
David Hasert, Techno-Produzent und DJ, gehört zu den wichtigsten Protagonisten der neuen Kölner Electro-Generation. Partyreihen wie “LIKE” oder “Electronic Love” treffen den Zahn der Zeit. Es ist bemerkenswert, wie schnell er sich in dieser Szene zurechtgefunden und sich einen Platz in den vorderen Reihen gesichert hat. Als er vor circa acht Jahren nach Köln gezogen ist, begann er beim Fernsehen. Das erlernte Know-How nutzte er wenig später für ROLAND ROCK, eine kleine Videoproduktionsfirma, die ihre Liebe für Skateboard- und Musikvideos in bewegten Bildern ausdrückte. Als DJ begann er zunächst im Indiebereich als The Winning Weasel im Blue Shell und legte gemeinsam mit Timbo Tanzpalast (”Tanz den Äther, Baby”) oder Jan Jeaulous Jerk-Off in unterschiedlichen Clubs regelmäßig auf.
Schließlich entdeckte er seine Leidenschaft und sein Geschick für elektronischen Sound. Mit dem ersten Auftritt seiner Band, MALK, eröffnete er den Hype des Maximals und überzeugte bald bundesweit durch seine eigenen DJ-Sets im Minimal-Bereich. Gemeinsam mit seiner LIKE LOVE-Blog-Gang feierten wir am 01. Mai unser Blog-Bestehen. Den einen oder anderen Berührungspunkt zwischen uns gibt es seit langem. In diesem Interview geht es am Rande zwar auch etwa um die Gemeinsamkeiten zwischen David und Christian, aber im Wesentlichen erzählt David von seiner Faszination, sich für Neues begeistern zu können, die Fähigkeit, Hypes auslösen und steuern zu können, und vieles mehr.

Betrachtet man deine Aktivitäten der letzten sieben, acht Jahre etwas genauer, fällt auf, dass du dich sehr schnell in neue Materien einarbeitest, ein besonderes Geschick für diese entwickelst, richtige Kontakte knüpfst und auch die Außenwelt durch die hohe Qualität deines Schaffens in beachtlicher Zeit beeindruckst. ROLAND ROCK und Fernsehen sind Geschichte. Skateboarding war und wird vermutlich bleiben. MALK kam, sah, siegte und ging. DAVID HASERT und „LIKE“ sind. Aber wie lange noch und was kommt dann?
Das frage ich mich auch immer wieder. Ich habe auf jeden Fall eine große Faszination, um mich für Dinge zu begeistern. Jedoch kann mich aber auch wieder sehr schnell “entgeistern”. Was sich aber in den letzten Jahren herauskristallisiert hat, ist, dass ich in allen Dingen, die ich inzwischen angehe, versuche eine größere Tiefe zu erreichen.
Bei der Musik war das für mich von Anfang an klar. Wenn du anfängst Musik zu machen und klingst nach fünf Jahren noch genauso wie am Anfang, dann bist du entweder untalentiert oder ein Idiot. Aber auch bei anderen Sachen zieht sich diese neue „Deepness“ wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich weiß, Partys haben keinen hohen künstlerischen Wert, aber auch hier kann man sich einfach darin verlieren, seinen Job so gut wie möglich zu machen und so wenige Dinge wie möglich dem Zufall zu überlassen. Auf Kurz oder Lang werde ich wohl in der Vergnügungsbranche bleiben, weil die ist krisenfest. Früher oder später will ich ein eigenes Restaurant, was ja auch eine Form der von Kunst und Vergnügen ist. Manch einer würde sagen, es ist die Höchste.
„The Sound Of New Cologne“: Wieso funktionieren die “LIKE”-Partys? Und wieso funktionierst du?
Die „LIKE“-Partys funktionieren über Hypes und in erster Linie über dem guten, alten Zusammenspiel von Musik und Mode. Hypes kann man meiner Meinung nach beliebig kreieren und auch beliebig steuern. Wenn du einmal weißt, welchen Hebel du drehen musst, um genau das gewünschte Resultat abzurufen, kannst du das immer wieder tun. Genau so funktioniere ich auch.

Zeitweise warst du im Internet als ein Künstler des richkidz-Kollektivs zu finden. Was ist daraus geworden?
Ich habe meinem Freund und immer noch Freund, Dave (der Gründer von richkidz), fünfmal die Frage gestellt, was denn genau richkidz sei. Nachdem ich auch beim fünften Mal die Antwort nicht verstanden habe, dachte ich mir, ich kann nicht mehr Teil einer Organisation sein, die offenbar zu hoch für mich ist. (Anmerkung von C. Parkinson: Eine verständliche Einführung über die Intentionen und das sich daraus entwickelnde Treiben von richkidz erfahrt ihr hier.) Aber klar, Dave ist ein dufter Typ. Und wenn er mit einem interessanten Projekt vor der Tür steht, bin ich der Erste, der Tür, Augen und Ohren aufmacht.
„Brilon nicht Berlin“: Die Briloner (ex-)Jugend breitet sich seit einem Jahrzehnt bundesweit aus. Besonders Köln entwickelt sich zu Brilons Partykolonie und diese vergrößert sich auf eine erschreckende Art. Ich kenne niemanden aus Brilon, der absolut sauber im Kopf ist. Was ist in der Stadt passiert, dass speziell die Jahrgänge 1980-1985 derart verdorben und zugleich so schöpferisch sind?
Sind sie das? Für mich ist Brilon ein Kaff wie jedes andere auch. Klar gibt es dort auch ein paar kluge Köpfe – und noch mehr, die sich gerne mit System das Hirn wegballern und dir dafür tausend intelligente Gründe aufzählen können. Für Lokalpatriotismus hatte ich noch nie viel übrig. Und das, was du da gerade in deiner Frage so liebevoll formuliert hast, ist nichts anderes.
Was gibt es zwischen dir und Christian Destroy für Gemeinsamkeiten?
Soviele Gemeinsamkeiten haben wir gar nicht. Wir trinken beide gerne Bier und hauen beide gerne mal mit der Faust auf den Tisch. Sechs Uhr morgens, wenn wir beide im 6pack sind, werden wir beide zu Homos, streicheln uns und erzählen uns, wie gerne wir uns haben. Am nächsten Tag schämen wir uns nicht. Das ist dann wohl unsere Gemeinsamkeit. Ach ja, und wir lieben beide die MISFITS.

Nenne mir doch bitte mal die Gründe, weshalb du beinahe täglich auf unserem Blog abhängst.
Ein Grund ist, weil ich mich informieren möchte, was in der Welt so los ist. Gerade eure liebevoll und, teilweise unter gefährlichen Bedingungen recherchierten Berichte über die Krisengebiete und Bürgerkriege dieser Welt, lassen mich oft für einen Moment innehalten. Sie zeigen mir, wie privilegiert wir doch mit unseren westlichen Problemen sind, die meist eh nur von Autos und Frauen handeln.
Künstliche Liebe oder kalte Euphorie? Drogentod oder AIDS? Karies oder Feigwarzen?
Wie bitte was? Ok ich versuche mal darauf einzugehen:
1) „Liebe“: Ja, wenn sie echt ist. Da können die ganzen Flittchen vom Partystrich einpacken. Die können eh nichts.
2) Drogen: Ficken dein Gehirn und machen dich langsam kaputt. Ich kenne genug Typen bei denen Drogen soviel im Kopf verändert haben, so dass man es heute mit einem komplett anderen Menschen zu tun hat. Meistens sind sie also keine gute Sache – also Finger weg!
3) Nichts davon.
Was stehen aktuell für Projekte an und in welche Geschehen planst du dich bis Ende des Jahres ein?
Im Moment arbeite ich an einer poppigen Technoplatte mit dem Kölner Produzenten PAWAS, die Maßstäbe setzten wird. Die Vocals singt meine Tante, die in den 80ern in diversen Punkbands gesungen hat und auch heute noch top klingt. Darüberhinaus habe ich ein paar Tracks mit meinem kleinen Sprössling, Bryan Kessler, zusammen aufgenommen, die man bald hören kann. Das Ganze ist ein reines Rockprojekt ohne irgendwelche Elektronik und deswegen auch sehr entspannend für mich. Ansonsten gibt es einen Haufen, immer größer werdende Partys zu organisieren. Wer sich darüber informieren will, sollte regelmäßig unseren Blog checken.

Abschließende Worte?
Geht häufiger auf Konzerte und kauft meine Platte und die der POLLYWOGS, die im September rauskommt (Anmerkung von C. Parkinson: Der Soundtrack für das LÄTTA-Frühstück nach der Afterhour). Ich grüße meine Freundin Esther. Have you see Kylie?
(Christoph Parkinson)





















