Archiv für März 2010

Break the chain! INFEST live in Californien 1991 // Ankündigungen

Montag, 29. März 2010

I. Kult, Kult – geil, geil! INFEST live… Ebenso kultig-geile Videos in ebenso kultig-beschissener Qualität gibt es auf http://www.killthatcat.com. Derzeit geht auf unserem Blog recht wenig. Der Tag hat zu wenige Stunden. Manches braucht eben seine Zeit. Genauso wie das neue Buch von Moses (”New York City Hardcore“). Sobald ich es gelesen habe, gibt es hier einen Auszug.

II. Am ersten Mai findet nach circa 2,5 Jahren mal wieder eine FURIOUS CLARITY PARTY statt! In Kooperation mit dem LIKE LOVE-Blog heißt es im Subway zu Köln zum zweiten Mal “I’ll tell you about punk rock”. SEDLMEIR tritt auf, Kollege Destroy, Hass sowie Sid Eno legen auf – und ich raste aus. Flyer und nähere Informationen bald hier.

III. Vorher trefft ihr mich am 3. April auf dem KARATE DISCO-Konzert im SK2 sowie auf der anschließenden “Karaoke till Death” im Dreams in Koblenz.

INFEST’s Playlist: 01. Break The Chain / 02. Pickled / 03. Shackled Down / 04. Judge Me / 05. Once Lost / 06. unknown instrumental / 07. Mindless / 08. Which Side / 09. Them / 10. Excess Pig / 11. Sick O / 12. Mankind / 13. Seen It All Before / 14. Nothing’s Changed / 15. unknown instrumental / 16. Just Act Blind / 17. Slave / 18. Sick And Tired / 19. Why Don’t You

(Christoph Parkinson/C. Destroy)

Video der Woche: “ZefSide” von DIE ANTWOORD…

Montag, 22. März 2010

Band der Woche. Song der Woche. Video der Woche. Freaks der Woche. Tattoos der Woche. Thanx to Ätresk.

(Christoph Parkinson)

Im Gespräch: Dave von RICHKIDZ u. a. über das Kollektiv, die “Generation Fuck” und das Postämtchen II!

Dienstag, 16. März 2010

Dangerdave

richkidz – “Reichtum an Kreativität und Geist”. Aus der im Jahre 2006 in Düsseldorf umgesetzten Idee eines eigenen Klamottenlabels, entwickelte sich innerhalb weniger Monate richkidz lifestyle entertainment und richkidz music. Von der ersten Minute an waren die Adjektive “szeneübergreifend” und “schubladenneutral” wesentlich. Der Fokus liegt seitdem auf allem, was Menschen zueinander bringt und eine positive Nachhaltigkeit schafft. Unter diesem Gedanken wurden zunächst eigene Events veranstaltet und zu diesem Zweck ein selected artist collective gegründet. Bisherige Partyreihen waren “richkidz on the block”, “familia electronica”, “electric syndicate // zweisam”, “8H ours”, “richkidz meets xy”, “Generation Fuck”, etc. und eine Festivalreise zum “HipHopKemp” nach Tschechien. Ein Highlight im letzten Jahr war definitiv die eigene Bühne auf dem “Juicy Beats”-Festival in Dortmund.

richkidz music hat sich seither so gut entwickelt, dass bereits für viele Fremdveranstaltungen Mitglieder des Kollektivs gebucht werden. Über richkidz music auf www.richkidz.de verwalten die Acts eigene Profile, über die Außenstehende die Möglichkeit haben, die Künstler zu buchen. Auf richkidz lifestyle werden aktuelle Projekte vorgestellt und die rk-Klamotten zum Verkauf angeboten. Das klingt alles ausgezeichnet, wirft aber auch einige Fragen auf. Dave, der Gründer und Kopf von richkidz, beantwortete diese im Rahmen eines Emailinterviews Mitte März.

richkidz

Aufgrund des Kollektivs einzigartiger Künstler hat richkidz music den Anspruch, als Image nach außen zu dienen. Sicherlich habt ihr gute Acts, aber letztendlich machen sie doch nur das ziemlich gut, was andere aus dem jeweiligen Genre ähnlich/genauso machen. Worin genau liegt denn daher die Einzigartigkeit?

Jetzt mal nicht Nudeln mit Oliven verwechseln! Kombiniert schmecken die ganz gut – sind separat aber einzigartig. Anders ausgedrückt: Unser Info-Sheet zu rk-music ist weitaus umfangreicher, als dass es uns nur darum geht, mit einem Image einzigartiger Künstler nach außen zu arbeiten. Der Unterschied ist der Kollektiv-Gedanke als solcher. Wir sind kein Label, wir leben von unserer Unity. Es ist unumgänglich, dass die Künstler genau so viel für richkidz tun, wie eben auch richkidz für die Künstler tut. Dieses Projekt ist eine absolute Quit-pro-Quo-Geschichte. Hier geht es um die Tatsache mit gemeinschaftlicher Stärke und dem Gesamtpaket richkidz, wozu eben auch außerordentliche Events und rk-clothing gehören, aufzufahren. Es geht um das große Ganze.

Beispielsweise unsere DJs produzieren fast alle eigene Tracks. Das ist wichtig. Auch legen sie überwiegend schön manuell auf. Starallüren sind hier auch weit weg, aber trotzdem wirst du zum Beispiel live kaum Unterschiede zwischen einem MANUEL HOY DIA, einem PLAIN, DOPPELMONO und allen anderen im Vergleich zu derzeit gehypten Szenegrößen feststellen. Das sind große Töne, aber das ist Fakt. Diese Resonanz bekommen wir immer wieder auf den hauseigenen Partys, von der Presse und sogar auch von externen Bookings. Ich gebe zu, wir sind ein wenig größenwahnsinnig, aber das Imperium wächst!

Du hast Bock auf „außergewöhnlichen Acts, die dem Mainstream absagen und (dir) zusagen.“ Das Genre selbst spielt dabei weniger eine Rolle. richkidz will somit szenenübergreifend agieren – meinem Eindruck her agieren die jeweiligen Acts dennoch nur weiterhin in ihrer ursprünglichen Szene. Oder besteht auch der Anspruch, Interpreten verschiedener Genres/Szenen auf denselben Bühnen, beziehungsweise an denselben Orten oder in denselben Medien, zusammenzubringen?

Das ist ganz klar unser Ziel! Es gab auch schon einige vorsichtige Versuche in diese Richtung, aber die Leute trauen sich noch nicht wirklich. Das ist schade, zumal ich eigentlich nur Menschen kenne, die jede Form von Musik in sich aufsaugen, die etwas zu versprühen und zu sagen hat, und Stimmungen einfach untermalt oder auch vielleicht sogar direkt hervorruft. Auch unsere Acts sehen das so. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der “große” Erfolg dann ähnlich wie bei vielen anderen Partykonzepten einfach daran scheitert, beziehungsweise nicht wie angemessen eintritt, weil die Leute zwar immer nach etwas Neuem schreien, also meckern, aber wenn es dann stattfindet, doch oftmals lieber in ihren gewohnten Gefilden verweilen. Das ist echt schade. Was der Bauer nicht kennt… Das ist natürlich nur ein Aspekt von vielen. Die wirkliche Interaktion von verschiedenen Styles schafft jedoch zurzeit die “Generation Fuck”-Party in Düsseldorf. Hier geht es wirklich darum, die Stimmung der Stunde auf die Plattenteller zu bekommen – und da werden wir Vollgas geben. Nur braucht so etwas Zeit und Mut.

Damit sind wir bei meiner nächste Frage: Die Partyreihe “Generation Fuck” will ebenfalls alle Szenen mit demselben Anspruch unter einen Hut bringen, ist letztendlich aber auch nur eine weitere Indieparty. Worin liegen denn die Unterschiede?

Das stimmt nicht ganz. Auf der ersten “Generation Fuck”-Party auf der Königsalle in Düsseldorf haben Punk Rock, Garage, ein wenig Indie, Tech-House und Minimal den Ton angegeben. Allein die Location hat derzeit schon alle Vorstellungen gesprengt. Die neue Location, der Pretty Vacant Club, muss sich erst noch an diesen szeneübergreifenden Sound in seiner vollen Bandbreite gewöhnen. Aber das wird!

Hinter dem Begriff der “Generation Fuck” steht ja weitaus mehr, als eine weitere Partyreihe. Du schreibst seit längerem sogar an einem Buch, welches diesen Titel trägt. Also was ist die “Generation Fuck”?

Oh Gott, ich hatte gehofft, dass ich um diese Frage herumkomme. Ich habe nämlich schon mehrfach Bücher angefangen zu schreiben, die dann ab Seite 50 immer dahinvegetierten. Insofern will ich an dieser Stelle mal nicht zu viel herumprotzen. Ich schreibe zwar an dem Buch, aber wenn das gute Stück vor 2025 fertig ist, finde ich, dass das persönlich schon ein guter Schnitt ist. Es ist ja schließlich auch nicht mein einziges Projekt. Um deine Frage vollständig zu beantworten, verweise ich auf meine persönliche Definition der “Generation Fuck”:

Die Generation Fuck definiert sich unter anderem dadurch, dass sie absolut progressiv feiert und trotz des selbstzerstörerischen Lifestyles klare Ziele und einen hohen Erfolgsanspruch lebt. Es ist eine Generation die viel fordert, sich aber letztendlich durch eine gewisse Einfachheit auszeichnet, dessen Befriedigung sich wiederum absurderweise schwierig darstellt. Emotional geht diese Generation oft über Leichen, obwohl sie sich eigentlich nur nach Geborgenheit sehnt. Der Event Generation Fuck verknüpft den Anspruch an Sinnlichkeit, Stil und einer gewissen “Vintage-Sterilität” dieser “Generation Fuck” mit Elementen des Rock’n'Roll und dem entsprechenden einhergehenden Lifestyle.

Du sagst, dass die “Generation Fuck” sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass sie absolut progressiv feiert und trotz des selbstzerstörerischen Lifestyles klare Ziele und einen hohen Erfolgsanspruch lebt. Was bedeutet das konkret?

Kannst du mir die Frage nicht auch direkt bestens beantworten? Haha! Nun gut, zum progressiven Feiern muss ich im Zusammenhang mit dem Namen “Generation Fuck” wohl nicht mehr viel sagen. Wir sind einfach eine Generation, die sich keiner Leitlinie mehr bedienen kann, sich diese aber im Gegensatz zu unseren Heroen der späten 70iger und 80iger aber wohl durchaus wünscht. Wie oft ich schon Gespräche über “Struktur” mit allmöglichen Menschen zwischen 20 und 40 aus verschiedensten Szenen hatte, das glaubst du nicht – oder zumindest glaube ich das manchmal selbst fast nicht. Wir stehen/liegen/leben in einer bizarr, schnelllebigen Zeit, in einer fucking digital World, die uns auf der einen Seite mit fremden Menschen verknüpft, nicht wirklich verbindet und uns von unseren unmittelbaren Mitmenschen weiter trennt. Na ja, und im Prinzip verbindet uns diese digitale Welt eben dann doch miteinander im Sinne eines gemeinsamen Nenners, weil die quasi “persönlichen” Probleme hierbei dann eben doch dieselben sind… versteht man das überhaupt noch? Ach scheiße, jetzt habe ich wieder so viel zu sagen, dass mir ein Gesprächsinterview doch deutlich lieber wäre.

Die Gründe seien hierbei auch erst einmal dahingestellt. Die “Generation Fuck” feiert und lebt den Moment, weil sie keinen Sinn und keine Notwendigkeit darin sieht, auf einen Morgen zu warten. Sie hat grundsätzliche klare Ziele, die entweder absonderlich hoch und damit in kurzer Zeit eben nicht erreichbar sind – Stichwort “Moment” –, oder solch geringe, dass sie nicht einmal mitbekommt, wenn all dies bereits um sie herum stattfindet. Sie fordert eben oftmals viel, ist aber nicht bereit, die Kompromisse zur Zielerreichung in Kauf zu nehmen. Auch “Distanz für die eigene Freiheit” versus “Nähe gegen die eigene Einsamkeit” sind hier ein großes Thema. Konkrete Ausprägungen sind jedem selbst überlassen. Ich will da gar nichts vorwegnehmen. Aber der Nenner wird oftmals sehr ähnlich, wenn nicht sogar derselbe sein – und eben einen gewissen Touch von “wasted” haben. Ein guter Freund sagte einst: “Was nicht kaputt geht, war nie heile.” Das ist schon sehr nah dran, finde ich.

Ein Slogan ist “guter Geschmack ist käuflich”. Es geht also bei richkidz weniger um das idealistische DIY an sich, sondern um mit dem eigenen Schaffen Geld zu verdienen?

Lustig, dass du gerade diesen Slogan herausgesucht hast. Über den habe ich intern schon einige Diskussionen gehabt. An sich finde ich den Spruch in Ordnung. Sinniger wäre allerdings vielleicht so etwas wie “Guter Geschmack ist jetzt auch für dich erreichbar”. Es geht darum, dass rk grundsätzlich erstmal für alle Interessierten zugänglich ist. Scheiß auf Kohle, es geht um den “Erwerb” mit einem Mittel zum Zweck. Der Originalslogan “guter Geschmack ist käuflich” ist eigentlich auf richkidz clothing bezogen.

Im Übrigen finde ich, dass unsere Geschichte schon sehr stark DIY ist. Schließlich habe ich das ganze Konzept von der Ursuppe bis zur heutigen Entwicklung alleine, beziehungsweise mit freundschaftlichem Support (Henry, Tobie, Alex, Elwood, Amy, Laura und weitere), aufgebaut. Da gab es keine geschenkte Kohle im Hintergrund oder irgendjemand, der einem mal ordentlich unter die Arme greift – im Gegenteil, bei den einen oder anderen Sachen musste mal ein Kredit her. Und selbst das sehe ich als DIY, weil sich jemand traut für sein eigenes Vorhaben ein Laster auf die eigenen Schultern zu nehmen, um etwas selbst auf die Beine zu stellen. Auch scheiß Jobs waren hierzu unabdingbar. Man sollte obendrein auch noch berücksichtigen, dass wir Events ja fast von vorne bis hinten selbst stemmen. Das läuft zu 90% über richkidz und wir nehmen sogar noch unsere eigenen Acts – wenn das dann nicht wirklich DIY ist, weiß ich es auch nicht.

Wieso haben durchweg ALLE Sauerländer (DR. JOHN PROKTOR, Robse, du selbst, etc.) einen gewaltigen Ratsch im Kappes?

Das ist die Luft dort. Nee, ehrlich keine Ahnung. Ob das daran liegt, dass eigentlich jeder mit dreizehn Jahren seine erste Alkoholvergiftung hatte. Jeder mit Sechzehn sich mindestens einmal über ordentlichen Polizeikontakt freuen durfte, diverse überflüssige Drogenerfahrungen gemacht hat oder bis zu seinem 18ten circa. 14.000-20.000 Euro im Kump versoffen hat. Keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht. Aber es ist ein Phänomen, das stimmt.

Headquarter „Postämtchen II“: Was treibt dich eigentlich wöchentlich in diese Asi-/Rentnerspelunke am Worringer Platz und wann findet dort die erste rk-Party statt?

Sehr gute Frage! Vorneweg erst mal einen Gruß an die Hells Angels und Henry by the way. Ach, und Roby Domska, der Feuerwehrmann aus Paderborn, der schwarzen Prostituierten das Leben nach zwei Tagen eigenem Durchsuff rettet. Wahnsinn! Ich war live dabei! Das mit dem wöchentlichen Besuch stimmt ja nun nicht so ganz. Wenn meine Freunde zu Besuch sind, wollen sie eigentlich dort immer auf dem Weg nach Hause hinein, weil das Teil dann tatsächlich – beziehungsweise immer noch – auf hat. Angefangen hat der Scheiß irgendwann Anfang 2009, als wir die After Hour-Partys der “familia electronica” dorthin verlagert haben. Ich weiß gar nicht so genau mehr warum. Übrigens, hast du dort wirklich schon mal einen Rentner gesehen? Mir sind da bislang nur immer diverse Drogendealer, zitternde Junks, Typen ohne Zähne, 50jährige Frauen, die von Ufos erzählen, ein Haufen an Marokkanern, die überall irgendwelche Nüsschen hinschmeißen, Becky, die immer grinst und einem unaufhörlich ein neues Bier hinstellt – selbst wenn dein eigenes noch halbvoll ist – und natürlich mein Alkinachbar Klaus, aufgefallen. Mh, also was machen wir eigentlich immer dort? Ach ja, 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag offen und Altbier für ein Euro. Aber eine offizielle rk-Party wird dort niemals stattfinden – das ist mir dann doch zu sehr szeneübergreifend, haha. Ganz sicher!

Was sind die weiteren Pläne und Ziele von rk 2010?

Es steht einiges an. Wirklich interessante Dinge. Aber ich spreche nicht gerne über ungelegte Eier. Also bleib einfach dran und schaue doch mal ab und an auf unserer Webpage vorbei. Neuerdings sind wir auch bei Facebook zu finden. Also, mind the richkidz!

Vielen Dank für das Interview – wir sehen uns auf der nächsten “Generation Fuck”!

(Christoph Parkinson)

Grauenhafte Klänge aus dem italienischen Untergrund!

Montag, 15. März 2010

Um zukünftige Anfragen für Tonträgerbesprechungen vorwegzunehmen: Nein, wir wollen hier nicht eure LPs, Demo-CDs, Myspace-Profil-Songs oder eure i-Pot-Playlists rezensieren! Diese drei Reviews sind Ox-Ausschuss. Und weil ich es nicht mag, wenn Texte von mir unveröffentlicht auf meiner Festplatte abliegen, mache ich euch hiermit eine kleine Freude. Kaufen solltet ihr übrigens keine von den drei Platten. Mehr oder weniger ist das alles Rotz.

APPALOOSA “Savana”
CD | Urtovox | urtovox.it | 38:18 ||

Das dritte Album des musikalisch recht eigenständigen Quartetts aus Livorno, das seit zwölf Jahren international sein Unwesen treibt. Neun, fast durchgehend instrumentale, sehr atmosphärische Songs. Abwechslungsreiche Bassläufe, Keyboardsounds, elektronische Beats und Samples. Manche mögen so etwas zum Tanzen, andere als lockere Hintergrundmusik. Im Vergleich zu M2 (siehe unten) bewegen sich APPALOOSA auf einem höheren Level, haben einen ganz anderen Anspruch und schaffen es, sich ins Gedächtnis einzuschleichen. Verbindungen zu anderen, gleichwertigen Bands herzustellen, ist nicht ganz einfach. Wer bessere Hintergrundmusik sucht, wird hier vielleicht fündig.

CRAZY CRAZY WORLD OF MR. RUBIK “Are Your Crazy Or Crazy Crazy”
CD | Locomotiv | 39:51 ||

Die italienische Band gründete sich erst letztes Jahr. Einzelne Mitglieder waren zuvor bei EVELINE und THE ORANGE tätig. Für das Debüt wurden neun, meist zu lange Stücke geschrieben, welche von DEVO und den BATTLES inspiriert sind. Spielerisch einwandfrei, aber auf Dauer eher anstrengend. Andere finden diese Scheibe vielleicht genial, ich bin froh, dass ich mich mit der nicht weiter beschäftigen muss.

M2 “Global Pigeon”
CD | Danza Cosmica | danzacosmica.com | 37:39 ||

M2 aus Florenz sind die Nachfolgeband von NEGANEURA, in der die beiden Bandmitglieder wenigstens Crossover gespielt haben. Seit 2005 machen sie lieber „minimalistischen Post-Noise“. Musik muss natürlich nicht immer verdaulich sein; gerne soll sie das auch mal nicht. Aber muss denn gleich so etwas hier sein? Die sechs Songs klingen so, als wären sie während einer Jamsession von zwei bekifften Heinis aufgenommen worden. Songs mit einer Spiellänge von über sechs Minuten funktionieren außerdem nur bei den wenigsten Bands. Und entsprechend verlängern sie hier einfach nur die Schmerzen, die das Gehör pro Track ertragen muss.

(Christoph Parkinson)

BRATZE: Neue Single, neues Video, neues Album!

Sonntag, 14. März 2010

Nach “Kraft” veröffentlichen die Hamburger BRATZE, alias CLICKCLICKDECKER und DER TANTE RENATE, am 19.03.2010 ihren zweiten Longplayer auf AUDIOLITH. Die neue Single, “Ohne das ist es nur noch laut”, überzeugt bereits. Die anderen Tracks können eigentlich ebenfalls nur zauberhaft werden. Ja, was ich soll ich sagen, außer: Ich freue mich!

TOURDATEN: 18.03. Hamburg – Hafenklang (CD-Release Party) // 19.03. Kiel – Weltruf // 31.03. Osnabrück – Glanz & Gloria // 01.04. Bremen – Tower // 02.04. Bochum – Untergrund // 03.04. Aachen – AZ // 04.04. Trier – ExHaus // 05.04. Landau – Fatal // 06.04. Heidelberg – Teufel // 07.04. Erfurt – Unicum // 08.04. Dresden – Beatpol // 09.04. Chemnitz – Talschock // 10.04. Lübeck – Treibsand // 22.04. Hannover – Indiego Glocksee // 23.04. Leipzig – Aufsturz // 24.04. Berlin – Bang Bang Club // 25.04. Cottbus – Muggefug // 26.04. München – Atomic Cafe // 27.04. Gießen – AK 44 // 28.04. Saarbrücken – Garage // 29.04. Freiburg – White Rabbit // 30.04. Wiesbaden – Schlachthof // … (weitere Daten siehe auf deren Homepage)

(Christoph Parkinson)

Zu Gast #7: Daniel Tereks “Kinderquatsch mit Anne”

Donnerstag, 11. März 2010

Der Weltenmampfer

Ausgewählte Autoren, die bisher unter anderem für das Buchmagazin “The Punchliner” geschrieben haben, veröffentlichen in einer speziellen, vom Verlag Andreas Reiffer herausgebenen Edition, Einzelwerke. Zu den Autoren gehören bisher Frank Pichelstein Bröker (”verschwINDIEN”), Axel Klingenberg (”Döner mit Braunkohl und Bier. Das Braunschweig-Buch”), Hauke Trustorff (”Die Schändung mit der Maus”) und eben Daniel Terek. Einer meiner Lieblingstexte aus seinem Debüt, “Der Weltenmampfer”, ist “Kinderquatsch mit Anne”. Ich freue mich, euch diesen auf unserem Blog präsentieren zu können, und lege euch den Kauf des gesamten Werkes nahe – das und die anderen erwähnten Bücher, bestellt ihr bei Bedarf am besten direkt über den Verlag.

(Christoph Parkinson)

Wer schon mal ein Baby in freier Wildbahn beobachtet hat, dem werden die Unterschiede zur Darstellung in Anne Geddes Bildern aufgefallen sein. Deshalb stellte sich mir die Frage nach der Rechtmäßigkeit ihres Schaffens. Es stellte sich mir die Frage, ob die Würde des Menschen unantastbar sei und ob Säuglinge per Definition demnach keine Menschen seien.

Musikalische Untermalung: FIYA – Little babies

“Kinderquatsch mit Anne – Golden Edition”

Das Konstrukt der Familie ist ein trügerisches Idyll. Denn anders als all die anderen Zusammenrottungen von Menschen, denen man mal mehr mal weniger freiwillig angehört, ist der Bund mit den Verwandten von geschichtlicher bzw. genetischer Natur. Auch wenn man nach Eintritt vollständiger Geschäftsfähigkeit fluchartig das elterliche Nest verlassen hat, begibt man sich gern in den wohlig warmen Schoß der Familie zurück.

Dann kehrt man heim, möchte seine Freundin vorstellig machen, und das Muttertier präsentiert zum eigenen Entsetzen das archivierte Belastungsmaterial, welches sie über die Jahre gesammelt hat. Auf Tonband gebanntes Gebrabbel, den Wachsmaler-Picasso, die Hausaufgabe der dritten Klasse in Textil und vor allem die Nacktfotos (man war jung und hatte keine Ahnung von Geld) bekommt man präsentiert. Daraufhin wird man leicht verlegen, streicht das vierte Gebot aus den Moralvorstellungen und verlässt fluchartig das elterliche Nest.

Welche Faszination Eltern beschleicht, jeden Kreativmüll, den die Brut produziert, zu archivieren, lässt sich aus dem Geschäftsgebaren der in Neuseeland beheimateten Kitsch-Fotografin Anne Geddes erkennen.
Bilder von Anne Geddes trifft man häufig in der Gesellschaft von mittelalten Frauen, der Mittelklasse bis hin zur mittleren Oberklasse. Kurzum: Konsumenten von Brigitte, SUPERIllu und der Apotheken Umschau. Keinesfalls aber Wild und Hund, Blitz-Illu und auto, motor und sport.

Geddes schaffte Ende der Neunziger das, was Attila, Napoleon und Hitler zuvor nur unbefriedigend gelungen war. Sie eroberte Europa im Sturm. Einer Seuche gleich verbreiteten sich ihre Bilder. Egal, ob bei Grußkarte, Puzzles, Kalendern, Kaffeetassen oder Abtreibungsgegnern: Überall prangten ihre Bilder, und die Welt schien nur noch aus Babyköpfen zu bestehen.

Ein typisches Geddes-Bild lässt sich wie folgt beschreiben: Ein ethnisches Potpourri aus Babys, die im Gegensatz zu ihren Altersgenossen völlig crazy Dinge tun. Beispielsweise sitzt ein buntes Dutzend der Säuglinge in einem riesigen Terracotta-Blumentopf und guckt aus einer gelbblättrigen Corona. Der verwirrte Betrachter fühlt sich an Sonnenblumen erinnert, obwohl ihm bewusst ist, dass diese nicht aus Babys erwachsen.

Was die Kinder dazu bewegt, still zu halten und vergnügt in die Kamera zu grienen, ist nicht bekannt, aber Insider aus der Branche berichten, wie man die Kleinen im richtigen Moment fröhlich stimmen kann. Das Geheimnis lautet: Opiate. Zugeknallt bis zum Sabberlatz, ist es ein leichtes für Anne Geddes, dem Fratz die Mundwinkel nach oben zu tackern.

Die Tatsache, dass auf den Bildern meist gemischtrassige Kinder zu sehen sind, sollte nicht als Zeichen der Völkerverständigung fehlinterpretiert werden. Sie dient lediglich dazu, nach dem Shooting die Kinder ihren richtigen Familien zuzuordnen.

Die Maschinerie hinter Geddes ist imposant: Sie hat bisher in 76 Ländern ihre Fotobände veröffentlicht und stand mit ihrem letzten Band sechs Wochen an der Spitze der Bestsellerliste der New York Times. Beachtlich auch, dass ihre Website annegeddes.com monatlich von 575.000 Päderasten weltweit angeklickt wird.

Das niedere Wesen von Anne, wie Freunde sie nennen dürfen, wird einem erst in vollem Ausmaß bewusst, wenn man weiß, dass sie nicht nur visuell versucht die Welt abzustumpfen. Zu ihrem Bildband »Miracle« kollaborierte sie mit dem kanadischen Todesengel Celin Dion, die zeitgleich den Soundtrack zum Untergang veröffentlichte.

Wie kommt die Geddes an die Babys? Welche niederen Subjekte vertrauen ihre Schutzbefohlenen den Gichtkrallen einer skrupellosen Fotografin mit dem Kunstverständnis eines Passbildautomaten an?
Für den Fall, dass die Eltern ihr Kind freiwillig in ihre Obhut geben und kein äußerer Druck für die Aufnahmen verantwortlich ist, dürften die Eltern mächtig stolz sein. Ein Elternteil ist bei den Aufnahmen immer vor Ort und erschlägt den Wonneproppen mit der nötigen Portion Zuneigung. Die Courtage wird für das erste Auto, das Studium oder die Kosten für die Namensänderung zurückgelegt. Denn was viele Eltern vergessen, sei es aus Naivität, sei es aus Ignoranz, ist, dass sich irgendwann das Kräfteverhältnis verschiebt und dass das einst Sabbernde herangewachsen und kräftig genug sein wird, um sich zu wehren. Eine tückische Situation, denn wie wird es wohl reagieren, wenn es sich selbst an tausenden Wänden rund um den Globus verteilt sieht?

Obwohl ich glaube, dass die Bilder innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu Ramschladenhütern mutieren werden, wird die Sonnenblume a.D. eine Erklärung wollen. Nicht auszuschließen ist auch, dass sich Selbsthilfegruppen aus Geddes Opfern zu Terrorzellen formieren und Tod und Verderben über ihre Peiniger bringen. Oder sie verfassen nobelpreisverdächtige Bücher und sitzen dann bei J. B. Kerner herum und klagen unter Tränen ihr Leid. Dort werden dann unter ihren Namen (meistens Jan-Hendrik) nicht Headlines wie »Absolvierte im Zeitraum von ´95 bis ´99 drei Geschlechtsumwandlungen« oder »War der Ghostwriter von Axel Klingenberg«, sondern ein Satz wie »Ich war die Sonnenblume von Geddes« eingeblendet.

Die andere, wahrscheinlichere, Variante auf die Frage, wo die »Fotografin« ihr Rohmaterial her nimmt ist, dass sie sich die Kinder widerrechtlich aneignet. Und wenn man ehrlich ist, war man schon immer etwas misstrauisch bei Meldungen wie »Unbekannte Frau räumt Säuglingsstation in der Ukraine aus und flüchtet mit Tieflader«.

Leider ist die Halbwertzeit von Babys im grellen Scheinwerferlicht sehr kurz. Und was dann? In Florida werden jährlich 78 Alligatoren aus der Kanalisation gefischt. Die Reptilien wurden, nachdem sie aufgehört hatten, süß, klein und putzig zu sein, die Toilette runter gespült. Pümpelt Anne Geddes wehrlose Säuglinge den Abfluss runter? Vielleicht hat sie sowas schon mal versucht. Allein, um zu schauen, ob sich das als Fotomotiv eignet. Aber das Gros der Kleinkinder wird in Laubsägearbeiten gedrillt und in einem Verließ in der Ravensburg eingekerkert und muss dort die Geddes-Puzzlekollektion zusammen schneiden. Vielleicht werden sie auch dem Organhandel zugeführt oder müssen Drogen über Grenzen schmuggeln. Einige werden auch sicherlich von Brad Pitt und Angelina Jolie adoptiert. Jeder mag für sich selbst entscheiden, ob das ein besseres Schicksal ist.

Anne Geddes hat auf ihrer Internetseite zu Protokoll gegeben sie habe mit über 2000 Müttern gesprochen. Sie hat aber nicht erwähnt, wie diese Konversationen ausgesehen haben. Ein »Halt! Warten sie! Das ist mein Kind!« zählt scheinbar nicht dazu.

Ich möchte ausdrücklich die Möglichkeit nicht ausschließen, dass die Bälger nach getaner Arbeit auch wieder nach Hause dürfen, um die Vorzüge des Kindseins zu genießen, als da wären: In Steinbrüchen rumtollen, sich in Großnähereien herumtreiben und in Bürgerkriegsgebieten Verstecken spielen.

Dann sinkt auch Anne, gezeichnet von den Strapazen der Arbeit, in ihren Schaukelstuhl, betrachtet die Motive für die Aufnahmen des nächsten Tages, die draußen im Hundezwinger herumkrabbeln, nuckelt an einem Wodka-Martini und sagt zu ihrem Ehemann Kel Geddes: »Stell die Plärren ab, ich will Fernsehen«.

Als ich neulich im elterlichen Wohnzimmer sitzend mit Kaffee und Kuchen gemästet wurde und dabei den Fotofundus meiner Mutter durchblätterte, wurde ich auf ein Bild aufmerksam, das mich als Kleinkind im Katzenkostüm zeigt. Ich fürchte, ich muss ein ernstes Gespräch führen.

(Daniel Terek)

“Corporate Rock still sucks!” – SST Records // DJ-Abend in Köln 13.03.2010

Dienstag, 09. März 2010

Hüsker Dü

“Six Pack”, “Lick my pussy, Eddie Van Halen”, “Surf and Destroy”, “Diane”? BLACK FLAG, DINOSAUR JR, SONIC YOUTH, BAD BRAINS, MEAT PUPPETS, MINUTEMEN, HÜSKER DÜ, SAINT VITUS, DESCENDENTS? SST Records!

Hallo zusammen,

das Trust Fanzine feierte in seine Dezember 2008/Januar 2009 Ausgabe # 133 den 30sten Geburstag des wichtigsten Labels aller Zeiten, SST Records aus Long Beach, USA.

1978 erschien als SST Release # 001 die Single “Nervous Breakdown” von BLACK FLAG. 30 Jahre später erzählen im Trust Fanzine u.a. Mike Watt, Chuck Dukowski, Mike Neider / BLAST!, Ray Farell, Mike Witthaker, Joe Carducci, Gordon / Hazelwoord Records und John Wright / NO MEANS NO, warum SST Records wichtig war, umstritten war und fast pleite ging…

Der SST-Hype in den 80er Jahren begann angeblich in Köln durch die Zeitschrift Spex, deshalb lag es nahe, nach einem SST Themenabend zur Feier der Ausgabe vor einem Jahr in Bremen einen zweiten SST Themen Abend zu machen, dieses Mal in Köln. Hier sind die Fakten:

CORPORATE ROCK STILL SUCKS!
Ein Abend mit SST-Platten, Filmen, Videos.

Mehr als 30 Jahre nach der ersten Veröffentlichung und gut zwanzig Jahre nach dem “SST-Hype” feiert das Trust einen Abend lang das einflussreichste Independent-Label der achtziger Jahre. Neben altbekannten Helden finden fast vergessene Perlen und Obskuritäten den Weg auf den Plattenteller. Selbst vor ZOOGZ RIFT schrecken die DJs SStone vom Trust-Fanzine (Bremen), Schippy (Köln) und Two Horses & Kaneoka One vom Hazelwood Label (Frankfurt) nicht zurück!

Samstag | 13. März 2010 | Qlosterstüffje | Venloer Str. 221 | Köln

Grüsse
Jan / Trust Fanzine

PS: Gezeigt werden an dem Abend (wahrscheinlich) der Film “Desperate Teenage Lovedoll” und diverse Livevideos von BLACK FLAG, HÜSKER DÜ, etc.