagen: Anders war es schon, früher, zumindest meine ich damit den Zeitraum Anfang/Mitte der 90er, als meine ersten Gehversuche im Punk/HC stattfanden. Fanzines hatten für mich eine unglaubliche Bedeutung, vor allem schon mal wegen der Konzerttermine. Ich kannte zwar einige Konzertläden und Plattenläden, dort lagen die Flyer aus, aber in den Zines standen die eben bundesweit und meistens aktuell drin. Und ein Review von meiner damaligen Band im PLOT oder PLASTIC BOMB war etwas total Besonderes, egal ob gut oder schlecht. Wenn man mal einen Schreiber vom XY-Heft traf war das cool und interessant. Oder die ganzen Fanzine-Kriege: Die totale Ignoration bis auf’s Blut: PLOT vs. LOST AND FOUND, ZAP gegen TRUST… Fakt ist: Fanzines waren einfach sehr wichtig. Ihr Stellenwert war sehr hoch. Und dann kam das Internet…

Ein Blick noch weiter zurück: Neben einem eigenen Netzwerk von DIY-Konzertorten, eigenen Radios, eigenen Labels, Mailordern, Bookern, Bands gab es (gibt es) im HC-Punk auch eigene Presse-Erzeugnisse (auch wenn die Herausgeber der Hefte immer wieder sagen, sie seien nur Rundbriefe an Freunde), die so genannten Fanzines. Fanzines als Wort-Kombination von „Fan“ und „Magazin“ – das heißt, jemand, der leidenschaftlich für etwas glüht, bringt ein Heft darüber hinaus, als unprofessioneller Nicht-Journalist. Daher auch der alte Witz „Fanzines sind von Leuten, die nicht schreiben können, für Leute, die nicht lesen können“. Fanzines kommen eigentlich aus der viel älteren Science-Fiction-Szene, wurden aber durch das Aufkommen von Punk schnell ein wichtiges Kommunikationsmittel der „Szene“. Das SLASH in Los Angeles, das SNIFFING GLUE (das allererste Punkfanzine weltweit) in London, das PUNK in New York Ende der 70er.

Nur in den Heften stand überhaupt etwas über die neuen „Punk“-Bands drin. Dort wurden die Platten reviewt, die in den etablierten Musikzeitschriften kein Journalist auch nur mit spitzen Fingern anfasste, besprochen und dort standen Konzerttermine drin.

In Kalifornien etablierte sich durch das 1977 gegründete FLIPSIDE aus Los Angeles (2000 pleite gegangen, das Nachfolgeheft heißt RAZORCAKE und ist klasse) und dem 1982 aus einer Radioshow entstandenen MAXIMUM ROCKNROLL in San Francisco (weiterhin existent, vor einiger Zeit wurde die Ausgabe #300 gefeiert) die erste echte Fanzine-Kultur im Punk: Regelmäßige Erscheinungsweise, der Anspruch (beim MRR), weltweit über die Punkszene zu berichten, professioneller Vertrieb bei strikter Unkommerzialität. Davon war Deutschland weit entfernt, bestanden die damaligen Hefte aus unreglmässig erscheinenden Din A5 Heften, die sehr lokal über das Leben der Herausgeber berichteten.

Flyer

1986 entstand, durch ein Aktivistentreffen im süddeutschen Heidenheim, das TRUST Fanzine als Versuch, den Ansatz des MRR Heftes – Gründung eines regelmäßig erscheinenden Fanzines mit überregionaler (Info-)Berichterstattung – in Deutschland zu verwirklichen. Das war zu der Zeit völlig neu in der BRD. Es folgten Hefte wie das ZAP (1988), das PLOT Fanzine (1994), OX (1989), PLASTIC BOMB (1991), OUT OF STEP, SUBURBIA, EN PUNKT (ok, gab es schon vor 1986), VARIOUS ARTISTS, GAGSNGORE, ZOSHER, HOWL, WASTED PAPER, SCUMFUCK, FURIOUS CLARITY, SKIN UP etc.

Wie ist die Lage 2010? 2010 ist es eigentlich – um auf DIE TOTEN HOSEN zurückzukommen – genauso wie früher, nur anders. Einige Hefte gibt es nicht mehr, dafür gibt es einige neue. Ich denke, bei allem Wehklagen über „die bösen Webzines, die alle Hefte kaputtmachen“, muss man eines klar sagen: Die statistische Zahl von Print-Heften mag etwas weniger sein, okay, dafür gibt es Blogs und Webzines, wie eben auch das FURIOUS CLARITY. Aber der Punkt ist doch ein ganz anderer, der durch das Internet geändert worden ist (und nur das Internet hat Hefte eventuell ersetzt, bestimmt nicht Internet-Fanzines selbst!): Fanzines haben nicht mehr „die“ Bedeutung, die sie einst hatten. Ihr „Monopol“ der Berichterstattung und der Szenebewertung ist verloren, Streitereien über sexistische/rechtsoffene/kommerzielle Bands finden heute auf Blogs und in Foren statt. Und Reviews in Zeiten von Myspace? Man könnte argumentieren, dass Reviews noch viel wichtiger sind, da dort eine Selektion beziehungsweise eine Einordnung seitens des Reviewers im unendlichen Meer von mp3 Musik stattfindet. Na ja, aber Sie wissen schon… Drei Klicks und ich bilde mir selber meine Meinung vs. die Platte bei Frontline bestellen, zwei Wochen warten…

Nichtsdestotrotz machen gedruckte Fanzines immer noch Spaß (für die meisten zählt das Klo-Argument hier, denn mit Laptop auf dem Klo wird es umständlich), auch wenn sie nur noch eine Nische besetzen – trotz Bahnhofskiosk (hätte man sich das je träumen lassen, dass man am Bahnhof ein Fanzine kaufen kann, das PLASTIC BOMB, TRUST oder OX?).

Das Fanzine-Treffen, zu dem drei Hefte – PLASTIC BOMB, THREE CHORDS und TRUST – gemeinschaftlich im Rahmen der vierzehnten Heartcoretage im AJZ Bahndamm in Wermelskirchen aufrufen, soll in lockerer Atomsphäre einen Austausch untereinander ermöglichen, dabei gibt es keinerlei Programm, außer: Abends Konzert. Alle an der Fanzinekultur Interessierten sind herzlich eingeladen, ob Leser, Macher. Zwanzig Hefte haben ihr Kommen bisher zugesagt.

Termin, Infos, Bands, Hefte: Hier
Näheres zu den Heartcoretagen: Hier.

(Jan R./Trust Fanzine)

Furious Clarity Zines


Nachtrag von Christoph Parkinson:

Die ersten Bands stehen für die Heartcoretage am 23./24. April fest: PATSY OHARA, AYS, UNDER THE PLEDGE OF SECRECY, SNIFFING GLUE, ARKTIKA, CHUCK DAMAGE, CELESTE (Frankreich), NOVEMBER 13th, DANSE MACABRE, MUTINY ON THE BOUNTY, FARGO. Essen gibt es von VEGAN FASTFOOD CREW und 50 FOOD COMBO. Ein etwas ausführlicher Bericht auf diesem Blog folgt Ende März!

“Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken”: Neues EISENPIMMEL-Video

17. Januar 2010

Nicht gerade mein derzeitiges Tagesmotto. Zu EISENPIMMEL habe ich auch noch nie wirklich einen Bezug gehabt, das Video ist aber…äh…so etwas wie witzig. Viel Spaß damit. Mitte/Ende nächster Woche gibt es dann endlich wieder “richtige” Beiträge und nicht nur eine Handvoll an You Tube-Verlinkungen. Bis dahin.

(Christoph Parkinson)

Früher war alles besser.

14. Januar 2010

Hat mein Freund Ben gefunden, es stammt noch aus der Zeit vor den Alcopops. Hammer! Vor allem auch die Kommentare des Kameramannes. Abgesehen davon, dass ich bei dem Getränk schon nach der ersten Runde raus wäre, gibt es nur eine Möglichkeit 40 Tequila im 5-Minuten-Takt zu vernichten und es zu überleben: Ich las neulich noch in einem Buch, dass die damals vor dem Mauerfall in Berlin, aus der Not heraus (es kam ja nix raus und nix rein), das weltpotenteste Speed hergestellt haben. Irgendein neongelbes Pulver, welches selbst heutigen Methheads Respekt abverlangt hätte, eine Line reicht und drei Tage wach. Mir wird schlecht. Auch, wenn ich an den Kater danach denke. Dennoch: Respekt.

Ich gehe jetzt einen saufen.

(Christian Destroy)