Archiv für August 2009

the PET CONSPIRACY

Freitag, 28. August 2009

Letzten Montag im Freibad fragten mich David Hasert und Esther vom like-love-blog, ob ich Bock hätte am Dienstag mit nach Düsseldorf ins Pretty Vacant zu kommen, wo David als Support auflegen soll. Da mein Wochenende samstags schon vorbei gewesen ist, bekomme ich dienstags wieder Lust und beschließe, mit den beiden per Bahn in die Landeshauptstadt zu reisen. Da ich The Pet Conspiracy bis dato eigentlich gar nicht kenne, mache ich die übliche Internetrecherche und finde ganz nett, was da so auf dem MySpace-Profil zu hören ist. Alles klar, die Kapelle kommt aus Peking und macht irgendwie ArtPunk mit Electro, blabla, das Übliche, kennt man ja mittlerweile.

Im Zug sitzend (die beiden waren spät dran, David ist allerdings eindeutig mehr ausser Atem) erwarten wir dann auch alle nicht zu viel vom Abend, schließlich handelt es sich um einen Dienstag in Düsseldorf, The Pet Conspiracy sollen donnerstags jedoch schon wieder in Köln sein, klar, welcher Heini fährt dann schon nach Düsseldorf?

Punk wie ich bin habe ich mir vor Fahrantritt kein Ticket gekauft, kein Geld dabei und kann mich ausser mit einer ramponierten EC-Karte nicht ausweisen. Es kommt, wie es kommen muss, 5 Minuten vor Düsseldorf fragt mich so ein verlauster Hippie in Schaffnerklamotten nach meinem Ticket. Ich erkläre ihm, dass meine Ec-Karte vom Automaten in Ehrenfeld verschmäht wurde und er lacht sich beim Anblick der Selbigen (sie muss auch als mein Ausweis herhalten) kaputt, nimmt meine Geschichte zur Kenntnis und verschwindet mit den Worten “Bis gleich…” oder so was in der Art. Ich finde, es macht sich sehr positiv bemerkbar, dass Hartmut Mehdorn jetzt da ist, wo der Pfeffer wächst. Nächster Halt Düsseldorf, wir steigen aus und fahren mit der U-Bahn zum Pretty Vacant.

Vor Ort heisst es erst mal lockern. Während David sich an den Knöpfen warm spielt, lesen Esther und ich in der Sofaecke die beiden Käseblättchen Intro und UncleSallys, aha, Caliban haben ne neue Platte, ok, Muff Potter lösen sich auf, bin im Bilde. Währenddessen dürfen wir aktiv (”Und welche Funktion habt ihr hier?”) und passiv (die lassen oben original mindestens 5 Leute nicht rein, obwohl da eine leere Bar ist!!!) die erbärmliche Mannschaft, die heute den Laden schmeissen wird, kennen lernen. Ich freue mich als Esther vorschlägt, dass wir ja eigentlich jetzt mit dem Trinken anfangen könnten. Abwechselnd holen wir uns (und David) was an der Theke, wobei ich dem Baseballbecappten Heini (Typ Bundeswehr meets Social Distortion/Boss Hoss Fan) an der Theke jedesmal anmerke, dass es ihm körperliche Schmerzen bereitet uns die Drinks ohne zu kassieren geben zu müssen, als ob er sie selbst zahlen müsste. In seinem Spatzenhirn freut er sich schon die ganze Zeit auf den Moment, in dem er uns den Hahn zudrehen darf.

Irgendwann zwischendurch hat der Laden aufgemacht und the PET CONSPIRACY legen los. Was sich im Internet wie eine 2 Personen Electrocombo mit Gesang anhört entpuppt sich als richtige Band mit Schlagzeuger (offensichtlich kein Asiate), Gitarrist/Laptopheini (Mischung aus frühem Jackie Chan und Mireille Mathieu), einer Sängerin und einer kleinen kreischenden Pekingente, die offensichtlich sowas wie Chinas Antwort auf Matteo (Kölner wissen Bescheid) ist. Die haben ihre Yeahyeahyeahs Platten gehört und die Alte entpuppt sich als sehr gute Sängerin. Die Achtklässlerenglischtexte versteht man zum Glück nicht. Der Laden ist sehr klein und von daher tatsächlich so was wie ok voll. Die Band gibt alles, was sie aus Punkvideos kennt – mit dem Kabel würgen, mit Wasser rumspritzen, sich gegenseitig begrabschen und im Publikum aufm Boden rumwälzen- und in der Volksrepublik wahrscheinlich nicht darf. Irgendwie drollig das Ganze, alle finden es gut (ich auch) und das Set ist nicht zu lang.

Danach legt David noch mal auf, leider springen nur 5 Typen und 2 Weiber ausser uns da rum, die geben ausdruckstanzmäßig dennoch alles. Als ich zwischendurch noch mal oben frage, ob ich noch ein Bier haben darf, freut sich der Thekenspasti wie ein kleines Kind und sagt: “Ja.” Pause. “Aber das musst du bezahlen.” Wow, watter sich freut! Ich gehe zum Veranstalter, verlange mehr und uns wird gewährt. Es ist mir ein innerer Reichsparteitag, als der Loser mir die Vasen dann doch umsonst rüberreicht. Als die Drinks leer sind, hat David keinen Bock mehr und wir hauen innerhalb von 5 Minuten dort ab. Tschüss ihr Trottel!

PS: Die Verkehrsanbindung von der Landeshauptstadt in die nahegelegene größte Stadt des Bundeslandes ist ab 1 Uhr eine Katastrophe. Ich kaufe uns Biere (ein Penner in der Bahn profitiert davon) und mir keine Fahrkarte. Um halb drei bin ich zu Hause.

Christian Destroy.

Ruhender Verkehr in Köln oder einfach: Rheinländische Kunst in den 60ern

Donnerstag, 27. August 2009

Für alle, die schon immer wissen wollten, wo das einbetonierte Auto zwischen dem Rudolf- und dem Friesenplatz in Köln herkommt. Danke für den Hinweis, Ätresk! (Christoph Parkinson)

‘Usgang in Bern: Parki nimmt Bars und Clubs unter die Lupe

Mittwoch, 26. August 2009

Aus dem Tscharni in die Welt!

“Bern braucht seine Zeit. Wenn du die Stadt und die Leute gefunden hast, lässt sie dich nicht mehr los…” (Reverend Beat-Man)

Düsseldorf habe ich erst als Stadt zu schätzen gelernt, nachdem ich dort weggezogen bin. Erst dann war ich auf den Partys, die ich zuvor wegen unnötiger Scheuklappen nicht beachtet habe. Und erst dann habe ich die Bars entdeckt, deren Namen mich zuvor abgeschreckt haben, sie zu erforschen. Düsseldorf hat vieles zu bieten. Köln favorisiere ich im direkten Vergleich nach wie vor, aber ich kann mir mittlerweile vorstellen, dass die Stadt einem so einiges an Lebensqualität bieten kann.

Als ich im Februar nach Bern gezogen bin (mehr dazu in dem ersten Teil meiner neuen Kolumnenreihe im Anfang Oktober erscheinenden Ox Nr. 86!) und mich in dieser Zeit nach “coolen” Ausgehmöglichkeiten bei 18jährigen Mädchen über Myspace erkundigt habe, stießen mir die Resultate beinahe Tränen in die Augen. Die Internetrecherche in Eigenregie verlief genauso deprimierend. Ganz hart traf mich die Information über die Sperrstunde, die es selbst an Wochenenden von 3 Uhr 30 bis 5 Uhr morgens gibt. Es war jedoch zu spät. Der Umzug war erledigt, mit allem hatte ich in Düsseldorf abgeschlossen. Das Ding stand! Und falls ich nicht Opfer eines dramatischen Schicksals werden sollte, war es klar, dass ich hier wenigstens die nächsten zwei Jahre wohnen würde.

In den ersten Monaten entfloh ich an jedem zweiten Wochenende diesem, trotz seiner Schönheit, von mir als trist wahrgenommenen Stadtbild, um in Koblenz zu knutschen oder um Vergangenes in Köln und in Düsseldorf zu glorifizieren, als auch um Neues zu entdecken. An den anderen Wochenenden habe ich nicht viel Geld gehabt, um auszugehen. Dieser Zustand hat mich gelangweilt, mir aber nicht das Gefühl gegeben, etwas zu verpassen. Seit Ende Mai bin ich bereit, mich auf meine neue Heimat einzulassen. Nach Nordrhein-Westfalen fahre ich nach wie vor gerne. Meine zeitlichen Kapazitäten lassen die Wochenendfahrten höchstens einmal im Monat zu. So lange ich hier wohne, ist das auch erst einmal okay so. Denn nun bin ich hier und nun will ich hier auch all das aus der Stadt herausziehen, was möglich ist. Ich will das nachholen, was ich in Düsseldorf versäumt habe. Ich will die Stadt nicht nur kennen lernen, ich will sie verstehen und in ihr leben lernen.

Das Erforschen von Ausgehmöglichkeiten und das Akkumulieren von nützlichen Kontakten ist der Schlüssel zum Erfolg. Mag ich mich wiederholend in meinem literarischen Samen als fehlerhafter Misanthrop darstellen, so gibt es eine bestimmte Art von Personen, die ich manchmal sehr gerne bis gerne um mich herum habe. Von diesen Personen gibt es nicht viele, aber von der zweiten Kategorie in jeder größeren Stadt mindestens ein paar. Jedenfalls hoffe ich das. Um beides in Bern zu finden, braucht es nicht nur Zeit, sondern auch die Bereitschaft, alles zu testen. In der Praxis heißt das bisher: Mein Bierbauch wächst von Woche zu Woche aufsehenerregend, die Anzahl der begutachteten Bars und Clubs steigt wie die Kilos ähnlich an und auch meine Kontakte zu neuen Homies entwickeln sich, äh… ja, okay, bisher so gut wie gar nicht.

Es ist zwar nicht langweilig, über diese Erlebnisse zu schreiben, aber ihr sollt von unserem Blog ja schließlich auch mal einen besonders praktischen Nutzen haben. Ich stelle euch daher eine Reihe von Bars und Clubs vor, die ihr bei einem Besuch in Bern aufsuchen könnt, wenn sich bestimmte Erwartungen erfüllen sollen:

Stange

BON SOIR: Ein recht neuer Club mitten in der Berner Innenstadt. Vom Bahnhof geht man keine zehn Minuten dorthin. Der Eintritt liegt je nach Programm und Jahreszeit zwischen 10 und 20 CHF. Eine Stange Bier gibt es für 5,50 CHF. Bisher bin ich erst zweimal dort gewesen. Beide Male war nichts los, was am Wetter und an den DJs gelegen haben kann. Der Laden an sich ist schick. Das Programm klingt meist interessant und wird von den unterschiedlichsten internationalen DJs gefüllt. Im Oktober tritt dort beispielsweise DJ MEHDI auf. Ein Schwerpunkt liegt auf elektronischer Musik. Das BON SOIR setzt sich, laut Eigenaussage auf deren Homepage, besonders für Musik und verwandte Kunstformen sowie für Toleranz und Vernetzung in der Kulturszene Bern und Schweiz ein. Im Vorteil zu den meisten anderen Läden in der Stadt, enden die Partys an Wochenenden schon mal erst um fünf Uhr. Nicht nur das spricht für das BON SOIR. Ich werde dessen Entwicklung in der nächsten Zeit beobachten!

CAFÉ KAIRO: Am CAFÉ KAIRO kommt früher oder später niemand vorbei. Nicht nur, weil hier der Beat-Man von Voodoo-Rhythm-Records häufiger kleine Shows im Keller veranstaltet. Gut essen lässt es sich nämlich auch. Und was viel wichtiger ist: In einer angenehmen Atmosphäre kann man schön saufen! Der Laden liegt im Lorraine-Viertel, das einen recht alternativen, linken Touch hat und ein beliebter Wohnort für Künstler ist.

DAMPFZENTRALE: Wie WASSERWERK, GASKESSEL und FORMBAR liegt die DAMPFZENTRALE in der Nähe von der Aare. Ich habe vernommen, dass es hier sporadisch gute Partys gibt. Das Programm klingt zwar alternativ, wirkt dabei aber sehr dubios. Einmal habe ich den Fußweg vom Bahnhof zur DAMPFZENTRALE gemacht, um das Vorhaben, wild auf elektronische Beats abzuspacken, in die Tat umzusetzen. Das einzige, was an diesem Abend getanzt hat, waren zwei circa 50jährige Ollen, die an der Decke Dinge gesehen haben, die ich nicht bemerkt habe. Sehr strange. Die Veranstaltung, von Party konnte keine Rede sein, fand nur im Foyer statt und hat sich gar nicht gelohnt. Die Longdrinks sind stark gemischt, was selbst das Ertragen solcher Anlässe ein wenig vereinfacht, sie aber nicht aufwertet.

DU NORD: Eine Eckbar in der Lorraine. Bevor der Besitzer gewechselt hat, soll es hier wilder, cooler und versiffter hergegangen sein. Auf mich wirkt das DU NORD in seinem jetzigen Zustand sehr “nobel” oder besser: Eine Nummer zu schick und zu steril. Wie fast überall: Entspannt oder hektisch Alkohol trinken funktioniert hier zweifelsohne. Es finden auch Partys statt. Keine Ahnung, ob die so cool sind. Das kann ich mir im Moment nur schwer vorstellen. Abgefahren bin ich bei meinem Besuch auf den Appenzeller auf Eis. Ich sage nur: Ein Gaumentropfen!

Turnhalle, nicht Formbar: Hanzel + Parki = 4x D&B

FORMBAR: Nach meinem ersten Abstecher – mit Darth Hanzel von BLOODATTACK – in die FORMBAR wusste ich, dass das hier meine Rettung sein kann! Sonntags gibt es nach der üblichen Sperrstunde von fünf Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags elektronische Aftershowpartys. Auch sonst gibt es hier alles, was das Herzchen begehrt. Die Location geht vom Style her in Ordnung. Nur die Anzahl der Toiletten ist ausbaufähig. S38 für Schweizer! Oder: Einfach nur mit ein wenig mehr Stil.

GRAFFITTI: Eigentlich ein Jugendzentrum in Bern-Wankdorf. Also etwas weg vom Rest. Regelmäßig finden hier Metalshows und -partys statt. Der Alkohol ist günstig und es gibt natürlich einen Kicker. Im April habe ich in dem Laden die JAPANISCHEN KAMPFHÖRSPIELE gesehen und einen der besten Abende seit langem gehabt. Für spontane Besuche und sexuelle Aktivitäten ist das aber nix!

ISC: Verflucht sympathisch! Hier hat mein Berner Ausgang sein Debüt gehabt. Die FORMBAR mag für Elektro-/Technoevents die Rettung sein, dieser Laden ist die Rettung in der Not, wenn der Parki gute Indiekonzerte (zum Beispiel COLDEVE), bessere Lesungen (Wiglaf Droste) und akzeptable Partys (Indie, Elektropunk, 50er Jahre, etc.) besuchen will. Neben der REITSCHULE ist das ISC mit Blick auf das alternative Programm absolut unersetzbar!

KAPELLE: Die Treppen herunter und ab in den Keller: Eine gemütlich eingerichtete Kneipe in einer der Hauptgassen. Einmal bin ich während der Woche dort gewesen. Es waren nur drei andere Gäste anwesend und es lief 50er Jahre Musik. Ferner kann ich mich nur noch an ein seltsames Erlebnis auf der Toilette erinnern, welches mich für einen Moment einen Gedanken daran verschwenden ließ, ob “die Schweizer” vielleicht nicht doch anders als “die Gummihälse” ticken. Ich bin beruhigt sagen zu können, dass sich diese These nicht bestärkt hat. Von meinem bisherigen Eindruck her hat die Kapelle das Potential, eine empfehlenswerte Kneipe zu sein. Ob dieses Potential ausgeschöpft wird, mag ich an dieser Stelle noch nicht abschätzen.

LES AMIS/WOHNZIMMER: In der Rathausgasse geht schon etwas! Das LES AMIS ist eine kleine Bar/Kneipe. Auf dem Berner “Buskers”-Straßenmusikerfest war ich mit Dave von Rich Kidz drinnen und draußen. Joah, sehr angenehm. Praktisch ist die Angliederung des kleinen und feinen Clubs WOHNZIMMER die Treppe hinunter. Die Partys können vom 50er Jahre Sound bis zu elektronischen Klängen variieren. Vieles ist hier möglich. Von Einheimischen habe ich nur Positives gehört. Negatives habe ich selbst auch nicht wahrgenommen.

PLAN B: Wer nicht genug kriegen kann, geht hier Sonntagsmorgen zum “Elektrobrunch”. Ein wenig bizarr sind die Treffpunkte für die Spezies der Nimmersatten immer. Der Türsteher des Kelleretablissements hat nicht unbedingt den leichtesten Job. Darth Hanzel kann ein Liedchen davon singen oder zumindest dazu eine Anekdote erzählen. Das Personal von der FORMBAR geht nach Dienstschluss hier gerne ein paar Drinks kippen. Und die wissen ja, wie der Hase läuft. Wer sich im Kölner VENUSKELLER oder im ROXY zurechtfindet, findet auch hier seinen Platz – entweder an der Theke oder auf der kleinen Tanzfläche nebenan.

Parki albern vor der Reitschule

REITSCHULE: Was wäre Bern bloß ohne die REITSCHULE? Auf jeden Fall um den wichtigsten lokalen Treffpunkt und Austragungsort für Alternativkultur ärmer! Dieser Laden ist eine Institution: Kneipe, Restaurant, linker Buchladen, Theater, Konzerthalle, Disco,… Gebäude und Vorplatz strotzen nur so vor Atmosphäre. Ein Besuch lohnt sich fast immer! Die Konservativen Berns haben bislang drei Bürgerabstimmungen inszeniert, um den “Schandfleck” dem Erdboden gleichzumachen. Aber sie scheiterten! Die REITSCHULE ist in Bern für die Meisten unentbehrlich. Absolut entbehrlich sind die Typen, die im Umfeld des Gebäudes Drogen lausigster Qualität verkaufen und ohne Gegenleistung den Spießbürgern damit eine bedrohliche Angriffsfläche mit Kusshand anbieten. Der Aktionismus der Mitwirkenden der REITSCHULE gegen diesen indirekten Boykott, ist insofern sehr zu begrüßen!

SOUS-SOUL: Entzückend kleiner Club nicht weit vom Bärengraben. Auf der Bühne habe ich Mitte Mai BODI BILL gesehen. Geschmack haben die Veranstalter/Betreiber des SOUS SOULS bewiesen. Die mehrheitlich elektronischen Partys an Wochenenden, sind in meistens kostenlos.

TURNHALLE: Die ehemalige Sporthalle eines Berner Gymnasiums habe ich nach meinem ersten Besuch sofort in mein Herz geschlossen. Seitdem halte ich mich dort häufiger in der Woche am frühen Abend, sowie an Wochenenden vor den Clubbesuchen auf, um wenigstens einen Ramazotti auf Eis und zwei, drei Bier zu trinken. Partys sind mir aufgrund der Club-Sommerpause bisher verwehrt geblieben. Die Location ist mitsamt Biergarten einfach nur phantastisch. Angenehmes Publikum, trotz Hochschulerfahrung der meisten. Wenn ihr mich besucht, gehört das genannte “Herrengedeck Deluxe” zum Pflichtprogramm! Als Dave eine Woche lang Urlaub im Tscharni gemacht hat, waren wir innerhalb von sieben Tagen, an sechs Abenden hier. Grund für den eintägigen Aussetzer war der Ruhetag. Noch Fragen?

Dave & Parki im Ausgang

VIA FELSENAU: Die VIA FELSENAU steht umso mehr für Qualität als für Quantität. Partys finden nur noch alle zwei, drei Monate statt, aber dann sind sie jedes Mal Pflicht! Die Räumlichkeiten des Clubs sind exzellent. TIEFSCHWARZ aus Berlin habe ich Ende Mai dort erlebt. Exzess, Party, Party. Guter Sound, ultra viel Spaß. Einen Teil des Publikums habe ich aus der FORMBAR gekannt. Die schlechte Frauenquote ist anfangs tragisch gewesen. Im Laufe der Nacht änderte sich das Männer-/Frauenverhältnis wenigstens etwas zum Positiven. Bis bald im September!

Bisher noch nicht besucht, aber einschlägige Empfehlungen habe ich unter anderem für folgende Bars und Clubs erhalten: BRASSERIE LORRAINE, DEAD END (Absturz: Keine Sperrstunde), DREI EIDGENOSSEN, FASSBAR (24 Stunden!), GASKESSEL, WASSERWERK, WUNDERBAR.

Tipps für den Ausgang gibt es auch etwa im Bewegungsmelder (Print/Online) oder über den Newsletter von Ron Orps. Dann mal ab nach Bern, oder? (Christoph Parkinson)

Verzeichnis deutschsprachiger Fanzines

Dienstag, 25. August 2009

Fanzine-Index

Zu Zeiten, als die Popkomm noch in Köln und nicht in Berlin stattgefunden hat, gab es alle paar Jahre den deutschen Fanzine-Index in Buchform. Ähnlich wurden einige Fanzines Mitte der Neunziger in den drei Ausgaben des Heftes “Buch dein eigenes beficktes Leben” übersichtlich zusammengetragen. Seit über sechs Jahren ist es Andreas Dölling, der mit www.fanzine-index.de online eine ziemlich gute Übersicht über die deutsche, aktive Fanzinegemeinschaft geschaffen hat. Von Anfang an sind wir vom Furious Clarity Zine dort vertreten gewesen. Wie ihr euch denken könnt, bis vor kurzem als Print-Zine. Die Neueröffnung unseres Blogs war ein wichtiger Anlass, um unsere Angaben wieder zu aktualisieren.

Wer sich für Fanzines (Print/Online) interessiert, stößt hier auf Beschreibungen und Kontaktdaten von derzeit 322 Zines. Die News und Links zum Thema sind ähnlich aufschlussreich. Vielen Dank, Andreas! (Christoph Parkinson)

Nur eine Frage der Zeit, aber was kommt jetzt noch?

Montag, 24. August 2009

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein paar Gören auf den Gedanken kommen mussten, Pop-/Hip Hop/House-Musik mit Screamo- und Grindanleihen zu kombinieren. Ja, ja, diese Produktion ist als “ironisch gebrochen” zu verstehen. Oder zumindest war sie das vielleicht zu Beginn der Bandgründung – falls die Jungs im Vorfeld nicht von einer professionellen Agentur dafür gecastet worden sind. Inzwischen sind BROKENCYDE, der Name ist bereits der Schenkelklopfer schlechthin, aus New Mexico mit ihrem Trash erfolgreich und spielen größere Touren. Ein Grund für das Quartett, vielleicht nicht doch mehr hinter der Musik zu stehen? Ihr Erfolg macht die Sache jedenfalls nicht witziger. Hätte Daniel Küblblöck ähnliches vor ein paar Jahren veröffentlicht, die Optik zwischen ihm und den Bandmitgliedern ist ja gar nicht sooo unterschiedlich, dann wäre es als Realsatire gewiss einen kleinen Lacher wert gewesen. Mehr aber nicht.

Oft habe ich Aussagen gehört, wie zum Beispiel, dass es an Musikgenres schon alles gegeben hat und sich die Trends ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nur wiederholen. Ich finde eher, dass das Besondere dieses Jahrzehnts es ist, mit Ach und Krach alles bisher dagewesene irgendwie miteinander zu verbinden. Nicht selten auf diese widerliche “ironisch gebrochene” Art. Ähnliches gab es vor nicht allzu langer Zeit bei den CALVARY KIDS, die Hip Hop Songs mit Grindgesang gecovert haben. Zum Schießen sind auch die deutschen WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER, die Grindcore mit Elektroklängen spielen und als Texte Kinderlieder wie “Alle meine Entchen” missbrauchen. Was ist die Intention? I don’t know. Die Teenies fahren jedenfalls darauf ab! Vielleicht weil es inhaltslos ist und sich zum Partymachen auf halbsubversiven Hardcorepartys eignet?

Ich schlage vor, zumindest die ersten beiden genannten Bands unter den Begriff des “Neocrossovers” zu packen. Fragwürdiger Humor, oder zunächst nicht nachvollziehbares Treiben, wie die Übernahme von den Texten aus Kinderliedern, haben in jedem alternativen musikalischen Genre schon immer einen Platz eingenommen und machen keinen neuen Musikstil aus. Deathmetal mit witzigem Elektrosound gab es sicherlich auch schon vorher. Grundsätzlich habe ich jedoch den Eindruck, dass derzeit sehr viel experimentiert wird. Von einer Ära des “Neocrossovers” sind wir zum Glück jedoch weit entfernt.

Es wird mit Klischees von anderen Szenen gespielt und in dem Sound lassen sich unkonventionelle Einflüsse finden. Das Experimentieren finde ich total wichtig und dessen Ergebnisse finde ich nicht selten irgendwie gut. Speziell frage ich mich bei Bands wie BROKENCYDE, was die ganze Sache soll? Ist das der neue alternative Sound für die alternativen Kids aus der Oberstufe? Soll hier provoziert, polarisiert, der alte Rahmen gesprengt oder einfach nur unterhalten werden? Und wer soll erreicht werden: Sollen andere Jugendkulturen oder die Popkultur durch den Kakao gezogen werden? Oder die Engstirnigkeit in der eigenen Szene? Geht es um Inhalt oder geht es nur um Fashion und um einen neuen Einschlag in der Popkultur? Ich verstehe es nicht und ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Frisuren und Style, der beiden im Video zu sehenden Heinis, sind ganz bestimmt kein Fake und unterstreichen den Fashion-Aspekt. Also doch: Daumen runter!? Ja, wenigstens dafür. Weitaus unklarer ist für mich die Frage, was jedoch nun noch kommen soll? Und aus welchem Grund?

(Christoph Parkinson)

Statement von Christian Destroy:

Ich finde es unfassbar und unverantwortlich von dir in irgendeinem Zusammenhang dieser Musik, beziehungsweise dieser Visual Kei-Heinis, die gerne die üblichen Metal”core”-Bands hören, die Worte “Szene” und “Hardcore” zu verwenden. Ich bin fast vom Stuhl geflogen. Das hat mit beidem NICHTS zu tun. Hier wird eindeutig klar, dass es nicht um Hardcore (http://en.wikipedia.org/wiki/Hardcore_punk), sondern um nichts geht. Das Gefährliche, wie schon beim “Metalcore” (dieses Wort alleine), ist allerdings, dass die Spastis in dem Glauben gelassen werden, sie seien irgendwie anders, würden irgendwie andere Musik hören, hätten eine Szene, wären hart (ich verweise auf die Capoeira und Tae Bo Tänze vor der Bühne, die “Violent” sein sollen) und so weiter. Die sind gar nix! Da hat jeder Ed Hardy-Proll mehr Integrity. Tschö mit Ö, ich gehe jetzt kotzen.

Odonien Cologne

Montag, 24. August 2009

Die letzten VVK Karten für die “Summer Closing” Party: LIKE meets Getaddicted im Odonien diesen Samstag gibt es ab heute bei Sara im Made In zu erwerben. Ich bin natürlich auch am Start…

Like

Destroy!

Literatur, die einem den Sommertag versaut!

Sonntag, 23. August 2009

Jack Ketchum: Evil

“Ich sag’s dir. Eine Frau ist nur eine Schlampe und ein Tier. Das musst du begreifen, daran musst du immer denken. Eine Frau wird immer nur ausgenutzt und gevögelt und geschlagen. Sie ist nur eine blöde Schlampe mit einem Loch, und sie wird immer auf der Strecke bleiben. Das Einzige, was ich für dich machen kann, ist das hier. Ich kann nur versuchen, dass ich es dir irgendwie herausbrenne…”

Sommerwetter, 30 Grad. Die Hitze animiert mich, abends mein Geld zu versaufen und tagsüber, wie ein Pferdesteak auf dem Grill, am Schwimmbad zu liegen und in der Sonne zu brutzeln. Jede Bewegung außerhalb des Wassers ist zu anstrengend. Mir bleibt nichts anderes übrig, als meine Zeit mit Lesen zu verbringen. Als ich, während meinem Urlaub im Rheinland, Sebastian von THE SADISTICS in Neuwied besucht habe, empfahl er mir das 2007 in Deutschland erschienene Buch “Evil” von Jack Ketchum mit den Worten: “Das ist mit Abstand das Krasseste, was ich jemals gelesen habe.” Dies ließ ich erst mal so stehen.

Mit Horrorliteratur habe ich mich bisher nie beschäftigt. Von Stephen King habe ich nur einige Buchverfilmungen gesehen. Das Höchste der Gefühle waren bisher klassische Werke von beispielsweise Edgar Allan Poe oder Gustav Meyrink. Um die dargestellte Härte dieses Buches mit anderen Veröffentlichungen dieses Genres beurteilen zu können, fehlen mir die Vergleichsmöglichkeiten. Definitiv ist dies aber das grausamste Buch, das ich bisher gelesen habe – und hoffentlich auch erst mal lesen werde.

Die Geschichte spielt in der Sommerferien im Jahr 1958: Die Eltern des Geschwisterpaars, Meg und Susan, sterben bei einem gemeinsamen Autounfall. Die beiden Mädchen ziehen zu ihrer Tante und deren drei Söhnen in eine amerikanische Vorstadt. Nach wenigen Wochen zeigt sich, dass sie damit den Weg in ihr direktes Verderben eingeschlagen haben.

Die Sprache ist nicht sehr schwierig. Schnell befindet sich der Leser in der Story. Was sich auf den ersten Seiten leicht andeutet, aber noch nicht bedrohlich wirkt, bricht nach circa 90 Seiten aus, um sich von Kapitel zu Kapitel in punkto Grausam- und Furchtbarkeit weiter zu verstärken. Realistisch wirkender Sadismus pur… Während dem Lesen der letzten 100-150 Seiten musste ich häufig innehalten und eine Lesepause einlegen. Wäre das Buch meins gewesen, hätte ich es sicherlich zwischendurch ins Wasser geworfen.

Die beschriebenen Handlungen sind so grausam und kalt, dass es kaum auszuhalten ist. Nicht nur einmal habe ich ernsthaft daran gedacht, das Buch nicht zu Ende zu lesen. Es war und ist mir einfach zu krass. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch jemandem empfehlen soll. Nach einer mehrstündigen Lektüre war ich ein wenig verstört und meine Laune für eine halbe Stunde auf dem Tiefpunkt. Auf einen derartigen Zustand haben die wenigsten wahrscheinlich Bock. Das Geschick, mit dem es Jack Ketchum schafft, den Leser durch diese Geschichte zu quälen, ist sehr beeindruckend. Wer gerne mal auf diesem Gebiet seine Grenzen austesten möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Die anderen sollten ihre Finger davon lassen. Bah! (Christoph Parkinson)

Cap de Creus und Jahrestag

Donnerstag, 20. August 2009

Wir bleiben noch ein paar Tage in Port de la Selva und ruhen uns aus. Wirklich im Gedächtnis geblieben ist mir noch eine circa 35-jährige Frau, die von ihrem Lebensgefährten/Ehemann Schwimmflügel angezogen bekommt. Nur um dann mit denen im etwa knietiefen Wasser um sich zu schlagen. Außerdem hat Rosario nun immer seinen Sonnenschirm mit am Strand, wobei das Aufbauen des Selbigen das Ansehen jeder Mr. Bean Folge überflüssig macht. Mittlerweile befindet sich in unserer direkten Zeltnachbarschaft eine deutsche Familie mit mehreren Kindern unterschiedlichen Alters, welche sich zunehmend über unser Gebaren und Umgangston zu amüsieren scheint, was uns zunehmend die Luft aus den Segeln nimmt. Immer wenn ich zu ihnen herübersehe, während wir gerade etwas “besprechen” oder “ausdiskutieren”, lachen sie sich halb tot. Die Mutter meint irgendwann im Vorbeigehen zu mir, dass sie unseren rheinischen Dialekt so möge und sie ursprünglich aus Koblenz käme. Einfach irre, ein Spaß für Jung und Alt!

Eines Morgens beschließen wir Dalis Anwesen zu besuchen. Als wir es erreichen (sehr schön alles), wird uns mitgeteilt, dass immer nur acht Leute gleichzeitig reindürfen und wir übermorgen wiederkommen sollen. Da wir uns das Lachen nicht verbieten lassen und ganz spontane Kerlchen sind, fahren wir kurzerhand zum Cap de Creus. An dieser Stelle sei einmal gesagt, dass sich das wirklich gelohnt hat. Sollte jemand mal in die Nähe kommen, unbedingt anchecken. Landschaftlich ein absoluter Traum. Es sieht aus wie in einem Winnetou Film: Felsen, Pflanzen, Klippen, türkisfarbene Buchten. Wir klettern mit Flipflops an den Füßen einen unbefestigten Weg in eine dieser Buchten hinab. Rosario, dem Dangerfreak, ist das noch nicht Nervenkitzel genug. Also filmt er alles mit seinem IPhone, was natürlich bedeutet, dass er, anstelle auf den “Weg” zu sehen, ausschließlich auf sein Display guckt. Ich bin froh, dass er noch lebt. Unten angekommen, werden wir Zeuge eines Porno (?) Shootings: Ein älterer Dickwanst fotografiert (”Isch bring disch janz groß raus…”) zwei Girls, die aussehen wie Pamela Anderson. Erst mit Glitzerbikini, dann ohne. Wir waren eigentlich nicht eingeplant. Profi wie ich bin kann ich diese Situation fast ignorieren, ohne, dass es für uns peinlich wird. Eine Runde schwimmen und ab nach Hause. Anderntags wiederholen wir den Spaß, diesmal mit Chorizo, Serrano, Wasser, Taucherbrillen und Flossen im Gepäck, es wird ein toller Tag, wir springen von Klippen und kommen uns toll vor…
(Fortsetzung folgt…)

PS: Es hat zwar gar nichts mit meinem Urlaub zu tun, aber wo ich gerade schon mal dabei bin, in Erinnerung an den 11. Jahrestag:

Freiheit für Rösner und Degowski!

Destroy!

Zu einfallslos und zu faul, um endlich Weltliteratur zu schreiben

Donnerstag, 20. August 2009

Pankerknacker #21

“Betäubung und Selbstzerstörung gehen mit mir weiterhin denselben Weg. Leider jedoch auf eine zu unspektakuläre Art und Weise, um damit etwas Kreatives anfangen zu können….”

Der neue Pankerknacker ist draußen! Also eigentlich ist das Heft schon vor über zwei Monaten erschienen. Heute habe ich jedoch aus verschiedenen logistischen Gründen mein Belegexemplar erhalten, weshalb ich auch erst heute darüber schreibe. Mein Beitrag zu der #21 ist eine Glosse mit dem knappen Titel: “Affektive Störungen oder einfach zu einfallslos und zu faul, um endlich Weltliteratur zu schreiben oder um wenigstens anderen Rotz in die Tat umzusetzen.” Die Überschrift gibt den Inhalt vor.

Den Text habe ich Mitte/Ende März geschrieben. Für mich ist es selbst interessant, diese Zeilen heute zu lesen. Ich erkenne meine damalige Situation darin wieder und erinnere mich daran, dass es mir in dieser Zeit nicht ganz so prächtig ging. Sehr viel hat mich angekotzt und am meisten hat es mich gestört, dass einige Dinge sehr ungewiss waren. Je nach Verlauf hätte mein neu gebautes Kartenhaus leicht zusammenstürzen können. Seitdem ist sehr viel passiert. Ich bewege mich in einem natürlichen, abgesicherten Rahmen und mir geht es gut. Das Schreiben funktioniert wieder und auch sonst kann ich mich nicht beklagen. Wer also an einer sehr persönlichen Selbstreflexion vom Herrn Parkinson in 1.119 Wörtern interessiert ist, kauft sich für 3,00 € den aktuellen Pankerknacker.

Die erste Ausgabe des, ursprünglich aus Süddeutschland stammenden Fanzines, wurde circa ein, oder vielleicht auch nur ein halbes Jahr, vor dem Furious Clarity Zine veröffentlicht. Über den Daumen gepeilt, gibt es das Zine also seit circa elf, zwölf Jahren. Inhaltlich, als auch vom Layout, hat es sich spürbar weiterentwickelt. Nach wie vor ist es ein Punkfanzine von 77-Liebhabern, das einen Schwerpunkt auf Kolumnen, Erlebnisberichten und Kurzgeschichten hat. Das Titelbild ist, wie auch dieses Mal, fast immer äußerst hässlich. Über den doofen Namen des Fanzines sage ich bestimmt seit zehn Jahren schon nichts mehr. Eine lesenswerte Lektüre ist der Pankerknacker aber so gut wie jedes Mal!

Mitarbeiter dieser Ausgabe sind, neben dem Chef (Stefano Stiletti) persönlich, The Meia, Klaus N. Frick, Ben Hurley, Falk Fatal, Ben Accident, Oliver Uschmann und viele andere. Die Qualität der Interviews unterscheidet sich je nach Interviewer sehr. Mit dabei sind unter anderem TEENAGE TERROR, LOVE BOAT, SECRET ARMY, GUITAR GANGSTERS, KING KHAN und der besonders sympathische Mille von KREATOR. Abstriche gibt es für das Vergessen meines Namens im Index. Und dass die beiden Korrekturleser in meinen Text Rechtschreib- und Tippfehler eingefügt, dafür aber das ein oder andere richtige Satzzeichen gestrichen haben, habe ich auch noch nicht erlebt. “Verspüren” wird in der deutschen Rechtschreibung ohne “h” geschrieben, meine Lieben! Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Das Heft könnt ihr zum Beispiel über www.pankerknacker.com bestellen sowie über fast alle größere Punkmailorder beziehen. (Christoph Parkinson)

Bereit für den “Schlagabtusch”: Gangsta Rap aus dem Kanton Schwyz

Montag, 17. August 2009

C.mEE Schlagabtusch

Meine fast zehnjährige Begeisterung für deutschsprachigen Gangsta-, oder besonders auch “Asi”-Rap, ist kein Geheimnis. Viel Unterhaltung haben mir “Carlo, Coxxx, Nutten” von SONNY BLACK und FRANK WHITE oder einzelne Tracks von AIDS, BASS SULTAN HENGZT, SHOK MUZIK, KOLLEGAH, LADY BITCH RAY und viele andere beschert – oftmals lange bevor sie von der Popindustrie aufgesaugt worden sind.

Gangsta Rap in Schweizer-Deutsch ist meinem bisherigen Eindruck nach noch nicht so populär. Hip Hop im Allgemeinen ist natürlich auch hier eine große Nummer. Der auf französisch rappende STRESS aus Lausanne hat längst den Status eines Popstars. Die Berner WURZEL 5 sind ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sie rappen zwar auf Schweizer-Deutsch, haben mit dem Gangsta-Ding jedoch wenig zu tun. Zufällig stieß ich vor ein paar Tagen über Myspace auf den recht jungen C.mEE aus dem Kanton Schwyz. Meines Erachtens zeigt er sehr gut, dass Vocals auf “Schweizer-Deutsch” auch in diesem Genre gut funktionieren und Power haben.

Zu Beginn des Videos sticht das “Selfmade Records”-Shirt des MCs hervor, was auf eine Verknüpfung zu dem aus Essen stammenden FAVORITE zurückzuführen ist. Der Beat ist einfach und kommt in Verbindung mit dem Rap ziemlich gut. Falls in dem Clip mit den Gangsta-Klischees gespielt werden, ist auch das Video cool. Wenn das nur eine Low Budget-Adaption an die Erzeugnisse aus den Staaten ist, ist es, genau so wie oft in Deutschland, sehr peinlich. Und da die Jungs offensichtlich im Bollo-Hardcore verwurzelt sind, könnte man fest vom Letzten auszugehen – wobei dafür wieder die Texte meist zu gut sind. Wie auch immer, das Violent Dancing ist ja ganz nett anzusehen, aber von dem Großteil der, zumindest deutschen Szene, halte ich aus bekannten Gründen nichts (siehe “Let’s get ready to rumble, Kecko!” im Pankerknacker Nr. 11). Die Breakdance-Einlagen finde ich im Vergleich zu den Windmühlen sympathischer.

Ob C.mEE die ganze Produktion nun ernst meint oder nicht, kann ich nicht 100%ig beurteilen. Wenn ich mein Augenzwinkern dabei berücksichtige, ist der Song einfach nur prächtig, Biatch! Wer sich mehr für C.mEE oder ähnliche MCs aus der deutschsprachigen Schweiz interessiert, kann sich die nun folgenden Links mal betrachten und “Höde läcke!”: “http://www.myspace.com/cmeesz” und “http://www.myspace.com/fohdigi”. Weitere Empfehlungen zu diesem Thema werden von mir gerne gesehen. (Christoph Parkinson)