
Im Ox werden regelmäßig auf einer Seite drei fabelhafte Labels anhand ein paar sehr ,klassischen’ Fragen vorgestellt. Ursprünglich war es geplant, in dieser Rubrik das Berner Label SUBVERSIV RECORDS näher zu beleuchten. Als ich Daniel Fischer, einer der beiden Köpfe des Labels, Anfang Dezember in einer Berner Bar interviewt habe, erzählte er so viele interessante Dinge über die Labelarbeit, seine anderen Aktivitäten oder die Punk-/Hardcoreszene in der Hauptstadt der Schweiz, dass es zu schade gewesen wäre, wenn sich das abgedruckte Interview nur in der Beantwortung von sieben Standardfragen erschöpft hätte. Den besonders interessanten Teil des Interviews könnt ihr daher in der im Februar erscheinenden Jubiläumsausgabe des Ox Zines (#100) nachlesen. An dieser Stelle erhaltet ihr einen kleinen Vorgeschmack sowie einen Einblick in die Welt der Standardfragen.
Wo und wann wurde SUBVERSIV RECORDS gegründet, wo ist das Label heute ansäßig?
Heute sind wir alle in Bern zu Hause. Der harte Kern kommt aus den Bergen. In Meiringen, einem 5.000 Einwohnerdorf in dem das Skigebiet Meiringen-Hasliberg liegt, sind wir alle aufgewachsen. Dort haben wir uns damals erst als harte Musikfans zusammengeschlossen, bevor wir uns dann gestattet haben, uns nicht nur als Fans, sondern auch als Musiker zu betätigen und zwei Bands (UNHOLD, AMOK) zu gründen. Da wir für diese Region viel zu krass gewesen sind, haben wir schließlich damit angefangen, einfach alles selbst zu machen. Mich hat von Anfang an dieser Do-it-yourself-Gedanke sehr geprägt. Niemand wollte uns – also haben wir alles selbst gemacht: Aufnahmen, Shirts, Poster, Konzerte. Damit unsere Demos veröffentlicht werden, haben wir das Label gegründet. Der Name SUBVERSIV RECORDS war Programm. Wir waren gegen den Strom, wir waren gegen alles. Als wir Anfang der 90er die Bands gegründet hatten, haben wir uns Instrumente vom Flohmarkt besorgt und mit einfachsten Mitteln versucht, Aufnahmen zu machen. Und das hat sich immer weitergezogen – bis heute.

Von wem wurde das Label damals gegründet und wer steckt heute dahinter?
Das Label wurde zwar von den beiden Bands gegründet, aber Phillip, der Sänger von UNHOLD, und ich verkörpern von Anfang an dieses Label und tätigen die Arbeiten dafür allein. Er macht einen Großteil der Covers für die Bands und das Webdesign. Ich kümmere mich um die Produktionen, die Abläufe, die Promo und zum Teil sogar auch noch um das Booking für die Bands, die niemanden kennen und ohne Hilfe nicht weiterkommen. So ist das zum Beispiel bei THE STRAPONES der Fall: Die sind ganz neu, ganz jung und haben keinen Schimmer – sie sind einfach eine gute Band. Daher helfe ich ihnen dabei Gigs zu bekommen.
Lebt ihr von eurem Label?
Nein, aber ich lebe für das Label.
Was macht ihr sonst noch?
Ich arbeite als Plattenverkäufer (Rockaway Beach), DJ (DANNY RAMONE) und Clubbucher (ISC). Phillip ist hauptsächlich nebenbei noch Grafiker. Er hat ein eigenes Grafikbüro (BlackYard) und macht unter anderem seit über zehn Jahren die Plakate für die Reitschule.
Welche sind eure bevorzugten Stilrichtungen?
Punkrock, Hardcore, Independent-Rock, alles was mit Metal und um Metal herum passiert. Persönlich interessieren mich auch Sludge und die ganzen Stonergeschichten. Grundsätzlich ist es so bei Subversiv – und das ist das, was uns oft auch angekreidet wird –, dass wir viele verschiedene Stilrichtungen auf unserem Label haben. Aber das ist mein eigenes Ding. Mir gefallen eben viele Musikstile, deshalb kann ich auch dahinterstehen, wenn wir zum Beispiel mal eine Popnummer veröffentlichen. Die CHOO CHOOS, deren Debütalbum wir veröffentlicht haben, machen zum Beispiel sehr poppigen Garagenrock, deren Songs sogar oft im Radio gespielt worden sind.

Eure Label-Vorbilder?
Vorbilder gibt es einige. Als das Label noch kleiner war, sind wir den ALTERNATIVE TENTACLES-Sachen hinterher geeifert. Auch an deutschen Labels gibt es ein paar, wie zum Beispiel früher WE BITE. Wir haben uns eigentlich vor allem an Labels orientiert, die in erster Linie darauf scheißen, viel zu verkaufen und einfach gute Sachen machen – auch optisch. Ob ich in punkto “Stil” ein Vorbild habe, weiß ich gar nicht. Die meisten Labels, die ich von früher kenne, haben einfach Punkrock oder Hardcore gemacht. Sehr prägend waren auch diese ganzen Schwedensachen: BURNING HEART oder BAD TASTE.
Die ersten, die heutigen Bands?
Die ersten, die es immer noch gibt, sind UNHOLD. Ganz früher waren auch AZIZ dabei, die TIGHT FINKS sind bereits seit Anfang der 90er dabei. Oder URISTIER, eine Punkrockband aus den Bergen, die in Schweizerdeutscher Sprache singt; eventuell lösen die sich auch bald auf.
(Christoph Parkinson)






