Im Gespräch: DJ LORD FUCK über das Geheimnis des Erfolges von TRASHPOP, das Balzverhalten der Discocrowd und sein Unverständnis für den “DJ als Sexsymbol”!

Die TRASHPOP PARTY in der Kölner Werkstatt und im Essener Hotel Shangai, gehört mit zu den am besten laufenden Partyreihen in der jeweiligen Stadt. Einer der DJs, LORD FUCK, verrät hier das Geheimnis des Erfolges und nimmt Stellung zu Themen, die bisher selten so zur Sprache gebracht worden sind. Um in der Sprache der Leute zu schreiben, die für so viele schlechte Künstlerinfos verantwortlich sind:

DJ LORD FUCK weiß wovon er spricht. Bereits lange vor der TRASHPOP legte der alte Partyfrechdachs 2002 im Keller in Dortmund die gefragtesten Sounds auf – von Indie über Disco bis hin zu den gefürchteten elektronischen Granaten. Nachdem er in diversen Clubs im Ruhrpott (Ping Pong Club, Heldenbar, Beatplantation, etc.) das DJ-Pult bestiegen hat, verlagerte er seine Aktivitäten verstärkt außerhalb des ehemaligen Malocherzentrums – eben unter anderem auch nach Köln. Verdammte Scheiße, ist das geil? Ja, das ist es! Und infolgedessen fand Anfang Februar dieses Interview per Email statt.

Zum Einstieg: Du bist einer der Protagonisten der TRASHPOP-Reihe, welche in Köln und in Essen grandios läuft. Wo fing das Ganze denn mit wem an?

Die Gründer der Reihe TRASHPOP sind Jona und Jan, welche den Namen in Essen vor fast sieben Jahren groß gemacht haben. Ich habe das Gleiche nur ohne wirkliches Konzept und Namen, aber immerhin genauso besoffen, gemacht. In Köln haben wir uns dann zusammengetan.

Wie hältst du es aus, regelmäßig und dann auch noch stundenlang, diese furchtbare Neunzigerjahre-Musik während dem Auflegen seit Jahren selbst hören zu müssen?

Also, erst mal kann man den ganzen Abend nur so ein Geballer gar nicht aushalten! Daher spielen wir auch aktuellen Chart-Pop, Rock, Techno, whatever. Davon abgesehen habe ich eine sehr niedrige Ekelgrenze und bin meist eh so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich gar nicht mitbekomme, was da gerade läuft.

Warum geht das Konzept derart gut auf und funktioniert bereits mehrere Jahre?

Wie gesagt, wir spielen eben nicht stumpf HADDAWAY (Anmerkung von C. Parkinson: Huhu Shari!) rauf und runter, sondern bauen einfach viel Aktuelles, eben auch “keinen Trash” mit ein. Zudem machen wir immer mal wieder Specials, wie beispielsweise unseren Maskenball und Ähnliches. Letztendlich aber glaube ich funktioniert das Ganze so gut, weil wir so tolle Gastgeber sind. Es ist auch einfach wichtig, die Leute und sich selbst auf der Party immer schön abzufeiern. Eben so, dass einfach alle nassgeschwitzt und glücklich nach Hause gehen und im besten Fall auch gefummelt haben.

DJ Lord Fuck & Groupie

Nach welchem Schema suchst du vor den TRASHPOP-Abenden deine Platten und deine Playlist aus?

Schema? Playlist? Ich bin da echt nicht so sortiert. Und dazu habe ich auch weder Plan noch Konzept. Das kommt einfach so: Ich packe meist vorher alles ein, was so in meinem Sichtbereich herumsteht. Und das, was ich vergesse, ist dann halt nicht dabei. Und was die Playlist angeht, kommt es ganz auf unseren Alkoholpegel und auf die Leute an. Wenn wir zu dritt auflegen, versuchen wir uns meistens gegenseitig mit Krachern zu überbieten. Das schaukelt sich dann so lange hoch, bis irgendwer DIE PRINZEN spielt und wir merken, dass wir mal wieder ernster werden müssen.

Meiner Meinung nach gibt es keine andere Szenerie als wie in der Discothek, wo Musik, Tanz und Sex derartig miteinander korrelieren. Welche Songs wirken sich deiner Meinung nach erstens am stärksten und zweitens in welcher Form auf das Balzverhalten der Besucher aus?

Oje, unsere Party ist eh sehr sexuell. Ich weiß nicht… aber generell sind das eher so Schmuddelsoul- und Hip Hop-Nummern. Die Mädchen stehen dann mit ihren verschwitzten Teeniekörpern immer auf der Bühne und zelebrieren eine Art Fummeltanz miteinander, um die Jungs unten horny zu machen. Ein bizarres Schauspiel!

Ein erfolgreicher DJ ist für die Damen meistens das Sexsymbol schlechthin. Denn der DJ hat Macht – und Macht fasziniert bekanntlich viele Frauen. Er entscheidet, wann welcher Song läuft, wann die Stimmung steigt und wann die Tänzer und Tänzerinnen zeigen können, was sie drauf haben. Zudem kommt er als einer der Ersten in den Laden und geht als einer der Letzten. Wie erlebst du es, dass sich um das DJ-Pult herum ständig Mädchen tummeln, die auf dich abfahren und sich permanent Songs wünschen, um auf diese Weise mit dir in Kontakt treten zu können?

Also das ist wirklich das Bescheuertste was es gibt! Wieso versucht man den DJ abzuschleppen? Ich hab es nie verstanden. Aber es passiert wirklich immer wieder! Tatsächlich habe ich mich mal abschleppen lassen und die Alte direkt geheiratet. Die wollte auch die ganze Zeit gehen und hat nicht verstanden, dass ich bis zum Ende bleiben muss. Sie hat aber gewartet und ich konnte doch noch ran, hehe. Aber klar, Mädchen sind meist die Einzigen, die sich Songs wünschen – und angemacht wird man von denen auch! Das läuft dann meistens so in der Art ab:

„Ey kann man sich bei euch was wünschen?“
„Ja, aber ungern!“
„Ehh, ja, …hihihi, mimimi (Rücksprache mit der besten Freundin), ja, eh, dann was von den VENGABOYS!“
„Läuft gerade!“
„Ach so, ja, hihihi… dann kommen wir gleich noch mal wieder!“
„ MHHH, GENAU!“

Und die kommen dann auch noch oft wieder… Aber da wir alle schon mehr oder minder vernünftig, sind nutzen wir unseren Status natürlich nicht aus.

Wie beurteilst du mein sehr geistreiches Sprichwort: „Wi do so zappest uf dem Parkettsche, so bewegst disch dönn uch im Bettsche!“?

1000% richtig! Das beobachte ich schon seitdem ich das erste Mal mit Fünfzehn ein Mädchen aus der Disco mit nach Hause genommen habe. Die konnte nämlich nicht tanzen… Ich habe dann noch diverse Jahre Studien dazu am lebenden Objekt gemacht und unterschreibe das gerne.

Was für Gemeinsamkeiten gibt es zwischen SVEN VÄTH und dir?

Oje, ey… ich glaube ungefähr gar keine. Wahrscheinlich habe ich mehr mit FLORIAN SILBEREISEN und ALF gemeinsam.

Insbesondere im Zeitalter der MP3s versuchen sich viele gerne mal als DJ. Fast jeder kann diverse Songs herunterladen und mit dem bloßen Anschließen eines iPods an die Anlage, müssen nicht mal mehr schwere CD- und Vinylkisten quer durch die Gegend getragen werden. Was hältst du als “Professioneller” von dieser Entwicklung?

Na ja, professionell ist ja alles, nur nicht das, was ich mache. Ich bin ja kein professioneller DJ in dem Sinne. Das ist ein nettes Hobby und mehr nicht. Ich kaufe nach wie vor gerne Tonträger, da ich selber aus der Branche komme und Downloads eigentlich total ungeil finde. Es klingt scheiße, man hat kein Booklet und als DJ finde ich es eh immer komisch, so vor dem Computer herumzustehen. Das macht vermutlich bei den DJs Sinn, die ständig auf Reisen sind und den ganzen Scheiß nicht schleppen wollen. Ich schleppe zwar auch nicht gerne, aber ich bin echt zu faul, um den ganzen Kram zu digitalisieren. Na ja, und dass jeder gerne seinem Umfeld mit seinem Musikgeschmack auf den Sack gehen will, finde ich extrem witzig, aber mehr auch nicht. Ich muss mir den Quatsch ja nicht anhören. Das Schöne ist, dass diese MP3-DJs und ihre Partys relativ schnell wieder verschwinden.

Was steht für dieses Jahr noch bei dir an und was möchtest du unseren Lesern noch mit auf den Weg zu deiner nächsten Party geben?

Also wie bisher wird es TRASHPOP PARTY weiterhin am ersten Freitag im Monat in der Werkstatt in Köln geben. Dann am zweiten Freitag im Monat im Hotel Shanghai in Essen. Ab März haben wir eine weitere Party im Haus B in Köln, was früher mal das Neuschwanstein war; ein schöner kleiner Technoschuppen. Das könnte ganz witzig werden. Und nicht zu vergessen: Den extra Termin am Karnevalssamstag in der Werkstatt, in der wir auf dem unteren Floor richtig Karnevalsschunkeln haben werden – grande Spaß!

Und natürlich lege ich immer mal wieder hier und da auf. Eben wie es gerade passt und wie ich eingeladen werde. Auch in diesem Jahr werden wir übrigens wieder ordentlich Specials auffahren und die eine oder andere Überraschung für die Leute parat halten. Einfach immer mal wieder hier gucken: www.myspace.com/trashpopo oder in unserer Facebook Trashpop Gruppe, in der gibt es ab einer Millionen Mitgliedern eine heiße Fleischwurst für jeden. Ganz wichtig ist auch die Tanzklub Süd Party, auf der ich einmal im Monat am vierten Freitag im Tsunami auflege. Da gibt’s von BOWIE über NEW ORDER bis hin zu Northern Soul alles, wozu man tanzen kann.

Vielen Dank für das Interview!

(Christoph Parkinson)

KOMMEN!

3 Antworten zu “Im Gespräch: DJ LORD FUCK über das Geheimnis des Erfolges von TRASHPOP, das Balzverhalten der Discocrowd und sein Unverständnis für den “DJ als Sexsymbol”!”

  1. Typ sagt:

    Das ist ein wirklich hervorragendes Interview. Ich danke Ihnen für diesen Beitrag Herr Parkinson.

    Nun labern Sie mich bitte nicht weiter mit Scheisse und Zwangsdrohungen voll, dass ich positive Kommentare posten soll, weil Sie mir sonst in den Arsch reinknispeln, dass mein Becken auseinanderbricht.

  2. Destroy sagt:

    Warum macht der das? Wie uncool.

  3. So war das nicht gedacht, “Typ”. NUN WIRD TROTZ KOMMENTAR GEKNISPELT!!!