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Im Gespräch: D. HANZEL über Bodybuilding, BLOODATTACK und die “Rotten Leaders”!

Donnerstag, 26. August 2010

BLOODATTACK

Am 24. September erscheint “Rotten Leaders”, das neue Album von BLOODATTACK. Die Jungs sind inzwischen zu Bastardized Recordings gewechselt und legen mit ihrer baldigen Veröffentlichung ein musikalisches Inferno hin, das seines Gleichen sucht. Die Aufnahmen sind ein rücksichtsloser Bastard aus Hardcore und Metal, der endlich mal Wiedererkennungswert hat und wie eine Bombe in der Szene einschlagen wird.

Daniel Zimbomann (aka. D. Hanzel), Sänger und Gründungsmitglied der Band, hat zuvor in einigen anderen imposanten Bands – wie THE JERKS und GOMORRHA – geträllert oder auch bei THE SWAT zeitweise den Bass gezwickt. In dem folgenden Interview mit dem Covelenzer Jung’ geht es natürlich auch um BLOODATTACK und deren neues Album. Fast noch interessanter ist allerdings, was uns Hanzel von seiner zweiten Leidenschaft zu erzählen hat: Dem Bodybuilding…

Hanzel, wie regelmäßig gehst du zu McFit pumpen und wie sieht dein Training aus?

Ich trainiere meinen Body siebenmal pro Woche, zweimal täglich. An guten Tagen dreimal, je nachdem wie viele Aufputschmittel und Steroide ich mir finanziell leisten kann. Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Bizeps geschrumpft ist, lasse ich mich krankschreiben und bleibe meiner Arbeit fern. Dann trainiere ich sechs Stunden am Stück, ohne Pause.

Nachmittags gehe ich immer um 17 Uhr zum Bodybuilding, wenn am meisten im Fitnessstudio los ist – so kann ich die meisten „Probs“ sammeln. Beim Brusttraining schreie und stöhne ich meist sehr laut, damit alle Anwesenden im Studio zu sehen bekommen, was ich für ein unglaubliches Anabolikamonstrum bin. Manchmal zerreiße ich auch mein T-Shirt nach einem harten Satz Klimmzüge und zwinge anwesende, achtzehnjährige Mädchen an meinem Sixpack zu lecken oder meinen Bizeps zu streicheln. Pure Erotik!

Keine Frage, McFit ist mein zweites zu Hause geworden. Manchmal übernachte ich auch dort in der Umkleide, um nach dem Aufstehen noch einen Kaffee mit den Putzfrauen zu trinken und ihnen Komplimente über meinen Körper zu entlocken. Wir sprechen meist auch über politische Themen, zum Beispiel darüber, wer das nächste Mitglied des Monats im Fitnessstudio wird.

Wie viele Kilogramm drückst du auf der Streckbank?

Das kommt natürlich auf meinen Trainingsstatus an. 120 Kilo drücke ich solange und so oft, bis ich das Gefühl habe, meine Brust explodiert und meine Nippel bluten. Jeder einzelne Muskel muss gerissen sein, vorher höre ich nicht auf Wiederholungen zu pumpen. Meine Adern in den Augen platzen dabei regelmäßig, weshalb ich beim Training immer eine Sonnenbrille trage.

Manchmal kommt es vor, dass ich die 120 Kilo nicht schaffe und mit weniger Gewicht hantieren muss. Für diesen Fall habe ich im Fitnessstudio an der Rezeption ein Paar Styroporgewichte hinterlegt, um meinem Ruf als „the Beast from Koblenz“ nicht zu schaden. Und da ich gerade sowieso schon aus meinem Nähkästchen plaudere: Wenn ich dicke Personen im Fitnessstudio erspähe, schleiche ich mich von hinten an diese heran, werfe sie auf die Erde und stemme sie dann in die Luft, mindestens fünfzehn Mal. Eine beeindruckende Demonstration meiner unglaublichen Power!

BLOODATTACK

Für welchen Eiweißshake würdest du sterben?

Ich bestelle mir dreimal monatlich in Singapur den Shake mit dem unglaublichen Geschmack „Thai-Vagina“. Wenn dieser nicht zu haben ist, greife ich auf Leberwurstshakes zurück.

In der Kraftsport-Szene erzählt man sich, dass BRUTOS BRUTALOZ dich zum Bodybuilding gebracht hat. Wie kam denn nun das Eine zum Anderen?

Ich war in meiner Lieblingsdiscothek „Pflaumenbaum“ in Koblenz, City. Ich bestellte mir eine Cola Zero, ohne Zitrone, aber mit einem Schuss „Fatburner deluxe“. Als ich das Getränk entgegennahm, wurde ich von hinten angestoßen und mein Getränk lief mir über mein neues Ed-Hardy-Shirt. Ich drehte mich sofort um und schlug mit meinem Kopf auf den widerlichen Störenfried ein. Dieser Wutausbruch wurde von mehreren meiner mir stets folgenden Fans via Handy gefilmt und noch am gleichen Abend auf youtube veröffentlicht. Dieses Video hatte nach einem Tag über 200.000 Klicks, unter anderem auch von BRUTOS BRUTALOZ. Er mailte mir und teilte mir mit, dass er mich gerne als Trainingspartner beim Bodybuilding unterstützen wolle. Ich lehnte ab, da dieser schmächtige Knilch nicht meine Trainingsliga ist – ich habe besseres verdient. Dies ist die wahre Geschichte!

Ab welchem Zeitpunkt weiß man, dass man genug gepumpt hat, um „Beast Enough To Stand This Hate“ zu sein?

Zu dem Zeitpunkt, an dem deine Arme dicker sind als dein Kopf. Man kann sich Olivenöl in den Bizeps spritzen, so kommen größere Muckis zustande. Ich spritze mir regelmäßig Olivenöl in den Hoden, damit dieser neben meinen muskulösen Oberschenkeln nicht zu klein aussieht.

Am 11. September findet die Releaseparty von eurem neuen Album, „Rotten Leaders“, statt, welches auf Bastardized Recordings erscheint. Ich habe gehört, dass das Album noch mehr Klimmzüge als das vorherige robbt. Was für Unterschiede siehst du zwischen den beiden Scheiben und was gefällt dir an der Neuen besonders gut?

Die neue Platte sollte etwas Weg vom Metalcore und wieder zurück zum Hardcore. Es befinden sich weiterhin Metalelemente in den Songs, allerdings sind diese „traditioneller“ und aggressiv, nicht mehr „zu schön“ und glatt. Ich glaube, das ist uns gelungen und wir konnten mit Hilfe von Kurt und Sascha vom Tonstudio 45 eine gute Scheibe abliefern. Mittlerweile ist es leider so, dass man Bands kaum noch auseinanderhalten kann, da diese sich immer wieder gleich anhören: Grunz, Kreisch, Breakdown, Solo, cleaner Gesang… Das sind zwar alles Elemente, die wir auch in unseren Songs haben, aber ich behaupte, dass diese dennoch einen besonderen Wiedererkennungswert haben und anders klingen, als die Veröffentlichungen der letzten Jahre. Wir haben es geschafft, die Musik einzuspielen, die wir immer machen wollten. Die Platte erscheint am 24. September!

BLOODATTACK

Die Frage liegt nahe: Wieso seid ihr zu Bastardized gewechselt? Hat das etwa damit etwas zu tun, weil die Betreiber des Labels ausnahmsweise mal keine Ossis sind?

Nein, das hat es nicht! Wir haben bei Sony abgelehnt, da ich Beef mit BUSHIDO habe. Alles über unser Signing kann man auf der Homepage von Bastardized Recordings lesen. Dort gibt es eine extra Rubrik, wo wir ein Statement abliefern. Wir sind uns sicher, dass das die beste Entscheidung in unserer Laufbahn war.

Wieso hast du deine heißen Sadomaso-Masken bei einem eurer Konzerte ins Publikum geworfen?

Weil eine Verlosung stattfand, die ich moderierte. Dies war beim “Celebrating the Moshpit Festival” 2009 in Solingen. Diese Moderation fand zwischen unseren Songs statt. Ich stand leider etwas neben mir. Daher warf ich einem Beatdowngirlie, statt einer Tüte mit Vansklamotten, die Tüte mit all meinen Masken zu. Als ich dies bemerkte, war der Wurstfinger schon über alle Berge. Sehr ärgerlich, eine der Masken hatte mich 100 Euro gekostet.

Mit BLOODATTACK läuft es von Jahr zu Jahr besser. Was tust du dagegen, dass nicht noch mehr von deinen Bandkollegen Vater werden und infolgedessen euer geiler Sprint ausgebremst werden könnte?

Ich bezahle die Kindermädchen ihrer Familien. Somit kann ich meine Bandkollegen zwingen, täglich vier Stunden zu proben, während ich im Fitnessstudio bin.

Welche Band würdest du warum als BLOODATTACK-Support bevorzugen: KICKBACK, EARTH CRISES oder DIE LOKALMATADORE?

Definitiv DIE LOKALMATADORE. Ihre Musik, ihr Kleidungsstil und ihre Attitüde sind fast identisch mit unseren.

Wie geht es mit BLOODATTACK weiter?

Mit den Einnahmen des neuen Albums werde ich mich in den Kosovo absetzen und dort eine Familie gründen. Ich möchte dort 37 Kinder mit 3 Frauen haben: 21 Mädchen, 9 Jungen und 7 Zwitter.

BLOODATTACK

Was kannst du uns über die bisherigen Planungen für das nächste „Full Metal Fortress“ erzählen?

Dies soll im Heimathaus Neuwied im März 2011 stattfinden. Zurzeit muss ich mich voll und ganz auf BLOODATTACK konzentrieren. Die eigentliche Planung wird im Oktober 2010 beginnen, dann gibt es alle News auf myspace.com/fmffestival.

Letzte Worte?

Ich befehle jedem, sich am 11.9.2010 auf unsere Releaseparty ins Dreams Koblenz zu kommen, eine CD zu kaufen, zwei Shirts und eine BLOODATTACKSHORTS. Danke für das Interview, ich muss jetzt los zum Training!

Hanzel, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim Pumpen sowie mit dem neuen Album. Ich werde mich nun auch mal besser direkt in dem Fitnessstudio in Bern-Bethlehem anmelden, um die Girls mit meinen baldigen Creatinarmen verrückt machen zu können. Wenn das mal keine guten Aussichten sind…

(Christoph Parkinson)

PS: Ich verabschiede mich hier für eine Woche und fahre auf Klassenfahrt. Bis dann!

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BLOODATTACK Releaseparty

Im Gespräch: OLIVER LONIEN aka. LOW-NIEN BEATS über deutschen Gangsterrap!

Samstag, 19. Juni 2010

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Als einer der besten deutschen Tätowierer für Arbeiten im japanischen Stil, hat sich Oliver Lonien aus Trier bereits vor vielen Jahren, weit über die Landesgrenzen hinaus, einen Namen gemacht. Auch die Doku-Serie „Tattoo – Eine Familie sticht zu“, welche auf DMAX erfolgreich gelaufen ist, gehört zu den besseren Serien dieses Formats. Über seine hohen künstlerischen Fertigkeiten und sein Treiben im Tätowierbusiness kann sich also niemand ernsthaft das Maul zerreißen.

Als er jedoch vor etwa einem Jahr als LOW-NIEN erstmals mit deutschem Gangsterrap und dazu passenden Videoclips im Internet in Erscheinung getreten ist, ließen die verbalen Angriffe in sämtlichen Foren nicht lange auf sich warten. Interviews über seine Arbeiten als Tätowierer hat er in seinem Leben unzählige gegeben. Freilich hat er nach wie vor dazu einiges zu sagen und zu erzählen, in diesem Interview soll es aber ausnahmsweise um etwas ganz anderes gehen – und zwar um LOW-NIEN und den deutschen Gangsterrap!

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Auf deine Aktivitäten im Rap-Geschehen reagieren insbesondere viele von denen, die dich als Tätowierer kennen und sehr schätzen, äußerst negativ und verstehen zum Teil die Welt nicht mehr. Wie erklärst du dir das?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Haben die sonst nichts zu tun, als sich über die Hobbys anderer Menschen aufzuregen? Prinzipiell sind die Deutschen eh etwas dogmatisch und unflexibel. Das hält mich aber nicht unbedingt davon ab, meine Leidenschaften zu pflegen, wozu nun mal Gangsterrap zählt. BOOBA sagt dazu: „If u don‘t like it, don‘t listen!“ So einfach ist das. Ich bin zum Glück weiterhin zwei Jahre ausgebucht, von daher haben die „Demontageversuche“ der Neider aus dem Musik- und Tattoobiz keinen nennenswerten Erfolg verbucht. Ich verstehe auch nicht alles, was andere Tätowierer so gut finden. Zum Beispiel Daatzmann, der hat „W. A. W.“ (Weißer Arischer Widerstand) sichtbar auf dem Hals tätowiert. Aber jedem das Seine – das stand doch schon auf dem KZ-Eingang, oder?

Vor wenigen Jahren galtest du eher als der introvertierte, besonders friedfertige Typ mit langen Haaren, der seine musikalischen Wurzeln eher im Metal zu pflegen schien. Auf Myspace sind inzwischen einige Fotos von dir zu finden, auf denen du dich mit Knarre, Unterhemd und „dicken“ Karren ablichten lässt. Entweder entsteht der Eindruck, als hättest du dich mit mitsamt deinen Attitüden um ein paar Grad gedreht – oder aber dein relativ neues Treiben und deine aktuelle Form der Selbstdarstellung wirken sehr inszeniert. Das könnte auch erklären, weshalb du stellenweise dabei sehr verkrampft erscheinst. Mein erster Gedanke war, dass du Gefallen an deutschem Rap gefunden hast, die deutsche Gangster-Rapszene in deinen Texten und Videos dennoch karikierst. Inzwischen zweifle ich immer mehr daran und denke, dass das Augenzwinkern immer mehr verschwindet. Was hat es mit LOW-NIEN BEATZ und deinem „Imagewandel“ denn tatsächlich auf sich?

Ich fühle mich eigentlich unverkrampft, aber der Eindruck ist ja subjektiv. Zum Thema „Attitude“: Dazu müsstest du als Reporter tiefer recherchiert haben, um meine Story zu kennen. Ich war tatsächlich peaciger drauf für einige Jahre, was aber eher damit zusammenhing, dass ich einige Jahre sehr zurückgezogen und familiär gelebt habe und, außer beim Tätowieren, kaum Bezug zur Außenwelt hatte – quasi alle negativen Einflüsse von außen ignorierte. Das geht aber leider nicht auf Dauer klar.

Rap hörte ich immer, sowie auch Metal, Punk, Hardcore, Soul, etc. Aber da du gerade doch mein Myspace-Profil thematisierst: Dort steht schon seit Jahren alles, was ich höre. Und was sagt eigentlich die Haarlänge aus, ist man deswegen mehr oder weniger Metal? Das meine ich damit, dass die Deutschen etwas dogmatisch, nein, einfach etwas beschränkt sind, sorry! Und was ist an Knarren und dicken Autos verkehrt? Gegenfrage: Fragst du auch die Hells-Angels-Tätowierer auf den Conventions, warum sie darauf stehen oder hast du da Angst? (Anmerkung von C. Parkinson: Die Antwort muss in diesem Fall doch nicht erfragt werden, denn sie lautet: Weil sie damit nicht nur schießen können, sondern es im Zweifelsfall auch tun…)

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Das ist die Mucke für den Drive-By“: Dass du inzwischen Lust darauf hast, Rap zu machen, ist eine Sache. Aber was erwartest du dir von der Zusammenarbeit mit minderjährigen Typen, die von „Drive-By“ und Berettas singen, und so wirken, als müssten sie die Hauptschule schwänzen, um sich mit dir für das Video im Parkhaus filmen zu lassen?

Ehrlich gesagt, die Frage ist etwas negativ wertend, quasi offensiv! Ich war auf derselben Hauptschule und gehe aus nostalgischen Gründen dort nach jungen Talenten suchen. Spaß beiseite: Ursprünglich entstand die Idee, was mit den Jungs zu machen, aus einem Charity-Gedanken, um den Kids von der Straße die Möglichkeit zu bieten, ihren Träumen etwas näher zu kommen. In den meisten anderen Clips wirken ja eher ältere Leute mit. Die „Drive-By“-Sache ist ehrlich gesagt gebytet. Ich habe eine CD von ICE CUBE gesehen, die hieß „Music To Drive-By“. Da habe ich mir gedacht, geh schautz, der BUSHIDO klaut ja auch. Außerdem sind wir Gangster, also immer her damit! Und die Texte der Jungs: Ich mag keine Zensur. Von daher lasse ich sie sagen, was ihnen guttut. Sie sollen sich ja wohlfühlen.

Wer sind überhaupt diese ganzen Typen in deinen Videos und wo hast du die aufgegabelt?

Meine Freundin ist Jamaikanerin – und der Rapper 151 ebenfalls. Er ist ein Killer aus Kingston. Und wenn du nochmal so ‘ne Scheiße fragst, kommt er dich mal besuchen. Ups mein zwinkerndes Auge, sorry.

Wie kamst du auf die Idee, dir ein Tonstudio einzurichten und seit wann beherrscht du das dazugehörige Know-How, Aufnahmen zu produzieren sowie Beats zu fabrizieren?

Ich mache seit zwanzig Jahren Musik. Damals habe ich in der Dortmunder Punk-Hardcoreband THE IDIOTS gespielt und ein Album mit Songs aufgenommen, die eine Art Metalcore waren – circa zehn Jahre vor dem Trend. Seit einem Jahr mache ich Hip Hop. Und neunzig Prozent der deutschen Producer sind bereits gefickt. Wenn ich nicht gerade Arschgeweihe steche, um mir meine SSL-Konsole zu leisten, experimentiere ich mit illegalen Plug-ins.

Oliver Lonien aka. Low-nien Beatz

Wie ernst ist es dir mit deinem eigenen Label, HANNYA RECORDZ, was strebst du langfristig damit an und was ist in absehbarer Zeit alles geplant?

Es ist mir sehr ernst! Primär strebe ich die Weltherrschaft an, sekundär die totale Ausrottung der menschlichen Rasse. Nebenbei mache ich zwei Alben: Eins ist Straßenrap, eins ist Soul und rnb (Produceralbum), dann Labelcode und Fame. Genaueres könnt ihr in dem Videointerview auf meinem Myspace-Profil sehen.

Was meinst du würden Claus Fuhrmann oder Filip Leu von einem Rap-Feature in einem deiner Songs halten?

Von Claus hab ich Probz für „Bombenhagel 1“ bekommen. Er hat mich übrigens vor vielen Jahren zum Rap bekehrt. Filip und ich haben darüber gelacht, dass die Hater auf youtube schrieben, ich sollte den Buddhakopf von ihm „zwangsgelasert“ bekommen. Er sagte: „They got u with that“! Luke Atkinson hat mir per Email einen Film über „Bloods and Crips“ empfohlen, weil Gangbanging nicht verherrlicht werden sollte. Ich fand den Film aber blöd, nicht objektiv und die Realität verzerrend. Man müsste die Ursachen beleuchten, warum die Regierung Schwarze ins Ghetto steckt, an jeder Ecke Schnaps- und Waffenläden zu finden sind oder man Crack kaufen kann – und nicht einen reißerischen Scheißfilm über Minderheiten, um Kohle damit zu scheffeln.

Wann gibt es den ersten Diss gegen MAHATMAHITLER?

Den gab es schon, aber unter Pseudonym. Ich lasse nicht zu, dass solche Krüppel durch mich noch Hype bekommen. Die reagieren immer nur darauf, wenn jemand etwas macht, statt selber kreativ zu werden; typisch deutsch.

Wann sind die ersten Livegigs geplant und wie wird es mit LOW-NIEN BEATS weitergehen?

Live auf Tour war ich zehn Jahre lange und mache so etwas erst wieder, wenn ich denselben Stundenlohn wie als Tätowierer bekomme. Mit mir wird es so weitergehen, dass ich zwei Alben mit überkrassen Features raushauen werde, analog auf SSL gemischt, und das dann dafür sorgen wird, dass ich mir noch mehr dicke Autos und Knarren kaufen kann. Ein tödlicher Kreislauf, mo money, mo problems…

„LMS“ oder „Carlo, Coxxx Nutten I“?

CCN natürlich, aber eigentlich MOSES PELHAMS „Geteiltes Leid“.

Abschließende Worte?

Ja: Fickt euch alle!

Vielen Dank für das Interview!

(Christoph Parkinson)

Im Gespräch: DAVID HASERT über seine Faszination am Neuen, die Fähigkeit, Hypes auslösen sowie steuern zu können, und seine Gemeinsamkeiten mit C. Destroy!

Samstag, 12. Juni 2010

David Hasert

David Hasert, Techno-Produzent und DJ, gehört zu den wichtigsten Protagonisten der neuen Kölner Electro-Generation. Partyreihen wie “LIKE” oder “Electronic Love” treffen den Zahn der Zeit. Es ist bemerkenswert, wie schnell er sich in dieser Szene zurechtgefunden und sich einen Platz in den vorderen Reihen gesichert hat. Als er vor circa acht Jahren nach Köln gezogen ist, begann er beim Fernsehen. Das erlernte Know-How nutzte er wenig später für ROLAND ROCK, eine kleine Videoproduktionsfirma, die ihre Liebe für Skateboard- und Musikvideos in bewegten Bildern ausdrückte. Als DJ begann er zunächst im Indiebereich als The Winning Weasel im Blue Shell und legte gemeinsam mit Timbo Tanzpalast (”Tanz den Äther, Baby”) oder Jan Jeaulous Jerk-Off in unterschiedlichen Clubs regelmäßig auf.

Schließlich entdeckte er seine Leidenschaft und sein Geschick für elektronischen Sound. Mit dem ersten Auftritt seiner Band, MALK, eröffnete er den Hype des Maximals und überzeugte bald bundesweit durch seine eigenen DJ-Sets im Minimal-Bereich. Gemeinsam mit seiner LIKE LOVE-Blog-Gang feierten wir am 01. Mai unser Blog-Bestehen. Den einen oder anderen Berührungspunkt zwischen uns gibt es seit langem. In diesem Interview geht es am Rande zwar auch etwa um die Gemeinsamkeiten zwischen David und Christian, aber im Wesentlichen erzählt David von seiner Faszination, sich für Neues begeistern zu können, die Fähigkeit, Hypes auslösen und steuern zu können, und vieles mehr.

David Hasert

Betrachtet man deine Aktivitäten der letzten sieben, acht Jahre etwas genauer, fällt auf, dass du dich sehr schnell in neue Materien einarbeitest, ein besonderes Geschick für diese entwickelst, richtige Kontakte knüpfst und auch die Außenwelt durch die hohe Qualität deines Schaffens in beachtlicher Zeit beeindruckst. ROLAND ROCK und Fernsehen sind Geschichte. Skateboarding war und wird vermutlich bleiben. MALK kam, sah, siegte und ging. DAVID HASERT und „LIKE“ sind. Aber wie lange noch und was kommt dann?

Das frage ich mich auch immer wieder. Ich habe auf jeden Fall eine große Faszination, um mich für Dinge zu begeistern. Jedoch kann mich aber auch wieder sehr schnell “entgeistern”. Was sich aber in den letzten Jahren herauskristallisiert hat, ist, dass ich in allen Dingen, die ich inzwischen angehe, versuche eine größere Tiefe zu erreichen.

Bei der Musik war das für mich von Anfang an klar. Wenn du anfängst Musik zu machen und klingst nach fünf Jahren noch genauso wie am Anfang, dann bist du entweder untalentiert oder ein Idiot. Aber auch bei anderen Sachen zieht sich diese neue „Deepness“ wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich weiß, Partys haben keinen hohen künstlerischen Wert, aber auch hier kann man sich einfach darin verlieren, seinen Job so gut wie möglich zu machen und so wenige Dinge wie möglich dem Zufall zu überlassen. Auf Kurz oder Lang werde ich wohl in der Vergnügungsbranche bleiben, weil die ist krisenfest. Früher oder später will ich ein eigenes Restaurant, was ja auch eine Form der von Kunst und Vergnügen ist. Manch einer würde sagen, es ist die Höchste.

„The Sound Of New Cologne“: Wieso funktionieren die “LIKE”-Partys? Und wieso funktionierst du?

Die „LIKE“-Partys funktionieren über Hypes und in erster Linie über dem guten, alten Zusammenspiel von Musik und Mode. Hypes kann man meiner Meinung nach beliebig kreieren und auch beliebig steuern. Wenn du einmal weißt, welchen Hebel du drehen musst, um genau das gewünschte Resultat abzurufen, kannst du das immer wieder tun. Genau so funktioniere ich auch.

David Hasert

Zeitweise warst du im Internet als ein Künstler des richkidz-Kollektivs zu finden. Was ist daraus geworden?

Ich habe meinem Freund und immer noch Freund, Dave (der Gründer von richkidz), fünfmal die Frage gestellt, was denn genau richkidz sei. Nachdem ich auch beim fünften Mal die Antwort nicht verstanden habe, dachte ich mir, ich kann nicht mehr Teil einer Organisation sein, die offenbar zu hoch für mich ist. (Anmerkung von C. Parkinson: Eine verständliche Einführung über die Intentionen und das sich daraus entwickelnde Treiben von richkidz erfahrt ihr hier.) Aber klar, Dave ist ein dufter Typ. Und wenn er mit einem interessanten Projekt vor der Tür steht, bin ich der Erste, der Tür, Augen und Ohren aufmacht.

„Brilon nicht Berlin“: Die Briloner (ex-)Jugend breitet sich seit einem Jahrzehnt bundesweit aus. Besonders Köln entwickelt sich zu Brilons Partykolonie und diese vergrößert sich auf eine erschreckende Art. Ich kenne niemanden aus Brilon, der absolut sauber im Kopf ist. Was ist in der Stadt passiert, dass speziell die Jahrgänge 1980-1985 derart verdorben und zugleich so schöpferisch sind?

Sind sie das? Für mich ist Brilon ein Kaff wie jedes andere auch. Klar gibt es dort auch ein paar kluge Köpfe – und noch mehr, die sich gerne mit System das Hirn wegballern und dir dafür tausend intelligente Gründe aufzählen können. Für Lokalpatriotismus hatte ich noch nie viel übrig. Und das, was du da gerade in deiner Frage so liebevoll formuliert hast, ist nichts anderes.

Was gibt es zwischen dir und Christian Destroy für Gemeinsamkeiten?

Soviele Gemeinsamkeiten haben wir gar nicht. Wir trinken beide gerne Bier und hauen beide gerne mal mit der Faust auf den Tisch. Sechs Uhr morgens, wenn wir beide im 6pack sind, werden wir beide zu Homos, streicheln uns und erzählen uns, wie gerne wir uns haben. Am nächsten Tag schämen wir uns nicht. Das ist dann wohl unsere Gemeinsamkeit. Ach ja, und wir lieben beide die MISFITS.

David Hasert

Nenne mir doch bitte mal die Gründe, weshalb du beinahe täglich auf unserem Blog abhängst.

Ein Grund ist, weil ich mich informieren möchte, was in der Welt so los ist. Gerade eure liebevoll und, teilweise unter gefährlichen Bedingungen recherchierten Berichte über die Krisengebiete und Bürgerkriege dieser Welt, lassen mich oft für einen Moment innehalten. Sie zeigen mir, wie privilegiert wir doch mit unseren westlichen Problemen sind, die meist eh nur von Autos und Frauen handeln.

Künstliche Liebe oder kalte Euphorie? Drogentod oder AIDS? Karies oder Feigwarzen?

Wie bitte was? Ok ich versuche mal darauf einzugehen:

1) „Liebe“: Ja, wenn sie echt ist. Da können die ganzen Flittchen vom Partystrich einpacken. Die können eh nichts.
2) Drogen: Ficken dein Gehirn und machen dich langsam kaputt. Ich kenne genug Typen bei denen Drogen soviel im Kopf verändert haben, so dass man es heute mit einem komplett anderen Menschen zu tun hat. Meistens sind sie also keine gute Sache – also Finger weg!
3) Nichts davon.

Was stehen aktuell für Projekte an und in welche Geschehen planst du dich bis Ende des Jahres ein?

Im Moment arbeite ich an einer poppigen Technoplatte mit dem Kölner Produzenten PAWAS, die Maßstäbe setzten wird. Die Vocals singt meine Tante, die in den 80ern in diversen Punkbands gesungen hat und auch heute noch top klingt. Darüberhinaus habe ich ein paar Tracks mit meinem kleinen Sprössling, Bryan Kessler, zusammen aufgenommen, die man bald hören kann. Das Ganze ist ein reines Rockprojekt ohne irgendwelche Elektronik und deswegen auch sehr entspannend für mich. Ansonsten gibt es einen Haufen, immer größer werdende Partys zu organisieren. Wer sich darüber informieren will, sollte regelmäßig unseren Blog checken.

David Hasert

Abschließende Worte?

Geht häufiger auf Konzerte und kauft meine Platte und die der POLLYWOGS, die im September rauskommt (Anmerkung von C. Parkinson: Der Soundtrack für das LÄTTA-Frühstück nach der Afterhour). Ich grüße meine Freundin Esther. Have you see Kylie?

(Christoph Parkinson)

Im Gespräch: Dave von RICHKIDZ u. a. über das Kollektiv, die “Generation Fuck” und das Postämtchen II!

Dienstag, 16. März 2010

Dangerdave

richkidz – “Reichtum an Kreativität und Geist”. Aus der im Jahre 2006 in Düsseldorf umgesetzten Idee eines eigenen Klamottenlabels, entwickelte sich innerhalb weniger Monate richkidz lifestyle entertainment und richkidz music. Von der ersten Minute an waren die Adjektive “szeneübergreifend” und “schubladenneutral” wesentlich. Der Fokus liegt seitdem auf allem, was Menschen zueinander bringt und eine positive Nachhaltigkeit schafft. Unter diesem Gedanken wurden zunächst eigene Events veranstaltet und zu diesem Zweck ein selected artist collective gegründet. Bisherige Partyreihen waren “richkidz on the block”, “familia electronica”, “electric syndicate // zweisam”, “8H ours”, “richkidz meets xy”, “Generation Fuck”, etc. und eine Festivalreise zum “HipHopKemp” nach Tschechien. Ein Highlight im letzten Jahr war definitiv die eigene Bühne auf dem “Juicy Beats”-Festival in Dortmund.

richkidz music hat sich seither so gut entwickelt, dass bereits für viele Fremdveranstaltungen Mitglieder des Kollektivs gebucht werden. Über richkidz music auf www.richkidz.de verwalten die Acts eigene Profile, über die Außenstehende die Möglichkeit haben, die Künstler zu buchen. Auf richkidz lifestyle werden aktuelle Projekte vorgestellt und die rk-Klamotten zum Verkauf angeboten. Das klingt alles ausgezeichnet, wirft aber auch einige Fragen auf. Dave, der Gründer und Kopf von richkidz, beantwortete diese im Rahmen eines Emailinterviews Mitte März.

richkidz

Aufgrund des Kollektivs einzigartiger Künstler hat richkidz music den Anspruch, als Image nach außen zu dienen. Sicherlich habt ihr gute Acts, aber letztendlich machen sie doch nur das ziemlich gut, was andere aus dem jeweiligen Genre ähnlich/genauso machen. Worin genau liegt denn daher die Einzigartigkeit?

Jetzt mal nicht Nudeln mit Oliven verwechseln! Kombiniert schmecken die ganz gut – sind separat aber einzigartig. Anders ausgedrückt: Unser Info-Sheet zu rk-music ist weitaus umfangreicher, als dass es uns nur darum geht, mit einem Image einzigartiger Künstler nach außen zu arbeiten. Der Unterschied ist der Kollektiv-Gedanke als solcher. Wir sind kein Label, wir leben von unserer Unity. Es ist unumgänglich, dass die Künstler genau so viel für richkidz tun, wie eben auch richkidz für die Künstler tut. Dieses Projekt ist eine absolute Quit-pro-Quo-Geschichte. Hier geht es um die Tatsache mit gemeinschaftlicher Stärke und dem Gesamtpaket richkidz, wozu eben auch außerordentliche Events und rk-clothing gehören, aufzufahren. Es geht um das große Ganze.

Beispielsweise unsere DJs produzieren fast alle eigene Tracks. Das ist wichtig. Auch legen sie überwiegend schön manuell auf. Starallüren sind hier auch weit weg, aber trotzdem wirst du zum Beispiel live kaum Unterschiede zwischen einem MANUEL HOY DIA, einem PLAIN, DOPPELMONO und allen anderen im Vergleich zu derzeit gehypten Szenegrößen feststellen. Das sind große Töne, aber das ist Fakt. Diese Resonanz bekommen wir immer wieder auf den hauseigenen Partys, von der Presse und sogar auch von externen Bookings. Ich gebe zu, wir sind ein wenig größenwahnsinnig, aber das Imperium wächst!

Du hast Bock auf „außergewöhnlichen Acts, die dem Mainstream absagen und (dir) zusagen.“ Das Genre selbst spielt dabei weniger eine Rolle. richkidz will somit szenenübergreifend agieren – meinem Eindruck her agieren die jeweiligen Acts dennoch nur weiterhin in ihrer ursprünglichen Szene. Oder besteht auch der Anspruch, Interpreten verschiedener Genres/Szenen auf denselben Bühnen, beziehungsweise an denselben Orten oder in denselben Medien, zusammenzubringen?

Das ist ganz klar unser Ziel! Es gab auch schon einige vorsichtige Versuche in diese Richtung, aber die Leute trauen sich noch nicht wirklich. Das ist schade, zumal ich eigentlich nur Menschen kenne, die jede Form von Musik in sich aufsaugen, die etwas zu versprühen und zu sagen hat, und Stimmungen einfach untermalt oder auch vielleicht sogar direkt hervorruft. Auch unsere Acts sehen das so. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der “große” Erfolg dann ähnlich wie bei vielen anderen Partykonzepten einfach daran scheitert, beziehungsweise nicht wie angemessen eintritt, weil die Leute zwar immer nach etwas Neuem schreien, also meckern, aber wenn es dann stattfindet, doch oftmals lieber in ihren gewohnten Gefilden verweilen. Das ist echt schade. Was der Bauer nicht kennt… Das ist natürlich nur ein Aspekt von vielen. Die wirkliche Interaktion von verschiedenen Styles schafft jedoch zurzeit die “Generation Fuck”-Party in Düsseldorf. Hier geht es wirklich darum, die Stimmung der Stunde auf die Plattenteller zu bekommen – und da werden wir Vollgas geben. Nur braucht so etwas Zeit und Mut.

Damit sind wir bei meiner nächste Frage: Die Partyreihe “Generation Fuck” will ebenfalls alle Szenen mit demselben Anspruch unter einen Hut bringen, ist letztendlich aber auch nur eine weitere Indieparty. Worin liegen denn die Unterschiede?

Das stimmt nicht ganz. Auf der ersten “Generation Fuck”-Party auf der Königsalle in Düsseldorf haben Punk Rock, Garage, ein wenig Indie, Tech-House und Minimal den Ton angegeben. Allein die Location hat derzeit schon alle Vorstellungen gesprengt. Die neue Location, der Pretty Vacant Club, muss sich erst noch an diesen szeneübergreifenden Sound in seiner vollen Bandbreite gewöhnen. Aber das wird!

Hinter dem Begriff der “Generation Fuck” steht ja weitaus mehr, als eine weitere Partyreihe. Du schreibst seit längerem sogar an einem Buch, welches diesen Titel trägt. Also was ist die “Generation Fuck”?

Oh Gott, ich hatte gehofft, dass ich um diese Frage herumkomme. Ich habe nämlich schon mehrfach Bücher angefangen zu schreiben, die dann ab Seite 50 immer dahinvegetierten. Insofern will ich an dieser Stelle mal nicht zu viel herumprotzen. Ich schreibe zwar an dem Buch, aber wenn das gute Stück vor 2025 fertig ist, finde ich, dass das persönlich schon ein guter Schnitt ist. Es ist ja schließlich auch nicht mein einziges Projekt. Um deine Frage vollständig zu beantworten, verweise ich auf meine persönliche Definition der “Generation Fuck”:

Die Generation Fuck definiert sich unter anderem dadurch, dass sie absolut progressiv feiert und trotz des selbstzerstörerischen Lifestyles klare Ziele und einen hohen Erfolgsanspruch lebt. Es ist eine Generation die viel fordert, sich aber letztendlich durch eine gewisse Einfachheit auszeichnet, dessen Befriedigung sich wiederum absurderweise schwierig darstellt. Emotional geht diese Generation oft über Leichen, obwohl sie sich eigentlich nur nach Geborgenheit sehnt. Der Event Generation Fuck verknüpft den Anspruch an Sinnlichkeit, Stil und einer gewissen “Vintage-Sterilität” dieser “Generation Fuck” mit Elementen des Rock’n'Roll und dem entsprechenden einhergehenden Lifestyle.

Du sagst, dass die “Generation Fuck” sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass sie absolut progressiv feiert und trotz des selbstzerstörerischen Lifestyles klare Ziele und einen hohen Erfolgsanspruch lebt. Was bedeutet das konkret?

Kannst du mir die Frage nicht auch direkt bestens beantworten? Haha! Nun gut, zum progressiven Feiern muss ich im Zusammenhang mit dem Namen “Generation Fuck” wohl nicht mehr viel sagen. Wir sind einfach eine Generation, die sich keiner Leitlinie mehr bedienen kann, sich diese aber im Gegensatz zu unseren Heroen der späten 70iger und 80iger aber wohl durchaus wünscht. Wie oft ich schon Gespräche über “Struktur” mit allmöglichen Menschen zwischen 20 und 40 aus verschiedensten Szenen hatte, das glaubst du nicht – oder zumindest glaube ich das manchmal selbst fast nicht. Wir stehen/liegen/leben in einer bizarr, schnelllebigen Zeit, in einer fucking digital World, die uns auf der einen Seite mit fremden Menschen verknüpft, nicht wirklich verbindet und uns von unseren unmittelbaren Mitmenschen weiter trennt. Na ja, und im Prinzip verbindet uns diese digitale Welt eben dann doch miteinander im Sinne eines gemeinsamen Nenners, weil die quasi “persönlichen” Probleme hierbei dann eben doch dieselben sind… versteht man das überhaupt noch? Ach scheiße, jetzt habe ich wieder so viel zu sagen, dass mir ein Gesprächsinterview doch deutlich lieber wäre.

Die Gründe seien hierbei auch erst einmal dahingestellt. Die “Generation Fuck” feiert und lebt den Moment, weil sie keinen Sinn und keine Notwendigkeit darin sieht, auf einen Morgen zu warten. Sie hat grundsätzliche klare Ziele, die entweder absonderlich hoch und damit in kurzer Zeit eben nicht erreichbar sind – Stichwort “Moment” –, oder solch geringe, dass sie nicht einmal mitbekommt, wenn all dies bereits um sie herum stattfindet. Sie fordert eben oftmals viel, ist aber nicht bereit, die Kompromisse zur Zielerreichung in Kauf zu nehmen. Auch “Distanz für die eigene Freiheit” versus “Nähe gegen die eigene Einsamkeit” sind hier ein großes Thema. Konkrete Ausprägungen sind jedem selbst überlassen. Ich will da gar nichts vorwegnehmen. Aber der Nenner wird oftmals sehr ähnlich, wenn nicht sogar derselbe sein – und eben einen gewissen Touch von “wasted” haben. Ein guter Freund sagte einst: “Was nicht kaputt geht, war nie heile.” Das ist schon sehr nah dran, finde ich.

Ein Slogan ist “guter Geschmack ist käuflich”. Es geht also bei richkidz weniger um das idealistische DIY an sich, sondern um mit dem eigenen Schaffen Geld zu verdienen?

Lustig, dass du gerade diesen Slogan herausgesucht hast. Über den habe ich intern schon einige Diskussionen gehabt. An sich finde ich den Spruch in Ordnung. Sinniger wäre allerdings vielleicht so etwas wie “Guter Geschmack ist jetzt auch für dich erreichbar”. Es geht darum, dass rk grundsätzlich erstmal für alle Interessierten zugänglich ist. Scheiß auf Kohle, es geht um den “Erwerb” mit einem Mittel zum Zweck. Der Originalslogan “guter Geschmack ist käuflich” ist eigentlich auf richkidz clothing bezogen.

Im Übrigen finde ich, dass unsere Geschichte schon sehr stark DIY ist. Schließlich habe ich das ganze Konzept von der Ursuppe bis zur heutigen Entwicklung alleine, beziehungsweise mit freundschaftlichem Support (Henry, Tobie, Alex, Elwood, Amy, Laura und weitere), aufgebaut. Da gab es keine geschenkte Kohle im Hintergrund oder irgendjemand, der einem mal ordentlich unter die Arme greift – im Gegenteil, bei den einen oder anderen Sachen musste mal ein Kredit her. Und selbst das sehe ich als DIY, weil sich jemand traut für sein eigenes Vorhaben ein Laster auf die eigenen Schultern zu nehmen, um etwas selbst auf die Beine zu stellen. Auch scheiß Jobs waren hierzu unabdingbar. Man sollte obendrein auch noch berücksichtigen, dass wir Events ja fast von vorne bis hinten selbst stemmen. Das läuft zu 90% über richkidz und wir nehmen sogar noch unsere eigenen Acts – wenn das dann nicht wirklich DIY ist, weiß ich es auch nicht.

Wieso haben durchweg ALLE Sauerländer (DR. JOHN PROKTOR, Robse, du selbst, etc.) einen gewaltigen Ratsch im Kappes?

Das ist die Luft dort. Nee, ehrlich keine Ahnung. Ob das daran liegt, dass eigentlich jeder mit dreizehn Jahren seine erste Alkoholvergiftung hatte. Jeder mit Sechzehn sich mindestens einmal über ordentlichen Polizeikontakt freuen durfte, diverse überflüssige Drogenerfahrungen gemacht hat oder bis zu seinem 18ten circa. 14.000-20.000 Euro im Kump versoffen hat. Keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht. Aber es ist ein Phänomen, das stimmt.

Headquarter „Postämtchen II“: Was treibt dich eigentlich wöchentlich in diese Asi-/Rentnerspelunke am Worringer Platz und wann findet dort die erste rk-Party statt?

Sehr gute Frage! Vorneweg erst mal einen Gruß an die Hells Angels und Henry by the way. Ach, und Roby Domska, der Feuerwehrmann aus Paderborn, der schwarzen Prostituierten das Leben nach zwei Tagen eigenem Durchsuff rettet. Wahnsinn! Ich war live dabei! Das mit dem wöchentlichen Besuch stimmt ja nun nicht so ganz. Wenn meine Freunde zu Besuch sind, wollen sie eigentlich dort immer auf dem Weg nach Hause hinein, weil das Teil dann tatsächlich – beziehungsweise immer noch – auf hat. Angefangen hat der Scheiß irgendwann Anfang 2009, als wir die After Hour-Partys der “familia electronica” dorthin verlagert haben. Ich weiß gar nicht so genau mehr warum. Übrigens, hast du dort wirklich schon mal einen Rentner gesehen? Mir sind da bislang nur immer diverse Drogendealer, zitternde Junks, Typen ohne Zähne, 50jährige Frauen, die von Ufos erzählen, ein Haufen an Marokkanern, die überall irgendwelche Nüsschen hinschmeißen, Becky, die immer grinst und einem unaufhörlich ein neues Bier hinstellt – selbst wenn dein eigenes noch halbvoll ist – und natürlich mein Alkinachbar Klaus, aufgefallen. Mh, also was machen wir eigentlich immer dort? Ach ja, 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag offen und Altbier für ein Euro. Aber eine offizielle rk-Party wird dort niemals stattfinden – das ist mir dann doch zu sehr szeneübergreifend, haha. Ganz sicher!

Was sind die weiteren Pläne und Ziele von rk 2010?

Es steht einiges an. Wirklich interessante Dinge. Aber ich spreche nicht gerne über ungelegte Eier. Also bleib einfach dran und schaue doch mal ab und an auf unserer Webpage vorbei. Neuerdings sind wir auch bei Facebook zu finden. Also, mind the richkidz!

Vielen Dank für das Interview – wir sehen uns auf der nächsten “Generation Fuck”!

(Christoph Parkinson)

Im Gespräch: DJ LORD FUCK über das Geheimnis des Erfolges von TRASHPOP, das Balzverhalten der Discocrowd und sein Unverständnis für den “DJ als Sexsymbol”!

Samstag, 06. Februar 2010

Die TRASHPOP PARTY in der Kölner Werkstatt und im Essener Hotel Shangai, gehört mit zu den am besten laufenden Partyreihen in der jeweiligen Stadt. Einer der DJs, LORD FUCK, verrät hier das Geheimnis des Erfolges und nimmt Stellung zu Themen, die bisher selten so zur Sprache gebracht worden sind. Um in der Sprache der Leute zu schreiben, die für so viele schlechte Künstlerinfos verantwortlich sind:

DJ LORD FUCK weiß wovon er spricht. Bereits lange vor der TRASHPOP legte der alte Partyfrechdachs 2002 im Keller in Dortmund die gefragtesten Sounds auf – von Indie über Disco bis hin zu den gefürchteten elektronischen Granaten. Nachdem er in diversen Clubs im Ruhrpott (Ping Pong Club, Heldenbar, Beatplantation, etc.) das DJ-Pult bestiegen hat, verlagerte er seine Aktivitäten verstärkt außerhalb des ehemaligen Malocherzentrums – eben unter anderem auch nach Köln. Verdammte Scheiße, ist das geil? Ja, das ist es! Und infolgedessen fand Anfang Februar dieses Interview per Email statt.

Zum Einstieg: Du bist einer der Protagonisten der TRASHPOP-Reihe, welche in Köln und in Essen grandios läuft. Wo fing das Ganze denn mit wem an?

Die Gründer der Reihe TRASHPOP sind Jona und Jan, welche den Namen in Essen vor fast sieben Jahren groß gemacht haben. Ich habe das Gleiche nur ohne wirkliches Konzept und Namen, aber immerhin genauso besoffen, gemacht. In Köln haben wir uns dann zusammengetan.

Wie hältst du es aus, regelmäßig und dann auch noch stundenlang, diese furchtbare Neunzigerjahre-Musik während dem Auflegen seit Jahren selbst hören zu müssen?

Also, erst mal kann man den ganzen Abend nur so ein Geballer gar nicht aushalten! Daher spielen wir auch aktuellen Chart-Pop, Rock, Techno, whatever. Davon abgesehen habe ich eine sehr niedrige Ekelgrenze und bin meist eh so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich gar nicht mitbekomme, was da gerade läuft.

Warum geht das Konzept derart gut auf und funktioniert bereits mehrere Jahre?

Wie gesagt, wir spielen eben nicht stumpf HADDAWAY (Anmerkung von C. Parkinson: Huhu Shari!) rauf und runter, sondern bauen einfach viel Aktuelles, eben auch “keinen Trash” mit ein. Zudem machen wir immer mal wieder Specials, wie beispielsweise unseren Maskenball und Ähnliches. Letztendlich aber glaube ich funktioniert das Ganze so gut, weil wir so tolle Gastgeber sind. Es ist auch einfach wichtig, die Leute und sich selbst auf der Party immer schön abzufeiern. Eben so, dass einfach alle nassgeschwitzt und glücklich nach Hause gehen und im besten Fall auch gefummelt haben.

DJ Lord Fuck & Groupie

Nach welchem Schema suchst du vor den TRASHPOP-Abenden deine Platten und deine Playlist aus?

Schema? Playlist? Ich bin da echt nicht so sortiert. Und dazu habe ich auch weder Plan noch Konzept. Das kommt einfach so: Ich packe meist vorher alles ein, was so in meinem Sichtbereich herumsteht. Und das, was ich vergesse, ist dann halt nicht dabei. Und was die Playlist angeht, kommt es ganz auf unseren Alkoholpegel und auf die Leute an. Wenn wir zu dritt auflegen, versuchen wir uns meistens gegenseitig mit Krachern zu überbieten. Das schaukelt sich dann so lange hoch, bis irgendwer DIE PRINZEN spielt und wir merken, dass wir mal wieder ernster werden müssen.

Meiner Meinung nach gibt es keine andere Szenerie als wie in der Discothek, wo Musik, Tanz und Sex derartig miteinander korrelieren. Welche Songs wirken sich deiner Meinung nach erstens am stärksten und zweitens in welcher Form auf das Balzverhalten der Besucher aus?

Oje, unsere Party ist eh sehr sexuell. Ich weiß nicht… aber generell sind das eher so Schmuddelsoul- und Hip Hop-Nummern. Die Mädchen stehen dann mit ihren verschwitzten Teeniekörpern immer auf der Bühne und zelebrieren eine Art Fummeltanz miteinander, um die Jungs unten horny zu machen. Ein bizarres Schauspiel!

Ein erfolgreicher DJ ist für die Damen meistens das Sexsymbol schlechthin. Denn der DJ hat Macht – und Macht fasziniert bekanntlich viele Frauen. Er entscheidet, wann welcher Song läuft, wann die Stimmung steigt und wann die Tänzer und Tänzerinnen zeigen können, was sie drauf haben. Zudem kommt er als einer der Ersten in den Laden und geht als einer der Letzten. Wie erlebst du es, dass sich um das DJ-Pult herum ständig Mädchen tummeln, die auf dich abfahren und sich permanent Songs wünschen, um auf diese Weise mit dir in Kontakt treten zu können?

Also das ist wirklich das Bescheuertste was es gibt! Wieso versucht man den DJ abzuschleppen? Ich hab es nie verstanden. Aber es passiert wirklich immer wieder! Tatsächlich habe ich mich mal abschleppen lassen und die Alte direkt geheiratet. Die wollte auch die ganze Zeit gehen und hat nicht verstanden, dass ich bis zum Ende bleiben muss. Sie hat aber gewartet und ich konnte doch noch ran, hehe. Aber klar, Mädchen sind meist die Einzigen, die sich Songs wünschen – und angemacht wird man von denen auch! Das läuft dann meistens so in der Art ab:

„Ey kann man sich bei euch was wünschen?“
„Ja, aber ungern!“
„Ehh, ja, …hihihi, mimimi (Rücksprache mit der besten Freundin), ja, eh, dann was von den VENGABOYS!“
„Läuft gerade!“
„Ach so, ja, hihihi… dann kommen wir gleich noch mal wieder!“
„ MHHH, GENAU!“

Und die kommen dann auch noch oft wieder… Aber da wir alle schon mehr oder minder vernünftig, sind nutzen wir unseren Status natürlich nicht aus.

Wie beurteilst du mein sehr geistreiches Sprichwort: „Wi do so zappest uf dem Parkettsche, so bewegst disch dönn uch im Bettsche!“?

1000% richtig! Das beobachte ich schon seitdem ich das erste Mal mit Fünfzehn ein Mädchen aus der Disco mit nach Hause genommen habe. Die konnte nämlich nicht tanzen… Ich habe dann noch diverse Jahre Studien dazu am lebenden Objekt gemacht und unterschreibe das gerne.

Was für Gemeinsamkeiten gibt es zwischen SVEN VÄTH und dir?

Oje, ey… ich glaube ungefähr gar keine. Wahrscheinlich habe ich mehr mit FLORIAN SILBEREISEN und ALF gemeinsam.

Insbesondere im Zeitalter der MP3s versuchen sich viele gerne mal als DJ. Fast jeder kann diverse Songs herunterladen und mit dem bloßen Anschließen eines iPods an die Anlage, müssen nicht mal mehr schwere CD- und Vinylkisten quer durch die Gegend getragen werden. Was hältst du als “Professioneller” von dieser Entwicklung?

Na ja, professionell ist ja alles, nur nicht das, was ich mache. Ich bin ja kein professioneller DJ in dem Sinne. Das ist ein nettes Hobby und mehr nicht. Ich kaufe nach wie vor gerne Tonträger, da ich selber aus der Branche komme und Downloads eigentlich total ungeil finde. Es klingt scheiße, man hat kein Booklet und als DJ finde ich es eh immer komisch, so vor dem Computer herumzustehen. Das macht vermutlich bei den DJs Sinn, die ständig auf Reisen sind und den ganzen Scheiß nicht schleppen wollen. Ich schleppe zwar auch nicht gerne, aber ich bin echt zu faul, um den ganzen Kram zu digitalisieren. Na ja, und dass jeder gerne seinem Umfeld mit seinem Musikgeschmack auf den Sack gehen will, finde ich extrem witzig, aber mehr auch nicht. Ich muss mir den Quatsch ja nicht anhören. Das Schöne ist, dass diese MP3-DJs und ihre Partys relativ schnell wieder verschwinden.

Was steht für dieses Jahr noch bei dir an und was möchtest du unseren Lesern noch mit auf den Weg zu deiner nächsten Party geben?

Also wie bisher wird es TRASHPOP PARTY weiterhin am ersten Freitag im Monat in der Werkstatt in Köln geben. Dann am zweiten Freitag im Monat im Hotel Shanghai in Essen. Ab März haben wir eine weitere Party im Haus B in Köln, was früher mal das Neuschwanstein war; ein schöner kleiner Technoschuppen. Das könnte ganz witzig werden. Und nicht zu vergessen: Den extra Termin am Karnevalssamstag in der Werkstatt, in der wir auf dem unteren Floor richtig Karnevalsschunkeln haben werden – grande Spaß!

Und natürlich lege ich immer mal wieder hier und da auf. Eben wie es gerade passt und wie ich eingeladen werde. Auch in diesem Jahr werden wir übrigens wieder ordentlich Specials auffahren und die eine oder andere Überraschung für die Leute parat halten. Einfach immer mal wieder hier gucken: www.myspace.com/trashpopo oder in unserer Facebook Trashpop Gruppe, in der gibt es ab einer Millionen Mitgliedern eine heiße Fleischwurst für jeden. Ganz wichtig ist auch die Tanzklub Süd Party, auf der ich einmal im Monat am vierten Freitag im Tsunami auflege. Da gibt’s von BOWIE über NEW ORDER bis hin zu Northern Soul alles, wozu man tanzen kann.

Vielen Dank für das Interview!

(Christoph Parkinson)

KOMMEN!

Im Gespräch: BIG DADDY über Mixed Martial Arts in Deutschland, verzerrte Mediendarstellungen und seine Türsteherqualitäten!

Montag, 07. Dezember 2009

Big Daddy

Andreas “BIG DADDY” Kraniotakes aus Koblenz ist Spitzenschwergewichtler in den Mixed Martial Arts (MMA). Deutschlandweit ist er in der Gewichtsklasse auf Platz drei gesetzt. Im letzten Jahr wurde er für den Ground and Pound-Award für die Wahl zum beliebtesten deutschen Kämpfer nominiert und landete dort ebenfalls auf dem dritten Platz. Manche Koblenzer Partynasen kennen ihn vielleicht auch aus dem S38, in dem er als Türsteher fungiert hat.

Die MMA, welche auch unter dem Markennamen des “Ultimate Fightings” weltweit populär sind, gehören zu den anspruchsvollsten und härtesten Kampfsportarten. Denn jegliche Techniken verschiedener Kampfkünste sind erlaubt, weshalb die Kämpfer im Käfig auf die unterschiedlichsten Arten von Gegnern treffen können und somit im besten Fall “Allrounder” sind. In Deutschland steht der Kampfsport teilweise stark in der Kritik der Medien. In einem 3Sat Bericht über die Ufc gibt “Big Daddy” im Kampfsportgym Koblenz dazu klare Statements ab.

Die Darstellung der MMA in den Medien ist auch ein Aspekt, der im Rahmen dieses Gesprächs angekratzt wird. Außerdem geht es unter anderem generell um die MMA in Deutschland, die Thematik des Dopens mit Schmerzmitteln oder um die Koblenzer “Türstehermafia”. Das Interview ist weitaus sachlicher und seriöser geworden als geplant. In anbetracht der häufig negativen Etikettierung des Sports in der Öffentlichkeit, ist dies jedoch sinnvoll und damit natürlich nicht minder informativ. Let’s get ready to rumble!

Was schätzt du an den Mixed Martial Arts und inwiefern bestimmen sie deinen Alltag?

In erster Linie liebe ich den Sport, weil er so anspruchsvoll ist. Es gibt immer noch mehr zu lernen und jeden Tag werde ich vor neue Aufgaben gestellt, die es zu lösen gilt. Eben aufgrund dieser Komplexität ist es notwendig, dass ich sehr viel trainiere. Normalerweise trainiere ich sechsmal die Woche und vor einem Kampf kann es dann schon mal bis zu zwölfmal die Woche werden.

Was in öffentlichen Diskussionen oft nicht beachtet wird, ist dass die MMA quasi der anspruchsvollste und schwierigste Kampfsport überhaupt sind. Dies wissen nach meiner Information viele der Zuschauer, die sich entsprechende Kämpfe live ansehen, ebenfalls oft nicht zu schätzen und bringen ihre Respektlosigkeit beispielsweise damit zum Ausdruck, dass sie nach mehr Brutalität schreien. Wie erlebst du es, dass der Sport und die Kämpfer nicht die Wertschätzung erhalten, die ihnen zustehen sollte? Und welchen Eindruck hast du von dem beschriebenen Publikum?

Ich empfinde es ein wenig anders. Das Publikum, das wir bei den Kämpfen erleben, überrascht zumeist sogar mit Fachkenntnis. Merkbar wird das unter anderem daran, dass die Zuschauer applaudieren, wenn einem der Athleten eine schwierige Technik aus dem Bodenkampf gelingt, die für ein Laienauge recht unspektakulär aussieht. Meiner Meinung nach wissen die Menschen, die tatsächlich in die Hallen gehen, um uns kämpfen zu sehen, den Sport sehr wohl zu schätzen. Es sind eher die Medien, die der Sache nicht gerecht werden. Da kriegt man dann Zusammenschnitte zu sehen, in denen die brutalsten Szenen der letzten Jahre völlig aus dem Zusammenhang gezeigt werden. Das ist ungefähr so, als würde man alle Foulszenen der letzten Fußball-WM zusammenschneiden und jemandem vorführen, der noch nie etwas von Fußball gehört hat. Natürlich entsteht dadurch ein verzerrtes Bild. Den „Durchbruch“ zur öffentlichen Akzeptanz können wir in Deutschland meines Erachtens nur schaffen, wenn wir der breiten Masse deutlich machen können, dass wir Sportler sind – hart arbeitende Athleten.

Im Hinblick auf die Dokumentation über Marc Kerr, „The Smashing Machine“, in der er sich Schmerzmittel spritzt, um im Kampf mehr einstecken zu können, frage ich mich einerseits, wie verbreitet generell Doping auch in den deutschen MMA ist, und andererseits, welche Taktik Sinn macht, wenn man gegen jemanden kämpft, der quasi schmerzfrei ist? Ich kann mir vorstellen, dass das eine recht undankbare Aufgabe sein könnte…

Die angesprochene Dokumentation ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie groß die psychische Belastung in unserem Sport ist. Es verlangt viel eben auch an mentaler Stärke, um sich in solche Extremsituationen zu begeben. Und wie in jedem Sport gibt es vor allem in den Leistungsklassen immer auch die Gefahr von Doping. Allerdings sind in den letzten Jahren die Kontrollen im In- als auch im Ausland immer besser geworden und so wurde die Möglichkeit zum Missbrauch pharmazeutischer Mittel auf ein Minimum reduziert. Insofern ist die Gefahr, einem solchen Gegner gegenüberzustehen, nicht so immens hoch. Sollte es doch passieren, muss das nicht unbedingt so schrecklich sein. Die meisten Möglichkeiten, um jemanden vorzeitig zu besiegen, funktionieren unabhängig davon, ob jemand illegale Substanzen konsumiert hat oder nicht. Ein K.O.-Schlag würde auch jemanden auf die Bretter schicken, der unter Schmerzmitteln steht. Ein Aufgabegriff dürfte in diesem Fall ebenso funktionieren. Wer nicht abklopft, weil sein Schmerzempfinden betäubt ist, der schädigt lediglich sich selbst… Am Ende sollte dennoch auch hier gelten: Fair geht vor!

Du hast bei der deutschen WT-Meisterschaft ziemlich erfolgreich mitgemacht. Wie ist es bei einer Kampfkunst möglich, die auf das schnelle möglichst konsequente Ausschalten des Gegners mit allen Mitteln abzielt, ein Turnier durchzuführen, das nicht in einem totalen Desaster endet?

Zunächst einmal war es notwendig, die erlaubten Techniken einzuschränken. Es ist nicht möglich einen sportlichen Wettkampf auszutragen, wenn Techniken erlaubt sind, die den Gegner zwangsläufig langfristig schädigen. Dementsprechend wurden die „brutalsten“ Elemente entfernt. Dennoch war es ein sehr harter Wettkampf. Sollte jemals geplant sein so etwas zu wiederholen, müssten sich die Organisatoren ein wenig beraten lassen. Denn es gab schon viele „Kinderkrankheiten“, die bei einem zweiten Event vermieden werden sollten.

Welchen Stellenwert hat die Qualität der deutschen MMA im internationalen Vergleich?

Deutschland war lange Zeit eine MMA-Provinz. Insbesondere neben anderen europäischen Ländern, wie Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich, sahen wir meist sehr schlecht aus. In den letzten Jahren haben wir jedoch stark aufgeholt. Immer mehr unserer Kämpfer gelingt es im Ausland und in großen Promotions zu zeigen, dass der MMA-Sport in Deutschland nicht mehr in den Kinderschuhen steckt. Das macht mich sehr stolz.

Wie lange müsste jemand wie ich, wie intensiv, was, wie lange trainieren, um im ersten Cagefight nicht direkt nach zehn Sekunden K.O. zu gehen?

Darauf kann es nur eine Antwort geben: Es kommt darauf an. Die meisten MMA-Neulinge sind schon in irgendeiner Form in Sachen Kampfsport vorgebildet. Haben also in der Vergangenheit bereits klassische Kampfsportarten wie Judo, Boxen etc. betrieben. Deren Kenntnisse müssen zunächst an die neuen Regeln angepasst werden und es müssen natürlich die fehlenden Techniken dazugelernt werden. Ich würde sagen, bevor man sich guten Gewissens in einen Käfig stellt, sollte man in der Lage sein mit einem Ringer zu ringen, mit einem Boxer zu boxen, mit einem Grappler zu grapplen usw. – und das alles eben ohne dabei allzu schlecht auszusehen. Denn wenn du eine Lücke hast in deinem Spiel, dann wird sie dein Gegner finden und dann… Na ja, den Rest kannst Du Dir sicher denken (lacht).

Du bist in Koblenz als Türsteher tätig. Wie schaut es mit einer Koblenzer „Türstehermafia“, wie zum Beispiel an den Kölner Ringen, aus? Und was schätzt du an diesem Job?

Eigentlich ist das nicht ganz richtig. Ich war lange Zeit in Koblenz als Türsteher tätig, arbeite jetzt aber nur noch selten in diesem Job und wenn, dann in Köln. Natürlich gibt es im Nachtleben nicht nur Lichtgestalten, aber selbst in Köln an den Ringen hat sich die Situation doch etwas entspannt. Natürlich schläft die Unterwelt in keiner Stadt, aber letztlich ist es schon lange nicht mehr so prestigeträchtig „die Tür zu machen“. Insofern kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass überall nur mit Wasser gekocht wird. Trotzdem wäre ich lieber nett zu den Jungs an der Tür. Die haben nämlich einen harten Job.

Komm, mal ehrlich: Wie viele Anzeigen wegen Körperverletzungen hast du in deinem Leben bisher erhalten?

Ehrlich? Keine einzige, die ernst zu nehmen war! Ich bin also noch nicht vorbestraft und das, obwohl ich nun fast schon ein Jahrzehnt im Sicherheitsgewerbe arbeite. Ich musste noch nie jemanden schlagen oder gar verletzen, um meine Arbeit zu machen. 99% dieses Jobs besteht aus Reden und aus Psychologie. Den Rest sollte man mit Hebeln und Abführtechniken versuchen zu regeln. Zum Äußersten sollte man nur greifen, wenn es gar nicht anders geht. Also wenn das eigene Leben in Gefahr ist und dann ist es ja Notwehr.

Was für Ziele hast du dir in den MMA gesetzt und was tust du dafür, um diese zu erreichen?

Mein Traum ist es natürlich einen Vertrag in einer großen Promotion zu bekommen. Vor allem die USA und Japan sind da sehr reizvoll. Es wäre natürlich großartig, wenn ich irgendwann meinen Lebensunterhalt damit verdienen könnte. Also drückt mir alle die Daumen.

(Christoph Parkinson)

Im Gespräch: DAVID SCHUMANN über Charakteristiken und Perversionen in der japanischen Modelszene sowie über seine veränderte Credibility bei den Girls

Donnerstag, 26. November 2009

David Schumann - eben nicht für Business Punk

David Schumann steht nicht erst seit seinem lesenswerten Buchdebüt, “The Tokyo Diaries” , im Blickpunkt einiger großen deutschen und internationalen Medien. Die ersten Exklusivstories setzen wenige Jahr zuvor an. Die Story: Ein großer, eher schlaksiger Typ mit Tattoos und Punkbackground, geht für ein Auslandssemester nach Japan und wird dort auf der Straße angesprochen, ob er gegen Bezahlung bei einem Fotoshooting mitwirken möchte. Kurze Zeit später, gehört er zu den gefragtesten Topmodels in Japan…

Zwar wissen die wenigsten, dass David früher hinter der Ladentheke des Underdog Recordstores in Köln, auch gerne mal das FCZine gelesen hat, aber sein Treiben vor dem Beginn der Karriere, ist eigentlich den meisten relativ bekannt. In diesem Interview soll es daher auch weniger um das gehen, was “ganz früher” gewesen ist. Weitaus spannender sind seine Erzählungen über verschiedene Kuriositäten und Hintergrundinformationen aus der Modelszene, die Antwort auf die Frage nach seiner Vorreiterfunktion hinsichtlich neuer Berufsziele von deutschen Hardcorekids und natürlich wie es um seine veränderte Credibility bei den Girls aussieht. Das Interview wurde in der 47. Kalenderwoche diesen Jahres per Email geführt.

Welche fünf Wörter würden warum die japanische Modelszene am besten charakterisieren?

Gleich fünf?! Und das, obwohl ich doch immer versuche mich da so gut wie möglich rauszuhalten… Aber OK, mal sehen:
Gleichgültigkeit“: Die meisten meiner Kollegen scheinen wie ich irgendwie als Quereinsteiger da rein gerutscht zu sein. Nur die wenigsten haben Model jemals als Berufswunsch gehabt, sondern waren nur ganz einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und können jetzt irgendwie davon leben. Dem Job an sich stehen sie dementsprechend relativ indifferent entgegen.
Beliebigkeit“: Oft hat man das Gefühl, dass so gut wie jeder andere den Job hätte machen können. Es gibt kein sinnvolles/logisches Konzept, sondern nur white boys in komischen Klamotten vor langweiligen Settings.
Arroganz“: Wie wahrscheinlich überall sonst auch, tendieren vor allem junge Models dazu abzudrehen und zu glauben, nur weil man sie fotografiert, seien sie irgendwas besonderes oder hätten irgendeine Art von Talent, was bei vielen dazu führt, dass sie ihrer Umwelt gegenüber mit einer unglaublich überheblichen Einstellung gegenüberstehen.
Glück“: Wie gesagt, kaum jemand hat je geplant so einen Job zu machen, wurde nur irgendwann irgendwo dafür gecastet.
Spass“: Die Aftershowparties und die Clubs, in denen Models nicht nur freien Eintritt haben, sondern auch umsonst saufen können, gehören definitiv nicht zu den schlechtesten Orten um sich die Nächte um die Ohren zu schlagen…

Was gibt es über den Drogenkonsum, Magersüchte und Perversionen japanischer Models zu berichten?

Da in Japan fast nur weiße Models arbeiten, schwer zu beantworten. Aber Drogenkonsum findet genauso statt wie in allen anderen Schichten der Gesellschaft. Viele der Kids gehen auf Parties, Indie, Electro, was weiß ich, und schmeißen sich da Pillen und koksen. Da bin ich allerdings nie dabei, deshalb kenne ich immer nur die heroischen Geschichten, die dann am nächsten Tag bei den Castings erzählt werden und von denen wahrscheinlich 90% erfunden sind. Bei den Shootings sind aber eigentlich immer alle klar im Kopf. Auch magersüchtig sind glaub ich nur die wenigsten. Ich hab mal gesehen, wie so zwei androgyne Jungs bei einer Aftershowparty das Essen immer nach dem Kauen ausgespuckt haben, wegen den Kalorien und so. Dafür wurden sie dann aber auch die nächsten zwei Monate konsequent verarscht… Perversionen… hmmm… mir würde da eine weitere Aftershowparty-Story einfallen! Ein schwuler Stylist hat ein Model nach dem anderen aufgefordert, ihm auf dem Klo einen zu blasen, wolle man auf seiner Show der Fashion Week mitlaufen. Am Ende ist sogar ein Hetero-Junge mitgegangen, während alle Schwulen abgelehnt haben. Wie der wohl so war?

David Schumann

Inwiefern ist die japanische Modelwelt geprägt, von unerträglichen Gestalten wie Bruce Darnell?

Eigentlich gar nicht… Der ist ja auch nur so präsent, weil er eben im Fernsehen auftritt, sonst würdest du den ja – auch als Model – so gut wie gar nicht mitbekommen. Klar gibt es bei den Shows und Shootings immer so komische Modetypen, aber die kann man ignorieren oder sich Getränke von ihnen ausgeben lassen.

Wie hoch schätzt du den Anteil schwuler Models?

Geringer als ich anfangs gedacht habe… In meiner Agentur in Tokio weiß ich nur von einem. In Deutschland scheint die Zahl da schon höher zu sein. Neulich bei einem Shooting war es ungefähr die Hälfte. Und das waren ja auch nur die, die es auch raushängen gelassen haben.

Was hältst du von Heidi Klum?

Ich hab sie nie getroffen, ist also schwer einzuschätzen. Was ich von ihren TV-Auftritten kenne, muss ich sagen „extremst nervig und unerträglich“. Aber lieber als zum Beispiel eine Kate Moss, die sich mit Musikern gehypter „Indie“-Bands irgendwie versucht einen alternativen Anstrich zu geben, dann aber in Interviews ihren Magersucht-Style verteidigt („Nichts schmeckt so gut, wie das Gefühl dünn zu sein“), ist sie mir im Endeffekt wahrscheinlich schon.

Wie haben sich die Reaktionen der Damenwelt nach deinem Erfolg als Model und aufgrund deiner Präsenz in den auch deutschen Medien verändert?

Vieles ist um einiges einfacher geworden als vorher… Ich muss dann immer lachen. Nur weil man in den Medien auftaucht, und dann auch noch als Model, also nicht als „Schaffender“ im Sinne von Künstler, Musiker oder Schriftsteller oder so, wird man für eine bestimmt Art von Mensch scheinbar attraktiver. Frauen, die einen sonst nie mit dem Arsch angeguckt hätten, sprechen einen an oder schreiben einem auf Facebook. Verrückt. Ich bestrafe die dann für dieses Verhalten mit unsagbar schlechtem Sex.

Tod und Hass der Deutschen Bahn

Was war die unmoralischste Situation, in die du in den letzten zwei Jahren geraten bist?

Beim Modeln meinst du? Ich war auf einem Casting für einen TV Werbespot fuer Nudelsuppen, bei dem ich aus einem Becher essen musste, in dem auch Fleisch war. Hab ich dann nicht gemacht und folgerichtig auch den Job nicht bekommen… Ansonsten war eigentlich nicht besonders viel in der Richtung los. Zumindest nichts, worüber ich hier reden könnte.

Inwiefern denkst du, beeinflusst dein Erfolg die Berufsvorstellungen anderer Jungs aus der Hardcore-/Punkszene, die glauben, weil sie stark tätowiert seien ähnliche Chancen hätten?

Ich glaube nicht, dass irgendwer aus der Szene durch meine Geschichte so zu denken angefangen hat. Aber selbst wenn, die Chance als Punk Model zu werden, ist genauso groß/klein, wie das als Nicht-Punk der Fall ist. Wenn man eine bestimmt Statur und Körpergroesse hat, dazu nicht ganz Scheiße aussieht und einen gewissen Hang zum Exhibitionismus hat, kann das immer klappen. Wobei man sich allerdings fragen sollte, warum jemand das überhaupt werden wollen würde? Ich kann mir kaum einen Job vorstellen, der emotional ungesünder wäre, als modeln. Und was die Tattoos angeht: Auch wenn das viele Medien in Deutschland gerne so darstellen – klar, klingt halt interessanter – haben die Tattoos mir nicht dabei geholfen, als Model erfolgreich zu sein, eher im Gegenteil. Es gab schon einige Jobs, die ich so gut wie in der Tasche hatte, wo dann der Designer irgendwann meinte: „Jetzt probier doch noch mal was kurzärmliges an”, meine Arme gesehen hat, und schon hieß es: „Danke, der Nächste bitte!”. Was man auch ganz gut in meiner Mappe erkennen kann. Nur auf höchstens zehn Prozent der Fotos sind die Tattoos ueberhaupt zu sehen.

Welches Publikum findest du bei deinen Lesungen vor?

Das Publikum war bis jetzt eigentlich immer angenehm gemischt. Vom Iropunker, über normale Studenten bis zu Rentnern in Abendgarderobe war eigentlich alles dabei. In Frankfurt sogar ein besoffener Asi, der mich die ganze Zeit zum Faustkampf herausgefordert hat.

Was für Ziele hast du dir für 2010 gesetzt?

Im Prinzip hab ich mir nur ein Ziel wirklich gesetzt: Das nächste Buch fertigschreiben! Ich habe gerade angefangen, daran zu arbeiten und glaube, dass das vom Zeitrahmen auch so funktionieren könnte. Wie lang das dauert, bis es dann letztendlich erscheint, ist allerdings ne andere Frage… Das Verlagswesen arbeitet noch wesentlich langsamerer als die Musikbranche, da dauert sowas gerne mal über ein Jahr. Ansonsten wäre es eigentlich nur schön, wenn alles so weiterlaufen würde, wie die letzten Jahre, dass ich glücklich und gesund bin, viel Spaß am Leben hab und meine Zeit so gut es geht zwischen Japan und Deutschland aufteilen kann. Ich hab mir aber abgewöhnt, mehr als mittelfristig zu denken, es gibt einfach zu viele Variablen, als dass ich richtig planen könnte, zumindest in meiner aktuellen Job/Lebenssituation. Aber das ist eigentlich auch gut so. Spontanität rult!

David, merci beaucoup für das Interview und viel Spaß und Erfolg noch! (Christoph Parkinson)

Zu Gast #4 und im Gespräch: Alex Gräbeldinger – “Wer ficken will, darf keine Körbe flechten.”

Dienstag, 17. November 2009

Gräbel - Beach

Alex Gräbeldinger, kurz Gräbel ist bereits seit langer Zeit ein Weggefährte von mir: Haustier, zwischendurch Trommler bei SWAT und Saufkumpane in der sexuellsten WG Deutschlands (remember Clemensstraße Girls?) sowie darüber hinaus Schreiber fürs Ox, Trommler bei Karate Disco, offiziell zertifikierter Wahnsinniger und seit einiger Zeit auch Buchautor von: Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl.

Oder wie Kollege Mechenbier sagt: Punk, Opfer, Philosoph, Wahnsinniger und Vollidiot. Here we go…

“Wer ficken will, darf keine Körbe flechten.”

Weihnachten 2007. Verwandtschaftstreffen bei Omi. Bei Kaffee und Kuchen sitze ich am Tisch der Familie. Ich habe drei Stunden Schlaf hinter mir und bin immer noch besoffen von der Nacht zuvor.

Abgeschossen

Das Ambiente überfordert mich. Ich verspüre keinerlei Mitteilungsbedürfnis. Jeglichen Restbestand an Informationen, die ich in diesem Jahr noch loswerden wollte, habe ich im Verlauf der vergangenen Nächte im Suff herausposaunt. Mein Pulver ist verschossen. Gestern noch gewitzt, geistreich und schlagfertig unterwegs gewesen – heute bloß noch ein verstummtes, eingeschüchtertes Häufchen Elend, das seinem gegenwärtigen Umfeld gnadenlos ausgeliefert zu sein scheint.

Trotz meiner grundsätzlich vorhandenen Bereitwilligkeit und dem damit einhergehenden Wohlwollen gegenüber diesem alljährlich stattfindenden Kaffeekränzchen, erweise ich mich an diesem Nachmittag als auffallend reservierter Teilnehmer dieses Events. Dem Aufrechterhalten von Konversationen auf nüchternem und ausgeschlafenem Niveau fühle ich mich heute nur sehr bedingt gewachsen. Auf Fragen reagiere ich stets sachlich und kurz angebunden. Sofern es die Fragestellung zulässt, offenbare ich lediglich ein schlichtes „Ja“ oder „Nein“ und belasse dies als Genugtuung. Darauffolgende Schweigemomente bewerte ich nicht als unbehaglich sondern als entspannend.

Aufgrund der Einsicht, dass ich im Rahmen dieser Veranstaltung auf kommunikativer Ebene nur das Mindestsoll erfüllen kann, um nicht gleich als autistisch eingestuft zu werden, esse ich ganz einfach ein Stück Kuchen nach dem anderen – auf nüchternen Magen. Somit erwecke ich zumindest den Eindruck, dass ich im Geschehen involviert sei und den Sinn und Zweck einer solch hippen Fete zumindest halbwegs verstanden hätte. Wenn ich den Mund schon nicht zum Reden aufkriege, dann eben wenigstens zum Kuchen essen.

Als man mich fragt, ob mir der Kuchen schmecken würde, bleibe ich meinem Leitkonzept „Antworten, aber nicht Rede stehen“ treu und zeige mich mit einem freundlichen „Ja“ erkenntlich. Im Zuge meines bisherigen Auftrittes hätte jedes ergänzende Wort für Verwirrung bei den Beteiligten gesorgt und wäre mir schlimmstenfalls als affektierte Höflichkeitsfloskel ausgelegt worden. Also esse ich weiterhin Kuchen, Stück für Stück, versuche meinen Schwindel erregenden Kater – welcher dem Gefühl einer sich anbahnenden Panikattacke nahekommt – zu ignorieren und lausche halbaufmerksam mit einem Ohr den Gesprächen der Anwesenden, bis mir irgendwann schlecht ist.

Als ich meiner Oma dann schließlich einen Kuss zum Abschied gebe und mich bei ihr für die geile Party bedanke, streut sie zu guter Letzt noch einmal Salz in eine meiner alten Wunden. Und zwar erwähnt sie das Seidentuch, das ich mit Anfang 20 für ein Mädchen bemalt hatte, in das ich sehr verliebt gewesen war. Meine Oma ist von diesem bemalten Seidentuch offensichtlich nachhaltig begeistert gewesen. Aus diesem Grund erwähnt sie es seit nunmehr sechs Jahren jedes Mal, wenn wir uns treffen.

Die Begeisterung des Mädchens, für das ich das Seidentuch angefertigt hatte, hielt sich jedoch in Grenzen. Das bedauert meine Oma noch heute. Ich hatte dem Mädchen ihr Sternzeichen auf das Tuch gemalt. Was meine Oma jedoch vermutlich nicht weiß, ist, dass ich die Vorlage zu dem Sternzeichen nicht selbst entworfen hatte, sondern sie mir im Verlauf eines Psychiatrieaufenthaltes während der Ergotherapie aus einem Ordner mit Vorlagen aussuchen durfte. Vermutlich schätzt mich meine Oma als so romantisch ein, dass sie dachte: „Der Junge ist an einem sonnigen Nachmittag zu einem Bastelladen gefahren und hat sich mal eben ein paar Seidenmalfarben, ein paar Seidentücher und dazu einen Spannrahmen gekauft, um seiner Liebsten eine Freude vorzubereiten.“ Aber nein, der Junge saß im Irrenhaus und fertigte dieses wundervolle Tuch im Rahmen einer Th erapiemaßnahme, die zur Beschäftigung dienen und zu möglichen Erfolgserlebnissen verhelfen sollte. Nachdem ich einen Korb geflochten, einen Aschenbecher aus Ton modelliert, an einem Speckstein gemeißelt und ein paar Bilder mit Window Color gestaltet hatte, war irgendwann eben auch mal die Seidenmalerei an der Reihe.

Doch ein Erfolgserlebnis, jenseits des Hochgefühls während meiner Schaffensperiode, konnte mir jenes – durchaus gelungene und in der Tat sehr schöne – Seidentuch leider nicht einbringen. Ich konnte bei meiner Angebeteten mit diesem Seidentuch nicht landen. Ganze sechs Wochen dauerte unsere Beziehung. Was die Ausstrahlung des Mädchens anbelangt, so wirkte sie doch eher introvertiert (ähnlich wie auch ich zu jener Zeit, oder auch heute noch in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel während eines apathisch gesoffenen Gemütszustandes auf einem weihnachtlichen Verwandtschaftstreffen bei Omi). Nach außen hin erschien sie so süß, sensibel und unschuldig wie ein kleines Lämmlein. Aus diesem Grund geriet ich auch überhaupt erst zu dem Trugschluss, dass ich mit meinem bemalten Seidentuch bei ihr etwas hätte reißen können. Und umso irritierter war ich dann auch, als sie eines Abends auf einer Party ebenso überraschend wie plötzlich zu mir meinte:

„Komm, wir gehen lieber zu dir nach Hause und ficken!“

Eine solche Ansage gefiel mir selbstverständlich, auch wenn ich ihr derlei schamlose Anzüglichkeiten bis dato nicht zugetraut hatte. Wie zu erwarten, hätte ich sie von diesem Moment an am liebsten direkt geheiratet. Ein paar Tage später wollte ich eine solch unverklemmte Aufforderung ihr gegenüber dann auch mal versuchen, weil ich dachte das Eis zwischen uns sei nun gebrochen. Also sagte ich in einem, mir angemessen erscheinenden Moment: „Komm, lass uns ins Bett gehen und ficken!“

Daraufhin kam von ihr bloß ein trockenes: „Nö, kein Bock.“

Den darauffolgenden Schweigemoment bewertete ich als unbehaglich. Kurze Zeit später beendete sie unsere fortwährende mangelnde Übereinkunft mit der Begründung, dass es sich bei ihr nur um eine vorübergehende Schwärmerei für mich gehandelt habe. Hmm … vermutlich die vorübergehende Schwärmerei für einen vermeintlich mysteriösen, schweigsamen Typen, der seine Rolle zwischen einfühlsamer Romantiker und „Komm, lass uns ficken!“-Draufgänger nicht distinguiert genug koordiniert bekommen hatte.

Klappse

Ich hinterließ ihr das Seidentuch, das ich in der Klapsmühle für sie bemalt hatte, und darüber hinaus eine Geschenkschatulle – gefüllt mit vielen persönlichen, lieb gemeinten Kleinigkeiten, die ich in pinkfarbene Rosenblätter gebettet hatte.

Sie hinterließ mir ein Brandloch in der Pkw-Rückbank sowie einen Zigarettenstummel in einer halb leeren Bierdose, aus der ich anschließend noch trank.

Oma, sei nicht traurig drum. Die war es nun mal nicht wert.


Cover

Das folgende Interview führte Christian Destroy:

Du hast bereits ein Buch mit Kolumnen bei einem kleinen Verlag veröffentlicht. Wie waren deine Erwartungen und wurden sie erfüllt?

Man mag von Idiotenglück sprechen, dass ich auf Leute gestoßen bin, die bereit waren sich in den Ruin zu stürzen, um mein Buch zu veröffentlichen. Und ich glaube, die haben das nicht einmal bereut. Das nehme ich verdammt persönlich. Insofern wurden meine Erwartungen übertroffen.

Verkäufe? Reputation? Fans? Sexangebote? Sprich: Lohnt sich so was auch für mich?

Ich erinnere mich an eine Lesung im Frisiersalon einer saarländischen Kleinstadt. Dort waren ungefähr eine handvoll Punker im Publikum, nebst gefühlten dreißig Hausfrauen Ü40. In den Gesichtern der Punks glaubte ich Fremdscham gegenüber mir und meiner Darbietung zu erkennen. Die Ü40-Hausfrauen schienen stattdessen den Spaß ihres Lebens zu haben und gackerten allesamt wie die Hühner.

Im Anschluss der Lesung kauften beinahe sämtliche Anwesende ein Buch – die Punks mal außen vor gelassen – und ich durfte solch liebenswerten Damen mit Namen wie Birgit, Ute, Petra oder Gisela Widmungen mit Herzchen schreiben. Also wenn es das ist, was du willst, dann lohnt sich so eine Buchveröffentlichung auch für dich.

Ist ein weiteres Buch geplant?

Sollten sich eines Tages genug neue Texte angesammelt haben, werde ich über ein weiteres Buch nachdenken. Bis dahin nerve ich weiter in der Kolumnenrubrik des Ox-Fanzines rum.

Du bist ja eher schüchtern, ich habe erst zwei Lesungen von dir beobachtet, klappts jetzt besser? Drohst du den Leuten auch mal Prügel an, wenn die dauernd schwätzen? Tipp von mir: Flaschen ins Publikum schmeißen.

Würde ich mich während einer Lesung zu selbstsicher und souverän anstellen, so würde man mir meine Geschichten vermutlich nicht abkaufen. Außerdem musst du bedenken, dass ich durch mein schüchternes Auftreten für betretenes Schweigen im Publikum sorge. Die Leute sehen mich, bemerken meine Unsicherheit, fühlen sich davon peinlich berührt und hören gerade deswegen aufmerksam zu. Spätestens dann, wenn sie meine Fresse nicht mehr ertragen, verlassen sie einfach den Raum. Dafür bedarf es in aller Regel nicht einmal das Androhen von Prügel, geschweige denn das Schmeißen von Flaschen (womit du dir ja bekanntlich ganz gerne mal zu helfen versuchst).

Ich erinnere mich an eine Lesung, bei der zum Ende hin noch genau drei Zuhörer übrig blieben. Darunter war auch eine Feministin, so eine linkskonservative rote Zora, die zog dann schließlich eine beleidigte Schnute, nachdem ich dreimal in Folge das Wort „Ficken“ in den Mund nehmen musste, bevor sie sich ebenfalls von mir abwendete. Ganz zum Schluss hatte ich dann noch zwei Leute auf meiner Seite – ein korpulentes Mädchen und einen finster blickenden Jungen. Im Anschluss der Lesung erfuhr ich, dass das Mädchen aus der Klapsmühle ist und der Junge am Wochenende zuvor mit einer Gaspistole in der Innenstadt Amok gelaufen sei. Das ist exakt meine Zielgruppe – ein schöneres Publikum kann ich mir nicht vorstellen.

Du bist seit Sommer verheiratet, wie ist das so? Stimmt es, dass die Ehe der absolute Liebes- und Lustkiller ist? Meist hilft da nur ein Kind um das zusammenzuhalten. Wie läuft die Planung? Lieber Junge oder Mädchen? Lieblingspaten, tot oder lebendig und Namen für den Spross?

Eine Anleitung zum Heiraten erscheint von mir im nächsten Ox-Fanzine.
Vermutlich steckt aber noch zu viel Leidenschaft und Temperament in Jennys und meiner Ehe, so dass Kinderwünsche bisher keine oberste Priorität besitzen.
Wenn es eines Tages soweit ist, hätte ich gerne einen kleinen frechen Jungen – den nennen wir dann Christian Destroy. Wird es ein Mädchen, entscheiden wir uns einfach für Christiane. Auch wenn sich in beiden Fällen wohl niemand freiwillig zu einer Patenschaft bereit erklären wird.

Du spielst ja auch Schlagzeug bei Karate Disco. Gibts die noch? Ist da was in Planung?

Keine Ahnung, ich bin bloß der Schlagzeuger, weil ich für alles andere zu schüchtern bin. Ich habe aber am Rande vernommen, dass wir in ein paar Tagen ein neues Album aufnehmen wollen.

Wann hattest du deinen letzten Nervenzusammenbruch?

Meinen ersten Nervenzusammenbruch hatte ich, nachdem du mich vor sieben Jahren einige Monate lang als dein persönliches Haustier gefangen gehalten hattest. In den Fetischkreisen nennt man das übrigens „Petplay“.

Meinen letzten Nervenzusammenbruch hatte ich, als ich dir zum letzten Mal länger als 24 Stunden ausgeliefert war. Das war am vierten Tag der Pony Tour mit BARSEROS und KARATE DISCO. Von gut 84 Stunden, die wir bis zu diesem Zeitpunkt gemeinsam unterwegs gewesen sind, hatte ich maximal drei Stunden pro Nacht mit jeweils drei Promille auf irgendwelchen Fußböden geschlafen. Ich saß jedenfalls völlig zerstört im Tour-Bus, hatte den Kopf voll mit Eindrücken, die ich noch nicht verarbeitet hatte und du quatschtest gnadenlos, ohne Punkt und Komma, immer weiter auf mich ein.

Ich erinnere mich…

Leider hatte Dominik in seiner Reiseapotheke kein Ritalin für dich dabei – bloß angstbefreiende Psychopharmaka gegen Panikattacken, wovon ich eine nahm, als ich bemerkte, dass sich da etwas in mir zusammenbrauen würde. Daraufhin hattest du dich dann fürsorglich um mich gekümmert und versuchtest mich abzulenken, indem du mir einfach weiterhin ins Ohr plärrtest.

Damit ich mich etwas entspannen und beruhigen können würde, hattest du mir angeboten, dich alleine mit mir auf eine abgelegene Parkwiese zurückzuziehen. Auf dem Weg dorthin warst du dann allerdings die ganze Zeit darauf bedacht, möglichst in der Nähe von potentiellen Geschlechtsverkehrpartnerinnen sitzen zu können.

Inzwischen litt ich bereits an Paranoia und hatte das Gefühl, dass mich sämtliche Menschen beobachten würden. Daraufhin gabst du mir zu verstehen, dass ich mir darüber keine Sorgen machen müsse … denn falls hier jemand beobachtet werden würde, dann wärst das höchstens du. Anschließend hieltst du dann weiter Ausschau nach Girls.
Währenddessen machte ich mir Gedanken darüber, ob ich mich nicht vielleicht doch besser ins Irrenhaus einweisen lassen sollte, anstatt mich weiter in deine Obhut zu begeben.

Gräbel, ich danke dir für dieses Gespräch.

Im Gespräch: USCHI HERZER über das OX-Kochbuch Vier, Kochen ohne Knochen und andere Leckerbissen!

Mittwoch, 11. November 2009

Uschi Herzer

Uschi Herzer und Joachim Hiller sind leidenschaftliche Köche. Am 10.11.09 veröffentlichten sie das OX-Kochbuch Vier, das so einiges an interessanten, ungewöhnlichen, klassischen, aber immer leckeren vegetarischen Rezepten enthält. Die Rezepte stammen von Freunden, Mitgliedern verschiedener nationaler und internationaler Hardcore-/Punkbands und zig anderen Personen, die gerne kochen (hallo Welpe!!!). Das Buch kostet 9,90 € und kann unter www.ox-kochbuch.de, beim gutsortierten Mailorder deines Vertrauens aber auch im normalen Buchhandel gekauft werden. In anbetracht der druckfrischen Veröffentlichung, schickte ich Uschi ein paar Fragen zu ihrem neusten Werk und verschiedenen anderen Themen, die daran anknüpfen.

Inwiefern unterscheidet sich der vierte Teil von seinen Vorgängern?

Wir werden das erste Mal zum Teil in Farbe drucken. Ansonsten behalten wir das altbewährte Konzept bei: Die Rezepte sind gut und witzig geschrieben, leicht nachvollziehbar und funktionieren. Wie immer sind die Rezepte auf ihre Alltagstauglichkeit getestet! Auffällig war diesmal, dass wir überproportional viele Rezepte mit so Zeug wie Seitan, Tofu, Sojaschnetzel, Sojagehacktes und so bekommen haben. Wir haben dafür sogar eine eigene Rubrik eingerichtet.

Was ist der skurrilste Beitrag und worüber freut ihr euch bei dieser Zusammenstellung der Rezepte am meisten?

Der skurrilste Beitrag ist sicherlich die „Blutsuppe mit blauen Bohnen“ von KILLER, hahaha. Aber auch die Couscouspyramide mit Sklavenblut ist ziemlich abgefahren! Da hat sich einer echt Mühe gegeben… Und natürlich sind da noch die illustrierten Rezepte, die diesmal auch in Farbe gedruckt werden. Da sind echt ein paar Highlights dabei! Außerdem haben uns Munster Records aus Madrid jede Menge Rezepte für spanische Tapas geschickt. Lecker! Und worüber wir uns am meisten freuen? Zum einen natürlich, dass Rezepte von den verschiedensten Leuten drin sind und diese auch sehr unterschiedlich ausgefallen sind: Von einfachen und schnellen bis zu wirklich aufwendigen, aber beeindruckenden Rezepten ist echt alles dabei. Aber vor allem sind wir stolz darauf, dass du den Rezepten anmerkst, dass der Autor/die Autorin Spaß am Kochen hat. Und das transportieren alle Rezepte auf jeden Fall! Es ist eben nicht wie in einer Foodredaktion, wo die Rezepte nach Gutdünken kreiert werden und die keiner jemals so richtig ausprobiert.

OX-Buch Eins & Zwei

Welches ist euer persönliches Lieblingsrezept der Bands?

Meine persönlichen Favourites im Kochbuch 4 sind das von CONVERGE, „oven roasted mango tofu over purole rice“, und DEFEATERs „veganer Thunfisch“. Zwei meiner Lieblingsbands und dann auch noch zwei außergewöhliche Rezepte – da bin ich schon ein bisschen stolz drauf.

Wie wahrscheinlich sind in der gesamten „Kochen ohne Knochen“-Reihe Wiederholungen der Rezepte?

Wir haben natürlich schon darauf geachtet, dass möglichst nichts doppelt drin ist. Gewisse Ähnlichkeiten lassen sich aber nicht vermeiden. Manchmal unterscheiden sich die Rezepte ja nur durch ein oder zwei Zutaten, aber die geben dann halt den Kick, wie zum Beispiel bei der exotischen Kürbissuppe. Da sind Zitronengras und Zimt drin und das macht das Ganze zu einem besonderen Geschmackserlebnis! Grundzutaten sind aber Kürbis, Kartoffeln und Zwiebeln. Du siehst also, an den Basics kommt man nicht vorbei.

Wann habt ihr das letzte Mal was für ein Fleischgericht gegessen und was assoziiert ihr damit?

Also bei mir ist das über 20 Jahre her, da kann ich mich nicht mehr wirklich dran erinnern. Ich vermute aber, dass es sowas wie paniertes Schnitzel, Schinken oder Salami war. Das habe ich damals am Liebsten gegessen. Heute verursacht mir allein der Gedanke daran schon Ekelgefühle und ich kriege Brechreiz, wenn Fleischgeruch in der Luft hängt. Deshalb bin ich auch keine große Freundin von typischem Fleischersatz. Ich habe das jahrelang völlig gemieden, weil ich diese Assoziation zu Fleisch nicht wollte. Im Zuge des neuen Kochbuchs musste ich aber so Zeug wieder essen, da wir ja die Rezepte auf ihre Alltagstauglichkeit überprüft und nachgekocht haben wie die Weltmeister. Viel Spaß gemacht hat dabei wirklich das Seitan selbst herstellen. Es ist schon enorm, was da so alles geht. Aber wie gesagt, ich bin da sehr zwiegespalten. Wenn es zu extrem nach Fleisch schmeckt, wie z.B. bei „Quorn“, dann kriege ich das auch nicht runter…

OX-Kochbuch Drei & Vier

Was für Sonderaktionen oder Specials sind um die Veröffentlichung geplant? Ich habe mal etwas von Solinger Messern vernommen…

Ja, wir haben da ein wirklich schönes Paket, oder besser Pakete, geschnürt! Echte Solinger Schnibbelmesser mit dem eingeätzten Karottenlogo (süüüsss!) auf der Klinge, schicke Pizzamesser komplett aus Edelstahl, auch mit dem Karottenlogo, extrem praktische oldschool Grubentücher im klassischen grau-blauen Karo-Look und eingewebtem „Kochen ohne Knochen“-Schriftzug, die Kochprofis als Handtuch, Geschirrtuch und Topflappen schätzen und die von einer kleinen Manufaktur in Deutschland hergestellt werden. Für den geschmackvoll gedeckten Tisch gibt es dann noch recht schicke schwarze, handgewebte Stoffservietten mit dem eingewebten Karottenlogo, die in Kooperation mit der Fair Trade-Organisation GEPA in Indien von kleinen Familienbetrieben unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Als meine Mutter die gesehen hat, schaute sie mich völlig entsetzt an und meinte nur: „Warum denn immer schwarz??? Das ist doch nicht schön auf dem Tisch!“ Wir finden die richtig toll und die Tomatensauce sieht man auch nicht gleich drauf. Was gibt es noch? Eine schwarze Schürze und eine hübsche Einkaufstasche in schwarz – beides aus Biobaumwolle und mit dem Karottenlogo in rot versehen. Dazu dann noch eine schicke schwarze Box mit dem Karottenlogo, perfekt als Geschenkkarton für das Ox-Kochbuch und Ox-Merchandise geeignet sowie als dauerhafter, stabiler Aufbewahrungskarton – taugt sogar als Ox- Sammelkarton! Angucken und bestellen kannst du das unter www.ox-kochbuch.de Vielleicht ist dir ja aufgefallen, dass alle angebotenen Artikel unserem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht werden. Das war uns sehr wichtig, denn immer nur motzen kann jeder.

Wann gibt es endlich eine Ox-Lederjacke?

Never ever! Du dachtest da sicher an „Ox-Turbokochjugend Solingen“, oder? Nee, das geht echt gar nicht! Aber wer will, kann ja mit einer unserer Schürzen rumlaufen.

Zukunftspläne?

Schade, dass du mich nicht zu unserem anderen neuen Projekt „Kochen ohne Knochen“ befragt hast. Dann hätte ich dir nämlich erzählen können, dass es sich bei KOK um ein neues Magazin handelt, für Menschen, die kein Fleisch essen. Neugierig? www.kochen-ohne-knochen.de Ausserdem arbeiten wir für 2010 an einem veganen Ox-Kochbuch, aber das ist noch absolut geheim. Also mehr oder weniger. (Christoph Parkinson)

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Im Gespräch: JAN OFF über Kraftsport, Acid-Trips und Unzucht mit Charlotte Roche

Sonntag, 08. November 2009

Sir Jan Off in seiner Sommerresidenz

SIR JAN OFF, geboren im Jahr des Herrn 1967 in Craiova, Bulgarien; Studium der Mikrochirurgie und der Strahlenphysik; danach Holzfällerlehre und dreijähriger Aufenthalt in einem Lungensanatorium an der Schwarzmeerküste. 1991 Umzug nach Deutschland…“

Seit Mitte der 90er Jahre schreibt und veröffentlicht JAN OFF großartige Bücher, wie zum Beispiel „Ausschuss“, „200 Gramm Punkrock“, „Angsterhaltende Maßnahmen“ oder – sein aktuellster Titel – „Unzucht“. Jan Off beschreibt reale oder fiktive Charaktere und Begebenheiten derart, wie sie als das Resultat menschlicher Beziehungen und Interaktionen in dieser Gesellschaft eben tatsächlich vorkommen mögen. Wollen andere Autoren mit Vulgärem provozieren, so lässt Jan Off lieber den Leser sich an dem Blick hinter die menschliche Fassade erfreuen, erschauern oder vielleicht sich selbst wiedererkennen.

Es war mir eine Freude, ihm neulich ein paar Fragen zu schicken, die mir schon längst auf der Zunge gelegen haben.

Es ist vielen gar nicht bekannt, aber in deinem Arbeitszimmer steht eine Streckbank. Mal ehrlich, was drückst du denn so und wie oft stemmst du wöchentlich das Eisen?

Streckbank? Klingt so, als würde ich in meinem trauten Heim ein illegales Sado-Maso-Studio betreiben. Natürlich in der unlauteren Absicht, den Gewinn in Schore umzusetzen. Denn wie sonst ist die Frage zu verstehen, was ich denn so drücken würde. Pubertäres Geschwätz beiseite: Ich habe zu einer Zeit mit Kraftsport begonnen, als es noch keine, aber auch wirklich keine Einweisung durch die in den entsprechenden Studios angestellten Werktätigen gab. Demgemäß wurde bei jedem Training mehr Gewicht gestemmt, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob die Bewegungsabläufe stimmen. Das Ergebnis: Der nahezu vollständige Ruin von Schulter-, Knie-, Ellenbogen und Handgelenken. Demgemäß dient mir die Hantelbank heute hauptsächlich zur Aufbewahrung von Lumpen und Altpapier.

„Drogenkonsum“ ist ein häufigeres Verhalten der Charaktere, die du in deinen Büchern beschreibst. Was war deine absurdeste Selbsterfahrung mit einem der Betäubungsmittel?

Da gibt es allerlei. Zum Beispiel diese mehrstündige Katatonie nach dem Konsum von Stechapfel und Tollkirsche. Oder der in letzter Sekunde zum Glück vereitelte Versuch, gemeinsam mit einer meiner Ex-Freundinnen vom vierten Stock aus kurz zur Tag- und Nachttankstelle zu fliegen. Ich hatte derartiges bis dahin immer für eine absichtlich gestreute Falschinformation von LSD-Gegnern gehalten. Schön war’s auf Acid dagegen stets im Spielcasino. Jesses, der Teppich hat sich jedes Mal bewegt wie ein Weizenfeld im Wind.

Auf Amazon empfehlen Leser von „Unzucht“ anderen, auch „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche zu lesen. Was löst das in dir aus? Und wofür würdest du dich entscheiden, wenn du dich zwischen “Sex mit Charlotte Roche“ und „Ohrfeigen an Charlotte Roche“ entscheiden müsstest?

Die beiden letztgenannten Vorschläge lassen sich doch gut miteinander verbinden – in gegenseitigem Einvernehmen versteht sich. Außerdem müsste natürlich geklärt werden, wer wen wie heftig schlagen darf. Ernsthaft: Ich habe Fräulein Roches Benimmfibel mit großem Gewinn und nicht geringem Vergnügen gelesen und habe von daher keine Probleme damit, in ihrem Kielwasser eine halbe Millionen Bücher mehr zu verkaufen. Dennoch ist es mir ein Bedürfnis darauf hinzuweisen, dass sich „Unzucht“ inhaltlich wie formal stark von dem unterscheidet, was meine verehrte Frau Kollegin da abgeliefert hat. Schade nur, dass ich nicht vor ihr fertig geworden bin. Aber wie so viele meiner Bücher lag auch dieses lange Jahre auf der Quarantäne-Station.

Hamburger Abschaum

Inwiefern hat sich dein Umzug nach Hamburg inspirierend auf das Sexualleben der Figuren in deinem aktuellen Buch „Unzucht“ ausgewirkt und inwiefern beinhaltet das Buch autobiografische Züge?

Der Inhalt von „Unzucht“ stand schon lange vor meinem Umzug nach Hamburg fest, demgemäß hatte dieser Ortswechsel keinerlei Einfluss auf das Buch. Der von Leipzig nach Darmstadt schon eher, ha, ha. Grundsätzlich gilt: Ich werde mich hüten, meine Bücher mit Autobiografischem anzureichern. Derart pralle Geschichten würde mir ohnehin keiner abkaufen.

Mit welcher Hamburger Theke assoziierst du deine schlimmste Nacht?

Wie alle weisen Männer bleibe ich mittlerweile zu Hause, wenn ich mir die Festplatte komplett löschen möchte. Demgemäß besteht meine schlimmste Hamburger „Theke“ aus den drei Kästen Holsten Edel, die bei mir stets im Flur gelagert werden.

Drogentod oder AIDS?

Falls Ihr auf das Ableben von Jürgen Rieger anspielt, Monsignore: Ich weiß da leider auch nichts Genaueres.

Wie geht’s beruflich 2010 für dich weiter?

Wünschenswert wäre es, wenn mir endlich jemand eine Rolle in irgendeiner Vorabendserie anbieten würde. Wahlweise würde mich auch die Teilnahme an einer Promi-Gameshow erquicken. Aber da das Glück nur alle zwanzig oder dreißig Jahre an meine Tür klopft, werde ich mich wohl wieder mit dem Schreiben eines neuen Buches bescheiden müssen. Arbeitstitel: “Das mopsfidele Klassenzimmer – mit dem Faltboot durch Eisenhüttenstadt”. (Christoph Parkinson)

Unzucht oder doch Bodybuilding?