
Seit der Veröffentlichung ihrer ersten beiden Alben, „No More Wars“ und „Next Time“ auf Sinnbus, liegen Kritiker verschiedenster Lager dem sympathischen Trio bereits quasi zu Füßen. Selten erlebt man auf Konzerten eine derartige Stimmung und eine so umwerfende Atmosphäre. Während den Liveauftritten versetzen BODI BILL ihr Publikum konsequent in einen wohligen Rauschzustand. Unmengen an Energien werden freigesetzt. Alles funktioniert. Die Songs wirken. Jeder Part erfüllt seinen Zweck. Die Beats krachen. Die Melodien gehen unter die Haut. Die Gesänge erledigen den Rest. Mit offenem Mund muss man sich zwanghaft zu den Songs bewegen. BODI BILL sind eine der großartigeren Berliner Bands der letzten Jahre. Die Mitglieder sind nicht mehr Grün hinter den Ohren und sie sind nicht einfach das Produkt einer pseudohippen Szene, die keine andere Intention verfolgt als eben „hipp“ zu sein. BODI BILL sind gewachsen und im Boden verwurzelt. Was auch immer das heißen mag, das ist hier ist echt, es ist Kreativität und Leidenschaft pur, es ist eine Herzensangelegenheit. Verdammt, es verkörpert einfach alles was gut ist! Das Interview ist im Juni mit Fabian (Gesang, Gitarre, Beats, etc.) per Email geführt worden.
Vor kurzem ward ihr auf Tour. Wie ist sie verlaufen und welche eurer Erinnerungen werden vermutlich nicht so schnell verblassen?
Also ich finde ja, jede Stadt hat auf ihre Art nur ihre freundlichsten Menschen zu unseren Konzerten geschickt. Klar gibt es da Favoriten, wie der supernette Empfang in Bern oder die grandiose Stimmung in Köln auf einen Sonntagabend. Oder der Abend in München war wieder mal auch fantastisch. Genau wie der super Tourauftakt in Wiesbaden oder die After-Show Party in Zürich. Aber das wäre unfair, sich da jetzt so offen zu entscheiden. Es war höchst zuvorkommend von denen, die vorbeigekommen sind, vorbeizukommen – danke dafür!
In Bezug zu euren spielerischen Qualitäten befindet ihr euch nicht gerade auf einem geringen Level. Also ihr seid keine der Bands, die während dem Proben oder gar auf der Bühne ihre Instrumente zu spielen gelernt haben. Seit wann spielt ihr was für Instrumente und wie und warum habt ihr Singen gelernt?
Alex spielt seit seiner Kindheit Violine, hat während der Schule die Gitarre und danach das Piano kennen gelernt; letzteres mit seinem super Nebenprojekt NONOSTAR. Anton spielt seit seiner Kindheit Klavier, danach Synthie, danach Gitarre, zuletzt Bass, Akkordeon und Stepptanz. Bei mir sind es Gitarre und Gesang. Darüberhinaus verbindet uns alle das Computer-Gefrickel – was ja allgemein „Beats bauen“ oder auch „schrauben“ heißt und immer ewig dauert, eben weil es auch so einen Spaß macht. Ach so und Singen ist natürlich das Natürlichste aller Instrumente. Ich denke, dass Singen der Anfang vom Musikmachen sein dürfte. Das machen wir natürlich auch, zum Beispiel unter der Dusche.
Jeder von euch liefert recht unterschiedliche Impulse, die das Gesamtresultat von BODI BILL ausmachen. Wie läuft es ab, wenn ihr Songs schreibt und wie kann man sich eure Zusammenarbeit im Studio vorstellen?
Na ja, jeder bringt das ein, was ihn gerade interessiert. Darum ist die Zusammenarbeit jedes Mal unterschiedlich. Unsere Zusammenarbeit besteht größtenteils aus probieren und studieren.
Was für Erfahrungen habt ihr gerade am Anfang eurer Bandgeschichte in Berlin gemacht, als es darum ging, euch in der sehr vielfältigen und großen „Indieszene“ Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen?
Als wir 2005/ 2006 anfingen, gab es sehr freundlichen Zuspruch von Freunden und Bekannten. Das hat uns zu der Zeit sehr geholfen, weil wir nicht genau wussten, was das werden soll. In der Phase danach, wo die „Anderen“ nicht so genau wussten, was das werden soll und uns mal als Berlin-Mitte, mal als Indie-Schnuffies abgestempelt haben, da wussten wir ja schon etwas besser, was wir wollten und wer wir waren, und vor allem wer unserer Freunde sind.

BODI BILL ist vermutlich nicht eure erste Band. Was für nennenswerte Bands habt ihr in den letzten Jahren hinter euch gelassen und seid ihr derzeit noch in andere Projekte involviert?
Ich hab vor BODI BILL als Pantasz alleine herumgefrickelt. Aber Nebenprojekte sind gerade nicht so meins. Ich will lieber eines Tages mal eine wirklich richtig enorm gute Platte machen. Und da bleibt mir, neben dem Arbeiten, im Moment nicht genug Zeit für ausgiebige Kollaborationen. Alex trat früher als Alex Amoon auf, hat derzeit noch mit NONOSTAR ein super Nebenprojekt und er spielt mal hier und mal da Geige ein, unter anderem für RAZ O’HARA und DICTAPHON (ein Dictaphon kommt zum Beispiel in dem Film „Badlands“ vor). Anton macht zwischendurch noch Filmmusik und -sound.
Betrachtet man eure Rezensionen, findet man – zumindest auf Anhieb – ausschließlich Positives. Treffen BODI BILL den „Zahn der Zeit“ und machen plötzlich alle glücklich oder erlebt ihr auch Reibungspunkte?
Ja, ich finde auch, dass es gerade ganz gut läuft. Die Rezipienten scheinen sich wohl ein wenig an uns gewöhnt zu haben. Das ist natürlich eine große Ehre für uns. Auch wenn uns Kids über Myspace schreiben, wie viel wir ihnen für ihr Heranwachsen bedeuten. Das ist dann weit mehr als nur eine große Ehre für uns. Das ist dann schon fast der Grund, warum ich zum Beispiel anfangen musste Musik zu machen – eben wegen der Bands, die mir mein Leben bedeutet haben. Sorry, kleiner Abzweig. Zurück zu deiner Frage, ich denke es wird sehr spannend wie die Hörer im nächsten Herbst auf unsere neue Platte reagieren werden und ob sie sich dann noch an uns erinnern können.
Ihr habt in relativ kurzer Zeit fleißig zwei sehr ausgefeilte Alben und drei EPs veröffentlicht. Wie viel Zeit steckt ihr in die Band?
Na ja, wir machen immer dann Musik, wenn die Musik das will und wir Zeit für sie haben – also so oft wie möglich. Aber um ehrlich zu sein hatten wir bisher nie genug Zeit. Das leidige Arbeiten nimmt oft so viel Zeit in Anspruch, so dass wir uns manchmal schon gefragt haben, wie es wohl wäre, wenn wir jeden Tag Musik machen könnten und nicht bloß ein-, zweimal die Woche.
Wo seht ihr euch in zwei Jahren?
Heute in zwei Jahren? 23. Juni 2011 – na ja, da wissen wir dann auf jeden Fall schon mal wie unsere dritte Platte angekommen ist. Aber ehrlich gesagt, zwar denke ich an Umweltschutz bei 2011, aber unsere eigene Zukunft kann ich mir höchstens fürs nächste Jahr vorstellen. Ich hab letztens in der Geo von diesem riesigen Ölschlammsee in der Region Alberta gelesen, der bei der Ölgewinnung aus Teersand zurückbleibt, nun durch leckende Dämme allmälig ins Süßwasser gelangt und bei Dammbruch die gesamten nördlichen Süßwasser-Vorräte bedroht. Ich hoffe die Regierung von Kanada bekommt bis 2011 mal ordentlich den Arsch versohlt und diesem „Umwelt-stirb“ wird Einhalt geboten. Das wäre toll für 2011! (Christoph Parkinson)