
Sommerzeit ist Urlaubszeit. Folglich sind meine Aktivitäten auf dieser Seite derzeit auf kurze Erlebnisberichte beschränkt. Ab dem 09. August gibt es wieder Interviews, Gastbeiträge und Co. Momentan ist zu viel los, um hier wild zu agieren. Denn kaum bin ich aus Berlin zurück, verschlägt es mich in das Hauptquartier des richkidz-Kollektivs nach Düsseldorf. Zur Ruhe komme ich auch hier nicht…
Es mag nicht nur abstoßend klingen, sondern das ist es auch: Dienstagabend begebe ich mich erstmals auf den jährlich stattfindenden Düsseldorfer Rummel in Oberkassel. Selbst in meiner 2,5-jährigen Zeit als Wahldüsseldorfer kam ich um dieses Schreckensfest herum. Anderthalb Jahre später macht mich die Einladung, endlos gratis Altbier im “Eurodance-”Zelt zu saufen, schwach. Auf Schützenfesten und auf der Kirmes erhalten Männer über Vierzig die Möglichkeit, sich ungeniert an Mädels unter 25 heranpirschen zu können. Ein Trauerspiel – auch wenn, oder gerade weil der Plan bei manchen aufgeht. Wir dagegen hängen mit Zwanzigjährigen ab, die bereits bis zum Hals tätowiert sind. Cooler ist das nicht. Um uns herum befinden sich nur trostlose Gestalten. Wir stehen mittendrin und stechen nicht mal heraus. Punkrock im Jahr 2010 heißt wieder, dem Abgrund die Stirn zu küssen.
Wir wechseln in die Altstadt und dann ins Postämtchen II am Worringer Platz. Selbst um acht Uhr morgens ist die Welt hier noch in Ordnung. Mehr Inspiration als sie Miron Zownir ertragen könnte. Mit dem Gesicht auf der Theke warten die ersten auf ihr Frühstück – Herrengedeck zum halben Preis. Zwischen ihnen springen aufgeweckte Afrikanerinnen umher. Dave und ich bestellen Wodka Gin Tonic. Ich trinke. Er bietet sich als DJ an, kommt mit der Technik aber nicht zurecht. Stories of Love and Rebellion. Kotzen – er – und Umfallen – ich – um zehn Uhr.
Donnerstagabend ist in der Landeshauptstadt Milchbar-Zeit. Aus guten Gründen habe ich während meiner Düsseldorf-Affäre von 2006-2008 nicht nur die Kirmes gemieden, sondern auch das 3001; ein großer Schuppen am Medienhafen, in dem sich die lokalen Heinis mit den Lacoste-Polohemden tummeln und mit der Kohle von ihren Eltern die kleinen zwanzig-jährigen Nutten füttern, die wiederum denken, so auch eine Prise Glamour einatmen und sich in die “High Society” einbumsen zu können.
An diesem Abend begehe ich Feldforschung und nehme das dortige Spektakel unter die Lupe, um meine Vorurteile bestätigen zu dürfen. Uns kommen drei gelackte Typen entgegen, die sich darüber aufregen, dass ihnen die Türsteher mit ihrer Politik ein weiteres Mal einen Strich duch die Partyrechnung machen. Uns halten die Jungs vermutlich für Mitglieder einer bekannten Rockband. Wir erhalten problemlos Einlass. Die Räumlichkeiten des 3001 gefallen. An den Wänden hängen BOYS NOIZE-Plakate, der hier ein weiteres Mal residiert. Die Electro-Partys am Wochenende scheinen wohl doch zu glänzen. Nice.
Wie wir es erwartet haben, besteht das Publikum überwiegend aus einer Ansammlung von Neureichen und ihren durstigen Kälbern. Auf dem Klo wird gekokst, an der Theke wird auf RnB und Salsa getanzt. Viele Typen tragen ihre Hosen unter den Brustwarzen und die Eier bis zum Boden. Die Mädels ziehen ihnen das Geld aus der Tasche, haben insgeheim aber ihre Augen nur für uns. In der Electrolounge herrschen ähnliche Verhältnisse; wenigstens ist die Musik etwas besser. Mini mal my ass!
Aftershow im Postämtchen II. Den Medienhafen habe ich abgehakt, den Köfte-Teller am Worringer auch, also: Ab nach Köln, die Äther Youth ruft zur Teambesprechung…
(Christoph Parkinson)




