Archiv für die Kategorie ‘Diskussion’

Carlo, Cokxxx, Nutten 2002: Ein Meilenstein des deutschen Hip Hops

Dienstag, 03. November 2009

“Du machst auf hart, doch du bist in Wahrheit nur ein Punker,
Wir sind am Mic und wir scheißen auf deine Mama,
Es ist Frank White, Sonny Black und du bist ‘ne Schwuchtel,
Rap macht uns reich und deine Welt wird plötzlich dunkel!”

Danke Jungs, das war geil! Das war revolutionär. Das war der Hass! Geile Hook, geiler Beat, geiler Style. Alles noch echter und mehr DIY. “Boxt euch nicht, ihr seid nicht Aggro Berlin!” 2009 gibt die Kombination “Sonny Black und Frank White” dagegen nicht mehr viel her. Die Kids kaufen. Und der Parki kauft vielleicht auch – oder klaut über das Internet. Mal sehen. Was wäre denn realer?

Die “Carlo, Coxxx, Nutten (I)” sollte aber nun wirklich jeder in seinem Regal haben, der etwas auf sich hält. Genauso wie die “Dear You” von JAWBREAKER, die “Ignorance Is Bliss” von FACE TO FACE und die “Relationship Of Command” von AT THE DRIVE-IN. Aber ich denke, was das angeht, sind wir uns alle ausnahmsweise mal einig, oder?

(Christoph Parkinson)

PS: Wenn ich schon mal wieder dabei bin, mich über meine deutschen Hip Hop Perlen zu freuen, ist es mir ein großes Vergnügen, mit dem Klassiker “Pimplegionär” von KOOL SAVAS noch einen drauf zu setzen. Yeaho und viel Spaß!


Nachtrag von Christian Destroy:

Ich glaube man kann das aus heutiger Sicht nicht einfach so stehen lassen, ohne für arm gehalten zu werden, aber natürlich hast du Recht: Als ich damals das Tape von Carlo, Cokxxx, Nutten in die Finger bekommen habe und es im Auto meiner damaligen Freundin hörte, hat es mich weggeblasen. Etwas vergleichbares gab es vorher einfach nicht! Der Albumtitel, auf dem Cover war ein Butterfly und in den Texten ging es zum ersten Mal beim Drogenkonsum (Drogen sind nicht cool, aber ich bin fast vom Sitz geflogen, als ich DAS zum ersten Mal gehört habe) nicht ums Kiffen. Ich komm auf die Party und mach Stress ohne Grund, ich hab mich nicht mehr eingekriegt, mit den Fantastischen 4 hatte das endlich nix mehr zu tun. Selbst der Labelname AGGRO ließ uns jauchzen (auch heute unvorstellbar banal geworden). Wir konnten gar nicht fassen, mit wieviel Witz und Augenzwinkern hier ein gewisser Lifestyle dargestellt wurde. Das waren genau unsere Sprüche und dazu gab’s die düstersten Beats ever.

Leider stellte sich schon ganz bald raus, dass das mit der Ironie und den Sprüchen überhaupt nicht so war. Die Originalität war schnell dahin. Spätestens 2 Jahre später sollte jeder dahergelaufene Rütlischüler mit irgendeiner CD, auf der in schlechtem Deutsch ganz oft das Wort Hurensohn “gerappt” wird, um die Ecke kommen. Schade.

Banani, voll Banani: Ich saufe alleine 2009!

Donnerstag, 17. September 2009

Wieso eigentlich nicht mal “Ich dröggele allein”? Das passt nicht nur besser zur nächsten Aftershowparty alleine vorm Spiegel, sondern tönt auch nicht so negativ wie “Pille, palle, alle pralle” von LÜTZENKIRCHEN. Die Version von MODERN STALKING ist ja schon mal ein Anfang. Oder wohl doch eher das Ende? (Christoph Parkinson)

Inglourious Basterds

Dienstag, 15. September 2009

Inglourious Basterds? Stell Dir einfach Kill Bill 2 vor, nur dass er in Nazideutschland spielt. Oder stell Dir Death Race vor, nur dass er in Nazideutschland spielt. Oder stell Dir den nächsten oder übernächsten Tarantino vor, nur dass er in Nazideutschland spielt. Da allerdings jeder noch so schrottige SAT1 Comedian mitspielen durfte, hätten Mike Krüger und Thomas Gottschalk auch ne Rolle verdient gehabt. Geil, “Zwei Nasen tanken super!” mit 15-minütigen Monologen über Pro und Contra von Gürkchen auf Wurstbroten und einem Soundtrack von Gunter Gabriel. Hitler hätte auch besser von Hella von Sinnen gespielt werden sollen. Nee, Quatsch, lieber von Matteo.”

(Mein Mitbewohner)

“Am Ende war ich für die Nazis.”

(Ich, nach verlassen des Kinos)

Recht hat er, mir geht dieser Quentin Tarantino langsam ultra auf die Eier. Es hört überhaupt nicht mehr auf. Der Typ hat von Character Development und Storywriting null Ahnung, es gibt keinen Spannungsbogen und jeder Filmtrailer oder jede Unterzeile auf einem seiner Plakate verraten schon die komplette Handlung. Mit Ende. Mehr ist nicht drin im Film. Gefüllt wird das ganze mit 20 minütigen kultigen Dialogen/Monologen, kultigen Typen und kultigen “Hommagen”. Ich bin auch niemals schlecht unterhalten, nur regen mich seit mindestens Kill Bill 1 die sich überschlagenden Leute auf, die glauben sie hätten gerade Kinogeschichte konsumiert. Ihr habt offensichtlich noch nicht viele Filme gesehen. Das schlimmste an meinem Kinobesuch war allerdings, dass ich in einem flippigen Kino war, in dem nur Originalfassungen gezeigt werden, das zieht automatisch ein ganz wiederliches Besserwisserpublikum mit Lakritzbrillen, Kabelarmen und Becks Gold-Flaschen in der Hand an, kann man sich ja denken wie so eine Vorstellung ist, da gehe ich nächstes Mal lieber in eine mit Prolls gefüllte The Fast And The Furious Veranstaltung, die machen mich weniger aggressiv.

PS: Pulp Fiction ist großartig, dieser Film hat alles verändert. Nicht großartig sind hingegen Pulp Fiction-Partys auf denen Oberstufenschüler mit Kommunionsanzug und Blues Brothers Sonnenbrille rumlaufen.

PPS: Ich habe nichts gegen Quentin, der ist bestimmt cool und hat Spaß an dem was er tut.

Christian Destroy.

Nur eine Frage der Zeit, aber was kommt jetzt noch?

Montag, 24. August 2009

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein paar Gören auf den Gedanken kommen mussten, Pop-/Hip Hop/House-Musik mit Screamo- und Grindanleihen zu kombinieren. Ja, ja, diese Produktion ist als “ironisch gebrochen” zu verstehen. Oder zumindest war sie das vielleicht zu Beginn der Bandgründung – falls die Jungs im Vorfeld nicht von einer professionellen Agentur dafür gecastet worden sind. Inzwischen sind BROKENCYDE, der Name ist bereits der Schenkelklopfer schlechthin, aus New Mexico mit ihrem Trash erfolgreich und spielen größere Touren. Ein Grund für das Quartett, vielleicht nicht doch mehr hinter der Musik zu stehen? Ihr Erfolg macht die Sache jedenfalls nicht witziger. Hätte Daniel Küblblöck ähnliches vor ein paar Jahren veröffentlicht, die Optik zwischen ihm und den Bandmitgliedern ist ja gar nicht sooo unterschiedlich, dann wäre es als Realsatire gewiss einen kleinen Lacher wert gewesen. Mehr aber nicht.

Oft habe ich Aussagen gehört, wie zum Beispiel, dass es an Musikgenres schon alles gegeben hat und sich die Trends ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nur wiederholen. Ich finde eher, dass das Besondere dieses Jahrzehnts es ist, mit Ach und Krach alles bisher dagewesene irgendwie miteinander zu verbinden. Nicht selten auf diese widerliche “ironisch gebrochene” Art. Ähnliches gab es vor nicht allzu langer Zeit bei den CALVARY KIDS, die Hip Hop Songs mit Grindgesang gecovert haben. Zum Schießen sind auch die deutschen WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER, die Grindcore mit Elektroklängen spielen und als Texte Kinderlieder wie “Alle meine Entchen” missbrauchen. Was ist die Intention? I don’t know. Die Teenies fahren jedenfalls darauf ab! Vielleicht weil es inhaltslos ist und sich zum Partymachen auf halbsubversiven Hardcorepartys eignet?

Ich schlage vor, zumindest die ersten beiden genannten Bands unter den Begriff des “Neocrossovers” zu packen. Fragwürdiger Humor, oder zunächst nicht nachvollziehbares Treiben, wie die Übernahme von den Texten aus Kinderliedern, haben in jedem alternativen musikalischen Genre schon immer einen Platz eingenommen und machen keinen neuen Musikstil aus. Deathmetal mit witzigem Elektrosound gab es sicherlich auch schon vorher. Grundsätzlich habe ich jedoch den Eindruck, dass derzeit sehr viel experimentiert wird. Von einer Ära des “Neocrossovers” sind wir zum Glück jedoch weit entfernt.

Es wird mit Klischees von anderen Szenen gespielt und in dem Sound lassen sich unkonventionelle Einflüsse finden. Das Experimentieren finde ich total wichtig und dessen Ergebnisse finde ich nicht selten irgendwie gut. Speziell frage ich mich bei Bands wie BROKENCYDE, was die ganze Sache soll? Ist das der neue alternative Sound für die alternativen Kids aus der Oberstufe? Soll hier provoziert, polarisiert, der alte Rahmen gesprengt oder einfach nur unterhalten werden? Und wer soll erreicht werden: Sollen andere Jugendkulturen oder die Popkultur durch den Kakao gezogen werden? Oder die Engstirnigkeit in der eigenen Szene? Geht es um Inhalt oder geht es nur um Fashion und um einen neuen Einschlag in der Popkultur? Ich verstehe es nicht und ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Frisuren und Style, der beiden im Video zu sehenden Heinis, sind ganz bestimmt kein Fake und unterstreichen den Fashion-Aspekt. Also doch: Daumen runter!? Ja, wenigstens dafür. Weitaus unklarer ist für mich die Frage, was jedoch nun noch kommen soll? Und aus welchem Grund?

(Christoph Parkinson)

Statement von Christian Destroy:

Ich finde es unfassbar und unverantwortlich von dir in irgendeinem Zusammenhang dieser Musik, beziehungsweise dieser Visual Kei-Heinis, die gerne die üblichen Metal”core”-Bands hören, die Worte “Szene” und “Hardcore” zu verwenden. Ich bin fast vom Stuhl geflogen. Das hat mit beidem NICHTS zu tun. Hier wird eindeutig klar, dass es nicht um Hardcore (http://en.wikipedia.org/wiki/Hardcore_punk), sondern um nichts geht. Das Gefährliche, wie schon beim “Metalcore” (dieses Wort alleine), ist allerdings, dass die Spastis in dem Glauben gelassen werden, sie seien irgendwie anders, würden irgendwie andere Musik hören, hätten eine Szene, wären hart (ich verweise auf die Capoeira und Tae Bo Tänze vor der Bühne, die “Violent” sein sollen) und so weiter. Die sind gar nix! Da hat jeder Ed Hardy-Proll mehr Integrity. Tschö mit Ö, ich gehe jetzt kotzen.

Bereit für den “Schlagabtusch”: Gangsta Rap aus dem Kanton Schwyz

Montag, 17. August 2009

C.mEE Schlagabtusch

Meine fast zehnjährige Begeisterung für deutschsprachigen Gangsta-, oder besonders auch “Asi”-Rap, ist kein Geheimnis. Viel Unterhaltung haben mir “Carlo, Coxxx, Nutten” von SONNY BLACK und FRANK WHITE oder einzelne Tracks von AIDS, BASS SULTAN HENGZT, SHOK MUZIK, KOLLEGAH, LADY BITCH RAY und viele andere beschert – oftmals lange bevor sie von der Popindustrie aufgesaugt worden sind.

Gangsta Rap in Schweizer-Deutsch ist meinem bisherigen Eindruck nach noch nicht so populär. Hip Hop im Allgemeinen ist natürlich auch hier eine große Nummer. Der auf französisch rappende STRESS aus Lausanne hat längst den Status eines Popstars. Die Berner WURZEL 5 sind ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sie rappen zwar auf Schweizer-Deutsch, haben mit dem Gangsta-Ding jedoch wenig zu tun. Zufällig stieß ich vor ein paar Tagen über Myspace auf den recht jungen C.mEE aus dem Kanton Schwyz. Meines Erachtens zeigt er sehr gut, dass Vocals auf “Schweizer-Deutsch” auch in diesem Genre gut funktionieren und Power haben.

Zu Beginn des Videos sticht das “Selfmade Records”-Shirt des MCs hervor, was auf eine Verknüpfung zu dem aus Essen stammenden FAVORITE zurückzuführen ist. Der Beat ist einfach und kommt in Verbindung mit dem Rap ziemlich gut. Falls in dem Clip mit den Gangsta-Klischees gespielt werden, ist auch das Video cool. Wenn das nur eine Low Budget-Adaption an die Erzeugnisse aus den Staaten ist, ist es, genau so wie oft in Deutschland, sehr peinlich. Und da die Jungs offensichtlich im Bollo-Hardcore verwurzelt sind, könnte man fest vom Letzten auszugehen – wobei dafür wieder die Texte meist zu gut sind. Wie auch immer, das Violent Dancing ist ja ganz nett anzusehen, aber von dem Großteil der, zumindest deutschen Szene, halte ich aus bekannten Gründen nichts (siehe “Let’s get ready to rumble, Kecko!” im Pankerknacker Nr. 11). Die Breakdance-Einlagen finde ich im Vergleich zu den Windmühlen sympathischer.

Ob C.mEE die ganze Produktion nun ernst meint oder nicht, kann ich nicht 100%ig beurteilen. Wenn ich mein Augenzwinkern dabei berücksichtige, ist der Song einfach nur prächtig, Biatch! Wer sich mehr für C.mEE oder ähnliche MCs aus der deutschsprachigen Schweiz interessiert, kann sich die nun folgenden Links mal betrachten und “Höde läcke!”: “http://www.myspace.com/cmeesz” und “http://www.myspace.com/fohdigi”. Weitere Empfehlungen zu diesem Thema werden von mir gerne gesehen. (Christoph Parkinson)

The Sound of Chiggi-Chiggi

Mittwoch, 12. August 2009

Sex ohne Musik

Es ist unmöglich, dass ich mich an jedes meiner sexuellen Erlebnisse in den letzten Jahren erinnere. Noch unmöglicher ist, dass ich mich an jede Musik erinnere, die währenddessen gelaufen ist. Das geht vermutlich jedem so, der sich beim Bumsen gerade nicht danach sehnt, endlich den Rausch ausschlafen zu können und die Nummer möglichst schnell hinter sich zu bringen.

An eine Zeit kann ich zumindest jedoch zurückdenken, in der ich ein Problem mit deutschsprachigen Lyrics gehabt habe. Diese Songs haben mich jedes Mal vom eigentlichen Treiben abgelenkt, weil ich ständig zuhören musste, was gerade gesungen wird. Sehr verrückt. Heute dagegen wünsche ich mir beinahe nichts mehr, als wenigstens einmal zu Deutschpunk zu bumsen. Sorry, ich übertreibe. Es stimmt aber, dass ich bei dem Gedanken daran einen gewissen Reiz verspüre. Was für einen Einfluss könnten Songs wie “Bullenschweine” von SLIME, “Massenhysterie” von den TARGETS oder “Beton muss her” von HASS auf die Dynamik beim Sex haben? Ähnlich interessant fänd ich es, mal zu deutschem Gangsta-Hip Hop die Testikel klatschen zu lassen. Und was für eine Wirkung hätte erst ein Album von GG ALLIN? Äh, nein, das muss vielleicht wirklich nicht unbedingt sein. Falls ich in Zukunft nennenswerte Erfahrungen zu diesem Thema sammeln sollte, teile ich euch diese im Zweifelsfall gerne mit.

Wie ich es anfangs erwähnt habe, erinnere ich mich nach dem Sex selten an Musik, falls überhaupt welche gelaufen ist. Ein paar Alben gibt es allerdings, die ich zum Teil sogar nach einigen Jahren immer noch mit bestimmten Erlebnissen aus verschiedenen Gründen gerne in Verbindung bringe. Hier ist meine Top 5 in zufälliger Reihenfolge:

- ATHLETE “Tourist”
- BLACK DAHLIA MURDER “What A Horrible Night”
- WOLFTRON “Flesh & Fears”
- THE ARACADE FIRE “The Neon Bible”
- REIKI “Wurzel-Chakra”

Auch wenn mir ja sonst fast nichts zu peinlich ist, erspare ich mir die dazugehörigen Stories aus persönlichen Gründen. Beim Anblick dieser Auflistung fällt auf, dass drei der fünf Interpreten aus dem Indiebereich stammen. Das ist zwar naheliegend, erweckt aber auch schnell den Eindruck von zu sinnlichen oder romantischen Momenten oder einfach nur den Eindruck von Kitsch und Blümchensex. Alles ist bei One-Night-Stands selten passend. BLACK DAHLIA MURDER legen Assoziationen mit einem wilden Gestocher während der Periode nahe. Und Reiki-Klänge… Lassen wir das, denn diese spontanen Verknüpfungen haben wirklich nichts mit der aufregenden Wirklichkeit zu tun. Falls ihr euch an Musik erinnern könnt, die ultra oder eben so etwas von gar nicht während dem Bumsen ging, tut euch keinen Zwang an, diese hier zu posten. (Christoph Parkinson)