Archiv für die Kategorie ‘Stories & Berichte’

Business, Vernichtung und Blaubeerkuchen…

Montag, 16. August 2010

Christoph Parkinson

…Nach dem kläglichen Herumgepopse in der Düsseldorfer Milchbar und der damit einhergehenden Veisalgia am nächsten Morgen, drängen mich die Termine aus meinem Bett im richkidz-Bunker. Am frühen Nachmittag steht ein wichtiges Meeting mit Destroy in Köln-Ehrenfeld an. Anderthalb Stunden später stehe ich bei ihm auf der Matte. Das letzte Mal, dass er gesünder als ich ausgesehen hat, liegt mindestens fünf Jahre her. Irgendwie ist das ekelhaft. Es war von vornherein klar, dass mein Urlaub an mir Spuren hinterlassen wird. Aber dass ich dem Crimson Ghost eines Tages ähnlicher sehen würde als es Christian bisher tat, hätte ich nicht zu befürchten gewagt. Wie auch immmer. Während wir uns gegenseitig auf den aktuellen Stand bringen, versuche ich mich mit Becks und Kaffee auf Vordermann zu bringen. Viel Zeit bleibt mir nicht, um meinen Kreislauf anzutreiben. Um 20 Uhr beginnt das Interview auf KölnCampus und bereits eine Dreiviertelstunde vorher will ich im Studio sein. Wir verlegen die Fortführung des Gesprächs auf das nächste Jahr.

Die Räumlichkeiten des Radiosenders befinden sich unter dem Dach des Hauses. Es herrscht eine Tropenhitze. Mir läuft der Schweiß die Stirn hinunter und ich bin mir nicht sicher, ob dies nur eine Folge der hohen Temperatur ist. Die Jungs sind freundlich, die Atmosphäre ist angenehm. Die Sendung “Hellfire Radio” startet und ich habe in den letzten zwei Stunden mindestens zwei Liter Bier getrunken. Dennoch gebe ich mich verhältnismäßig souverän. Ich wünsche mir Songs von HUMAN PONY GIRL und KARATE DISCO, verabschiede mich und fahre mit dem Taxi nach Köln-Kalk in eines der Äther Youth-Lager. Nach den üblichen Ritualen unter Freunden, verlegen wir die Nacht zunächst ins Odonien, um dort Liebe zu machen. Als die Sonne aufgeht, wechseln wir in die Papierfabrik. Nature One-Techno-Fratzen gruseln bei schauerlichen Elektroklängen. Köln schlägt Düsseldorf. Cut.

Montagmorgen landen Holocaust-Gabi und ich mit Ryanair in Skavsta. Nach den Erfahrungen, die ich bei meinen bisherigen Flügen mit dem Billigfluganbieter easyJet gemacht habe, gehe ich davon aus, dass bei Ryanair alles ähnlich entspannt abläuft. Der Flug entpuppt sich jedoch als eine anstrengende Verkaufstour mit stämmigen Stewardessen, zu schmalen Sitzen und stinkenden Sitznachbarn. Die anschließende Busfahrt von Skavsta zum Stockholmer Hauptbahnhof gleicht dagegen einer Wellness-Fahrt.

Christoph Parkinson

Im Hotel können wir erst um 15 Uhr einchecken. Bis dahin laufen wir – trotz Stadtplan – irritiert durch die Innenstadt. Viele Touristen sind unterwegs. Erste Eindrücke werden gesammelt. Schön, schön. Die Erholung flirtet mit der Faszination am Neuen. Abends bewegen wir uns routinierter im Zentrum der Stadt. Auch wenn ich mich aktuell wie Karlsson vom Dach fühle, denkt vermutlich niemand, dass wir aus einem Astrid Lindgren-Roman entsprungen sind, geschweige aus Stockholm stammen. Der festumklammerte, wenn auch zusammengefaltete Stadtplan, passt nicht zu dem Bild eines Einheimischen oder gar zu dem eines kosmopolitischen Vielfliegers.

Die Gassen in Gamla Stan sind in den frühen Abendstunden gefüllt. Der Duft süßer Speisen steigt in meine Nase und ich kann mich nur schwer beherrschen, meine Kronen nicht für schwedische Backwaren auszugeben. Die Architektur vieler Gebäude trägt schwedisches Etikett. Die Lichter der Schiffe erhellen das Wasser. Weit über der Hafeneinfahrt befindet sich die Bar Gondolen, von der man den spektakulärsten Ausblick auf die Stadt haben soll. Als wir oben ankommen, werden die Stühle hochgestellt. Stockholm verlangt den Schönheitsschlaf.

Dienstagmorgen mache ich meinem Ruf alle Ehre und teste das Widerlichste, was das Land an Lebensmitteln zu bieten hat. Ganz weit vorne ist der Monster Energydrink, der meine letzten Geschmacksnerven abtötet und meinen Kreislauf kurzzeitig zum Taumeln bringt. Mehr oder weniger gestärkt beginnen wir die Tagestour im Humlegarden. Die Lars Bohman Gallery ist vom Park nicht weit entfernt. Die Galerie ist bekannt für ihre Mischung aus älteren Bildern und junger schwedischer Kunst. Dummerweise ist sie während unseres Trips geschlossen. Die nächsten Stunden flanieren wir durch die Straßen, trinken literweise Kaffee und ich versuche mit sämtlichen blaubeerigen Esswaren das ständige Hungergefühl zu bekämpfen, welches durch meinen Prader-Willi bedingt ist. Mission failed.

Das Moderna Museet auf der Insel Södermalm ist einer der kulturellen Höhepunkte der Stadt. Neben der aktuellen Ausstellung von Ed Ruscha, werden hier weltberühmte Arbeiten von Andy Warhol, Picasso, Dali, Nici de Saint Phalle und anderen populären Künstlern ausgestellt. Der Abend endet in Södermalm, einem Viertel mit Second Hand-, Klamotten-, Plattenläden, Bars und Fressbuden. Die Liquorstores haben früher geschlossen als gehofft. Ab in die Hotelbar und dort Whisky-Cola zu schweizerischen Preisen trinken.

Christoph Parkinson

Die Zeit vergeht schnell und der vermeintlich letzte Tag bricht an. Als ordentlicher Tourist besucht man den städtischen Naturpark. “Der Skansen ist wunderschön. Ein Freiluftmuseum, mit Eindrücken aus allen Landschaften Schwedens. Außerdem findest du dort auch einen Zoo, der sich rein auf nordische Tiere konzentriert – mit Wölfen, Füchsen, Elchen…” (Bebban Stenborg, SHOUT OUT LOUDS). Mit der einen Hand halte ich mein Blaubeereis, mit der anderen schubse ich die Kinder vor mir weg, um die Tiere besser sehen zu können. Die Rentiere machen am meisten Eindruck auf mich. Am Ende des Besuchs reite ich auf einem Elch und fühle mich wie damals zu der Zeit, als ich noch eine Jahreskarte für den Hagenbeck Zoo hatte, um die Sprache der Tiere zu lernen. Vor der Fahrt ins Hotel bummeln wir ein letztes Mal durch Södermalm. Das schwedische Nightlife interessiert nicht.

Aufstehen um 2 Uhr 30. Vier Stunden später erfahren wir am Flughafen Skavsta, dass wir erst den Flug in 24 Stunden nehmen können. Stille. Unsere Gelassenheit mag den Personen hinter uns unheimlich vorkommen. Also doch Vielflieger. Draußen regnet es, wir buchen ein Zimmer im nebenan liegenden Connect Hotel. Freitagmorgen landen wir am Flughafen Hahn und ziehen abends weiter nach Köln auf den 33sten von Boris und Judith. Um den Urlaubsrapport nicht ausufern zu lassen, ende ich die Tage mit dem letzten Highlight dieser Zeit: BAZOOKA ZIRKUS und KOTZREIZ in der Little Lounge in Neuwied…

(Christoph Parkinson)

Ich bin wieder da.

Freitag, 13. August 2010

Destroy

Heissa ist da viel passiert in meinem Leben und irgendwie reißt es dann ein. Habe hier ewig nix Richtiges von mir gegeben und mich ausschließlich um meine Freelancerbräune und the Good Life gekümmert. Wer mich kennt weiß, dass ich damit voll ausgelastet bin. Die Tage meiner Selbstständigkeit sind nun gezählt, doch bevor ich drohte in den Harzt IV-Sumpf abzurutschen wurde ich im Sixpack als neuer Sélecteur gecastet. Dort stehe ich seit Juni jeden Freitag und Samstag die ganze Nacht.

Nebenbei habe ich mich entschlossen in meinem biblischen Alter ein Studium der Medienwissenschaften an der Uni Köln zum Wintersemester anzufangen, wat freu ich mich auf das Rumgeknutsche auf den Erstemesterpartys. Designjobs zur Auffrischung der Haushaltskasse werden aber weiterhin angenommen. Als wäre das nicht genug, arbeite ich seit Ende letzten Monats Vollzeit in einer Kölner Agentur, das heißt mit Sixpack 7-Tage-Woche, neudeutsch: Dink – double income – no kids.

Obwohl ich mir mit “No Kids” nicht sicher bin, ich habe langsam den Eindruck, dass die jungen Biester tatsächlich die “Pille danach” und nicht die “davor” als Verhütungsmittel benutzen. Die 7-Tage-Woche ziehe ich auch bloß als Selbstkasteiung und zur Auffrischung meiner Kasse bis zum Studienbeginn im Oktober durch, weil ich jetzt wirklich seit Februar 2009 bis zu diesem Sommer im Prinzip besoffen war.

CBGBs
CBGBs

Sixpack
Sixpack

Der Job im Sixpack macht mir, aufgrund des Ladens und der Mannschaft, Spaß, auch wenn ich natürlich lieber besoffen drin rumstolpern würde als draußen zu stehen. Weil ich aber so ein cooles Kerlchen bin, gibt’s überwiegend Lob von Girls UND Boys. Klar, die üblichen Spinner (vom Jurastudenten der seine Rechte kennt bis zum russischen Hool) haste halt immer mal vor der Tür, aber wir sind ja keine Ringdisco und somit hält sich auch das in Grenzen. Stelle mir manchmal einfach vor, ich sei Brendan Rafferty vorm CBGBs. Oder der Lange Tünn.

In letzter Zeit beschlich mich daher auch des Öfteren die Lust mal wieder auf ein Hardcorekonzert zu gehen. Im Prinzip suche ich solche Veranstaltungen nur noch auf, um Freunde zu treffen oder Bands zu sehen, in denen Freunde spielen. Letzte Woche Montag waren wir dann mit unserer kleinen Konzertgruppe, bestehend aus Tobias Scheiße, Boris (Toxo) und Ron Hammerhead, alle samt Anhang bei den CRO-MAGS im MTC. Das Ganze war so ‘ne Art Klassentreffen der rheinländischen Szene. Es war wirklich kein Typ unter 25, beziehungweise wenn wir ehrlich sind unter 30, dort. War aber nicht schlimm, die Hälfte kannte ich zumindest vom sehen, seit ich in Köln konzertmäßig unterwegs bin. Simon Gosejohann schlich auch durch die Gegend und ich hatte kurz Angst, dass gleich der dicke Elton auch noch ums Eck lurt; war aber zum Glück nicht so. Dafür muss man sagen, dass die Girls inzwischen viel hübscher als “damals”. Da gab’s eigentlich gar keine, höchstens mal so ‘ne dicke Reeneebraut. Bei den sogenannten Metalcore-Shows ist das glaube ich schon immer Usus gewesen, bei Hardcore und Punk noch nicht sooo lange.

Mit Harley
CRO-MAGS (mit Harley)

CRO-MAGS spielten kurz, haben ja im Prinzip auch nur eine Platte und ein paar BAD BRAINS-Songs im Gepäck (Harley war natürlich nicht dabei, dafür gab’s SICK OF IT ALL und LEEWAY Unterstützung). Hat Spaß gemacht, danach noch was mit Basti von GOLGATHA/IRON SKULL gequatscht und dann mit Ron und Yassi Richtung Ehrenfeld gelatscht.


CRO-MAGS im MTC

Am Samstag spielten 7 SECONDS im Underground und ich war gerade wieder in Stimmung, man muss ja bedenken, dass dieses kurze Zeitfenster samstags zwischen 8 Uhr morgens und 0 Uhr abends, also zwischen den Sixpack-Schichten, minus schlafen, mein Wochenende ist. Wir waren im Prinzip mit der selben Truppe wie bei CRO-MAGS unterwegs und das Konzert war wesentlich besser besucht, was wohl auch am Wochentag lag. Der Biergarten war schon brechend voll und auch drin sah es nicht anders aus. Obwohl mir Boris noch erzählte, dass es wohl mittwochs bei CRO-MAGS in HH richtig rund ging. Na ja, man trifft die üblichen Nasen, SmallTalk, Shake Hands und rein geht’s. Konzert war spitze. So Amibands sind halt einfach ne Bank, da ist nix mit Verspielen und Besoffen sein und so. Kevin Seconds hatte auch offensichtlich ‘ne gute Zeit. Im Ansagen machen zwischen den Songs hat er sich seit 25 Jahren nix neues überlegt, warum auch, die Leute feiern es ab. Nebenbei gesagt, haben Tobias und ich festgestellt, dass wir uns “Ami-Schwule” so vorstellen wie Kevin Seconds aussah, also, relativ dick, Glatze, Gesichtsfotze, ärmelloses Shirt und dann noch ‘n Brilli im fleischigen Ohr (okay, hatte der jetzt glaube ich nicht), so ein Bear halt.


7 Seconds im UG – schlechte Qualität, gute Laune

Nach dem Konzert musste ich mich leider noch kurz erregen, da mir der kleine kabelarmige Sänger von TSH, denen ich bisher immer wohlgesonnen war, schwer auf die Eier geht. Der Junge weiß einfach nicht, was gut für ihn ist und ist jetzt wirklich zweimal haarscharf einer Tracht Prügel entgangen. Kann er froh sein, dass ich im UG nüchtern war, sonst hätte ich ihm an Ort und Stelle den Arsch versohlt.

Misery
Misery Obscura

Zum Schluss noch kurz zwei Buchtipps: Einmal Misery Obscura von Eerie Von, Fotograph und bester Freund der MISFITS, Bassist von SAMHAIN und DANZIG bis zur vierten Scheibe. Der Typ öffnet sein Privatarchiv und ich kann nur sagen, dass dieses Buch eines jeden Fiends feuchter Traum ist. Es beginnt bei den Highschooltagen und endet im Stadion mit METALLICA und Konsorten. Ganz groß und ganz tolle Fotos, die bisher noch nirgends veröffentlicht wurden. Dazu eben von Eerie alles erklärt, bisher erfuhr ich hier zwischen den Zeilen am meisten sowohl über die MISFITS-Auflösung, als auch über den Break nach dem vierten DANZIG-Album. Toll!

T&G
Touch and Go

Das zweite Buch ist die komplette Sammlung der Touch and Go-Fanzines in einem fetten Wälzer. Was Tesco Vee (Meatmen) hier 1979 in Michigan gestartet hat ist auch mehr als bemerkenswert. Hier ist alles drin was Rang und Namen hat, von East Coast bis West Coast und hier stimmt auch alles. Ausserdem wurde natürlich die eigene Szene on the map gebracht, NEGATIVE APPROACH, NECROS, FIX, you name it.

Da ich grade keine Lust mehr habe, hier zwei meiner Meinung nach repräsentative Reviews:

Misery Obscura

Touch and Go

In diesem Sinne, Happy Friday 13th und bis später im Sixpack.

Destroy!

Verspätet: THE POLLYWOGS & BLOONS im PVC in Düsseldorf

Montag, 09. August 2010

Pollywogs

02. Juli 2010. Es mag fast unvermeidlich der Eindruck einer Abiparty entstehen, wenn der Altersdurchschnitt vor und auf der Bühne circa bei 19 Jahren liegt und unter den Beteiligten keine Cordon Sport-Jackenträger mit Boxerschnitten ausfindig zu machen sind. Auch der – freilich mit dem Alter korrelierende – Habitus der Bandmitglieder erfüllt gängige Kriterien, um an ein Fest von Oberstufenschülern denken zu mögen. Der Laden umfasst an diesem Freitagabend etwa 50 Besucher. Das ist hinsichtlich des Wochentages und der Bandauswahl überraschend wenig. Die Vorband, BLOONS, wirkt einen Tick zu steif, macht ihre Sache, jedenfalls für eine von gängigem Discoindie geprägte Schülerband, ganz gut.

Gegen THE POLLYWOGS aus Monheim/Köln mögen manche Kritiker angesichts des frühen, auch kommerziellen Erfolges, ihrer Songbeisteuerung zum aktuellen LÄTTER-Werbespot und ihres unverkennbaren musikalischen MANDO DIAO/LIBERTINES-Einflusses zunächst Vorbehalte haben. Bei näherer Betrachtung darf man jedoch ebenso ungezwungen resümieren, dass die drei Jungs ziemlich gute Musik machen – auch wenn sie das Genre nicht neu erfinden. Aber wieso sollten sie das auch… Mehrere ihrer Songs haben Hitcharakter und live gibt die Band sich souverän. Wichtige Zutaten für ein gutes Indiekonzert sind damit bereits vorhanden und die Zuschauer erleben eine Show von zwei erfreulichen, jungen Bands, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Für eine Weiterentwicklung bleibt noch genügend Zeit.

(Christoph Parkinson)

Eurodance und Milchbar: Geschmacksverrirrung in Düsseldorf

Freitag, 30. Juli 2010

Christoph Parkinson im richkidz-Headquarter

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Folglich sind meine Aktivitäten auf dieser Seite derzeit auf kurze Erlebnisberichte beschränkt. Ab dem 09. August gibt es wieder Interviews, Gastbeiträge und Co. Momentan ist zu viel los, um hier wild zu agieren. Denn kaum bin ich aus Berlin zurück, verschlägt es mich in das Hauptquartier des richkidz-Kollektivs nach Düsseldorf. Zur Ruhe komme ich auch hier nicht…

Es mag nicht nur abstoßend klingen, sondern das ist es auch: Dienstagabend begebe ich mich erstmals auf den jährlich stattfindenden Düsseldorfer Rummel in Oberkassel. Selbst in meiner 2,5-jährigen Zeit als Wahldüsseldorfer kam ich um dieses Schreckensfest herum. Anderthalb Jahre später macht mich die Einladung, endlos gratis Altbier im “Eurodance-”Zelt zu saufen, schwach. Auf Schützenfesten und auf der Kirmes erhalten Männer über Vierzig die Möglichkeit, sich ungeniert an Mädels unter 25 heranpirschen zu können. Ein Trauerspiel – auch wenn, oder gerade weil der Plan bei manchen aufgeht. Wir dagegen hängen mit Zwanzigjährigen ab, die bereits bis zum Hals tätowiert sind. Cooler ist das nicht. Um uns herum befinden sich nur trostlose Gestalten. Wir stehen mittendrin und stechen nicht mal heraus. Punkrock im Jahr 2010 heißt wieder, dem Abgrund die Stirn zu küssen.

Wir wechseln in die Altstadt und dann ins Postämtchen II am Worringer Platz. Selbst um acht Uhr morgens ist die Welt hier noch in Ordnung. Mehr Inspiration als sie Miron Zownir ertragen könnte. Mit dem Gesicht auf der Theke warten die ersten auf ihr Frühstück – Herrengedeck zum halben Preis. Zwischen ihnen springen aufgeweckte Afrikanerinnen umher. Dave und ich bestellen Wodka Gin Tonic. Ich trinke. Er bietet sich als DJ an, kommt mit der Technik aber nicht zurecht. Stories of Love and Rebellion. Kotzen – er – und Umfallen – ich – um zehn Uhr.

Donnerstagabend ist in der Landeshauptstadt Milchbar-Zeit. Aus guten Gründen habe ich während meiner Düsseldorf-Affäre von 2006-2008 nicht nur die Kirmes gemieden, sondern auch das 3001; ein großer Schuppen am Medienhafen, in dem sich die lokalen Heinis mit den Lacoste-Polohemden tummeln und mit der Kohle von ihren Eltern die kleinen zwanzig-jährigen Nutten füttern, die wiederum denken, so auch eine Prise Glamour einatmen und sich in die “High Society” einbumsen zu können.

An diesem Abend begehe ich Feldforschung und nehme das dortige Spektakel unter die Lupe, um meine Vorurteile bestätigen zu dürfen. Uns kommen drei gelackte Typen entgegen, die sich darüber aufregen, dass ihnen die Türsteher mit ihrer Politik ein weiteres Mal einen Strich duch die Partyrechnung machen. Uns halten die Jungs vermutlich für Mitglieder einer bekannten Rockband. Wir erhalten problemlos Einlass. Die Räumlichkeiten des 3001 gefallen. An den Wänden hängen BOYS NOIZE-Plakate, der hier ein weiteres Mal residiert. Die Electro-Partys am Wochenende scheinen wohl doch zu glänzen. Nice.

Wie wir es erwartet haben, besteht das Publikum überwiegend aus einer Ansammlung von Neureichen und ihren durstigen Kälbern. Auf dem Klo wird gekokst, an der Theke wird auf RnB und Salsa getanzt. Viele Typen tragen ihre Hosen unter den Brustwarzen und die Eier bis zum Boden. Die Mädels ziehen ihnen das Geld aus der Tasche, haben insgeheim aber ihre Augen nur für uns. In der Electrolounge herrschen ähnliche Verhältnisse; wenigstens ist die Musik etwas besser. Mini mal my ass!

Aftershow im Postämtchen II. Den Medienhafen habe ich abgehakt, den Köfte-Teller am Worringer auch, also: Ab nach Köln, die Äther Youth ruft zur Teambesprechung…

(Christoph Parkinson)

Verliebt in Berlin: Sündigen und die Beichte ablegen, Fratzengesicht!

Dienstag, 20. Juli 2010

Christoph Parkinson

Katzen. Auf dem Fußboden, auf dem Sofa, an den Wänden. Überall Katzen. Großer Flachbildschirm und Tupperware. Was lässt man nicht alles über sich ergehen, wenn man nur ungezwungen lieben will… Szenenwechsel. Sekt trinken, sich im Spiegel mehrfach betrachten und die Gespräche führen, die an so einem Wochenende geführt werden müssen. Jeder Blick sagt mehr als tausend Worte. Alles ist in sich stimmig. Alles ist perfekt.

Friedrichshain. Ein Spaziergang durch eine warme Sommernacht. Das Herz jauchzt, die Körpertemperatur steigt. Wir erreichen das Gelände des alten Ostbahnhofs und reihen uns ein. Schneller als erhofft rücken wir vor. Mehrere Personen werden ohne weitere Diskussionen des Feldes verwiesen. Sorgfältige Taschenkontrollen folgen. Die Kamera wird vorübergehend eingezogen. Treppe rauf und rein. Heute nur Panorama. Finest Friday mit Matt John, Hearthrob, Shonky, JPLS und Shonky.

Unkontrolliertes Tanzen. Hemmungslose Kontaktaufnahmen um uns herum. Abstoßend und anziehend. Wie gut, dass es hier keine Spiegel gibt. Erinnerungen an Sartres “Geschlossene Gesellschaft” werden erweckt. Diese Atmosphäre beeindruckt, auch wenn sie in hellen Momenten Furcht einflößen mag. Egal, helle Momente gibt es hinter diesen Mauern nicht. Dem Glockenschlag nach, müsste immerhin draußen allmählich die Sonne aufgehen. Es wird Zeit für einen weiteren Szenenwechsel. Wohnung. Break. Weiter in die Holzmarktstraße. Zirkus und Geisterbahn an der Spree. Es wird Zeit für Buße. Die Beichtstühle ermöglichen einen unproblematischen Umgang mit den eigenen Lastern. Calming down and fucking up with no future-sound…

Brunchen mit Sekt und Paukenschlag. Es darf wieder gelebt werden. Taxi, Taxi! Illegales Festival auf einem am Wasser gelegenen Fabrikgelände im Nirgendwo. Die Sonne bräunt, das Urlaubsfeeling macht an, nur der Körper schwächelt. Auf JAKE THE RAPPER können wir nicht mehr warten. Indisch essen und schlafen. Dann Kunst am Sonntag und den Trip beenden. Berlin, ade, Düsseldorf, here I am…!

(Christoph Parkinson)

Last night before rehab: THE SEXINVADERS & DVM im Wasserwerk!

Dienstag, 29. Juni 2010

The Sexinvaders

Bevor das Berner Wasserwerk sein Programm aufgrund des Sommers in den Rehabilitationsmodus herunterfährt, soll es noch einmal wild zur Sache gehen. Am Samstag, den 26. Juni 2010, pfeifen die Berliner THE SEXINVADERS (On The Fruit Records, What What Records) zur Overdose. Den Support übernimmt DVW (Intellegenix) aus Bern. Also eine rundum feine Sache!

Seit 2009 zählt DVW zu den Haus-DJs des Wasserwerk Clubs und hat dort beispielsweise den Support für THE PROXY (siehe Video), MIDNIGHT JUGGERNAUTS, DANGER oder die STEREO MCs übernommen. Gegen Mitternacht laufen wir im Club auf. Der Laden ist besser besucht, als vor circa einem Monat bei THE TOXIC AVENGER. Nach und nach füllt sich der Platz vor der Bühne. Last night before rehab. Also noch mal alles geben. Das Set begeistert – der Wodka strömt!

Ebenso souverän übernehmen die Berliner gegen halb zwei. THE SEXINVADERS sind nicht zum ersten Mal in Bern und werden, wie zu erwarten, gefeiert. Ihre Mission besteht darin, den “minimalverdrossenen Nachtgeistern ihre gewünschte und verdiente Ekstase zu verschaffen”. Also weiter im Programm: Arme hoch zum Beat und spastisch zappeln. Ausgelassenheit bis zur Übelkeit. Das Ziel wird zu früh erreicht. Während die Leiber der Anderen weiter hektisch zucken, schwenke ich die weiße Fahne, obwohl der Beat noch läuft. Heimfahrt.

Ohne Aftershow geht es ins Bett. Mit einem heftigen Kater werde ich Sonntagmittag wach. Für Entgiftung und Darmspülung wäre ich nun grundsätzlich bereit. Jedenfalls bis zum Stelldichein am kommenden Freitag im Pretty Vacant Club in Düsseldorf…

(Christoph Parkinson)

Zu Gast #11: Psycho Jones und die Hellseher von Neu-Usbekistan

Sonntag, 30. Mai 2010

Als DJ ist Psycho Jones den meisten höchstwahrscheinlich bereits in einem Club in der Bundesrepublik begegnet. Bevorzugt im Auftrag des schlechten Geschmacks, zieht er mit riesigen Pappfiguren, Büsten, alten Konsolen und sonstigem an bizarrer Deko durch die Läden des Landes und haut auf die Pauke. Und zumindest in Mainz oder in Koblenz kommt man seit Jahren nicht mehr an ihm vorbei, wenn man sich in den Ausgang begibt. Als Haus-DJ des Redcat Clubs oder des Circus Maximus hat er sich vor Jahren mit seinen Partyreihen etabliert. “Die Musik ist (hierbei) nur eine Facette eines Auftrittes. Vielmehr geht es um Stimmungen, Interaktion, Individualität und Kreativität” (Redcat Club).

Manche Kritiker bezeichnen ihn als den rheinländischen Über-DJ BOBO, andere als ein Phänomen, als einen Botschafter der eleganten Skurrilität – oder gar als ein Gesamtkunstwerk. Wie man ihn auch nimmt: Psycho Jones ist für die Ewigkeit und er polarisiert, während sich ein anderer DJ höchstens nur den Pimmel rasiert, um dann wieder in Schall und Rauch zu verschwinden. Als Autor von nicht minder skurrilen Kurzgeschichten kennen ihn die Wenigsten. Damit sich das bald ändert, habe ich ihn als Gastschreiber für den Furious Clarity Blog gewinnen können. Für das nächste Mal wünsche ich mir ein Kuriositätenbattle zwischen ihm und HC Roth.

(Christoph Parkinson)

Die Hellseher von Neu-Usbekistan

Epilogum: Zeit ist wie Kaugummi: zäh, klebrig und dehnbar

1. KAPITEL: Einzelkämpferausbildung in der Vollkorntundra

Die Sonne stichelt mit ihren von Gott gegebenen Strahlen alles Lebendige und Halbtote bis zur Ausdunstung. Nur die Kakteen sind Dank einem Spaß der Evolution dagegen gewappnet und schützen ihre Harnblasen mit ihren giftbetuchten Dornen vor dem unsichtbaren Ultraviolett-Stilett-Killer. Auch der Trockenfisch hat sich im Laufe der Övulotion dieser heimtückischen ekologischen Nische angepasst, wie kaum ein anderer. Er bewegt sich so gut wie gar nicht und hält sich seit Jahrmillionen in den ausgetrockneten Nebenarmen der Schwesterflüsse Wolga & Wodga und deren großen Bruder Gorbatschowa Magdalena auf. Er nutzt das nicht fließende Wasser aus, welches schon gar nicht vorhanden ist, er schwimmt einfach durch die Luft. Ihm reicht die Vorstellung, das Wasser sei unsichtbar. Das ist vielleicht ein Spaß, wie im Trickfilm. Alle anderen halten einen für übernatürlich, obwohl man nur Haut und Knochen ist. Daher der Name: Trockenfisch.

Bei genauerem Betrachten sind alle Trockenfische einfach nur tot und bis auf die Gräten abgenagt, von Einzellern, die so klein sind, dass die Sonne sie mit bloßem Auge nicht sehen und somit auch nicht verdunsten kann, denn was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß. Die Mikrofaserbazillen bilden eine ledrige Schmierhaut um das Skelett der Trockenfische und das konserviert ungemein. Und lange wusste man nichts von ihnen und ihrer Symbiose mit den Trockenfischskeletten. Da der eine symbiontische Partner bereits tot ist, spricht man auch von actopassiver, necrophilogener Symbiose.

Ein anderes einheimisches Mistvieh ist der Gugelhupfzipper, ein diaphragmatisches Schalentier. Er hat eine Länge und Breite von circa hundert Metern, ist aber nur bis zu zwei Zentimetern hoch. Wenn ein potentielles Opfer unachtsam über ihn drüber läuft, rollt er sich einfach zusammen, wie eine türkische Pizza und stößt stoßweise violette, chlor- und zellophanhaltige, stark übel riechende Verdauungssekrete aus, die das Beutetier rückstandslos absorbieren. Somit braucht der Gugelhupfzipper auch keine Zähne, wird daher nie an Externextremkaries leiden. Ein äußerst beeindruckendes Spektakel ist die Brunft- und Paarungszeit der Zipper. Da treffen sich ganze Horden, um sich in wilden Exzessen ganz ihrer Fortpflanzung zu widmen, worunter die Landschaft in der Regel leidet. Regeln gibt es dabei nicht, es passiert einfach. Von Spionagesatelliten aus wirkt das ganze wie interkontinentale Pfannekuchen- oder Omelettewettrennen.

Doch bis dahin dauert es noch einige Monate und ein extrem fortpflanzungsbewusstes Männchen lauert dennoch auf seine Beute: „ Ein Zweibeiner, menno, ist doch nur ‘ne Vorspeise, warum nicht mal wieder ‘ne Kaffernbüffelherde?!“ Diesen Gedanken nimmt das potentielle Opfer natürlich wahr. Er ist halb Kasache halb Usbeke, was so einiges erklärt. Als er genau in der geographischen Mitte des mit Steppenstaub bestäubten Zippers steht, beginnt das Tier sich reflexartig zu einem Zyklopenjoint zusammenzurollen. Der Kas-Beke bleibt ganz gelassen, zieht etwas aus seinem kunstledrigen Handtäschchen und faltet es auseinander und siehe da, es sind diagonal angeordnete Bohnenstangen, an deren Spitzen wild rotierende Rasiermesser wüten.

Der Gugelhupfzipper kann nun seine Reflexbewegung nicht mehr anhalten und wird dadurch zu einer Art riesigen Landseestern verarbeitet und wird sich so sicher nicht mehr paaren können, da die Zipperkühe ihn so nicht als ihren Hirsch akzeptieren wollen. „Das war schon ganz gut, Stift! Das nächste Mal üben wir Geschnetzeltes und dann, wenn du bereit bist auch das pürieren!“ Papa Ahab ist sichtlich zufrieden mit seinem Lehrling.

2. KAPITEL: Der Balalaika-Guru stirbt

Ein Getöse wie von tausend applaudierenden Fans & im Hintergrund herrscht Totenstille bis zum geht nicht mehr. Doch das Geklatsche hört nicht auf, aber wer ganz genau hinhört nimmt das ständig daseiende Schweigen der wülstigen Stille war, die sich immer mehr in den Vordergrund wölbt. Plötzlich endet der Applaus in einer Erwartung, aber auch die drüsenschwelgende Totenstille hat ein jähes Ende. Er zückt die Balalaika, er, der Er. Die Masse erigiert ohne einen Ton der Freude oder auch nur ein wenig schnippend zu schweigen. Ein Akkord dringt von der Seite der toten Materie in das, was wir so salopp die Realität nennen.

„Ich hab’s die ganze Zeit gewusst!“, denkt ein dahergelaufener Usbeke. Ein Mann neben ihm ist empört über diesen unwirschen Zwischengedanken, traut sich aber nicht das laut zu sagen und damit seine magischen, telepathischen Fähigkeiten zuzugeben, da sie ihn sonst alle auslachen, peinigen und dann steinigen. Der pulsaufreibende Akkord treibt das Fett aus den Hautporen und reinigt Rußverpfropfungen in dem venösen Wirrwarr in jedem der huldigenden Pilger. Nur Ungläubige sterben noch an Herzinfarkt. Die Massen schwelgen in Ejakulat eiternd vor Hautfreude. Der Akkord endet abrupt und 60 Prozent der Pilger lösen sich vor Trauer in Schweiß und Pusteln auf, die verbliebenen 27 Prozent fangen an veterinär zu jammern bis in die blauangelaufenen Morgenstunden.

Der Balalaika-Guru ist gestorben, an Externextremkaries. „Ich hab’s die ganze Zeit gewusst!“, denkt der dahergelaufene Usbeke. Der Mann neben ihm ist empört über diesen unwirschen Zwischengedanken, traut sich aber nicht das laut zu sagen und damit seine magischen, telepathischen Fähigkeiten zuzugeben, da sie ihn sonst alle auslachen, peinigen und dann steinigen. Er ist auf der Stelle mundtot. Der busbekische FBI war ihm schon lange auf den Fersen und diesen Gedanken zweimal zu haben, war sein größter Fehler, wenn man nur aus Fehlern lernen könnte. „Ich hab’s die ganze Zeit gewusst!“, prahlt der Hellseher daneben sich selbst vor und steckt sich die übriggebliebene Balalaika in seine am Bauch befindliche faltendurchzogene Hautwulsttasche, in der außer der Bauchnabelflora auch noch ein extendierender Schwarzmarkt prächtig gedeiht….

(Psycho Jones)

Ghostclub with THE TOXIC AVENGER & KENJIRO ULTRAMAGNETIC im WWC in Bern!

Freitag, 28. Mai 2010

The Toxic Avenger

“Gleich geht’s los, mein Arsch ist schon am Flattern. Ich werde heute tanzen, von mir aus auch zu Gabba. Hab richtig Bock, die Stimmung steigt die Rechnung. Nur noch kurz duschen und dann schnell ab zum Treffpunkt…” (FREAKATRONIC)

Diejenigen, die vor fünf Jahren auf den typischen “Ed Banger”-Sound abgefahren sind, können das Zeug inzwischen so gut wie gar nicht mehr hören. Ich dagegen habe MR. OIZO, BOYS NOIZE, THE PROXY und die anderen Knallbohnen erst vor ein, zwei Jahren zu schätzen gelernt. Folglich bin ich noch von der Power fasziniert, mit denen einige dieser elektronischen Kompositionen die Clubs spürbar beben lassen.

Die Veranstalter des Berner Wasserwerks kennen sich in dieser Materie wesentlich länger und besser als ich aus, aber sie haben sich an den DJs des beschriebenen Genres wohl ebenso wenig sattgehört. Ein Glück für den Kanton, denn dies ist ein relevanter Aspekt für das beachtliche Booking, das von der Crew seit geraumer Zeit praktiziert wird. Freilich muss es weitere Gründe für die Acts geben, weshalb sie gerne in die Bundeshauptstadt kommen. Denn beispielsweise THE PROXY aus Moskau wählte für seinen einzigen Schweizgig im letzten Jahr den WWC aus – und vor wenigen Wochen kam er sogar wieder. Ebenso setzt auch THE TOXIC AVENGER aus Paris am 22. Mai 2010 auf die schräg gegenüber vom “Bärenhang” liegende Location. Bern, St. Tropez, Montreal, San Francisco, Paris, Berlin. Noch Fragen?

Den Support übernimmt einer der Resident DJs: KENJIRO ULTRAMAGNETIC. Wie damals im November legt er großartig und mit viel Druck auf. Gegen Mitternacht ist das Treiben auf dem Dancefloor sehr überschaubar, was sich innerhalb der nächsten zwei Stunden ändert. Der große Ansturm bleibt dennoch aus. SVEN VÄTH scheint, in der Reitschule um die Ecke, vermutlich zur selben Zeit mehr zu ziehen.

Nach dem DJ-Wechsel setzt sich der Alarm vor der Bühne nahtlos fort: Musikalisch vermischt TTA Basslines, Punk und Hardcore – jedenfalls haben die “Raver” den Eindruck, dass dies der Fall sei. Wodka-Lemon küsst Bier. Ich tanze wie ein Affe und schlage zu dem Beat. Erst langsam schnalle ich, wie wichtig der WWC für mich in Bern werden kann. Aftershowparty im Tscharni. Ein gänzlich mustergültiges Abendprogramm. Bis zum nächsten Mal!

“Es explodiert, heute Nacht werde ich der Knaller. Voll der Hit, Ballaballa. Es explodiert, heute Nacht werde ich der Knaller. Voll der Hit, Ballaballa…” (FREAKATRONIC)

(Christoph Parkinson)

Das Fest: THE MONOFONES, THE VIBRATORS und die Bildungsbürger.

Sonntag, 09. Mai 2010

THE MONOFONES

Bern, so nah und doch so fern. THE PROXY residiert erneut im Wasserwerk, doch der Herr will neue Wege beschreiten. Allzu kreativ ist er dabei nicht und landet auf der Decadanse – dem jährlichen Unifest.

20 Uhr öffnen die Tore. Wir Heinis befinden uns bereits nur wenig später auf dem Campus. Der Poetry Slam überrascht nicht. Mittelmäßige Texte werden vorgetragen. Style zwischen Helge Schneider und Klaus Kinski. Düsseldorf, Koblenz, Bern. Poetry Slams ziehen meist das gleiche Publikum und, was viel schlimmer ist, ähnliche “Slammer”. Im Verlgeich zu den regelmäßigen Wettbewerben im ZAKK in Düsseldorf (”Halbintelektuellen-Trival-Gedichts-Ausschuss”) oder dem in Koblenz (”Lehrer und Schüler lesen, zwischen den Freaks von der Uni, Texte aus dem Unterricht”), geht Bern klar. Dennoch ist es furchtbar. Out. Weg. Tschööö. Heim!?

THE MONOFONES
beginnen im gegenüberliegenden Gebäude. Die Sängerin ist drei Meter groß und hat wohl zu viel Kaffee getrunken. Der Gitarrist wirkt ähnlich überdreht. Garage. Punk. Trash. Bierduschen und Gitarrenschmusen im oder über dem Publikum. Ist nicht wirklich überzeugend und wirkt insbesondere in diesem Rahmen eher lächerlich. Hits sind dabei. Die Stimmung ist gut. Das Publikum ist genügsam. Wackelnde Studenten. Tanzende Rock-a-Quellas. Igitt! Ich habe mehr erwartet. Trotzdem.

Anschließend: THE VIBRATORS. Die werden mich auch noch überleben – oder irgendwann zu Tode langweilen Die Engländer waren bereits vor zwölf Jahren schon ultra ermüdend. Ich halte die Erwartung ganz weit unten. Aber: Überraschung! Alte Männer mit Hängewangen und bleichen Junkiefaces, aber ohne Stock im Arsch und mit einzelnen Hymnen. Geht rund. Ist sogar authentisch und läuft. Respekt. Studentenpogo.

Bier und Longdrinks. Rein, rein, rein. Vom Dancefloor zur Bar und von der Bar zum Dancefloor. Männer- und Heiniüberschuss. Oje. Das Programm geht. Aber es verläuft sich irgendwie. Hier Techno. Dort 80er. Dazwischen 90er und Co. Von den Sixties bis hin zu den 90ern wird alles gespielt. Smalltalks. Wow. Kein Ende in Sicht. Nicht tanzen, glotzen. Besser geistig kotzen. No attitudes. Nur Fete. Es ist okay. Mehr nicht.

Zwischen drei und vier Uhr ist Schicht. Falsche Entscheidung. THE PROXY kann im Duell nur gewonnen haben. Ich Naivling. Brechreiz. Verbitterung. Erwartungen herunterfahren. Noch mal halte ich das nicht aus. Die Ungmengen an verheizten Franken gebe ich nächstes Wochenende besser für einige Kilogramm Pferdefleisch aus. Grillieren rules. Unifeste nicht. Und das Ein-Mann-Wolfsrudel stinkt allmählich auch nach Pumagehege. Bah!

(Christoph Parkinson)

Der CLUB SCHEIßE ist tot – es lebe das Ätherblissement

Donnerstag, 15. April 2010

Wow, letztes “Wochenende” hatte es wirklich in sich. Es kann auch was für sich haben, wenn man selbstständig und ohne Aufträge ist. Dementsprechend zerknittert guckte ich nämlich samstags aufgrund der, von mir gerade erfundenen, umgekehrten Kausalitätskette aus der Wäsche. Es sollte das letzte Mal sein, dass der mittlerweile überregional berüchtigte (Privat-)Club Scheiße seine Pforten öffnete. Im Rahmen dieses Events sollten fünf Bands spielen, Red Light District, Cobretti, Sniffing Glue, Kein Hass Da und Hammerhead. Wochen zuvor bekam ich von Ron (Hammerhead) schon eine SMS mit dem Inhalt “Geheimkonzert im CS, Abrissparty”. Die Vokabeln Hammerhead und Abrissparty in einem Satz waren schon immer Superwerbung für jedes Event und der Alptraum eines jeden Veranstalters.

Bens Birthday
Einer der Gründe: Total asoziales Bowlen – Benehmen: Mittelstufenparty ohne Girls aber mit zum ersten Mal Alkohol und die Lehrer sind weg

Nachdem ich also quasi seit Mittwoch aus diversen Gründen besoffen sein MUSSTE, war ich am Samstag ziemlich traurig darüber, meinen lieben Freund Nino (Barseros, you know…) eingeladen zu haben. Der stand dann ausnahmsweise auch bumsfidel mit besserer Hälfte auf der Matte und wir tigerten rüber zum Club. Dort angekommen war’s auch echt schon so, dass die ganze Straße mit mehr oder weniger bekannten Gesichtern voll war und eigentlich keiner mehr reindurfte. Bemerkenswert dafür, dass keine Werbung gemacht wurde. Zum Glück bin ich VIP, war also kein Problem. Drinnen war’s nicht zum Aushalten oder ich war nicht zum Aushalten, ich weiß es nicht mehr genau. Zum Glück hat eine liebe Freundin (danke Judith) an mir die Druckbetankung durchgeführt, so dass ich auch bald bessere Laune bekam und draußen schon wieder anfing, große Reden zu schwingen. Mit anderen Worten, ich hab drinnen erst mal drei Bands komplett verpasst, was mir insbesondere bei Sniffing Glue leid tat, die sind nämlich wirklich toll. Währenddessen lief übrigens Steffen vom CS die ganze Zeit total aufgeregt draußen herum und war null in der Lage sich locker zu machen, der Ärmste, da er irgendwie so eine Art Chaostage aufgrund der vielen Leute befürchtete, zum Glück war wirklich alles die ganze Zeit friedlich.

Sniffing Glue
Abbildung B: Sniffing Glue – verpasst.

Irgendwann hieß es dann, dass es losgeht, dementsprechend bin ich rein, um mir einen Platz zu sichern. Leider bekam ich nur noch die letzten Lieder und 1000 unerwünschten Zugaben von Kein Hass Da mit, am Mikro ist übrigens Kulttype Karl Nagel. Das Ganze ist eine Bad Brains-Coverband auf Deutsch (Warum???) von Punk/Mucker–Typen – quäl… Freunde im ernst, lasst es einfach, ich meine, das hört sich ja ganz nett an, so aus der Dose, aber live ist das bei eurem Anblick und mit den schrecklich bemühten deutschen Texten nicht länger als fünf Songs zu ertragen. Leider hält euch das nicht davon ab, gefühlte drei Platten Bad Brains zum besten zu geben (auf Deutsch!!! Setz die Segel Kollege). Das Schlimme daran ist, dass es mir jetzt schwerfällt, die göttlichen Bad Brains zu hören, ohne dabei eure Hackfressen vorm geistigen Auge zu haben. No Offense…

Dann kam Hammerhead, also, als ich die vor nem Jahr nochmal im Underground gesehen habe, war ich echt gelangweilt, das war alles viel zu viel des Guten, bestimmt lag es auch an mir, aber damals habe ich mich tatsächlich mal meinem Alter entsprechend benommen, sprich, ich stand quatschend an der Theke – diesmal nicht. Ich habe mich mit Nino total affig und wie auf meinem zehnten Konzert aufgeführt, es war toll. Nino war sich nicht einmal zu doof ständig auf allen vieren durch die Band krabbelnd Bier zu klauen, obwohl Norbert (mit Abdrängversuchen) und Osche (mit dem Drumstick beim Spielen nach ihm hauend) das erfolglos zu verhindern versuchten.

HHEAD 2

HHEAD

Danach sind alle (?) rüber in den Sonic und ab da weiß ich auch fast nix mehr, außer, dass ich Ben dauernd versicherte, dass ich gleich bei ihm sei um die Bude einer offensichtlich verrückt gewordenen Alten (Mädchen-WG neben dem Sixpack kündigt Abrissparty auf Facebook an!!!) kaputt zu hauen. Ich hoffe, Matteo hat mich ordentlich vertreten.

Folgende Nachrichten erreichten mich noch via Facebook:

· Glen Ravioli, Thekenchef im Sonic meinte irgendwie zu wissen, dass ich mich danebenbenommen hätte und warum
· Ein lieber Freund meinte mich an die Crazy Sache mit dem Wodka erinnern zu müssen (ich bestelle mir nie Wodka)
· Meine Jacke wurde nicht wiedergefunden (Ich weiss, es ist langsam langweilig)
· “Warum hast du um 6 noch angerufen”

Danke Steffen, danke Jan, danke Äther Youth!

Konzertfotos sind alle vom Allschools NetWork

(Christian Destroy)