Zu Gast #11: Psycho Jones und die Hellseher von Neu-Usbekistan

Als DJ ist Psycho Jones den meisten höchstwahrscheinlich bereits in einem Club in der Bundesrepublik begegnet. Bevorzugt im Auftrag des schlechten Geschmacks, zieht er mit riesigen Pappfiguren, Büsten, alten Konsolen und sonstigem an bizarrer Deko durch die Läden des Landes und haut auf die Pauke. Und zumindest in Mainz oder in Koblenz kommt man seit Jahren nicht mehr an ihm vorbei, wenn man sich in den Ausgang begibt. Als Haus-DJ des Redcat Clubs oder des Circus Maximus hat er sich vor Jahren mit seinen Partyreihen etabliert. “Die Musik ist (hierbei) nur eine Facette eines Auftrittes. Vielmehr geht es um Stimmungen, Interaktion, Individualität und Kreativität” (Redcat Club).

Manche Kritiker bezeichnen ihn als den rheinländischen Über-DJ BOBO, andere als ein Phänomen, als einen Botschafter der eleganten Skurrilität – oder gar als ein Gesamtkunstwerk. Wie man ihn auch nimmt: Psycho Jones ist für die Ewigkeit und er polarisiert, während sich ein anderer DJ höchstens nur den Pimmel rasiert, um dann wieder in Schall und Rauch zu verschwinden. Als Autor von nicht minder skurrilen Kurzgeschichten kennen ihn die Wenigsten. Damit sich das bald ändert, habe ich ihn als Gastschreiber für den Furious Clarity Blog gewinnen können. Für das nächste Mal wünsche ich mir ein Kuriositätenbattle zwischen ihm und HC Roth.

(Christoph Parkinson)

Die Hellseher von Neu-Usbekistan

Epilogum: Zeit ist wie Kaugummi: zäh, klebrig und dehnbar

1. KAPITEL: Einzelkämpferausbildung in der Vollkorntundra

Die Sonne stichelt mit ihren von Gott gegebenen Strahlen alles Lebendige und Halbtote bis zur Ausdunstung. Nur die Kakteen sind Dank einem Spaß der Evolution dagegen gewappnet und schützen ihre Harnblasen mit ihren giftbetuchten Dornen vor dem unsichtbaren Ultraviolett-Stilett-Killer. Auch der Trockenfisch hat sich im Laufe der Övulotion dieser heimtückischen ekologischen Nische angepasst, wie kaum ein anderer. Er bewegt sich so gut wie gar nicht und hält sich seit Jahrmillionen in den ausgetrockneten Nebenarmen der Schwesterflüsse Wolga & Wodga und deren großen Bruder Gorbatschowa Magdalena auf. Er nutzt das nicht fließende Wasser aus, welches schon gar nicht vorhanden ist, er schwimmt einfach durch die Luft. Ihm reicht die Vorstellung, das Wasser sei unsichtbar. Das ist vielleicht ein Spaß, wie im Trickfilm. Alle anderen halten einen für übernatürlich, obwohl man nur Haut und Knochen ist. Daher der Name: Trockenfisch.

Bei genauerem Betrachten sind alle Trockenfische einfach nur tot und bis auf die Gräten abgenagt, von Einzellern, die so klein sind, dass die Sonne sie mit bloßem Auge nicht sehen und somit auch nicht verdunsten kann, denn was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß. Die Mikrofaserbazillen bilden eine ledrige Schmierhaut um das Skelett der Trockenfische und das konserviert ungemein. Und lange wusste man nichts von ihnen und ihrer Symbiose mit den Trockenfischskeletten. Da der eine symbiontische Partner bereits tot ist, spricht man auch von actopassiver, necrophilogener Symbiose.

Ein anderes einheimisches Mistvieh ist der Gugelhupfzipper, ein diaphragmatisches Schalentier. Er hat eine Länge und Breite von circa hundert Metern, ist aber nur bis zu zwei Zentimetern hoch. Wenn ein potentielles Opfer unachtsam über ihn drüber läuft, rollt er sich einfach zusammen, wie eine türkische Pizza und stößt stoßweise violette, chlor- und zellophanhaltige, stark übel riechende Verdauungssekrete aus, die das Beutetier rückstandslos absorbieren. Somit braucht der Gugelhupfzipper auch keine Zähne, wird daher nie an Externextremkaries leiden. Ein äußerst beeindruckendes Spektakel ist die Brunft- und Paarungszeit der Zipper. Da treffen sich ganze Horden, um sich in wilden Exzessen ganz ihrer Fortpflanzung zu widmen, worunter die Landschaft in der Regel leidet. Regeln gibt es dabei nicht, es passiert einfach. Von Spionagesatelliten aus wirkt das ganze wie interkontinentale Pfannekuchen- oder Omelettewettrennen.

Doch bis dahin dauert es noch einige Monate und ein extrem fortpflanzungsbewusstes Männchen lauert dennoch auf seine Beute: „ Ein Zweibeiner, menno, ist doch nur ‘ne Vorspeise, warum nicht mal wieder ‘ne Kaffernbüffelherde?!“ Diesen Gedanken nimmt das potentielle Opfer natürlich wahr. Er ist halb Kasache halb Usbeke, was so einiges erklärt. Als er genau in der geographischen Mitte des mit Steppenstaub bestäubten Zippers steht, beginnt das Tier sich reflexartig zu einem Zyklopenjoint zusammenzurollen. Der Kas-Beke bleibt ganz gelassen, zieht etwas aus seinem kunstledrigen Handtäschchen und faltet es auseinander und siehe da, es sind diagonal angeordnete Bohnenstangen, an deren Spitzen wild rotierende Rasiermesser wüten.

Der Gugelhupfzipper kann nun seine Reflexbewegung nicht mehr anhalten und wird dadurch zu einer Art riesigen Landseestern verarbeitet und wird sich so sicher nicht mehr paaren können, da die Zipperkühe ihn so nicht als ihren Hirsch akzeptieren wollen. „Das war schon ganz gut, Stift! Das nächste Mal üben wir Geschnetzeltes und dann, wenn du bereit bist auch das pürieren!“ Papa Ahab ist sichtlich zufrieden mit seinem Lehrling.

2. KAPITEL: Der Balalaika-Guru stirbt

Ein Getöse wie von tausend applaudierenden Fans & im Hintergrund herrscht Totenstille bis zum geht nicht mehr. Doch das Geklatsche hört nicht auf, aber wer ganz genau hinhört nimmt das ständig daseiende Schweigen der wülstigen Stille war, die sich immer mehr in den Vordergrund wölbt. Plötzlich endet der Applaus in einer Erwartung, aber auch die drüsenschwelgende Totenstille hat ein jähes Ende. Er zückt die Balalaika, er, der Er. Die Masse erigiert ohne einen Ton der Freude oder auch nur ein wenig schnippend zu schweigen. Ein Akkord dringt von der Seite der toten Materie in das, was wir so salopp die Realität nennen.

„Ich hab’s die ganze Zeit gewusst!“, denkt ein dahergelaufener Usbeke. Ein Mann neben ihm ist empört über diesen unwirschen Zwischengedanken, traut sich aber nicht das laut zu sagen und damit seine magischen, telepathischen Fähigkeiten zuzugeben, da sie ihn sonst alle auslachen, peinigen und dann steinigen. Der pulsaufreibende Akkord treibt das Fett aus den Hautporen und reinigt Rußverpfropfungen in dem venösen Wirrwarr in jedem der huldigenden Pilger. Nur Ungläubige sterben noch an Herzinfarkt. Die Massen schwelgen in Ejakulat eiternd vor Hautfreude. Der Akkord endet abrupt und 60 Prozent der Pilger lösen sich vor Trauer in Schweiß und Pusteln auf, die verbliebenen 27 Prozent fangen an veterinär zu jammern bis in die blauangelaufenen Morgenstunden.

Der Balalaika-Guru ist gestorben, an Externextremkaries. „Ich hab’s die ganze Zeit gewusst!“, denkt der dahergelaufene Usbeke. Der Mann neben ihm ist empört über diesen unwirschen Zwischengedanken, traut sich aber nicht das laut zu sagen und damit seine magischen, telepathischen Fähigkeiten zuzugeben, da sie ihn sonst alle auslachen, peinigen und dann steinigen. Er ist auf der Stelle mundtot. Der busbekische FBI war ihm schon lange auf den Fersen und diesen Gedanken zweimal zu haben, war sein größter Fehler, wenn man nur aus Fehlern lernen könnte. „Ich hab’s die ganze Zeit gewusst!“, prahlt der Hellseher daneben sich selbst vor und steckt sich die übriggebliebene Balalaika in seine am Bauch befindliche faltendurchzogene Hautwulsttasche, in der außer der Bauchnabelflora auch noch ein extendierender Schwarzmarkt prächtig gedeiht….

(Psycho Jones)

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