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Im Gespräch: Daniel Fischer über SUBVERSIV RECORDS!

Montag, 30. Januar 2012

Daniel Fischer, Subversiv Records

Im Ox werden regelmäßig auf einer Seite drei fabelhafte Labels anhand ein paar sehr ,klassischen’ Fragen vorgestellt. Ursprünglich war es geplant, in dieser Rubrik das Berner Label SUBVERSIV RECORDS näher zu beleuchten. Als ich Daniel Fischer, einer der beiden Köpfe des Labels, Anfang Dezember in einer Berner Bar interviewt habe, erzählte er so viele interessante Dinge über die Labelarbeit, seine anderen Aktivitäten oder die Punk-/Hardcoreszene in der Hauptstadt der Schweiz, dass es zu schade gewesen wäre, wenn sich das abgedruckte Interview nur in der Beantwortung von sieben Standardfragen erschöpft hätte. Den besonders interessanten Teil des Interviews könnt ihr daher in der im Februar erscheinenden Jubiläumsausgabe des Ox Zines (#100) nachlesen. An dieser Stelle erhaltet ihr einen kleinen Vorgeschmack sowie einen Einblick in die Welt der Standardfragen.

Wo und wann wurde SUBVERSIV RECORDS gegründet, wo ist das Label heute ansäßig?

Heute sind wir alle in Bern zu Hause. Der harte Kern kommt aus den Bergen. In Meiringen, einem 5.000 Einwohnerdorf in dem das Skigebiet Meiringen-Hasliberg liegt, sind wir alle aufgewachsen. Dort haben wir uns damals erst als harte Musikfans zusammengeschlossen, bevor wir uns dann gestattet haben, uns nicht nur als Fans, sondern auch als Musiker zu betätigen und zwei Bands (UNHOLD, AMOK) zu gründen. Da wir für diese Region viel zu krass gewesen sind, haben wir schließlich damit angefangen, einfach alles selbst zu machen. Mich hat von Anfang an dieser Do-it-yourself-Gedanke sehr geprägt. Niemand wollte uns – also haben wir alles selbst gemacht: Aufnahmen, Shirts, Poster, Konzerte. Damit unsere Demos veröffentlicht werden, haben wir das Label gegründet. Der Name SUBVERSIV RECORDS war Programm. Wir waren gegen den Strom, wir waren gegen alles. Als wir Anfang der 90er die Bands gegründet hatten, haben wir uns Instrumente vom Flohmarkt besorgt und mit einfachsten Mitteln versucht, Aufnahmen zu machen. Und das hat sich immer weitergezogen – bis heute.

Subversiv Records

Von wem wurde das Label damals gegründet und wer steckt heute dahinter?

Das Label wurde zwar von den beiden Bands gegründet, aber Phillip, der Sänger von UNHOLD, und ich verkörpern von Anfang an dieses Label und tätigen die Arbeiten dafür allein. Er macht einen Großteil der Covers für die Bands und das Webdesign. Ich kümmere mich um die Produktionen, die Abläufe, die Promo und zum Teil sogar auch noch um das Booking für die Bands, die niemanden kennen und ohne Hilfe nicht weiterkommen. So ist das zum Beispiel bei THE STRAPONES der Fall: Die sind ganz neu, ganz jung und haben keinen Schimmer – sie sind einfach eine gute Band. Daher helfe ich ihnen dabei Gigs zu bekommen.

Lebt ihr von eurem Label?

Nein, aber ich lebe für das Label.

Was macht ihr sonst noch?

Ich arbeite als Plattenverkäufer (Rockaway Beach), DJ (DANNY RAMONE) und Clubbucher (ISC). Phillip ist hauptsächlich nebenbei noch Grafiker. Er hat ein eigenes Grafikbüro (BlackYard) und macht unter anderem seit über zehn Jahren die Plakate für die Reitschule.

Welche sind eure bevorzugten Stilrichtungen?

Punkrock, Hardcore, Independent-Rock, alles was mit Metal und um Metal herum passiert. Persönlich interessieren mich auch Sludge und die ganzen Stonergeschichten. Grundsätzlich ist es so bei Subversiv – und das ist das, was uns oft auch angekreidet wird –, dass wir viele verschiedene Stilrichtungen auf unserem Label haben. Aber das ist mein eigenes Ding. Mir gefallen eben viele Musikstile, deshalb kann ich auch dahinterstehen, wenn wir zum Beispiel mal eine Popnummer veröffentlichen. Die CHOO CHOOS, deren Debütalbum wir veröffentlicht haben, machen zum Beispiel sehr poppigen Garagenrock, deren Songs sogar oft im Radio gespielt worden sind.

Tight Finks

Eure Label-Vorbilder?

Vorbilder gibt es einige. Als das Label noch kleiner war, sind wir den ALTERNATIVE TENTACLES-Sachen hinterher geeifert. Auch an deutschen Labels gibt es ein paar, wie zum Beispiel früher WE BITE. Wir haben uns eigentlich vor allem an Labels orientiert, die in erster Linie darauf scheißen, viel zu verkaufen und einfach gute Sachen machen – auch optisch. Ob ich in punkto “Stil” ein Vorbild habe, weiß ich gar nicht. Die meisten Labels, die ich von früher kenne, haben einfach Punkrock oder Hardcore gemacht. Sehr prägend waren auch diese ganzen Schwedensachen: BURNING HEART oder BAD TASTE.

Die ersten, die heutigen Bands?

Die ersten, die es immer noch gibt, sind UNHOLD. Ganz früher waren auch AZIZ dabei, die TIGHT FINKS sind bereits seit Anfang der 90er dabei. Oder URISTIER, eine Punkrockband aus den Bergen, die in Schweizerdeutscher Sprache singt; eventuell lösen die sich auch bald auf.

(Christoph Parkinson)

Minus Rockcity Meppen: BACKWOOD CREATURES-Interview aus dem FCZ Nr. 4 (1999)

Donnerstag, 12. Januar 2012

Backwood Creatures

“Liebe Freunde, es geht Schlag auf Schlag! Nachdem Christoph Parkinson mir schon den unglaublichen Konzertbericht vom SHOCKING FREAKS Auftritt im Rockpalast 1997 zugespielt hat, fand sich noch eine Perle in seinem Fundus. Ein Interview mit den Meppener BACKWOOD CREATURES im „Furious Clarity“ Fanzine, aus dem Jahr 1999! Das Ganze gebe ich hier mal komplett mit nicht korrigierten Rechtschreibfehlern wieder (also kommt mir nicht mit irgendwelchen seit/seid Kommentaren oder solchem Mumpitz), allerdings werde ich mir mal die Freiheit rausnehmen einige Absätze mit schlauen Kommentaren zu versehen. Hut ab noch mal vor Christoph Parkinson! Wenn der mal wieder bei seinen Verwandten in Meppen zu Besuch ist, werden wir wahrscheinlich einen SHOCKING FREAKS Reunion-Auftritt organisieren und die Stadt dem Erdboden gleichmachen!!! Vorher gibt’s hier die BACKWOOD CREATURES anno ’99 – viel Spaß mit Nilz Nonchalant, Tommy Toilet, Heini Heartbreaker, Leif Let’s-Go und Tough Timo [...]“.

Das Interview, welches erstmals im FCZ Nr. 4 veröffentlicht worden ist, findet ihr auf der Homepage von Minus Rockity Meppen [minusrockcity.blogspot.com]. Wie gut, dass ich mir inzwischen Lektoren leisten kann. Freut euch übrigens tatsächlich schon mal auf die SHOCKING FREAKS-Reunion. Meine Traumbesetzung wäre die Formation, mit der wir den Großteil der Shows gespielt haben: Captain A. (Vocals), Mad Ass (Bass), Kühne (Guit.), Parkinson (Guit. 2), Sascha S. (Drums). Wer die anderen Bandmitglieder zusammentrommelt und uns einen Proberaum verschafft, dem sei eine Palette Öttinger sicher.

(Christoph Parkinson)

Im Gespräch: HELLFIRE RADIO über hedonistische Triebe, völlig zugedröhnte Studiogäste und gewohnt grandiose Sendungen!

Donnerstag, 30. September 2010

HELLFIRE CREW: Maike, Jule, Mikula, Mätthes, Anna, Arndt

“Als 14jähriger Kinderpunk hab ich mal eine TV-Sendung über Rodney Bingenheimer und KROQ in Los Angeles gesehen. Ich war damals, das war 1981, ziemlich angefixt von US-Hardcore wie BLACK FLAG und Konsorten und war damit in Köln recht einsam. Deshalb konnte ich schlecht davon träumen, mal in einer coolen Band zu sein. Aber als Radiomoderator eine Punkshow zu machen, der Traum hat mich nie losgelassen, bis heute nicht…” (Mac, HELLFIRE RADIO)

Einundzwanzig Jahre später ging der Traum schließlich in Erfüllung: Zusammen mit Johan startete Mac die Punkrock-Sendung “HELLFIRE RADIO” auf Kölncampus (Frequenz “100.0″ im Kölner Raum/Livestream “hier“). Die Show läuft jeden zweiten und vierten Freitag im Monat zwischen 20 und 22 Uhr. Die Redaktion besteht mittlerweile aus vierzehn Personen. Zwei davon sind Arndt Aldenhoven und Michael Oleownik, die mich am 23. Juli zu ihrer Sendung nach Köln eingeladen hatten.

Als ich anschließend angetrunken das Studio verlassen hatte, fiel mir erst auf, dass mir noch einige Fragen auf der Zunge lagen. Um mir diese beantworten zu lassen und euch zugleich diese fabelhafte Punkrockshow vorzustellen, führte ich Ende September ein Interview mit der HELLFIRE-Crew per Email. Für Radiomoderatoren mag es typisch sein, dass sie einen überdurchschnittlich ausgeprägten Mitteilungsbedarf haben. Infolgedessen fällt das Interview – trotz einiger Kürzungen – zwar ziemlich lang, aber dennoch recht kurzweilig aus. Wenn ihr mehr wissen und – vor allem – mehr hören wollt, dann schaltet regelmäßig ein: Bei Kölncampus und HELLFIRE RADIO!

Als „Studentenradio“ ist zu befürchten, dass nicht nur eure gesamte Redaktion, sondern auch überwiegend eure Zielgruppe aus Studenten besteht. Ist dies tatsächlich so oder wer steckt hinter HELLFIRE RADIO und wen wollt ihr in erster Linie erreichen?

Jule: Leute mit Geschmack und die, die es werden wollen.

Mac: Bei HELLFIRE sind auch ein paar ex-Studenten dabei, quasi ob ihrer Verdienste geduldet. Ich alter Sack (43 Jahre) zum Beispiel habe schon keine Uni mehr von innen gesehen, als es mit Kölncampus und HELLFIRE 2002 losging. Aber ich hatte zuvor schon immer an der Planung und Erschaffung des Kölner Uniradios mitgearbeitet, weil so etwas wie HELLFIRE RADIO immer mein Traum gewesen ist. Wahrscheinlich haben uns die anderen bei Kölncampus durchgewunken, weil HELLFIRE tatsächlich die erste „Special interest“-Show auf dem Sender war, neben den üblichen Studentenmagazinen. Als es dann losging, wollte ich als Zielgruppe von vornherein alle Leute im Sendegebiet haben, die in irgendeiner Form sich der Subkultur Punk verbunden fühlen – scheißegal, ob Student oder nicht. Es gab hier nie eine zusammenhängende Szene, immer nur so Splittergruppen, und HELLFIRE RADIO sollte ein gemeinsames Sprachrohr für alle Beteiligten und Interessierten sein – Networking sozusagen. Ich glaube, ein bisschen ist uns das auch in den letzten acht Jahren gelungen.

Arndt: Es geht hauptsächlich um das Ausleben hedonistischer, selbstverliebter Triebe, sprich: Ich will mich einfach nur reden hören. Daher bin ich auch erstaunlich froh darüber, dass wir so gut wie nie eine Reaktion von Hörern bekommen und eigentlich auch absolut nicht wissen, wer und – vor allem – wie viele Leute uns überhaupt hören.

HELLFIRE CREW: Bolle, Maike

Bolle: Kölncampus besteht größtenteils aus unmotivierten Langzeitstudenten (Diplom, Magister), die im Gegensatz zu den fleißigen Bachelorstudenten noch genug Zeit für die wichtigen Dinge im Leben (wie zum Beispiel “Radio machen”) haben. Meine Zielgruppe sind hauptsächlich weibliche, gutaussehende Erst-, Zweit- und Drittsemester. Das hat in meinem Fall bis jetzt auch ganz gut geklappt. Trotzdem, falls welche das hier lesen, können sie sich gerne über Facebook melden. I’m a star, Baby!

Olek: Also auch die Hörer scheinen nicht nur aus dem studentischen Milieu zu kommen. Den negativen Hörermails nach zu urteilen, kommen sie aber manchmal aus der feministischen Ecke. (Anmerkung von C. Parkinson: Wie gut, dass sich das immer ausschließt!)

Mätthes: Ich habe nur eine Möglichkeit zu ermessen, wer uns hört: Wenn während der Sendung mal einer anruft, dann ist das meistens Volker. Ich nehme also an, dass wir in erster Linie ihn erreichen. Das ist für mich okay so.

Maike: HELLFIRE-Hörer sind einfach Leute, die zwei Stunden lang musikalisch auf die Fresse wollen und das präsentiert von einer verdammt witzigen Crew!

Worin seht ihr die Vor- und Nachteile eines Radiosenders wie Kölncampus im Vergleich zu kommerziellen Sendern wie beispielsweise 1live?

Jule: Wir können recht frei auswählen und entscheiden, welche Musik wir spielen und worüber wir berichten – wir sind tatsächlich unabhängig beziehungsweise nur abhängig von unseren eigenen Launen!

Mac: Wir können auf Quoten pfeifen und wirklich senden, was wir wollen – solange wir nicht gegen Gesetze verstoßen. Und wir sind so klein, dass sich über „Aufreger“ keiner aufregt, zum Beispiel typische Live-On-Air-Fehler wie Versprecher, besoffene Moderationen, falsch gedrückte Regler, springende CDs…

Arndt: Deutlicher Nachteil: Keinerlei Bezahlung. Wir machen das alles umsonst. Daraus resultiert der Vorteil, dass wir uns nicht sonderlich viel Mühe geben müssen. Daher sind nicht nur die Sendungsplanungen meist spontan und schlampig, sondern auch generell unsere Moderationen. Und eigentlich auch wir als Personen. Und zudem sind wir auch recht ungepflegt.

Maike: Außerdem bleiben uns manchmal auch bekanntere Bands für ein Interview, geschweige denn für eine Präsentation verwehrt. Gut, als Hochschulradio mit einem außergewöhnlichen und vielfältigen Musikprogramm sind wir eher nicht an allen Lady Gagas der Welt interessiert, aber es ist schon mal vorgekommen, dass wir für eine Band nicht groß genug waren.

HELLFIRE CREW

Mikula: Man hat die absolute kreative Freiheit jenseits vom Mainstream, einen Haufen Spaß, gute Leute um sich und kann in alle Bereiche des Mediums „Radio“ eintauchen.

Olek: Als Punksendung haben wir nur Vorteile. Wir können uns hemmungslos und ohne Vorgaben austoben, können noch das letzte Geschrebbel spielen. Wenn man bei 1live sendet, bekommt man voraussichtlich häufiger Gästelistenplätze für jeden Driss, aber die fünf Öcken für ein gutes Konzert im Sonic Ballroom oder auf dem „Baui“ hab ich auch noch selbst.

Mätthes: Ein Kollege hat den Vorteil mal sehr treffend formuliert: „Stell Dir vor, du drehst Dein Radio an und hörst… PUNKROCK! HARDCORE! Im Radio! Laut und dreckig as hell!“ Nachteil ist natürlich, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung daran mit analoger Technik nicht teilhaben kann.

HELLFIRE RADIO läuft jeden zweiten und vierten Freitag zwischen 20 und 22 Uhr. Mit dieser Sendezeit liefert ihr den Soundtrack für das Vorglühen mit Freunden oder für die letzten Hygienemaßnahmen im Badezimmer, bevor es in den Ausgang geht. Inwiefern stimmt ihr euer Programm auf die vermeintlichen Aktivitäten eurer Hörer ab?

Mac: Das ist genau der Hintergedanke: Wir sind die Leute, die schon in der Küche saufen, wenn du dir noch die Haare föhnst, um dann gemeinsam loszuziehen. Entsprechend halten wir unsere Studio-Atmosphäre während der Sendung extra unclean, eher so wie eine WG oder eine Bahnhofshalle: Ständig laufen Leute rein und raus, reden dazwischen, es gibt Hintergrundgeräusche und alle Gespräche laufen zwanglos ab. Und natürlich soll die Musik Laune machen, selbst loszurocken. Oft sprechen wir sogar zu Beginn der Show noch über das Telefon mit lokalen Veranstaltern aus der D.I.Y.-Szene, mit Bands oder anderen, die am selben Abend noch was zu bieten haben, falls unsere Hörer noch unentschlossen sind. Wir haben das zum Beispiel mal simultan zu einer Spontan-Hausbesetzung gemacht, inklusive Partyankündigung. Am nächsten Tag war die Bude dann schon wieder geräumt.

HELLFIRE: Mac

Arndt: Wir stimmen das Programm und die Musik so ab, dass wir die Leute möglichst gut vom Vorglühen und Aufstylen abhalten können. Daher läuft bei uns ausschließlich Grindcore.

Mikula: Unsere Hörer erfahren erst bei UNS, was sie nach unserer Sendung zu tun haben!

Bolle: Die Hörer haben ihre Aktivitäten gefälligst nach unserem Programm abzustimmen.

Eure Gäste stammen meist aus der Kölner Region und haben einen musikalischen, literarischen oder sonstigen Background, der sich mit Musik oder Literatur in Verbindung bringen lässt. Sind das die einzigen Kriterien, die eure Gäste erfüllen müssen oder worauf legt ihr bei deren Auswahl besonderen Wert?

Jule: Ein gutes Aussehen und ein gepflegtes Auftreten!

Mac: Sie sollten mit unserer Subkultur in irgendeiner Form zu tun haben, aus der Region sein und am besten noch einen aktuellen Anlass bieten, wie ein neues Release, eine bevorstehende oder beendete Tour oder Show. Manchmal aber laden wir auch einfach so Bands ein, die wir besonders mögen oder die wir immer schon mal da haben wollten oder die gerade verfügbar sind, obwohl es keine Kölner sind. So waren auch schon Walter Schreifels, TV SMITH, die TERRORGRUPPE, GOOD CLEAN FUN und öfter sogar schon die SPERMBIRDS bei uns. Und manchmal sind es auch nur ein paar Nachwuchs-Punkrocker, die über das Radio dringend einen Drummer suchen.

Bolle: Trinkfestigkeit ist ein sehr wichtiges Kriterium. Wir hatten schon Fälle da, die haben genau bei diesem Attribut ziemlich versagt. Das kann unter Umständen zu hässlichen Flecken auf dem Teppich führen.

Olek: Manchmal reicht es aber auch schon aus, die richtigen Leute zu kennen. Darum hatten wir dich ja auch da!

Mätthes: Wen ich nicht mag, lade ich nicht ein.

HELLFIRE CREW: Maike, Mikula, Bolle, Jule

Wer wäre der letzte Gesprächspartner, dem ihr eure Sendezeit für ein Interview zur Verfügung stellen würdet?

Mac: Es gibt natürlich selbstverständliche „No-Gos“: Nazis, Westerwelle, Ackermann etc. Was die Musikszene angeht, so hab ich was gegen so typische Sell-Out-Vertreter, die ihre Mucke machen, weil sie karrieregeil sind und uns dafür als PR-Element benutzen wollen, aber eigentlich lieber bei MTV wären. Wenn uns typische Musikpromoter oder Labels Gäste aufdrücken wollen, weil die gerade unterwegs sind, um für ihr Album zu werben, sagen wir schon mal: „Nein, danke“. Manchmal aber hat man Gäste, da merkt man dann erst hinterher, dass ihr Szenehabitus nur aufgesetzt ist und dass da kein Spirit hintersteckt, sondern der Traum von Dollars. Das ist uns selten passiert – meistens kennt man die Vertreter ja schon vorher und lädt die erst gar nicht ein –, aber es kam schon vor. Das waren dann auch extreme Kettennervensägen.

Arndt: Christoph Parkinson!

Mikula: Ernst August Albert Paul Otto Rupprecht Oskar Berthold Friedrich-Ferdinand Christian-Ludwig Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg.

Bolle: SANTANA! Habe gerade das neue Album von dem gehört. Obwohl, ich hätte ihn schon mal gerne im Studio, damit ich ihm On-Air ordentlich in den Arsch treten kann.

Mätthes: Schwierige Frage. Die PARASITEN hab ich inzwischen so oft in der Sendung gehabt, dass sie sich erst mal verdammt lange anstellen müssten. Wenn es sie denn noch gäbe.

An welche Sendung erinnert ihr euch aus welchem Grund besonders (un-)gerne zurück?

Jule: Unsere Geburtstagsshows sind immer ein großes Highlights! Nur beim letzten Mal habe ich mir beim Pogo das Knie verdreht.

Mac: Gottseidank gab es wesentlich mehr coole legendäre Shows als schlechte. Da wären wie gesagt unsere Geburtstagskonzerte aus dem Sonic Ballroom, die wir den ganzen Abend live im Radio übertragen, sozusagen der Rockpalast des Punks. Ich glaube, so was gab es in Deutschland vor uns noch nicht. Und natürlich Shows, wo Gäste auch spontan Musik gemacht haben, wie DUMBELL, KAROSHI, Walter Schreifels, TV SMITH oder ROCKAWAY SHANTY, ein Punkrock-Seemanns-Chor aus Köln, die mit dreizehn Mann und Akkordeon an einem Weihnachtsabend strunzbesoffen in unser Studio kamen, sangen, tranken und wieder gingen, nicht ohne einen Seemann auf dem Senderklo zu vergessen.

HELLFIRE CREW: Jule, Wolfgang

Arndt: Schlechte Sendungen gab es kaum – abgesehen von technischen Pannen und schlechten Moderationen. Meine Highlights waren inflationär gerissene, sehr maskuline Penis-Witze mit MARCELLUS WALLACE, die Geburtstagsshow 2010 im Sonic Ballroom, CRIMSON GHOSTS und die SEWER RATS im Studio, Scheiße labern mit DAWSON’S CRACK und mit DAS FRIVOLE BURGFRÄULEIN, der besten Strandpunkband der Welt, und dazu viele weitere Sendungen mit netten Leuten mit Visionen. Ungern musste ich persönlich noch nicht zurückblicken – aber das kommt bestimmt noch, hehe.

Mikula: Es gibt nur Highlights, sonst würden wir den Kram nicht machen. Eine Sternstunde jagt die nächste!

Bolle: DIE PARASITEN: trinkfeste All-Girl-Punkband. Ansonsten haben mir besonders die Interviews mit BRANT BJÖRK gefallen. Super Typ!

Olek: Deine erste Hellfire-Sendung vergisst Du nie! Ansonsten war der Besuch von Freddy von MADBALL schon sehr gut. Entspannter Mann, gute Sendung.

Mätthes: Die mit S.T.A.R. Wann begleitet man schon mal einen Interviewpartner in die Notaufnahme, weil er zu strack zum Stehen ist?

Maike: Ungerne… eigentlich gibt es nur eine kleine Situation, die mir einfällt: Ein Freund einer Band, die bei uns zu Gast war, war wohl in der Nähe des Senders und kam dann vorbei, um der Band einen Besuch abzustatten. Das sah dann so aus, dass er während des Live-Interviews ins Studio platze. Betrunken, laut, absolut einvernehmend. Die Situation ließ sich nicht retten. Gut, spielt man einfach Musik, aber der Typ ließ sich nicht so leicht aus dem Studio schaffen. Irgendwann haben wir es doch hinbekommen. Der Teil des Interviews war dann halt gelaufen. Es gibt schlimmere Situationen, würde ich sagen. Es hat mich aber trotzdem genervt.

Alle zwei Wochen wird HELLFIRE RADIO live übertragen. Dies erfordert ein gewisses Maß an Flexibilität und Erfahrung. Gab es in den letzten Jahren Situationen, die schwer in den Griff zu kriegen waren oder die gar eure Sendung gesprengt haben?

Arndt: Der Stress vor der Sendung, die Unsicherheit, wer nun überhaupt von uns zur Sendung erscheint, die unkommunikative Kommunikation über einen Mail-Verteiler, Verzögerungen, Verspätungen und Technikprobleme sind alles passé, wenn der erste Song läuft und passend dazu das erste Bier geöffnet wird.

Bolle: Das stellt aber überhaupt kein Problem für uns dar, da wir ein äußerst vielseitiges und sowieso tolles Team sind.

Olek: Völlig zugedröhnte Studiogäste, die zudem wortkarg sind, gehen gar nicht. Aber dafür machen wir die Sendung zum Glück nur alle zwei Wochen.

HELLFIRE: Olek

Wieso versucht euer Kölncampus-Kollege, Moritz Folk, auszusehen wie Peter Klöppel?

Jule: Wer?

Mac: Who the fuck ist Moritz Folk?

Arndt: Weil er den Lookalike-Contest gegen das Original mittlerweile klar gewinnen kann!

Mikula: Der ist von der Kölncampus Polit-Sendung „Campus Direkt“. Die müssen so aussehen!

Bolle: Es muss auch Leute bei Kölncampus geben, die ältere Semester ans Radio locken.

Olek: „Du siehst aus wie Peter Klöppel“ ist das schönste Kompliment, das man in Köln einem Imi machen kann! Alter kölscher Brauch.

Wie geht es in der nächsten Zeit bei euch weiter?

Mac: Die mächtigen KASSIERER besuchen uns am 22.10. schon zum zweiten Mal. Außerdem hat unser Kollege Olek Hellfire Kontakte zu einem Hamburger Punkrockradio geknüpft und war schon bei denen zu Gast, und die auch bei uns. Solche Kooperationen wollen wir gerne ausbauen.

Mikula: Gewohnt grandiose Sendungen, Moderationen, Gäste – HELLFIRE RADIO halt. Vielleicht sollten wir aber die Pimmelwitzefrequenz etwas erhöhen.

Olek: Wir werden uns weiterhin alle zwei Wochen zum Biertrinken und Musikhören treffen und dabei die Mikros anmachen. Schön, wenn es jemanden interessiert!

Mätthes: No future…

Maike: Wir treiben alle in den Wahnsinn, stellen weiterhin Bands, Platten und Leute vor. Wir Feiern Geburtstage, die Welt und die Musik. Wir wachsen in unserer Redaktion, erweitern unseren Horizont und den Horizont unserer Hörer (hoffentlich). Wir bleiben uns treu.

HELLFIRE CREW: Olek, Stefan, Anna

Abschließende Worte?

Jule: HEEEEEELLLLLLLFIIRRREEEEEEEE!

Mac: „HELLFIRE RADIO – zu viel Lärm, zu viel Rauch, übler Geruch…“

Mikula: Ich grüße alle, die mich kennen.

Bolle: Also, ich messe gerne mit zweierlei Maß!

Olek: Gehen wir eine rauchen?

Mätthes: Quod licet iovi, licet bovi.

(Christoph Parkinson)

Das “Hellfire Radio”-Interview mit mir vom 23. Juli 2010…

Mittwoch, 22. September 2010

Christoph Parkinson

Für alle, die es interessiert und die das Interview noch nicht hören konnten: Hier ist endlich der Mitschnitt von der “Hellfire Radio“-Sendung auf Kölncampus vom 23. Juli 2010. Mit Arndt Aldenhoven und Michael Oleownik unterhielt ich mich zu unserem einjährigen Treiben auf dieser Seite sowie über einen Teil meiner sonstigen Aktivitäten. Zwischendurch wird jeweils ein Song von HUMAN PONY GIRL und KARATE DISCO gespielt. Die Tonqualität wurde etwas gedrosselt, um ein zügigeres Abspielen der Datei zu ermöglichen.

(Christoph Parkinson)

Night Of The Raging Bulls – Kneipenschlägerei

Montag, 20. September 2010

Team Sixpack
Team Sixpack: Manager C. Destroy | The Happy Golfer | Der Caddy

Wie viele schon mitbekommen haben, mache ich im Sixpack mittlerweile nicht nur die härteste Tür Kölns, sondern man trat während der Ausübung meines Jobs auch an mich heran, um Boxmanager zu werden. Mein Schützling ist seitdem der Happy Golfer. Er wird unter meiner Fittiche und für das Sixpack erstmals am kommenden Freitag im Bootshaus Köln um einen Weltmeistertitel der NOTRB gegen den Balkan Broiler (Team Goldener Schuss) boxen.

HAPPY GOLFER – NOTRB SCHEFFSACHE TRAILER 2010 from Marcel Kamps on Vimeo.

Um ihn der interessierten Öffentlichkeit ein wenig besser vorzustellen, habe ich ihm ein paar Fragen gestellt:

Das ist dein erster Boxkampf, eigentlich kommst du aus dem Golfsport. Wie kam es dazu/wo sind die Paralellen?
Beim Golfen geht es vor allem um die Konzentration und die Abstimmung von Füßen und Händen. Die Parallelen zum Boxen sind da ähnlich, ein Jab ensteht aus den Füßen über die Hüfte, Schultern und dann erst über Arm und Hand.

Wie läuft deine Vorbereitung? Gibt’s spezielle Trainingsmethoden und inwiefern spielt da das Sixpack, für das du ja kämpfst, eine Rolle?
Im Sixpack traniere ich viel. Wenn mir Gäste nicht passen, box ich die einfach raus. Dazu trainiere ich regelmäßig neben dem Sparring meine Abschläge, um locker zu bleiben.

Wer ist dein Gegner und was erwartest du von ihm?
Ich erwarte einen dreckigen Kampf. Ich weiß nicht viel von ihm, er ist schnell, wendig und kommt von der Straße.

Letzte Worte?
An dieser Stelle möchte ich allen danken, die mich unterstützen; vor allem meinen Mentoren, die mich zum Box-/Golfsport gebracht haben.

Es dürfte feststehen, dass uns am Freitag mal wieder ein Event der Extraklasse erwartet, der Sieg dürfte uns sicher sein. Ich habe Matteo angewiesen von hinten mit dem Klappstuhl nachzuhelfen, sollte es wider erwarten eng für uns werden.

Im Sixpack sind übrigens noch ein paar Karten erhältlich.

Destroy.

Im Gespräch: D. HANZEL über Bodybuilding, BLOODATTACK und die “Rotten Leaders”!

Donnerstag, 26. August 2010

BLOODATTACK

Am 24. September erscheint “Rotten Leaders”, das neue Album von BLOODATTACK. Die Jungs sind inzwischen zu Bastardized Recordings gewechselt und legen mit ihrer baldigen Veröffentlichung ein musikalisches Inferno hin, das seines Gleichen sucht. Die Aufnahmen sind ein rücksichtsloser Bastard aus Hardcore und Metal, der endlich mal Wiedererkennungswert hat und wie eine Bombe in der Szene einschlagen wird.

Daniel Zimbomann (aka. D. Hanzel), Sänger und Gründungsmitglied der Band, hat zuvor in einigen anderen imposanten Bands – wie THE JERKS und GOMORRHA – geträllert oder auch bei THE SWAT zeitweise den Bass gezwickt. In dem folgenden Interview mit dem Covelenzer Jung’ geht es natürlich auch um BLOODATTACK und deren neues Album. Fast noch interessanter ist allerdings, was uns Hanzel von seiner zweiten Leidenschaft zu erzählen hat: Dem Bodybuilding…

Hanzel, wie regelmäßig gehst du zu McFit pumpen und wie sieht dein Training aus?

Ich trainiere meinen Body siebenmal pro Woche, zweimal täglich. An guten Tagen dreimal, je nachdem wie viele Aufputschmittel und Steroide ich mir finanziell leisten kann. Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Bizeps geschrumpft ist, lasse ich mich krankschreiben und bleibe meiner Arbeit fern. Dann trainiere ich sechs Stunden am Stück, ohne Pause.

Nachmittags gehe ich immer um 17 Uhr zum Bodybuilding, wenn am meisten im Fitnessstudio los ist – so kann ich die meisten „Probs“ sammeln. Beim Brusttraining schreie und stöhne ich meist sehr laut, damit alle Anwesenden im Studio zu sehen bekommen, was ich für ein unglaubliches Anabolikamonstrum bin. Manchmal zerreiße ich auch mein T-Shirt nach einem harten Satz Klimmzüge und zwinge anwesende, achtzehnjährige Mädchen an meinem Sixpack zu lecken oder meinen Bizeps zu streicheln. Pure Erotik!

Keine Frage, McFit ist mein zweites zu Hause geworden. Manchmal übernachte ich auch dort in der Umkleide, um nach dem Aufstehen noch einen Kaffee mit den Putzfrauen zu trinken und ihnen Komplimente über meinen Körper zu entlocken. Wir sprechen meist auch über politische Themen, zum Beispiel darüber, wer das nächste Mitglied des Monats im Fitnessstudio wird.

Wie viele Kilogramm drückst du auf der Streckbank?

Das kommt natürlich auf meinen Trainingsstatus an. 120 Kilo drücke ich solange und so oft, bis ich das Gefühl habe, meine Brust explodiert und meine Nippel bluten. Jeder einzelne Muskel muss gerissen sein, vorher höre ich nicht auf Wiederholungen zu pumpen. Meine Adern in den Augen platzen dabei regelmäßig, weshalb ich beim Training immer eine Sonnenbrille trage.

Manchmal kommt es vor, dass ich die 120 Kilo nicht schaffe und mit weniger Gewicht hantieren muss. Für diesen Fall habe ich im Fitnessstudio an der Rezeption ein Paar Styroporgewichte hinterlegt, um meinem Ruf als „the Beast from Koblenz“ nicht zu schaden. Und da ich gerade sowieso schon aus meinem Nähkästchen plaudere: Wenn ich dicke Personen im Fitnessstudio erspähe, schleiche ich mich von hinten an diese heran, werfe sie auf die Erde und stemme sie dann in die Luft, mindestens fünfzehn Mal. Eine beeindruckende Demonstration meiner unglaublichen Power!

BLOODATTACK

Für welchen Eiweißshake würdest du sterben?

Ich bestelle mir dreimal monatlich in Singapur den Shake mit dem unglaublichen Geschmack „Thai-Vagina“. Wenn dieser nicht zu haben ist, greife ich auf Leberwurstshakes zurück.

In der Kraftsport-Szene erzählt man sich, dass BRUTOS BRUTALOZ dich zum Bodybuilding gebracht hat. Wie kam denn nun das Eine zum Anderen?

Ich war in meiner Lieblingsdiscothek „Pflaumenbaum“ in Koblenz, City. Ich bestellte mir eine Cola Zero, ohne Zitrone, aber mit einem Schuss „Fatburner deluxe“. Als ich das Getränk entgegennahm, wurde ich von hinten angestoßen und mein Getränk lief mir über mein neues Ed-Hardy-Shirt. Ich drehte mich sofort um und schlug mit meinem Kopf auf den widerlichen Störenfried ein. Dieser Wutausbruch wurde von mehreren meiner mir stets folgenden Fans via Handy gefilmt und noch am gleichen Abend auf youtube veröffentlicht. Dieses Video hatte nach einem Tag über 200.000 Klicks, unter anderem auch von BRUTOS BRUTALOZ. Er mailte mir und teilte mir mit, dass er mich gerne als Trainingspartner beim Bodybuilding unterstützen wolle. Ich lehnte ab, da dieser schmächtige Knilch nicht meine Trainingsliga ist – ich habe besseres verdient. Dies ist die wahre Geschichte!

Ab welchem Zeitpunkt weiß man, dass man genug gepumpt hat, um „Beast Enough To Stand This Hate“ zu sein?

Zu dem Zeitpunkt, an dem deine Arme dicker sind als dein Kopf. Man kann sich Olivenöl in den Bizeps spritzen, so kommen größere Muckis zustande. Ich spritze mir regelmäßig Olivenöl in den Hoden, damit dieser neben meinen muskulösen Oberschenkeln nicht zu klein aussieht.

Am 11. September findet die Releaseparty von eurem neuen Album, „Rotten Leaders“, statt, welches auf Bastardized Recordings erscheint. Ich habe gehört, dass das Album noch mehr Klimmzüge als das vorherige robbt. Was für Unterschiede siehst du zwischen den beiden Scheiben und was gefällt dir an der Neuen besonders gut?

Die neue Platte sollte etwas Weg vom Metalcore und wieder zurück zum Hardcore. Es befinden sich weiterhin Metalelemente in den Songs, allerdings sind diese „traditioneller“ und aggressiv, nicht mehr „zu schön“ und glatt. Ich glaube, das ist uns gelungen und wir konnten mit Hilfe von Kurt und Sascha vom Tonstudio 45 eine gute Scheibe abliefern. Mittlerweile ist es leider so, dass man Bands kaum noch auseinanderhalten kann, da diese sich immer wieder gleich anhören: Grunz, Kreisch, Breakdown, Solo, cleaner Gesang… Das sind zwar alles Elemente, die wir auch in unseren Songs haben, aber ich behaupte, dass diese dennoch einen besonderen Wiedererkennungswert haben und anders klingen, als die Veröffentlichungen der letzten Jahre. Wir haben es geschafft, die Musik einzuspielen, die wir immer machen wollten. Die Platte erscheint am 24. September!

BLOODATTACK

Die Frage liegt nahe: Wieso seid ihr zu Bastardized gewechselt? Hat das etwa damit etwas zu tun, weil die Betreiber des Labels ausnahmsweise mal keine Ossis sind?

Nein, das hat es nicht! Wir haben bei Sony abgelehnt, da ich Beef mit BUSHIDO habe. Alles über unser Signing kann man auf der Homepage von Bastardized Recordings lesen. Dort gibt es eine extra Rubrik, wo wir ein Statement abliefern. Wir sind uns sicher, dass das die beste Entscheidung in unserer Laufbahn war.

Wieso hast du deine heißen Sadomaso-Masken bei einem eurer Konzerte ins Publikum geworfen?

Weil eine Verlosung stattfand, die ich moderierte. Dies war beim “Celebrating the Moshpit Festival” 2009 in Solingen. Diese Moderation fand zwischen unseren Songs statt. Ich stand leider etwas neben mir. Daher warf ich einem Beatdowngirlie, statt einer Tüte mit Vansklamotten, die Tüte mit all meinen Masken zu. Als ich dies bemerkte, war der Wurstfinger schon über alle Berge. Sehr ärgerlich, eine der Masken hatte mich 100 Euro gekostet.

Mit BLOODATTACK läuft es von Jahr zu Jahr besser. Was tust du dagegen, dass nicht noch mehr von deinen Bandkollegen Vater werden und infolgedessen euer geiler Sprint ausgebremst werden könnte?

Ich bezahle die Kindermädchen ihrer Familien. Somit kann ich meine Bandkollegen zwingen, täglich vier Stunden zu proben, während ich im Fitnessstudio bin.

Welche Band würdest du warum als BLOODATTACK-Support bevorzugen: KICKBACK, EARTH CRISES oder DIE LOKALMATADORE?

Definitiv DIE LOKALMATADORE. Ihre Musik, ihr Kleidungsstil und ihre Attitüde sind fast identisch mit unseren.

Wie geht es mit BLOODATTACK weiter?

Mit den Einnahmen des neuen Albums werde ich mich in den Kosovo absetzen und dort eine Familie gründen. Ich möchte dort 37 Kinder mit 3 Frauen haben: 21 Mädchen, 9 Jungen und 7 Zwitter.

BLOODATTACK

Was kannst du uns über die bisherigen Planungen für das nächste „Full Metal Fortress“ erzählen?

Dies soll im Heimathaus Neuwied im März 2011 stattfinden. Zurzeit muss ich mich voll und ganz auf BLOODATTACK konzentrieren. Die eigentliche Planung wird im Oktober 2010 beginnen, dann gibt es alle News auf myspace.com/fmffestival.

Letzte Worte?

Ich befehle jedem, sich am 11.9.2010 auf unsere Releaseparty ins Dreams Koblenz zu kommen, eine CD zu kaufen, zwei Shirts und eine BLOODATTACKSHORTS. Danke für das Interview, ich muss jetzt los zum Training!

Hanzel, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim Pumpen sowie mit dem neuen Album. Ich werde mich nun auch mal besser direkt in dem Fitnessstudio in Bern-Bethlehem anmelden, um die Girls mit meinen baldigen Creatinarmen verrückt machen zu können. Wenn das mal keine guten Aussichten sind…

(Christoph Parkinson)

PS: Ich verabschiede mich hier für eine Woche und fahre auf Klassenfahrt. Bis dann!

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BLOODATTACK Releaseparty

Im Gespräch: OLIVER LONIEN aka. LOW-NIEN BEATS über deutschen Gangsterrap!

Samstag, 19. Juni 2010

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Als einer der besten deutschen Tätowierer für Arbeiten im japanischen Stil, hat sich Oliver Lonien aus Trier bereits vor vielen Jahren, weit über die Landesgrenzen hinaus, einen Namen gemacht. Auch die Doku-Serie „Tattoo – Eine Familie sticht zu“, welche auf DMAX erfolgreich gelaufen ist, gehört zu den besseren Serien dieses Formats. Über seine hohen künstlerischen Fertigkeiten und sein Treiben im Tätowierbusiness kann sich also niemand ernsthaft das Maul zerreißen.

Als er jedoch vor etwa einem Jahr als LOW-NIEN erstmals mit deutschem Gangsterrap und dazu passenden Videoclips im Internet in Erscheinung getreten ist, ließen die verbalen Angriffe in sämtlichen Foren nicht lange auf sich warten. Interviews über seine Arbeiten als Tätowierer hat er in seinem Leben unzählige gegeben. Freilich hat er nach wie vor dazu einiges zu sagen und zu erzählen, in diesem Interview soll es aber ausnahmsweise um etwas ganz anderes gehen – und zwar um LOW-NIEN und den deutschen Gangsterrap!

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Auf deine Aktivitäten im Rap-Geschehen reagieren insbesondere viele von denen, die dich als Tätowierer kennen und sehr schätzen, äußerst negativ und verstehen zum Teil die Welt nicht mehr. Wie erklärst du dir das?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Haben die sonst nichts zu tun, als sich über die Hobbys anderer Menschen aufzuregen? Prinzipiell sind die Deutschen eh etwas dogmatisch und unflexibel. Das hält mich aber nicht unbedingt davon ab, meine Leidenschaften zu pflegen, wozu nun mal Gangsterrap zählt. BOOBA sagt dazu: „If u don‘t like it, don‘t listen!“ So einfach ist das. Ich bin zum Glück weiterhin zwei Jahre ausgebucht, von daher haben die „Demontageversuche“ der Neider aus dem Musik- und Tattoobiz keinen nennenswerten Erfolg verbucht. Ich verstehe auch nicht alles, was andere Tätowierer so gut finden. Zum Beispiel Daatzmann, der hat „W. A. W.“ (Weißer Arischer Widerstand) sichtbar auf dem Hals tätowiert. Aber jedem das Seine – das stand doch schon auf dem KZ-Eingang, oder?

Vor wenigen Jahren galtest du eher als der introvertierte, besonders friedfertige Typ mit langen Haaren, der seine musikalischen Wurzeln eher im Metal zu pflegen schien. Auf Myspace sind inzwischen einige Fotos von dir zu finden, auf denen du dich mit Knarre, Unterhemd und „dicken“ Karren ablichten lässt. Entweder entsteht der Eindruck, als hättest du dich mit mitsamt deinen Attitüden um ein paar Grad gedreht – oder aber dein relativ neues Treiben und deine aktuelle Form der Selbstdarstellung wirken sehr inszeniert. Das könnte auch erklären, weshalb du stellenweise dabei sehr verkrampft erscheinst. Mein erster Gedanke war, dass du Gefallen an deutschem Rap gefunden hast, die deutsche Gangster-Rapszene in deinen Texten und Videos dennoch karikierst. Inzwischen zweifle ich immer mehr daran und denke, dass das Augenzwinkern immer mehr verschwindet. Was hat es mit LOW-NIEN BEATZ und deinem „Imagewandel“ denn tatsächlich auf sich?

Ich fühle mich eigentlich unverkrampft, aber der Eindruck ist ja subjektiv. Zum Thema „Attitude“: Dazu müsstest du als Reporter tiefer recherchiert haben, um meine Story zu kennen. Ich war tatsächlich peaciger drauf für einige Jahre, was aber eher damit zusammenhing, dass ich einige Jahre sehr zurückgezogen und familiär gelebt habe und, außer beim Tätowieren, kaum Bezug zur Außenwelt hatte – quasi alle negativen Einflüsse von außen ignorierte. Das geht aber leider nicht auf Dauer klar.

Rap hörte ich immer, sowie auch Metal, Punk, Hardcore, Soul, etc. Aber da du gerade doch mein Myspace-Profil thematisierst: Dort steht schon seit Jahren alles, was ich höre. Und was sagt eigentlich die Haarlänge aus, ist man deswegen mehr oder weniger Metal? Das meine ich damit, dass die Deutschen etwas dogmatisch, nein, einfach etwas beschränkt sind, sorry! Und was ist an Knarren und dicken Autos verkehrt? Gegenfrage: Fragst du auch die Hells-Angels-Tätowierer auf den Conventions, warum sie darauf stehen oder hast du da Angst? (Anmerkung von C. Parkinson: Die Antwort muss in diesem Fall doch nicht erfragt werden, denn sie lautet: Weil sie damit nicht nur schießen können, sondern es im Zweifelsfall auch tun…)

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Das ist die Mucke für den Drive-By“: Dass du inzwischen Lust darauf hast, Rap zu machen, ist eine Sache. Aber was erwartest du dir von der Zusammenarbeit mit minderjährigen Typen, die von „Drive-By“ und Berettas singen, und so wirken, als müssten sie die Hauptschule schwänzen, um sich mit dir für das Video im Parkhaus filmen zu lassen?

Ehrlich gesagt, die Frage ist etwas negativ wertend, quasi offensiv! Ich war auf derselben Hauptschule und gehe aus nostalgischen Gründen dort nach jungen Talenten suchen. Spaß beiseite: Ursprünglich entstand die Idee, was mit den Jungs zu machen, aus einem Charity-Gedanken, um den Kids von der Straße die Möglichkeit zu bieten, ihren Träumen etwas näher zu kommen. In den meisten anderen Clips wirken ja eher ältere Leute mit. Die „Drive-By“-Sache ist ehrlich gesagt gebytet. Ich habe eine CD von ICE CUBE gesehen, die hieß „Music To Drive-By“. Da habe ich mir gedacht, geh schautz, der BUSHIDO klaut ja auch. Außerdem sind wir Gangster, also immer her damit! Und die Texte der Jungs: Ich mag keine Zensur. Von daher lasse ich sie sagen, was ihnen guttut. Sie sollen sich ja wohlfühlen.

Wer sind überhaupt diese ganzen Typen in deinen Videos und wo hast du die aufgegabelt?

Meine Freundin ist Jamaikanerin – und der Rapper 151 ebenfalls. Er ist ein Killer aus Kingston. Und wenn du nochmal so ‘ne Scheiße fragst, kommt er dich mal besuchen. Ups mein zwinkerndes Auge, sorry.

Wie kamst du auf die Idee, dir ein Tonstudio einzurichten und seit wann beherrscht du das dazugehörige Know-How, Aufnahmen zu produzieren sowie Beats zu fabrizieren?

Ich mache seit zwanzig Jahren Musik. Damals habe ich in der Dortmunder Punk-Hardcoreband THE IDIOTS gespielt und ein Album mit Songs aufgenommen, die eine Art Metalcore waren – circa zehn Jahre vor dem Trend. Seit einem Jahr mache ich Hip Hop. Und neunzig Prozent der deutschen Producer sind bereits gefickt. Wenn ich nicht gerade Arschgeweihe steche, um mir meine SSL-Konsole zu leisten, experimentiere ich mit illegalen Plug-ins.

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Wie ernst ist es dir mit deinem eigenen Label, HANNYA RECORDZ, was strebst du langfristig damit an und was ist in absehbarer Zeit alles geplant?

Es ist mir sehr ernst! Primär strebe ich die Weltherrschaft an, sekundär die totale Ausrottung der menschlichen Rasse. Nebenbei mache ich zwei Alben: Eins ist Straßenrap, eins ist Soul und rnb (Produceralbum), dann Labelcode und Fame. Genaueres könnt ihr in dem Videointerview auf meinem Myspace-Profil sehen.

Was meinst du würden Claus Fuhrmann oder Filip Leu von einem Rap-Feature in einem deiner Songs halten?

Von Claus hab ich Probz für „Bombenhagel 1“ bekommen. Er hat mich übrigens vor vielen Jahren zum Rap bekehrt. Filip und ich haben darüber gelacht, dass die Hater auf youtube schrieben, ich sollte den Buddhakopf von ihm „zwangsgelasert“ bekommen. Er sagte: „They got u with that“! Luke Atkinson hat mir per Email einen Film über „Bloods and Crips“ empfohlen, weil Gangbanging nicht verherrlicht werden sollte. Ich fand den Film aber blöd, nicht objektiv und die Realität verzerrend. Man müsste die Ursachen beleuchten, warum die Regierung Schwarze ins Ghetto steckt, an jeder Ecke Schnaps- und Waffenläden zu finden sind oder man Crack kaufen kann – und nicht einen reißerischen Scheißfilm über Minderheiten, um Kohle damit zu scheffeln.

Wann gibt es den ersten Diss gegen MAHATMAHITLER?

Den gab es schon, aber unter Pseudonym. Ich lasse nicht zu, dass solche Krüppel durch mich noch Hype bekommen. Die reagieren immer nur darauf, wenn jemand etwas macht, statt selber kreativ zu werden; typisch deutsch.

Wann sind die ersten Livegigs geplant und wie wird es mit LOW-NIEN BEATS weitergehen?

Live auf Tour war ich zehn Jahre lange und mache so etwas erst wieder, wenn ich denselben Stundenlohn wie als Tätowierer bekomme. Mit mir wird es so weitergehen, dass ich zwei Alben mit überkrassen Features raushauen werde, analog auf SSL gemischt, und das dann dafür sorgen wird, dass ich mir noch mehr dicke Autos und Knarren kaufen kann. Ein tödlicher Kreislauf, mo money, mo problems…

„LMS“ oder „Carlo, Coxxx Nutten I“?

CCN natürlich, aber eigentlich MOSES PELHAMS „Geteiltes Leid“.

Abschließende Worte?

Ja: Fickt euch alle!

Vielen Dank für das Interview!

(Christoph Parkinson)