Wir bereiten uns vor: SOFTBOY CHIEF, SOFTBOY COCK, SOFTBOY CHRIST, SOFTBOY CUNT.
Wir bereiten uns vor: SOFTBOY CHIEF, SOFTBOY COCK, SOFTBOY CHRIST, SOFTBOY CUNT.

Das INSIDE Artzine aus Trier existiert seit 1990 und zählt bisher dreizehn Hefte. Inhaltlich geht es um “Graphical fevervisions from the depth of the creativ abyss: The art of the real underground! The sewer! Paintings, (digital) collages, photos, sculptures, stories, interviews, reports and reviews”.
Jenzzzz ist einer von den Typen, deren hohes Maß an Leidenschaft für die genannten künstlerischen Ausdrucksformen, als auch für das (Print-)Fanzinemedium selbst, sich bereits in der Art und Weise sowie in der Kontinuität seines Schaffens wiederspiegelt. Über das INSIDE Artzine bringt er unterschiedliche Künstler aus aller Welt zusammen und bereichert die Artzinewelt mit der Veröffentlichung einiger, gerne auch düsterer Arbeiten, welche sich qualitativ auf einem hohen Level bewegen.
Die aktuelle Ausgabe beinhaltet Beiträge von Trevor Brown (JAP), Marcel Ruijters (HOL), Jan Off (GER), Beb Deum (FRA), Michael Marrak (GER), Naoto Hattori (JAP), Mike Bohatch (USA), JK Potter (USA), Alessandro Bavari (ITA), Michael Dickinson (TR), Kris Kuksi (USA), Denis Grrr (FR), Chris Mars (USA), Chet Zar (USA), Dan Verkys (AUS), Cryptonaut (AUT), KD Matheson (USA), etc. Das Heft könnt ihr für 5 Euro direkt über ihn beziehen. Hier noch zwei Reviewauszüge über die unheilvolle, dreizehnte Ausgabe:
“Holy fuck, there’s some sinister shit in here. While it’s gorgeously laid-out and designed and the production values are through the roof, it’s just resoundingly creepy as fuck…” RAZORCAKE
“This magazine is fucking fantastic!! All of the artwork makes me want to look away, but I can’t. I’m intrigued. This magazine is a must-have for anyone interested in dark, daring political artwork and it’s appendages…” PROFANE EXCISTANCE
(Christoph Parkinson)
Salut zusammen,
ich befinde mich gerade in meiner Weihnachtsresidenz in Urmitz am Rhein. Ich warte auf den Untergang und bin bereit für den glamourösen Abschuss. Einige Rohstoffe haben sich für den Blog angesammelt, aber die Zeit für deren Verarbeitung ist zu knapp. Die Sinngebung darf trotzdem für diejenigen nicht fehlen, die es sich vor unserem Blog, auch an diesen Tagen, gerne gemütlich machen. Viel Vergnügen mit dem zwanzigminütigen RUMMELSNUFF-Medley. Der Sound ist gewöhnungsbedürftig, aber schlägt ein. Und der Typ? Alter, keine Ahnung… Andere Attitüde, andere Werte, eine andere sexuelle Orientierung. Auf der Ollen von THE GOSSIP würde Rummel jedenfalls ein gutes Bild abgeben.
Es grüßt
Christoph Parkinson
“24.04.1998, Suppkultur Koblenz, „Die Nacht des Seelenholers“: Die erste Band waren BARSEROS, die ich, soweit ich mich noch entsinnen kann (ja, ja die scheiß Wartezeit, da hat man halt wirklich fast nichts Bessers zu tun als zu saufen!), guten Punk’n'Roll spielten. Im Nachhinein erfuhr ich dann noch, dass BARSEROS “Sonic Reducer” von den DEAD BOYS gecovert haben, woran ich mich wirklich nicht mehr erinnern kann. Na ja, als zweites spielten RISE ANEW, die ich jetzt innerhalb der letzten vier Monate auch schon mindestens viermal gesehen habe. Dies war dann auch wohl der Grund, weswegen ich nach zehn Minuten gelangweilt den Raum verließ…” (FC Zine Nr. 2, 1998)
Als die BARSEROS im April 1998 auf der oben genannten Veranstaltung ihren ersten Auftritt gehabt haben, zählte ich seit einem Monat gerade mal siebzehn Lenze. Das erste Furious Clarity Zine hatte ich ein paar Tage zuvor aus dem Copy-Shop geholt. Das TRUE LOVE RECORDS Festival wäre bereits sicher eine Pflichtveranstaltung für mich gewesen, weil dort potentielle Käufer zu finden waren. Weitaus bedeutender war jedoch, dass das die Releaseparty der TRUE LOVE 7″-Compilation gewesen ist, auf der mit HAMMERHEAD, CREUTZFELDT, ANGRY NERDS und eben BARSEROS, die damaligen Aushängeschilder der Neuwieder Schule vertreten waren. Und diese hatte einen nicht von der Hand zu weisenden Einfluss auf meine Jugend…
Wie oft ich BARSEROS seitdem live gesehen habe, lässt sich mittlerweile nur noch sehr schwer nachvollziehen. Außer in der Erstausgabe unseres Fanzines, waren sie in jeder Nummer Thema, ob nun einfach im Rahmen einer Rezension oder, wie im FCZ Nr. 5, aufgrund eines zuvor stattgefundenen Gesprächs. Die Jungs spielten auf zwei von unseren Fanzinepartys und später gaben wir mit THE SWAT den Support auf verschiedenen Shows. Im Laufe der Jahre hat sich ein gutes, freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Als eines der Gründungsmitglieder, Sascha Hoffmann, vor zwei Jahren die Band verlassen hatte, und es nach einem baldigen Ende aussah, nahm Christian seinen Platz ein und schaffte es, die Motivation der Anderen in Kürze anzutreiben. Doch nun haben Micha, Nino, Dominik, Flappes und Christian beschlossen, dass es an der Zeit ist zu gehen und das Licht auszuknipsen. BARSEROS haben ihre Geschichte nahezu abgeschlossen. Das letzte Kapitel wird am kommenden Samstag im Sonic Ballroom in Köln geschrieben.
In diesem Beitrag möchte die letzten Jahre in Form einer kurzen Bandbiografie aus meiner Sicht Revue passieren lassen und damit einer der für mich wichtigsten, rheinländischen Punkrockbands in diesem Blog eine letzte Ehre erweisen.
BARSEROS: 1997-2009
Die subversiven Überreste von NOT THE SAME, ULTRA und PASZTÖ RÖZÖTT transzendieren 1997 zu einer der wenigen Neuwieder Bands, die über Jahre hinweg Bestand und Substanz haben soll: BARSEROS. Verruchte Typen mit einem proletenhaften Stil und einem überdurchschnittlichen Reflexionsvermögen, verwirren die rheinländische Szene mit ihrer ersten klaren Ansage „No more cheap talk“! Mit dem Opener auf der legendären Neuwieder Single-Compilation („5 Songs aus NR“) zeigen sie bereits vor ihrem Bühnendebüt, wie der Hase zu laufen hat: Dummen Reden und schädlichem Heinitum muss, insbesondere in den eigenen Reihen, das Maul gestopft und ein Ende bereitet werden. Punk Rock hat nichts mit Glamour, Mensafraß, geistiger Verwahrlosung, PC-Faschismus und Pansenatem zu tun. Hier geht es um geistige Rebellion, Selbstkritik und DIY – gemischt mit einer „gesunden“ Affinität zur Selbstzerstörung. Die Texte sind direkt, gewürzt mit etwas Reimakrobatik und mit einer Prise Selbstironie und Humor versehen. Musikalisch vergessen sie ihre 77er Wurzeln nicht und bleiben musikalisch in der Gegenwart. Der Sound wechselt zwischen äußerst melodischen und krachigeren Riffs, die stets von einem begnadeten Gesang begleitet werden.
Europaweit erklimmen sie in kurzer Zeit unzählige Bühnen. Als Band aus dem Vorprogramm stehlen sie ONE MAN ARMY, GBH oder TOMTE die Show. Zwischendurch spielen sie diverse Touren mit ihren Homies von HAMMERHEAD und KARATE DISCO oder saufen mit THE SWAT Backstage um die Wette. Positiv vom asozialen, politisch unkorrekten Ruf der Neuwieder Schule und dem schlagkräftigen, erbarmungslosen Ruf der ANTIFA Jugendfront gebrandmarkt, bedienen sie sich gerne auf, vor und hinter der Bühne entsprechenden Klischees. Dies hat zur Folge, dass BARSEROS die Szene polarisieren. Mehr als einmal kommt es vor, dass sich feministische Frauengruppen vor den Konzerten der Band organisieren – entweder um die Band zu huldigen, oder aber um die Pseudochauvinisten wegen ihrer erotischen Ausstrahlung und ihren engen Jeans zu sabotieren.

Ob Anhänger oder Gegner, die Tonträger der selbsternannten „Führers of rough Trash“ lassen Deutschlands Musikjournalisten aufhorchen und begeistern. Bis 2007 folgen drei Alben („Rotten Roll“ 2000, „Pushy Polemics“ 2002, „Modern Don Quijote“ 2006), ein Minialbum („Teenage Werewolf“ 1998), eine Single („Jerky/Boring“ 2000), unzählige Singlebeiträge und eine DVD („Barseros Television“ 2007). Musikalisch entwickelt sich die Band spürbar von Platte zu Platte weiter. Strotzen die ersten Aufnahmen vor lauter Rotz und Knall, verfeinern sich die Melodien in den nächsten Jahren ohne den Stücken ihre Power zu nehmen. Vermehrt werden deutschsprachige Songtexte gewählt. In diesen werden auf eine brillante Art der Scharfsinn und der Biss, mit dem verschiedene „Human Trash-Miseren“ desavouiert werden, so formuliert, dass selbst die Matschbirne des letzten Vollidioten bei Bedarf zum Denkversuch angestoßen werden kann.
Nachdem „Modern Don Quijote“ als letztes Album des hauseigenen Labels ILLEGAL OUTRAGE RECORDS veröffentlicht wird, kommt es 2008 zur längst überfälligen Inobhutnahme des sympathischen Kölner Labels UNTER SCHAFEN. Mit diesem Background haben BARSEROS die Möglichkeit, sich endlich vermehrt auf das zu konzentrieren, was sie am besten können: Deutschsprachige, kritische Hymnen schreiben und die Bühnen dieser Welt mit einem süffisanten Lächeln erobern.
Doch Mitte 2009 ist der Drops gelutscht. Die Luft ist raus. Andere Bands einzelner Mitglieder (HORDAK, BAZOOKA ZIRKUS, etc.) und sonstige Projekte erhalten mehr Priorität. Zwölf gute, wichtige Jahre sind vorbei. Die Jungs beschließen, ihre letzte Show im Sonic Ballroom in Köln zu geben. Von Anfang an waren wir vom Furious Clarity dabei und wir werden auch dabei sein, wenn der Vorhang fällt. Viel Dank für alles. Vielen Dank für zwölf wichtige Jahre!
(Christoph Parkinson)
Diskografie:
- 1998 „Teenage Werewolf“ Mini-LP (Eigenproduktion)
- 2000 „Jerky/Boring“ 7“ (Illegal Outrage Records)
- 2000 „Rotten Roll” LP (Illegal Outrage Records)
- 2002 „Pushy Polemics” LP (Trash 2001)
- 2006 „Modern Don Quijote” CD (Illegal Outrage Records)
- 2007 „Barseros Television Part One“ DVD (Eigenproduktion)
- 2008 „Kill, kill, das ist Pop!“ (Unter Schafen Records)
- 1998-2008 diverse Samplerbeiträge

“Täglich sechzehn Wachstunden, eine knappe Ration. Deshalb sollte dir klar sein, die müssen sich lohnen. Damit der Spagat zwischen Pflicht und Kür gelingt, überlegt man sich dreimal, mit wem man seine Zeit verbringt. Was hast du mir schon zu bieten? Keine Muskeln und kein Hirn! Was hast du mir schon zu bieten? Ich biete dir meine hohe Stirn…”
Koblenz die Zweite. Two Girls, one Machine: Platz da, hier sind MONOCORD – et MONOCORD, c’est très fantastique! Ein klarer Beat, äußerst eingängige Keyboardsounds und zwei berauschende Damengesänge mit Wiedererkennungswert. Die Songs weisen in der Einfachheit ihrer Struktur beinahe eine Konsequenz auf, für welche DISCHARGE bekannt gewesen sind: Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Ende. Andere Gemeinsamkeiten sind natürlich auszuschließen. MONOCORD sind nämlich nicht “verkrustet”, sondern “zuckersüß”. Und die Texte sind nicht politisch mahnend, sondern pfiffig und frech. Die ersten, relativ unterschiedlichen fünf Songs, wurden vor zwei Monaten bei Thomas Hentschel von BAZOOKA ZIRKUS in Düsseldorf aufgenommen. Mit der Bezeichnung “Elektro-Deutschpop-Trashpunk” mag sich das Soundgemisch einigermaßen kategorisieren lassen.
Demnach zu urteilen, was die Mädels aus dem Nähkästchen geplaudert haben, soll es live besonders interessant werden. Die Bühnenoutfits und die Choreografie standen, zumindest mehr oder weniger, vor dem ersten Song fest, was meines Erachtens als eine klare Ansage bezüglich der Prioritätensetzung verstanden werden kann. Wenn es soweit ist, dass MONOCORD die Bühne entern, kann ich mir die Band sehr gut mit THE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM und der SOFTBOY CONNECTION auf Tour vorstellen.
Eines der beiden Mädels singt übrigens bei der Punkrockband KARATE DISCO, die sich aktuell bei Kurt von BLACKMAIL im Studio einquartiert haben, um ihren zweiten Longplayer aufzunehmen. Dieser wird Anfang 2010 wieder auf RILREC veröffentlicht. Das, an die Figuren von “Alice im Wunderland” angelehnte Video, zu dem älteren Hit, “Kaffee und Kuchen”, gibt zwar keinen Vorgeschmack auf das neue Material, ist jedoch unterhaltsam und derart witzig gestaltet, dass sich das Abspielen lohnt.
(Christoph Parkinson)

Im Jahre 2009 von “Christian Audigier” gecastet und designed. Das “Prestige-Objekt” in Chefsache – auserkoren um als unentbehrlicher Ohrenschmaus heranzuwachsen und zu gedeihen, verzaubert es nun die Hardcore-Punk Herzen der Schönen und Reichen. Es will sogar noch mehr als nur euer scheiss Geld! Es weckt Begehrlichkeiten.
Eine neue Koblenzer | Neuwieder Supergroup ist am Start und sie hört auf den Namen Bazooka Zirkus. Ich sag jetzt mal frech, aus der Asche von Barseros entstanden, obwohl natürlich noch andere Leute unter anderem von Hordak und Karate Disco dabei sind. Der Vergleich drängt sich natürlich auf, wenn der Sänger und Textschreiber der Selbe ist und dazu auch noch jemand, der es echt drauf hat und der eben auch den Unterschied macht. Abgesehen davon bin ich natürlich auch sowieso befangen, ist klar. Ums kurz zu machen: Ich finde die neue Kombo spitze!
Das Ganze ist jetzt musikalisch eher als amerikanische Youth Crew Hardcoreband der zweiten Welle angelegt, geht gut nach vorne und ist top produziert vom Hentsch. Gesangsmäßig ist wie gesagt, der Micha am Start und der kann leider nur total gut singen und nicht so schepp wie der Ray Cappo 1988 oder so. Bis auf “Was ist aus uns geworden”, wo mal ein wenig gebrüllt wird (wusste ich gar nicht, dass der das kann) und mit Abstrichen auch “der schöne Proll” sind die anderen bisher zu hörenden Songs für mich jetzt eher in melodiöseren Punkgefilden angesiedelt, mit dem Unterschied, dass halt alles statt mit Ooozin Aaahs schön mit HC-Shoutings hinterlegt wurde.
Textmäßig ist das ganz natürlich auch Zucker, kann ja jeder selbst hören, die sind nach zwei-bis dreimaligem Hören sehr gut zu verstehen, außer bei “Herz auf der Zunge”, den hab ich noch nicht so geblickt. Das eigentlich Geile an Michas Texten, wie auch schon bei Barseros, ist ja, dass er es damit schafft, so eine Musik, die aus einer Jugendbewegung heraus entstanden ist, aufs nächste Level zu bringen. Sie entsprechen unserem jetzigen Erfahrungshintergrund und unserem Alter. Somit wirkt das alles immer authentisch und nie albern oder hängengeblieben und bleibt auch interessant. Mein Lieblingssong im Moment ist der “Zaungast”, alleine schon dieses geile Wort! Ist aber schwer zu sagen, das läuft bei mir eh grade alles die ganze Zeit rauf und runter.
(Christian Destroy)
Andreas “BIG DADDY” Kraniotakes aus Koblenz ist Spitzenschwergewichtler in den Mixed Martial Arts (MMA). Deutschlandweit ist er in der Gewichtsklasse auf Platz drei gesetzt. Im letzten Jahr wurde er für den Ground and Pound-Award für die Wahl zum beliebtesten deutschen Kämpfer nominiert und landete dort ebenfalls auf dem dritten Platz. Manche Koblenzer Partynasen kennen ihn vielleicht auch aus dem S38, in dem er als Türsteher fungiert hat.
Die MMA, welche auch unter dem Markennamen des “Ultimate Fightings” weltweit populär sind, gehören zu den anspruchsvollsten und härtesten Kampfsportarten. Denn jegliche Techniken verschiedener Kampfkünste sind erlaubt, weshalb die Kämpfer im Käfig auf die unterschiedlichsten Arten von Gegnern treffen können und somit im besten Fall “Allrounder” sind. In Deutschland steht der Kampfsport teilweise stark in der Kritik der Medien. In einem 3Sat Bericht über die Ufc gibt “Big Daddy” im Kampfsportgym Koblenz dazu klare Statements ab.
Die Darstellung der MMA in den Medien ist auch ein Aspekt, der im Rahmen dieses Gesprächs angekratzt wird. Außerdem geht es unter anderem generell um die MMA in Deutschland, die Thematik des Dopens mit Schmerzmitteln oder um die Koblenzer “Türstehermafia”. Das Interview ist weitaus sachlicher und seriöser geworden als geplant. In anbetracht der häufig negativen Etikettierung des Sports in der Öffentlichkeit, ist dies jedoch sinnvoll und damit natürlich nicht minder informativ. Let’s get ready to rumble!
Was schätzt du an den Mixed Martial Arts und inwiefern bestimmen sie deinen Alltag?
In erster Linie liebe ich den Sport, weil er so anspruchsvoll ist. Es gibt immer noch mehr zu lernen und jeden Tag werde ich vor neue Aufgaben gestellt, die es zu lösen gilt. Eben aufgrund dieser Komplexität ist es notwendig, dass ich sehr viel trainiere. Normalerweise trainiere ich sechsmal die Woche und vor einem Kampf kann es dann schon mal bis zu zwölfmal die Woche werden.
Was in öffentlichen Diskussionen oft nicht beachtet wird, ist dass die MMA quasi der anspruchsvollste und schwierigste Kampfsport überhaupt sind. Dies wissen nach meiner Information viele der Zuschauer, die sich entsprechende Kämpfe live ansehen, ebenfalls oft nicht zu schätzen und bringen ihre Respektlosigkeit beispielsweise damit zum Ausdruck, dass sie nach mehr Brutalität schreien. Wie erlebst du es, dass der Sport und die Kämpfer nicht die Wertschätzung erhalten, die ihnen zustehen sollte? Und welchen Eindruck hast du von dem beschriebenen Publikum?
Ich empfinde es ein wenig anders. Das Publikum, das wir bei den Kämpfen erleben, überrascht zumeist sogar mit Fachkenntnis. Merkbar wird das unter anderem daran, dass die Zuschauer applaudieren, wenn einem der Athleten eine schwierige Technik aus dem Bodenkampf gelingt, die für ein Laienauge recht unspektakulär aussieht. Meiner Meinung nach wissen die Menschen, die tatsächlich in die Hallen gehen, um uns kämpfen zu sehen, den Sport sehr wohl zu schätzen. Es sind eher die Medien, die der Sache nicht gerecht werden. Da kriegt man dann Zusammenschnitte zu sehen, in denen die brutalsten Szenen der letzten Jahre völlig aus dem Zusammenhang gezeigt werden. Das ist ungefähr so, als würde man alle Foulszenen der letzten Fußball-WM zusammenschneiden und jemandem vorführen, der noch nie etwas von Fußball gehört hat. Natürlich entsteht dadurch ein verzerrtes Bild. Den „Durchbruch“ zur öffentlichen Akzeptanz können wir in Deutschland meines Erachtens nur schaffen, wenn wir der breiten Masse deutlich machen können, dass wir Sportler sind – hart arbeitende Athleten.

Im Hinblick auf die Dokumentation über Marc Kerr, „The Smashing Machine“, in der er sich Schmerzmittel spritzt, um im Kampf mehr einstecken zu können, frage ich mich einerseits, wie verbreitet generell Doping auch in den deutschen MMA ist, und andererseits, welche Taktik Sinn macht, wenn man gegen jemanden kämpft, der quasi schmerzfrei ist? Ich kann mir vorstellen, dass das eine recht undankbare Aufgabe sein könnte…
Die angesprochene Dokumentation ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie groß die psychische Belastung in unserem Sport ist. Es verlangt viel eben auch an mentaler Stärke, um sich in solche Extremsituationen zu begeben. Und wie in jedem Sport gibt es vor allem in den Leistungsklassen immer auch die Gefahr von Doping. Allerdings sind in den letzten Jahren die Kontrollen im In- als auch im Ausland immer besser geworden und so wurde die Möglichkeit zum Missbrauch pharmazeutischer Mittel auf ein Minimum reduziert. Insofern ist die Gefahr, einem solchen Gegner gegenüberzustehen, nicht so immens hoch. Sollte es doch passieren, muss das nicht unbedingt so schrecklich sein. Die meisten Möglichkeiten, um jemanden vorzeitig zu besiegen, funktionieren unabhängig davon, ob jemand illegale Substanzen konsumiert hat oder nicht. Ein K.O.-Schlag würde auch jemanden auf die Bretter schicken, der unter Schmerzmitteln steht. Ein Aufgabegriff dürfte in diesem Fall ebenso funktionieren. Wer nicht abklopft, weil sein Schmerzempfinden betäubt ist, der schädigt lediglich sich selbst… Am Ende sollte dennoch auch hier gelten: Fair geht vor!
Du hast bei der deutschen WT-Meisterschaft ziemlich erfolgreich mitgemacht. Wie ist es bei einer Kampfkunst möglich, die auf das schnelle möglichst konsequente Ausschalten des Gegners mit allen Mitteln abzielt, ein Turnier durchzuführen, das nicht in einem totalen Desaster endet?
Zunächst einmal war es notwendig, die erlaubten Techniken einzuschränken. Es ist nicht möglich einen sportlichen Wettkampf auszutragen, wenn Techniken erlaubt sind, die den Gegner zwangsläufig langfristig schädigen. Dementsprechend wurden die „brutalsten“ Elemente entfernt. Dennoch war es ein sehr harter Wettkampf. Sollte jemals geplant sein so etwas zu wiederholen, müssten sich die Organisatoren ein wenig beraten lassen. Denn es gab schon viele „Kinderkrankheiten“, die bei einem zweiten Event vermieden werden sollten.

Welchen Stellenwert hat die Qualität der deutschen MMA im internationalen Vergleich?
Deutschland war lange Zeit eine MMA-Provinz. Insbesondere neben anderen europäischen Ländern, wie Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich, sahen wir meist sehr schlecht aus. In den letzten Jahren haben wir jedoch stark aufgeholt. Immer mehr unserer Kämpfer gelingt es im Ausland und in großen Promotions zu zeigen, dass der MMA-Sport in Deutschland nicht mehr in den Kinderschuhen steckt. Das macht mich sehr stolz.
Wie lange müsste jemand wie ich, wie intensiv, was, wie lange trainieren, um im ersten Cagefight nicht direkt nach zehn Sekunden K.O. zu gehen?
Darauf kann es nur eine Antwort geben: Es kommt darauf an. Die meisten MMA-Neulinge sind schon in irgendeiner Form in Sachen Kampfsport vorgebildet. Haben also in der Vergangenheit bereits klassische Kampfsportarten wie Judo, Boxen etc. betrieben. Deren Kenntnisse müssen zunächst an die neuen Regeln angepasst werden und es müssen natürlich die fehlenden Techniken dazugelernt werden. Ich würde sagen, bevor man sich guten Gewissens in einen Käfig stellt, sollte man in der Lage sein mit einem Ringer zu ringen, mit einem Boxer zu boxen, mit einem Grappler zu grapplen usw. – und das alles eben ohne dabei allzu schlecht auszusehen. Denn wenn du eine Lücke hast in deinem Spiel, dann wird sie dein Gegner finden und dann… Na ja, den Rest kannst Du Dir sicher denken (lacht).
Du bist in Koblenz als Türsteher tätig. Wie schaut es mit einer Koblenzer „Türstehermafia“, wie zum Beispiel an den Kölner Ringen, aus? Und was schätzt du an diesem Job?
Eigentlich ist das nicht ganz richtig. Ich war lange Zeit in Koblenz als Türsteher tätig, arbeite jetzt aber nur noch selten in diesem Job und wenn, dann in Köln. Natürlich gibt es im Nachtleben nicht nur Lichtgestalten, aber selbst in Köln an den Ringen hat sich die Situation doch etwas entspannt. Natürlich schläft die Unterwelt in keiner Stadt, aber letztlich ist es schon lange nicht mehr so prestigeträchtig „die Tür zu machen“. Insofern kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass überall nur mit Wasser gekocht wird. Trotzdem wäre ich lieber nett zu den Jungs an der Tür. Die haben nämlich einen harten Job.
Komm, mal ehrlich: Wie viele Anzeigen wegen Körperverletzungen hast du in deinem Leben bisher erhalten?
Ehrlich? Keine einzige, die ernst zu nehmen war! Ich bin also noch nicht vorbestraft und das, obwohl ich nun fast schon ein Jahrzehnt im Sicherheitsgewerbe arbeite. Ich musste noch nie jemanden schlagen oder gar verletzen, um meine Arbeit zu machen. 99% dieses Jobs besteht aus Reden und aus Psychologie. Den Rest sollte man mit Hebeln und Abführtechniken versuchen zu regeln. Zum Äußersten sollte man nur greifen, wenn es gar nicht anders geht. Also wenn das eigene Leben in Gefahr ist und dann ist es ja Notwehr.
Was für Ziele hast du dir in den MMA gesetzt und was tust du dafür, um diese zu erreichen?
Mein Traum ist es natürlich einen Vertrag in einer großen Promotion zu bekommen. Vor allem die USA und Japan sind da sehr reizvoll. Es wäre natürlich großartig, wenn ich irgendwann meinen Lebensunterhalt damit verdienen könnte. Also drückt mir alle die Daumen.
(Christoph Parkinson)

Endlich sind Hanzels schlaflose Nächte bald vorbei. Nach mehreren Monaten der Planung, öffnet das Neuwieder Scala-Kino am kommenden Samstag, den 12. Dezember 2009, zu einem ganz speziellen Abendprogramm. Es gibt zwar keine Lamas mit Hüten, aber dafür Bollos in Trainings- und in Tarnhosen. BLOODATTACK präsentieren das erste FULL METAL FORTRESS FESTIVAL.
BORN FROM PAIN (Niederlande) gehören zu den wichtigsten europäischen Vertretern des Metalcores. Das üble Posing von den Asis von NASTY (Belgien) ist sicherlich auch eine Runde Standing Ovations wert. SIX REASONS TO KILL, BLOODATTACK und HORDAK wurden als sehr gute Repräsentanten der qualitativ hochwertigen und showgeladenen rheinländischen Schule ausgewählt. Drei Bands, die live wirklich immer den kleinen Mann im Boot finden. DAYS OF DESPITE sagen mir nichts.
Das Scala-Kino ist ein genialer Veranstaltungsort. Eintritt und Bierpreise sind “ure angemässe”. Wenn ich an diesem Wochenende nicht auf farblosen Einkaufstüten die Alpen hinunterrodeln müsste, würde ich als erster betrunken vorm Eingang liegen. Hanzel und Claus, vielen Dank für euer Engagement!
(Christoph Parkinson)