

Schauspiel und Sprechen. Daniel Faust aus Berlin – als Schauspieler ist er in Kinofilmen wie “Savage Love 666″ von Olaf Ittenbach oder “Fallacia” von Navina Clever und Paulina Wanat zu sehen. Der Radius seines gesamten Aktionsfeldes erfasst jedoch auch andere Bereiche, Formate und Tätigkeiten. Die Schlagwörter sind Theater, Fernsehen, Synchronisation, Hörspiel und Lesungen. Dass er als Sprecher zudem selbst Kurzgeschichten schreibt, verwundert weniger. Weitere Informationen und Kontaktdaten findet ihr auf seiner Homepage sowie auf der Internetpräsenz von seiner Agentur Weiber und Kerle. Also: Action!
(Christoph Parkinson)
Der Anhalter
Die Umrisse des Mannes waren nur schwer zu erkennen. Verwinkelt stand er an einer Waldesschneise und wartete trotz des starken Regens auf einen barmherzigen Autofahrer, der ihn wohl aus seiner einsamen Lage befreien sollte. Sichtlich erleichtert konnte ich ihn in dem tropfenbehangenen Rückspiegel auf mein Auto zueilen sehen.
„Hey Mister! Können sie mich nach Norwax mitnehmen?“
„Ja, ja, natürlich, steigen sie ein.“
Die feuchte und frische Abendluft schaffte es nicht den Gestank zu verbergen.
Im Radio lief ein Song von den Beatles. Gutes Gesprächsthema – dachte ich mir.
„Ja, ja, ist schon ne schlimme Sache mit John.“
„Was meinen sie?“
„Mit John, John Lennon meine ich. Den kennen sie doch, oder?“
„Nein, wer soll das sein? – Ein Politiker?“
Die monotone Stimme beunruhigte mich. War er besoffen, gar auf Droge, oder einfach nur total durchgeknallt? John Lennon, jedes Kind kennt ihn. Seit Tagen ist sein Bild aus keiner Zeitung, Talkshow oder Nachrichtensendung mehr wegzudenken. Die Tragödie überhaupt. Und dieser – nein das konnte nicht sein.
„Äh, wenn ich fragen darf, wo kommen sie denn her?“
„Ich habe einen sehr langen Weg hinter mir.“
Die spärliche Antwort beendete gekonnt mein Weiterfragen.
Norwax: 12 Meilen, stand auf einem Schild. Ich fühlte mich irgendwie bedroht. Und dann dieser Gestank. Was war es? Je länger er in meinem Auto saß, desto penetranter wurde der Geruch. Es war kein Alkohol. Ich öffnete das Fenster.
Er war unheimlich. Schaffte es irgendwie gleichgültige Ruhe und animalische Nervosität zu vereinen. Und dann dieser starre Blick.

Norwax: 8 Meilen. Dieses Scheißwetter. Ich schloss das Fenster. Schon wieder Beatles. Wer war dieser Kerl. Wo kam er her? Mitten in den Feldern, 20 Meilen von jeglicher Zivilisation entfernt. Dann noch dieser Gestank, dieser Blick. Ich wurde nervös. Seine Hände lagen ruhig auf den angewinkelten Knien und doch schienen sie sich zu bewegen. Jede Sekunde bereit hochzuschnellen und zuzupacken! – Zu viele Horrorfilme gesehen. – Ich atmete tief durch und drehte das Radio lauter. „We´re all living in a yellow submarine“
Norwax: 5 Meilen
„So, gleich haben wir es geschafft.“
Mein Blick wechselte hektisch: Die Straße, sein Konterfei, die Straße, sein Konterfei. Ich erwartete eine Antwort, eine Reaktion. Starrer Blick… er bewegte ihn ganz langsam in meine Richtung. Nun schaute er mich an. Straße Augen Straße Augen.. sein Blick schien mich zu durchdringen. Straße Augen, Straße Augen.
Norwax: 2 Meilen
Erleichtert nahm ich das Schild wahr, und den seitlichen Anblick seines Gesichtes. Die Lichter kamen immer näher. Sahen wie eine richtige Kugel aus bei dem Regen, fast schon wie ein Ufo, oder so etwas. Das war Norwax. Gleissend hell schienen die Lichter nach einer dunklen Fahrt. Sie blendeten fast.
„Dort vorne halten.“
Der unfreundliche Ton störte mich in keiner Weise mehr. Ich war erleichtert. Der Gestank schien ebenfalls verschwunden zu sein. Ich bemerkte es erst jetzt.
„Ciao, du bekloppter Typ“, dachte ich mir und schaute dabei noch einmal in den Rückspiegel. Autsch!“
Ein Blitz? Ein Wetterleuchten? Ich kniff die Augen zusammen, schüttelte kurz den Kopf. Verwirrung… Ich fuhr weiter.
Ende
(Daniel Faust)
Oi! Danny,alte Butterbirne,wat gehht?
Cheers aus Ko-City