Archiv für Oktober 2009

“We Call It Punk – When Energy Meets Attitude”: Neuer Bildband von Christoph Lampert

Freitag, 30. Oktober 2009

Boxhamsters

Lange bevor Christoph Lampert mit seiner Mitarbeit für das Ox im Jahre 2001 begonnen hat, hat er für das Hamburger Kabeljau Fanzine, das ZAP und das 3rd Generation Nation fotografiert. Seit Ende der 80er Jahre springt er voller Leidenschaft in der deutschen Punk-/Hardcoreszene zwischen Hamburg, Berlin und Umgebung herum und hält die energiegeladensten Momente auf Konzerten fotografisch fest. Neben seinen Aktivitäten hinter der Kamera, steht er mit seiner Band BORN AS A JOKE mitunter selbst auf der Bühne.

Mit “We Call It Punk” veröffentlicht das Ox, in Form eines circa Din A4 großen Fotobildbands, eine herrliche Auswahl seiner Arbeiten aus zwei Jahrzehnten Punk- und Hardcoregeschichte. Was dieses Werk von manch anderen Fotobänden unterscheidet, und für den Leser meist sehr unterhaltsam oder informativ ist, sind die Anekdoten von einzelnen Bandmitgliedern, die sich an den damaligen Abend erinnern. Das Buch ist auf eine Auflage von 444 Exemplaren limitiert. Im Hardcover liegt eine 7″ mit exklusiven Live-Songs von PASCOW, SAMIAM, SOULSIDE und THE VERNON WALTERS bei, die als ein guter, wenn auch leider kurzer Soundtrack, während dem Schmökern funigeren darf.

Youth of Today

Wie die nun folgende Auflistung zeigt, gehören zu den fotografierten Bands nicht nur wichtige amerikanische, sondern eben auch wichtige deutsche Bands: 2 BAD, DIE ÄRZTE, ALL, ANTI-FLAG, ART BRUT, BAD RELIGION, THE BOTTROPS, BOXHAMSTERS, D.O.A., DACKELBLUT, DEADLINE, DISTEMPER, EA80, ELÄKELÄISET, THE FIXTURES, FLAG OF DEMOCRACY, FUGAZI, THE GASLIGHT ANTHEM, GORILLA BISCUITS, NAUSEA, NIRVANA, NO MEANS NO,THE PLOT, THE QUEERS, RICH KIDS ON LSD, RUBBERMAIDS, SAMIAM, SNUFF, SO MUCH HATE, SPERMBIRDS, THE THERMALS, TURBOSTAAT, WALTER ELF, YOUTH OF TODAY, etc.

Das Buch kann und sollte für 29,90 € (plus 5,00 € Verstandkosten innerhalb von Deutschland) über den Ox-Shop bestellt werden. (Christoph Parkinson)

Es ist jetzt vorbei und es war doch schön…

Donnerstag, 29. Oktober 2009

…wir blieben gern hier doch wir müssen nun gehen:

Am 19.12.2009 ist es soweit. Barseros, die letzten Vertreter der legendären Neuwieder Schule, haben ihr Rendezvouz mit Joe Black im Sonic Ballroom in Köln. Ich stelle mir den Sensemann zwar nicht als Knochentyp mit Kapuze vor, aber auch nicht wie Brad Pitt. Der Sensemann für Bands ist sicher ein adipöser Muckertyp mit fettigem Zopf, nikotingelbem Bart und einem zu kleinen verwaschenen Grateful-Dead-T-Shirt, der genervt, aber bestimmt darauf hinweist, dass es jetzt an der Zeit ist zu gehen.

Wir wären nicht die mächtigen Barseros, würden wir diese Sache nicht gebührend zelebrieren. Wir werden uns tierisch in Schale schmeißen und würden es begrüßen, wenn ihr uns das gleich tut. Anlass dazu ist allemal. Wie sehr ihr euch aufbrezelt, kann jeder für selbst entscheiden, alt genug seid ihr ja mittlerweile. Darüber hinaus wird es eine kleine Filmvorführung geben und ein Set, das Lieder aus allen Epochen der Band beinhaltet. Am Eingang wird ein Kondolenzbuch aufgeschlagen sein, in dem jeder, der will, eine kleine originelle Widmung hinterlassen kann, die ich mir später tränenschwanger​ durchlesen werde. Wir würden uns wünschen, dass alle, die uns auf der Achterbahn unserer Existenz ein Stück des Weges begleitet haben, an diesem Abend zugegen wären.

Ein letztes Mal lassen wir so richtig die Kuh fliegen. Wie eine alte Frau werden wir uns noch mal aus unserem Schaukelstuhl erheben, um zu einem letzten gewaltigen Schlag auszuholen, dass es nur so spritzt. Wir wollen euch tanzen und kotzen sehen! Schöne Menschen mit tollen Frisuren, die mal so richtig die Sau raus lassen…

Christian, Micha, Flappes, Nino, Dominik!

Deathstyle und NR-Crew knutschen, schlagen und saufen für MTV!

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Das Video zu dem Song “Moonpigs” von der rheinländischen Indieband BLACKMAIL, entstand 2006 im Old London in Koblenz. Seitdem läuft es auf MTV und Konsorten. Der Clip ist also schon älter, musste aber einfach auf dieser Seite gepostet werden. Einerseits ist der Song phantastisch und andererseits beweisen, neben Christian Destroy und Lord Fuck, Mitglieder von BARSEROS, SCHLAGBOLZEN, KARATE DISCO und BUBONIX ihre schauspielerischen Qualitäten. Und das schaut man sich alle Jahre wieder ja sehr gerne an. Also: Fuck them, they’re famous! (Christoph Parkinson)

Un po’ artista un po’no: Pankerknacker #23 kaufen!

Montag, 26. Oktober 2009

We're not whores!

Der neue Pankerknacker (# 22) ist im Handel! Nach den einleitenden Worten vom Chef, Stefano Stiletti, findet ihr direkt auf den Seiten vier bis sieben meinen Beitrag. Destroy findet, dass das der beste Artikel ist, den ich seit langem geschrieben habe. Vermutlich werden das andere anders sehen.

Weitere Beiträge stammen von Jan Off (”Mein schönstes Force Attack”), Klaus N. Frick (”Seitenblick”), Jess Jochimsen (”Klippschliefer und Meuchelpuffer”), Mika (”Feuchtgebiete trockenlegen”), Don Chrischan (”Hagen ist wie Washington”), etc. Interviews wurden mit SOCIEDAD ALKOHOLIKA, Elena von Berlins Rock’n'Roll-Herberge, Watty von EXPLOITED, und mit ein paar anderen Honigkuchengesichtern geführt. THE MALADROITS berichten von ihrer Tour und die obligatorischen Rezensionen gibt es auch.

Meine Kritik am letzten Cover hat sich Stiletti anscheinend zu Herzen genommen. Denn das aktuelle Titelbild gefällt – zumindest mir. Das Layout wirkt, trotz dem vierfarbigen Druck, etwas crustig und das immer wieder verwendete Pink in der Gestaltung, überrascht etwas – zumindest mich. Kaufen könnt ihr das A5er für 3 Euro in den gängigen Plattenläden, über die üblichen Mailorder oder direkt über den Hausshop Lambrusco Killers. Ab Anfang 2010 ist der Pankerknacker übrigens in allen grösseren Zeitschriftenläden erhältlich. Wirtschaftskrise, fuck off – wir expandieren! (Christoph Parkinson)

Im Gespräch: DR. JOHN PROKTOR über Kokain in Chile und den Transenstrich!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

DR. JOHN PROKTOR hat, wie übrigens ein Gründungsmitglied der ÄTHER YOUTH, seine Wurzeln im Sauerland. Genau genommen in Antfeld in der Nähe von Brilon (”Kump” für den Lump!). Derzeit lebt er in Chile. Was ihn dorthin getrieben hat, ist bislang nicht bekannt gewesen; ein Grund für das längst überfällige Interview. Längst überfällig, weil PROKTOR ist seit über einigen Jahren aktiv in der deutschen Hip Hop-Szene. Seine Texte sind düster, seine Reime sind flott und eigen. Scheiß auf Berliner Gangstarotze, der Typ ist finster und lässt den Underground mit Old School Styles brennen! Sein Motto ist: “Den Löffel erst heiß machen – dann abgeben!” Im Übrigen ist er Teil des RICHKDZ-Kollektivs.

Hey Proktor, seid wann bereist du Chile und welche Mission verfolgst du dort?

Ich bin seit knapp zwei Monaten in Chile und wohne, sechs Stunden südlich von Santiago in der Region VIII. Empfangen wurde ich von einem Mapuche, einem Eingeborenen, der mich seiner Familie vorstellte. Ich zündete mir meine letzte Ernte 23 an. Danach bin ich scheissen gegangen. Meine Mission ist es, das Land zu entfinstern, das heißt, meine Aufgabe ist die Erleuchtung zu verbreiten! Hierzu drucke und verteile ich psychische Prospekte mit den Ureinwohnern. Momentan arbeite ich dazu an verschiedenen sozialen Projekten in Los Angeles. Bei meiner Arbeit stoße ich auf verschiedene Phänomene. Ein Beispiel: Chile scheint etwas schizophren. Auf der einen Seite sind die Chilenos absolut patriotisch und feiern sich selbst ohne Unterlass. Andererseits hat das Land als Ganzes mehr Identitaetsprbleme als ein pubertierendes Emokid. Chile ist ein sehr junges Land. Dass die Konquistadoren den Großteil der eigentlichen Bewohner verkauft und aufgeschlitzt oder aufgeschlitzt und verkauft haben, scheint hier keinen zu interessieren…man will sich ja nicht selbst ficken!

Pic. by Miron Zownir 2006 (http://www.mironzownir.com/?cat=3001&subcat=19&id=17)

Als reicher Deutscher müsstest du doch ganz gute Schnitte bei den Prostituierten und den anderen Frauen haben. Gib doch mal einen Abriss über das dort herrschende Rotlichtmilieu!

Als Gringo mit barbarischer Größe, stahlblauen Augen und etwas Patte geht das hier schon ganz gut, stimmt. Immer den Harem im Schlepptau. Auf dem Strich in Concepcion wurde ich deshalb auch mit offenen Armen empfangen. Als eine Nutte auf “¿Cuanto cuestas?” (Anmerkung: Wie viel kostets’?) mit tiefer Stimme antwortete, hatte ich nicht wenig Lust ihn/ihr mit meinem rostigen Sparkassenmesser ein Grinsen zu verpassen. Ich war auf dem Transenstrich gelandet. Gut, dass ich meinen neuen Homie Washington “Klebstoff” jr. dabei hatte. Küss mich heißt hier übrigens “besamè”. Schon fett, wenn das ne Punze zu dir sagt. Noch besser, wenn die Punze keinen Schwanz hat! (lacht)

Wie schaut der Drogenmarkt aus? Welche Erfahrungen hast du bisher gemacht? Und wie teuer ist ein Gramm Kokain?

Kokain habe ich schon für ca. 20 Euro bekommen. Gut dafür sind einige Ecken Santiagos und Valparaìso. In den Anden gibt es einige Bauern, die schön bei der Arbeit Blätter kauen, um auf der Höhe besser klarzukommen. In Argentinien ist das nicht mal verboten. Gruß an Maradonna an dieser Stelle, alte Pottsau! Ruf mal an, falls du das hier liest. Ich habe vor einigen Wochen am chilenischen Nationalfeiertag mit Washington jr. eine Mischung aus Klebstoff und Koka inhaliert. Was dabei ablief, erinnerte mich stark an Eisspray, nur andauernd. Von einem Dach aus konnten wir die Militaerparade mit Bazooka-Hobbits und anderen tragischen Lichtgestalten verfolgen. Disko, Krieg usw. Danach fuhren wir mit einem alten Nissan durch die Barrios der Stadt. Washington fuhr ein Rudel Strassenhunde über den Haufen und schrie dabei: „Soy el Hitler des perros!!!“, was soviel heisst wie: “Ich bin der Hitler der Hunde!!!” Danach Filmriss und Totentanz. Das war mein letztes Erlebnis. Ansonsten wird fleissig gedealt, geboxt und geplündert. Aber davon bekomme ich in der Stadt der Engel wenig mit.

Proktor bereitet in Mamas Küche Pokémonhoden zu

Was geht ansonsten szenemäßig steil in Chile?

In Chile gibt es wie in Europa auch den üblichen Szenescheiss. Nur eben nicht so aufgeblasen. Reggaeton ist hier eine Seuche! Wenn du in einen Pub gehst, bekommst du den Scheiss fast nur zu hören. Was Hip Hop angeht, ist es wie Deutschland in den Neunzigern: Viele kleine Jams. Geprägt ist die Rapszene hier durch revolutionäre Strömungen der letzten Jahrzehnte, kontra Pinochet, sogenannten „Hip Hop Militantes“. Im Zentrum des Landes findet man was Szenescheiss angeht die meisten Kreativaffen.

Was bringst du mir als Geschenk mit?

“Charqui”, getrocknetes Rindfleisch, das wie Hundescheisse schmeckt. Dazu gibt’s ein voll fettes Bier im Supermarkt. Das heißt “Paderborner”. Hahahah! Ja, das bring ich dir mit! (Christoph Parkinson)

Die Abgründe der Welt erfasst durch Miron Zownir

Montag, 19. Oktober 2009

Moskau 1995

Miron Zownir gilt seit den 80er Jahren als Ausnahmekünstler. Die Qualität seiner Arbeiten ist unabhängig vom Medium (Fotografie, Film, Literatur) sehr hoch. Die Inhalte sind unverblümt, bitter und echt.

Im Mittelpunkt stehen meist Außenseiter, die in den Abgründen des gesellschaftlichen Lebens gewachsen sind: Prostituierte, Junkies, Obdachlose, Anhänger verschiedenster Subkulturen, Freaks. Ende der 70er Jahre dokumentierte er beispielsweise die Entwicklung der Punkszene in London und in Berlin. Bekannt geworden ist er ebenfalls durch andere großartige Arbeiten in New York, Los Angeles, Moskau, etc.

Die gesamte Biografie von Zownir ist beeindruckend. Der Anlass dieses kurzen Beitrags ist einmal die Neuerscheinung seines Buchs über den Mox & Maritz Verlag: “Parasiten der Ohnmacht”. Diese Veröffentlichung enthält, neben einem guten Duzend Fotografien, Kurzgeschichten, Gedichte und Aphorismen. Die Texte erinnern teilweise an William S. Burroughs (”Junkie”) oder noch eher an Hubert Selby Jr. (”Last Exit to Brooklyn”). Dreiviertel habe ich bisher gelesen und ich muss sagen, dass er sich hinter den genannten Größen nicht verstecken braucht. Denn er gehört schließlich zu den besten Schreibern der aktuellen Social Beat-Szene. Sein häufig vorkommender Bezug zu Szenarien in Deutschland, macht das Buch meines Erachtens besonders spannend. Die ausführliche Rezension findet ihr im Ox Nr. 87.


Moskau 1995

New York 1983

Abschließend möchte ich natürlich das Interesse von denjenigen mit ein paar Fotografien wecken, die von Zownir noch nichts gehört oder gesehen haben sollten. So long… (Christoph Parkinson)

Berlin: Hammerhead und der dreckige Rest…

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Eigentlich wollte ich letztes Wochenende mit dem Club Scheisse nach Bern zum Kollegen Parkinson. Das hat auf Grund der Weltwirtschaftskrise nicht geklappt. Stattdessen bekam ich ein anderes verlockendes Angebot: Berlin, und zwar mit nicht geringerer Starbesetzung was Geisteskrankheiten angeht. Fotograf und Chronist Stefan, der süße Ben und Rosario. Am Abend vorher fällt mir noch besoffen ein, dass ja unsere lieben Freunde Hammerhead im Clash in Kreuzberg spielen. Juhuu!

Wir fahren Freitag nachmittags los und ich sitze am Steuer. Leider haben wir vergessen, dass Ferienbeginn ist und brauchen für die Fahrt circa neun Stunden. Zum Glück hat der Stefan genug Radieschen und Flips dabei. Ausserdem hat er sich zwei Baguettes geschmiert, auf die er jeweils eine Packung Formvorderschinken gelegt hat, aus Angst, die angebrochenen Packungen könnten sonst schlecht werden. Die Flasche Rotwein, die Rosario von seiner 17-jährigen Praktikantin geschenkt bekam, weil er so nett ist, hält auch nicht lange. Eigentlich ist die Fahrt ganz lustig, es wird mal so alles durchgesprochen, Stefan macht paar Fotos, wir brauchen noch nicht mal Musik. Die Stimmung kippt noch nicht einmal, als uns 28 Kilometer vor Berlin original der Auspuff abfällt. Ich sag nur: ADAC Plus Mitglied. Als der gelbe Engel kommt macht Stefan noch n paar Fotos (das sind die letzten zu denen er dieses Wochenende in der Lage ist) und der Typ klebt den Auspuff irgendwie mit Spucke wieder fest.

In Berlin angekommen, geht jeder erst mal seiner Wege, Leute besuchen, Scheiss abladen, saufen und so weiter. Mitten in der Nacht trifft man sich zum weiteren Ausgehen, was vom gesichtstätowierten Berghain Türsteher vereitelt wird. Er würde ja gerne, aber Teile von uns sind echt zu blau.


Ist mir auch noch nie passiert. Ok, geh ich mit Rosario halt ins Golden Gate. Zitat an deren Tür: “Wir haben nix gegen euch.” Ich freu mich. Drinnen ist es sehr ausgelassen, ich habe faustgroße Erinnerungslücken. Als ich zu mir komme, sitze ich auf einem Sofa und eine irre Alte bespringt mich, reisst mir an den Haaren und versucht mir mit dem Knie in die Eier zu treten, ausserdem faucht sie immer in mein Ohr, was ich für ein Schwein sei und was ich damals mit ihr gemacht hätte und ob ich jetzt Schiss hätte. Danach versucht sie mich zu küssen. Ich spiele bei allem mit, kann die Furie aber beim besten Willen nicht einordnen, obwohl mir ihr Gesicht nicht gänzlich unbekannt vorkommt. Whatever, das reicht, ich renne aus dem Laden und mache mich Richtung Pennplatz, wo ich auch bis abends schlafe.


Hammerhead hatten wohl nachmittags schon einen unplugged Gig in irgendeinem Plattenladen, was mir jedoch entgangen ist. Hätt ich eh nicht geschafft. Abends fahr ich mit dem Taxi nach Kreuzberg zu dem betreffenden Laden, Gästeliste plus 1 (niemand will/kann mich begleiten), danke Männer, kostet schließlich 10 Euro und ist trotzdem ausverkauft. Das will was heissen: 500 zahlende Gäste inklusive der ganzen Punkprominenz. Ich verschwinde direkt Backstage, das Gerempel ist mir zu anstrengend. Ich kenne so etwas von Hammerhead erst seit dem Gig im Underground in Köln und bin das noch nicht gewohnt, schließlich hab ich die Kapelle in den letzten 15 Jahren circa 100 mal live gesehen. Das ist also auch für mich und wahrscheinlich auch immer noch für die Band spannend. Es wird gesoffen und gelabert, ich bin etwas maulfaul, Tobi erklärt mir, dass rote Beete gut für die Leber sind und bald gehts los. Ich habe einen strategisch guten Platz an der Seite der Bühne und werde auf dem Weg dahin zweimal erkannt, einmal als Gitarrist von Barseros (freu) und an der Bühne dann von einem Hepatitis Z-Kranken 45-jährigen Vollalki als Typ von der Hammerhead DVD (kotz). Er kann es gar nicht fassen, nachdem er mich 5 Minuten von der Seite angegafft hat und ich ihn frage, was er denn so böse glotzt. Er sagt mir dann, dass die DVD cool ist und ich Scheisse. Dann werden Fotos gemacht.

Die Show an sich ist für mich jetzt unspektakulär gut, weil ich mich meinem Alter entsprechend verhalte und nicht poge. Die Leute finden es ganz toll, es geht ziemlich ab und Tobias ist sprüchekloppmäßig in Hochform. Danach sitzen wir noch was zusammen, paar Semiprominente kommen rein, Nagel (grüßt nur wenn er Bock hat), Uhl Theesmann (grüßt immer sehr freundlich), und ab ins Bett. Sonntags geht alles sehr schnell: Rosario holt mich ab, danach laden wir Ben ein und holen Stefan aus der Panorama Bar ab. Der versucht uns kurz zu überreden, jetzt einfach dazubleiben, für immer, aber wir bekommen ihn zur Vernunft.

Die Rückfahrt ist wieder sehr lustig, es wird eine Art Andenpakt zwischen allen Mitreisenden geschlossen und um 1 Uhr lieg ich in Ehrenfeld im Bett.

(Christian Destroy).

Im Gespräch: BODI BILL über kleine Tourfreuden, das Songschreiben und frühere Projekte!

Samstag, 10. Oktober 2009

Bodi Bill

Seit der Veröffentlichung ihrer ersten beiden Alben, „No More Wars“ und „Next Time“ auf Sinnbus, liegen Kritiker verschiedenster Lager dem sympathischen Trio bereits quasi zu Füßen. Selten erlebt man auf Konzerten eine derartige Stimmung und eine so umwerfende Atmosphäre. Während den Liveauftritten versetzen BODI BILL ihr Publikum konsequent in einen wohligen Rauschzustand. Unmengen an Energien werden freigesetzt. Alles funktioniert. Die Songs wirken. Jeder Part erfüllt seinen Zweck. Die Beats krachen. Die Melodien gehen unter die Haut. Die Gesänge erledigen den Rest. Mit offenem Mund muss man sich zwanghaft zu den Songs bewegen. BODI BILL sind eine der großartigeren Berliner Bands der letzten Jahre. Die Mitglieder sind nicht mehr Grün hinter den Ohren und sie sind nicht einfach das Produkt einer pseudohippen Szene, die keine andere Intention verfolgt als eben „hipp“ zu sein. BODI BILL sind gewachsen und im Boden verwurzelt. Was auch immer das heißen mag, das ist hier ist echt, es ist Kreativität und Leidenschaft pur, es ist eine Herzensangelegenheit. Verdammt, es verkörpert einfach alles was gut ist! Das Interview ist im Juni mit Fabian (Gesang, Gitarre, Beats, etc.) per Email geführt worden.

Vor kurzem ward ihr auf Tour. Wie ist sie verlaufen und welche eurer Erinnerungen werden vermutlich nicht so schnell verblassen?

Also ich finde ja, jede Stadt hat auf ihre Art nur ihre freundlichsten Menschen zu unseren Konzerten geschickt. Klar gibt es da Favoriten, wie der supernette Empfang in Bern oder die grandiose Stimmung in Köln auf einen Sonntagabend. Oder der Abend in München war wieder mal auch fantastisch. Genau wie der super Tourauftakt in Wiesbaden oder die After-Show Party in Zürich. Aber das wäre unfair, sich da jetzt so offen zu entscheiden. Es war höchst zuvorkommend von denen, die vorbeigekommen sind, vorbeizukommen – danke dafür!

In Bezug zu euren spielerischen Qualitäten befindet ihr euch nicht gerade auf einem geringen Level. Also ihr seid keine der Bands, die während dem Proben oder gar auf der Bühne ihre Instrumente zu spielen gelernt haben. Seit wann spielt ihr was für Instrumente und wie und warum habt ihr Singen gelernt?

Alex spielt seit seiner Kindheit Violine, hat während der Schule die Gitarre und danach das Piano kennen gelernt; letzteres mit seinem super Nebenprojekt NONOSTAR. Anton spielt seit seiner Kindheit Klavier, danach Synthie, danach Gitarre, zuletzt Bass, Akkordeon und Stepptanz. Bei mir sind es Gitarre und Gesang. Darüberhinaus verbindet uns alle das Computer-Gefrickel – was ja allgemein „Beats bauen“ oder auch „schrauben“ heißt und immer ewig dauert, eben weil es auch so einen Spaß macht. Ach so und Singen ist natürlich das Natürlichste aller Instrumente. Ich denke, dass Singen der Anfang vom Musikmachen sein dürfte. Das machen wir natürlich auch, zum Beispiel unter der Dusche.

Jeder von euch liefert recht unterschiedliche Impulse, die das Gesamtresultat von BODI BILL ausmachen. Wie läuft es ab, wenn ihr Songs schreibt und wie kann man sich eure Zusammenarbeit im Studio vorstellen?

Na ja, jeder bringt das ein, was ihn gerade interessiert. Darum ist die Zusammenarbeit jedes Mal unterschiedlich. Unsere Zusammenarbeit besteht größtenteils aus probieren und studieren.

Was für Erfahrungen habt ihr gerade am Anfang eurer Bandgeschichte in Berlin gemacht, als es darum ging, euch in der sehr vielfältigen und großen „Indieszene“ Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen?

Als wir 2005/ 2006 anfingen, gab es sehr freundlichen Zuspruch von Freunden und Bekannten. Das hat uns zu der Zeit sehr geholfen, weil wir nicht genau wussten, was das werden soll. In der Phase danach, wo die „Anderen“ nicht so genau wussten, was das werden soll und uns mal als Berlin-Mitte, mal als Indie-Schnuffies abgestempelt haben, da wussten wir ja schon etwas besser, was wir wollten und wer wir waren, und vor allem wer unserer Freunde sind.

Be home before breakfast!

BODI BILL ist vermutlich nicht eure erste Band. Was für nennenswerte Bands habt ihr in den letzten Jahren hinter euch gelassen und seid ihr derzeit noch in andere Projekte involviert?

Ich hab vor BODI BILL als Pantasz alleine herumgefrickelt. Aber Nebenprojekte sind gerade nicht so meins. Ich will lieber eines Tages mal eine wirklich richtig enorm gute Platte machen. Und da bleibt mir, neben dem Arbeiten, im Moment nicht genug Zeit für ausgiebige Kollaborationen. Alex trat früher als Alex Amoon auf, hat derzeit noch mit NONOSTAR ein super Nebenprojekt und er spielt mal hier und mal da Geige ein, unter anderem für RAZ O’HARA und DICTAPHON (ein Dictaphon kommt zum Beispiel in dem Film „Badlands“ vor). Anton macht zwischendurch noch Filmmusik und -sound.

Betrachtet man eure Rezensionen, findet man – zumindest auf Anhieb – ausschließlich Positives. Treffen BODI BILL den „Zahn der Zeit“ und machen plötzlich alle glücklich oder erlebt ihr auch Reibungspunkte?

Ja, ich finde auch, dass es gerade ganz gut läuft. Die Rezipienten scheinen sich wohl ein wenig an uns gewöhnt zu haben. Das ist natürlich eine große Ehre für uns. Auch wenn uns Kids über Myspace schreiben, wie viel wir ihnen für ihr Heranwachsen bedeuten. Das ist dann weit mehr als nur eine große Ehre für uns. Das ist dann schon fast der Grund, warum ich zum Beispiel anfangen musste Musik zu machen – eben wegen der Bands, die mir mein Leben bedeutet haben. Sorry, kleiner Abzweig. Zurück zu deiner Frage, ich denke es wird sehr spannend wie die Hörer im nächsten Herbst auf unsere neue Platte reagieren werden und ob sie sich dann noch an uns erinnern können.

Ihr habt in relativ kurzer Zeit fleißig zwei sehr ausgefeilte Alben und drei EPs veröffentlicht. Wie viel Zeit steckt ihr in die Band?

Na ja, wir machen immer dann Musik, wenn die Musik das will und wir Zeit für sie haben – also so oft wie möglich. Aber um ehrlich zu sein hatten wir bisher nie genug Zeit. Das leidige Arbeiten nimmt oft so viel Zeit in Anspruch, so dass wir uns manchmal schon gefragt haben, wie es wohl wäre, wenn wir jeden Tag Musik machen könnten und nicht bloß ein-, zweimal die Woche.

Wo seht ihr euch in zwei Jahren?

Heute in zwei Jahren? 23. Juni 2011 – na ja, da wissen wir dann auf jeden Fall schon mal wie unsere dritte Platte angekommen ist. Aber ehrlich gesagt, zwar denke ich an Umweltschutz bei 2011, aber unsere eigene Zukunft kann ich mir höchstens fürs nächste Jahr vorstellen. Ich hab letztens in der Geo von diesem riesigen Ölschlammsee in der Region Alberta gelesen, der bei der Ölgewinnung aus Teersand zurückbleibt, nun durch leckende Dämme allmälig ins Süßwasser gelangt und bei Dammbruch die gesamten nördlichen Süßwasser-Vorräte bedroht. Ich hoffe die Regierung von Kanada bekommt bis 2011 mal ordentlich den Arsch versohlt und diesem „Umwelt-stirb“ wird Einhalt geboten. Das wäre toll für 2011! (Christoph Parkinson)

Possessed To Skate

Mittwoch, 07. Oktober 2009

Suicidal Tendencies Alter! Wie geil waren die eigentlich?
Warum sehen Skater so nicht mehr aus?
Warum gibts so Mucke nicht mehr?
I‘m old, hier mal zur Nachhilfe für die Kids ein paar Videos:

Skateboarding is Punk Rock!

(Skate and) Christian Destroy!

“Chasch nit z’Zehni und z’Weggli hä”: Ox #86 is out now!

Dienstag, 06. Oktober 2009

Ox #86 Oktober/November

“Freiburg, 14.02.09, Hauptbahnhof. Die Strecke Freiburg-Basel ist aufgrund eines Bombenfundes beidseitig auf unbestimmte Zeit gesperrt. Vor mir liegt eine Schienenstrecke von circa zweihundert Kilometern. Nach meinem eng gestrickten Reiseplan muss ich zweimal umsteigen, um um ein Uhr nachts mein Ziel zu erreichen. Ich bin auf dem Weg in meine neue Heimatstadt. Ich bin auf dem Weg nach Bern…”

Seit dem 01. Oktober ist die neue Nummer vom Ox Fanzine im Handel. Nachdem mein “Parki goes to Brighton”-Vierteiler in der zuvorigen Ausgabe sein Ende gefunden hat, beginnt nun die “Parkili geht nach Bernli, oder?”-Reihe. Der erste Teil schafft die Ausgangsbasis für alle weiteren Folgen, entsprechend wichtig ist es, dass ihr diesen nicht verpasst.

Die Ausgabe ist wieder bis zum Rand mit Inhalt gefüllt, weshalb mein BODO BILL-Interview leider wieder ausgesondert worden ist, und der Bericht über die “Like Addicted”-Party Ende August in Köln keinen Platz gefunden hat. Um den Text auf meiner Festplatte nicht verstauben zu lassen, habe ich den Kurzzeiler auf dem Blog gepostet (siehe unten). Ein paar weitere Beiträge gibt es von mir dennoch: Zwei Tonträgerrezensionen (BACONFLEX “Stereo Commander Luxus”, MEINE KLEINE DEUTSCHE “Before People Forget Sound”), eine Buchrezension (Ina Küper/Marlene Burba “Bester Sex”) und drei Konzertberichte (Gartenfestival im Café Kairo in Bern, ASIFLASH/EILTANK Releaseaparty im Club Scheiße in Köln und das Voodoo Rhythm vs. Gutfeeling-Battle in der Reitschule in Bern).

Des Weiteren beinhaltet das Heft viele gute Interviews mit STRIKE ANYWHERE, THE GENERATORS, EDITORS, CJ RAMONE, MUFF POTTER, DIE GOLDENEN ZITRONEN, SLAPSHOT, BARONESS, NEW MODEL ARMY, AFI, JELLO BIAFRA, BELA B., NEW BOMB TURKS, SNIFFING GLUE, KILLER, BRIGADE S, MOFA, BIG DRILL CAR, AÄMOUNS, THE APERS, etc.

Auf der CD befinden sich Tracks von JELLO BIAFRA & THE GUANTANAMO SCHOOL OF MEDICINE, LA IRA DE DIOS, AC4, KILLER, THE GENERATORS, ABWÄRTS, MOFA, MONTREAL, TINNITUS, DEAD CURTIS, RÄMOUNS, NEVER FACE DEFEAT und einige andere. Unter anderem auch eine Band namens MAJOR PARKINSON – wenn das mal nicht nach Blasphemie schreit!

Ich zitiere mich selbst: “Also, meine jungen Pferde, galoppiert los und abonniert das Ox oder kauft es wenigstens in einem ordentlichen Plattenladen oder meinetwegen auch im Zeitschriftenladen im nächsten Hauptbahnhof. Viel Spaß damit!” (Christoph Parkinson)